ein bild

Herzlichen Glückwunsch


Ich habe dich ausgewählt, um an dir vorbeizugehn als wärst du nicht da, um dich komplett zu übersehn, um dich zu behandeln wie Luft, wie irgendjemanden, einen von Millionen, aber immerhin ausgewählt.

03.12.2007 11:32:39 

Vollpension


Es ist ja wohl sattsam bekannt, schrie ich, als ich mich am dritten Morgen in Folge würgend über eine schleimige, bräunlich-gelbe Pfütze beugte, ihr verdammten Reizmagenneurotiker, und jeder meiner Bewegungen folgten zwei grüne, schreckstarre Blicke, in denen nicht mal eine Ahnung schimmerte, wie lang vier Monate sein können, dass ich Katzenkotze hasse!

24.09.2007 10:43:13 

Weil halt


the king

16.08.2007 14:17:56 

rum oder schnaps oder whisky trinken


schärfe

09.08.2007 11:50:07 

Dass du überhaupt nichts mehr gemacht hast in den letzten fünf Jahren, das glaubt dir doch kein Mensch! - Den Beweis werde ich schon noch liefern.


beim bier

26.06.2007 11:36:19 

Spaced Out


Auf den Gleisen und unter den Verladerampen lagen nun also die Kometen. Viele waren beschädigt. Unter den Oberflächenkrusten konnten wir Hasendraht sehen.
Uns erinnerte das an den Massenselbstmord von 39 mit fabrikneuen Nikes beschuhten Webdesignern, die in einer Fotografie von Hale-Bopp die Einladung zum allerletzten Flug erkannten.

24.06.2007 21:51:35 

Protectas GmbH


Der Mann machte seinen Job mit herzerfrischender Fröhlichkeit. Er sei gekommen um zu ernten, sagte er und ließ den Greifer ein paar Mal auf und zu schnappen.
Es war nicht zu erkennen, ob die Taube nicht von dem Netz hatte auffliegen können oder wollen.
Ihren Jungen, die auch nach Abwurf zweier Rauchbomben nicht geflohen waren und nun in der, ihrer eigenen Scheiße saßen, brach er kurz und knapp das Genick. Da hätten wir alle mehr von, rief er vom Grund des Lichtschachts und meinte damit auch die Tauben.

21.06.2007 18:35:34 

Weil ihr Mädchen seid


„Ey-Hey“, quakte Kamilla mich von schräg hinten an. „Wo gehst du hin?“
„Ich komme.“, sagte ich.
„Wo hast du die Jacke her?“
„Geschenk.“, antwortete ich, aber da hatte sie mich schon untergehakt und interessierte sich einen Scheißdreck für die Jacke.
„Lass uns Anne besuchen.“, befahl sie stattdessen. Sie sah aus wie ein besonders raffinierter Hase.

„Ey-Hey, Sweetness.“ Kamilla küsste Anne auf beide Wangen und tanzte ein paar Figuren aus einem Musikvideo nach, das gerade im Fernsehen lief. Anne versuchte es auch.
„Ich verstehe überhaupt nicht, wieso Mimi gesagt hat,“ Kamilla lächelte Anne zufrieden an, „dass man bei dir immer Eindruck hat, du würdest erwarten, im Sinne von verlangen, dass gleich etwas Krasses passiert, etwas Plözliches, pa-dumm, etwas, was dein Leben verändert, so dass man sich irgendwie bedrängt fühlt, sofort was Krasses anzuleiern, als ginge die Langeweile von einem selbst aus. Versteh ich wirklich nicht.“
Anne kriegte sofort einen roten Hals. Ich krickelte in meinem Notizbuch rum.
„Schreibst du das etwa alles mit?“, fragte Kamilla.
„Na sicher.“, sagte ich.
Kamilla riss mir das Papier weg.
„Gib mal den Stift.“
Ich streckte ihn ihr hin, indem ich meine Hand und meine Augen minimal anhob.
„Papier!“
Ich riss ein paar Seiten aus der Kladde und ließ sie flach über den Tisch segeln.
„Wie findet ihr meine Unterschrift?“
Sie hatte ihren Namen fünfmal untereinander geschrieben, als sollte das beweisen, dass dies wirklich ihre Unterschrift sei und nicht bloß eine einmalig gelunge Signatur.
„Und jetzt ihr.“
Ich sagte: „Lass den Quatsch.“, aber Anne unterschrieb. Auf einem frischen Blatt, etwas unterhalb der Mitte. Einen kleinen Moment ließ sie zufrieden ihren Blick auf der Unterschrift ruhen.

„Sag mal, was ist mit dieser Frau los?“ Mimi verdrehte die Augen und hielt mir ein Blatt Papier hin, bis zur Hälfte mit großen, unruhigen Worten bekritzelt.
„Das lag im Altpapier, ganz oben drauf. Hat sie wohl aus ihrem Tagebuch rausgerissen. Die hat sie doch nicht mehr alle. Was soll denn das heißen? Will die mich verarschen oder was? Der wird ich die Meinung geigen. Oder besser ich sag gar nichts. Die geht mir von jetzt ab am Arsch vorbei. Kamilla hat ganz Recht gehabt: die glaubt wohl, sie ist zu gut für uns, was besseres oder so.“
Mimi redete sich in Rage, während ich versuchte, mich auf den Schrieb zu konzentrieren:
„ 5. Mai 2007
Ich könnte einfach zu Mimi rüber gehen und es ihr sagen. Genau das möchte ich aber nicht. Ich möchte überhaupt nicht mehr zu ihr rübergehen und ich möchte auch nicht, dass sie zu mir rüberkommt. Die Gründe sind eigentlich egal. Es ist einfach so, dass sie Dinge tun will, die ich längst getan habe und nicht mehr tun möchte.“
Darunter Annes Unterschrift.
„Du dummes Huhn.“, sagte ich in äußerst scharfem Ton zu Mimi. „Warum sollte sie das unterschrieben haben!?“
„Du meinst, sie will mich linken?“ Jetzt wurde Mimi erst richtig sauer.

20.06.2007 13:15:29 

Queen Of The Road


Als ich gerade den Monster-Truck, mit dem ich die nächsten zwei Wochen unterwegs sein würde, abgestellt hatte und ins Haus gehen wollte, kam die verhuschte Anne Diederich die Treppe runter.
„Hallo,“, sagte ich.
„Hallo.“, murmelte sie und sah sofort weg, als unsere Blicke sich trafen. Ich ließ den LKW-Schlüssel lässig um den Finger wirbeln.
Sie sagte nicht viel, nur irgendwas wie „Wow!“ oder „Badass!“ und starrte mit glänzenden Augen das aggressiv verchromte Gerät auf dem Parkstreifen an.
„Lust mit mir ne Runde zu drehen?“, fragte ich.
Sie nickte bloß.
Ich half ihr in die Kabine, machte Musik an, Musik für Landstraßen und wir fuhren los.
Anne saß auf dem gefederten Sitz wie auf einem Thron. Feierabendverkehr, es ging nur stockend voran.
An der Ampel ließ ich den Truck dicht auf einen Cabrio rollen. Die Fahrerin drehte sich zu uns um und Anne warf ihre strähnigen Haare über die Schulter.
Wir waren auf den Elbbrücken und von der Seite sah ich, dass Annes Gesicht unheimlich weit nach vorne ragte. Sie lächelte und ihr Blick war wie zwei Scheinwerferstrahlen, die über die Straßenlandschaft schwenkten.
Der Autostrom floss nun zäh, aber stetig.
„Hallo Leute!“, rief sie plötzlich „Ich bin geil!“

14.06.2007 10:15:27 

Von Kackebach


Ich weiß überhaupt nicht, wieso, aber auf einmal hatte er tierisch Spaß daran, ständig Kacke zu sagen.
„Diese Kackfresse von der Kackbäckerei hat mir heute Brötchen verkauft, die schmeckten wie drei Tage alte Hundekacke.“, sagte er, oder dass er das Gefühl habe, bei seiner Kackchefin inzwischen voll verkackt zu haben. Seiner Vermieterin habe wohl auch einer ins Hirn gekackt. Langsam sitze er bis über die Ohren in der Kacke.
„Rate mal, wen gestern ich in diesem neuen Kacke-Club getroffen hab! Kackpeter. Und der hat mich total zugekackt mit seinem scheißerfolgreichen Kackleben. Mann, war das Kacke. Der schreibt jetzt tatsächlich so Kackbücher, dieser Kacker. Und ich kack hier bloß rum und wenn nicht bald was geht, Kacke noch mal, kack ich voll ab.“ So ungefähr redete er vor sich hin, während der Vormittag still und hell verging. Er schnorrte sich noch eine Zigarette von mir und lächelte beim Rauchen schief in sich hinein. „Naja, kack drauf.“
„Sag mal, erinnerst du dich an Jürgen Kackebach?“, fragte ich ihn und wunderte mich, wieso mir das erst jetzt einfiel.
„Was? Nee. Solln das sein?“
„Der war doch mit uns in der Schule, zwei-drei Jahre älter als wir.“
„Ich kenne keinen Jürgen Kackebach.“
„Doch. Oder hieß der von Kackebach? Ja, Jürgen von Kackebach. So ein großer, gut aussehender Typ, an den musst du dich doch erinnern, der war doch mit Melanie Waltz zusammen, bevor du mit ihr zusammen warst.“
„Nein.“
„Doch. Als der Deutsch-Beck ihm mal wegen fortgesetzter Frechheit einen Verweis gegeben hat, soll er gesagt haben: Das ist Ihre Realität, nicht meine. Das ging doch ewig rum an der Schule: Das ist Ihre Realität, nicht meine."
"Nein! Ich kenn kein Jürgen von Kackebach.“

12.06.2007 11:31:08 

Mer losse ons des Lache net verbiete


Einmal, vor langer, langer Zeit, da geriet plötzlich eine Wut in mich. Erst ging ich dem Alten mit seinem professoral-liberalen Getue mit voller Wucht an den Bart. Danach setzte ich mich ab, Richtung Oberpfalz fürs Erste, was mir der Alte - "du bist noch nicht volljährig, meine Liebe!" - hatte verbieten wollen. Ich war demnach siebzehn und von meinen Eltern mit dem Satz "Was die anderen denken, ist uns egal, wir denken selbst" ausgebildet worden.
Die Polizisten, nein: Bullen zogen mich aus dem Auto der langweiligen Körnerfresser und nahmen mich wegen illegalen Waffenbesitzes in Gewahrsam. Auf der Wache hielten sie mir immer wieder mein Nietenarmband vor die Nase, mal lächelnd, mal drohend. Namen! wollten sie. Keine Telefonate. Nachst um eins sperrten sie mich in eine Zelle. Morgens gegen halb fünf schmissen sie mich wieder raus. Morgens halb fünf, Neumarkt/Oberpfalz, in der Tasche eine Mark.
Auf der Landstraße nahm mich ein mürrischer Landwirt auf seinem Traktor mit. An der Blockadelinie auf der Zufahrtsstraße hielt er an und ging zu seinen landwirtschaftlichen Kollegen. Ich stieg ab.
Über uns die Hubschrauber.
Ein junger Polizist, abgedrängt, getrennt von seiner Einheit, eingeschlossen von Demonstranten. Jemand spuckte ihn an. Eine Frau ohrfeigte den Spucker und sagte, er solle sich schämen. Und das gelte auch für ihn, sagte sie noch mal, an den Polizisten gewandt, schämen solle er sich mit seinem Helm und seinem Knüppel, schämen, er sei als freier Mensch geboren.
Ich dachte, das könnte es ein.

Es konnte nicht. Parolen kriegte ich nicht raus, Vergnügungen fand ich gut, Flugblätter verteilen vor Fabriken nicht. Die Anti-Imps zofften sich mit den Hanseln vom marxistischen Lesekreis und die sich mit den Affen von der MLPD und mit allen zofften sich die Feministinnen (von denen eine auf einem Plenum erklärte, sie sei von nun an aus politischen Gründen lesbisch). In Diskussionen wurde ich für jeden dämlichen Witz angeblafft und - schlimmer noch – über den Ernst der revolutionären Arbeit belehrt. Zum totlachen. Die Scheiß-Linken kamen mir vor wie mein Vater, R.I.P. Irgendwann fanden wir alle uns im schwarzen Block. Von innen und für einen Moment, eine Demo lang fühlte der schwarze Block sich geil an, mächtig und entschlossen. Dann nie wieder.

Trotzdem musste ich immer fast heulen, wenn ich (Achtung Selbstzitat) die fickrigen Finger eines Bullen am Joystick des Wasserwerfers, seinen stieren Blicks auf das Windschutzscheibendisplay sah. Trotzdem wurde mir der Nacken steif vor Zorn, wenn ich spät in der Nacht, ganz früh am Morgen nach Hause kam, von irgendeiner der Revolution völlig unverdächtigen Tanzveranstaltung, und sie gegenüber beim Ausländeramt wieder Leute (Männer, meistens Männer, seltener Frauen) in Busse schubsten, um sie dann in Flugzeuge zu verladen und in Länder zu bringen, in denen sie nicht sein wollten. Trotzdem kotzte es mich an, wenn Blutwürste in Uniform verzweifelte, krumme, schiefe Gestalten kontrollierten und der öffentlichen Plätze verwiesen. Trotzdem. Trotzdem. Trotzdem.

In meiner Not habe ich dann Listen mit Schmähnamen und Beleidigungen angelegt: Vollschweindepp, Fickmilbe, Arschgeige, Mistfink, Pottsau, Pissnelke, Saftsack, Sackgesicht, Ölhirn, Hirnkastrat, Pantoffeltierchen, Drecksau, Fotzgockel, Arschkrampe, Beschmierter, Blödmann sein Sohn, Butterbirne, Fatzke, Nerbloköster, Pannemann, Schmock, Spagmat, Winseltitte, Kackstelze, Schmierlapp, Spacko, Dämlack, Dummschwätzer...
Und immer habe ich die blödesten Witze am lustigsten gefunden, die Furzkissen und Pimmelnasenbrillen, die Zigarettenkracher und die Krapfen mit Senf.


11.06.2007 22:27:01 

Haha, said the clown


11.06.2007 14:25:37 

Die guten alten Sahnetorten


11.06.2007 00:10:53 

Schmierseifebomben


10.06.2007 23:54:41 

Oder besser: Die Heiligendammsprechung


Die Zeit der Reaktion is over.

Mit Genugtuung beobachteten die Organe die Vorbereitungen des Gegners. Sie mussten verdammt viel Macht haben, wenn sich ein solcher Antipparat aufbaute, ihnen zu Ehren. Man war immer noch wer. Und würde auf alle Bewegungen scheißen. Mit Geld draufscheißen. Ha! Es würde großartig werden! Was kostet die Welt? Entdecke die Möglichkeiten der Sicherheitstechnologie! Tischdekorationen für festliche Anlässe. Dieser hochwertige Sperrzaun ist mit Überwachungskameras veredelt. Von Insekten lernen heißt siegen lernen. Bis zu einhunderttausend Gegner der kapitalistischen Globalisierung bilden die aufregende Kulisse dieser prachtvollen Inszenierung. Künstlerische Leitung: Knut Abramowski. Ein Helm, ein Stock, ein Regenschirm. Und vorwärts, rückwärts, seitswärts. Peng!

Und dann das. Still ruht die See. Ein Wind streicht über die Wiesen. Eine Kuh wird gemolken. Wenn man mal annimmt, die Polizisten seien Hühner, die Sicherheitsmaßnahmen ein verzinkter Trichter und die erwarteten Gegen-Aktivisten ein scharfes Messer und ihre Abwesenheit ein Schnitt, kann man sich ungefähr vorstellen. Unter den gepanzerten Uniformen juckts. Ein Polizist reisst sich den Helm vom Kopf. Wollt ihr hier sterben? Dieser Satz klingt auf einmal so lächerlich. In den folgenden Nächten litt die Kanzlerin zunehmend unter unruhigen Beinen. The US-President is not amused. Mit Hilfe seiner Frau Laura verbanden die Präsidentschafts-Berater George W. Bush kurz vor dem Landeanflug die Augen.

Schau ins Land. Im Osten geht die Sonne auf. Just in Pasewalk musste im Jahre 1918 A. Hitler wegen auffälliger psychischer Reaktionen dem Chefpsychiater Edmund Forster übergeben werden. Gasverletzung, Kapitulation Deutschlands. Führer verwirrt? Wir folgen ihm! Der Heimatbund Pommern trauert um seine Söhne, die der Herstellung von Naan, Chapati und Pide aus deutschem Mehl in deutschen Bäckereien zum Opfer gefallen sind. Aus dem Schutz einer Menge von ca. 1000 Demminer Bürgern griffen gewaltbereite Demonstranten den Knolf-Rolf, ein Ungeheuer mit lehmverschmierten Händen an. Ähnliche Vorfälle wurden zuletzt im Jahre 1353 aktenkundig. Wir können innerhalb kürzester Zeit auf die veränderte Nachfrage reagieren. Verkaufsschlager sind schwarze Kapuzenpullover der Marken Carhatt, Bench und Adidas. Den Begriff Markenpiraterie lehnt der Betreiber eines Marktstands im polnischen Grenzgebiet jedoch ab. Unter Berufung auf M. Faldbakken plädiert er für den Begriff subversive Teilhabe am entfesselten Kapitalismus. Nachsichtig lächelt die ehemalige Brigadeführerin einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, während sie ihr Knaster-Pfeifchen schmaucht.
Die Flamme biegt sich förmlich weg.

Hierauf begann der Zaun zu glühen, als sei er dem Feuer ausgesetzt. Auf der Suche nach seinen Schöpfern raste der Zaun durch die Straßen von Heiligendamm und zerschlug alles, was sich ihm in den Weg stellte.

06.06.2007 15:05:36 

Das Wunder von Heiligendamm


Am Morgen des 2. Juni, also kurz vor knapp, waren die soundsoviel Tausend bereits anwesenden Aktivisten verschwunden. Nacht, aber kein Nebel. Die Camps aufgelöst. Die Wiesen trocken. Die Grasnabe nur stellenweise beschädigt.
Wenn man mal annimmt, die Polizisten seien Hühner, die Sicherheitsmaßnahmen ein verzinkter Trichter, die Gegner der kapitalistischen Globalisierung ein scharfes Messer und ihre Abreise ein Schnitt, kann man sich ungefähr vorstellen.
Ganze Hundertschaften bettelten die Einsatzleiter um Befehle an, die dann auch gegeben und wenig später widerrufen wurden. Jeder Schritt konnte ein Fehler sein. Wie und wohin die Einheiten bewegen, wen schützen, wo sichern?
Es lagen ja keine Erklärungen vor, keine Bekennerschreiben, sondern nur die Abwesenheit von allem Erwarteten, Angekündigten. Verdammt. Die Journalisten füllten Zeilen und Spalten rund um dieses Nichts. Deutungen. Spekulationen.
Aufklärungsflüge der Luftwaffe lieferten folgendes Ergebnis: Der Gegner habe sich weit und weiter gen Osten bewegt, nach Vorpommern.
Der schöne Zaun um Zone II! Für so viel Geld! Und die neueste Überwachungstechnik! Eine Schande!
Es hieß dann, im Landkreis Pasewalk hätten zum einen mehrere, seit über zehn Jahren geschlossene Bäckereien den Betrieb wieder aufgenommen zum anderen sei eine größere Zahl von Neonazis in psychiatrischer Behandlung. So wie Euch Adolf im Jahre 1918, als er just in Pasewalk psychisch auffällig wurde (Gasverletzung, Kapitulation Deutschlands).
Reges Treiben am Grenzübergang nach Polen. Ach, die schönen Polinnen, die Französinnen des Ostens.
Nach Wiedereröffnung des Lichtspielhauses in Demmin mit dem Film The Host taten sich ortsansässige und mit angereisten Chaoten zusammen, um den Knolf-Rolf, ein Ungeheuer mit lehmverschmierten Händen zu vertreiben, was zuletzt im Jahre 1353 gelungen war. Die beiden Beamten der Demminer Polizei griffen nicht ein.
Diese beiden älteren Damen (Bild) haben in Papendorf eine Gruppe Autonomer wegen Störung der Mittagsruhe verprügelt.
Für Staunen sorgte die feministische Delegation aus Nigeria. Wir ham ja von all dem nüscht jewusst, so ein 37jähriger Gelegenheitsarbeiter, sowas hat es bei uns doch nicht gegeben.
Enttäuschung bei den Fantastischen Vier. Zu ihrem Auftritt im Jugendhaus Zerrenthin kamen keine Jugendlichen aus regionalem Anbau, sondern nur mehrere Wohnprojekte aus Bremen, Ludwigsburg, und dem Kölner Umland. Zudem wurde nur bei den alten Hits mitgeklatscht.
Where are the terrorists? Nach einem Blick aus dem Fenster des Bananenhubschraubers über die stillen Wiesen und Felder konnten oder wollten die Berater des US-Präsidenten diesen nicht von einem Georgie Walker on the Rocks abhalten.
Macht doch den Scheißzaun da weg, will Helmut B., Oberkellner im Hotel Kempinski, Kanzlerin Merkel sagen gehört haben.
Wir schalten zurück nach Vorpommern, wo in diesem Augenblick -

05.06.2007 13:16:11 

Nachtrag zur Razzia in der Roten Flora („Terrorabwehr“)


Als am frühen Morgen des 9. Mai Einheiten der Polizei die Stahltür der Roten Flora mit Brechstangen aufhebelten, befand sich in einem der Proberäume im Keller der Gitarrist Angel B., ein ca. 35jähriger, schmächtiger Mann, der weder den arbeitsrechtlich vorgeschriebenen Gehörschutz noch eine Warnweste trug. Er benutzte einen verschrammten Fender Telecaster Nachbau, einen Verzerrer der Marke Rat und einen voll aufgedrehten 100WAtt-Hybridverstärker (Bradley Roadrunner), um massiven Lärm zu erzeugen. Er stand dicht vor dem Amp, mit dem Rücken zur Tür, die er abgeschlossen hatte, um ungestört arbeiten zu können.
Die Einheiten der Polizei teilten sich in mehrere Kommandotrupps, einer von ihnen, 15 Mann stark, stürmte in den Keller. Als sie durch die Stahltür Angel B.s Gitarrenspiel hörten und die Tür verschlossen vorfanden, gab der Truppführer den Befehl, die Waffen zu ziehen und zu entsichern. Dann schlug er mehrmals kräftig an die Tür und rief: „Aufmachen, Polizei!“ Dem wurde nicht nachgekommen. Auch ein zweiter Versuch blieb erfolglos. Der Befehlshabende beorderte sodann zwei seiner Männer mit schwerem Werkzeug an die Tür, die sich jedoch nicht aus der Wand brechen ließ. Daraufhin wurde eine geringe Menge Sprengstoff am Türschloss angebracht.
Bis dahin hatte Angel B. nichts von den Vorgängen vor dem Proberaum bemerkt; erst als die Sprengladung explodierte, unterbrach Angel B. seine Etüden und wandte sich zur Tür um. Er blickte in die Läufe von 15 entsicherten Heckler&Koch P10.
„Meine Herren, ich darf doch sehr bitten!“, herrschte Angel B. die Beamten an; dann, freundlicher:„Da haben Sie sich wohl in der Tür geirrt.“
Ohne Angel B.s Personalien festzustellen oder ihm anderweitig näherzutreten beschlagnahmte die Polizei einen Computer, den sie im Proberaum vorfand.

14.05.2007 12:27:14 

Was erwarten die Leute eigentlich von Bäumen?


war


ist

03.05.2007 18:52:25 

Schmunzelnd kommt er wieder an Bord


cage

03.05.2007 09:58:26 

Smirn & Gratze - Herz As


Ein hochsommerlicher Vormittag. Blau, Grün und bleiches Grau.
„Herz As“ steht über der rechten Eingangstür des abweisenden Neubaus, kleiner darunter: Hilfe für Obdachlose. Gegenüber das Café am Bahndamm. Im Kastanienschatten sitzen Angestellte aus den umliegenden Büros. Sie drängen sich zu fünft, zu siebt um die kleinen Tische. Manche balancieren ihre Teller auf den Knien. Tagesgericht.
Nur SMIRN und GRATZE haben genug Platz. Ihre dünnen, blassen Beine mit den braunen Flecken in kurzen Hosen, kleben auf den Plastikstühlen. Sie wenden ihre Augen, Kinderaugen mit müder Frührentnergesichtern drumherum, der Bedienung zu; sie bringt Smirn einen Capuccino, Gratze ein Bier.
Hoch oben rüttelt die S-Bahn über die Gleise.

SMIRN (versonnen)
Die fährt wohl raus nach Allermöhe.

GRATZE
In Allermöhe hab ich alles verloren. Als Schauermann, das ist ein Knochenjob, du. Zum Wohl.

Er hebt das Bierglas zum Mund und spannt seinen sehnigen Bizeps an.
Smirn blickt in die Krone der Kastanie, eine Brise schüttelt sacht die Blätter.

SMIRN
Einmal bin ich nach Helgoland gefahren. Oh, ich war seekrank. Da versagt wohl der Gleichgewichtssinn. Und überall die Möwen.

Gratze stellt das leere Glas ab und wischt sich den Schaum aus dem Bart.
Smirn betrachtet eine Fliege auf dem Rand seiner Kaffeetasse.

GRATZE
Hättste nich machen dürfen, als Landratte! Ich bin seefest. Vier Jahre Marine.
Aber dann als Schauermann. Komm ich abends nach Hause und denn sitzt da der beste Kumpel. Und ich war ja schon duhn, aber was willste machen. Der beste Kumpel. Denn noch schnell frischmachen und ab in die Falle. Ging ja morgens gleich wieder los.

Die Fliege hebt brummend von der Tasse ab, Smirn trinkt.
Die Bedienung läuft vorbei. Gratze zeigt auf sein Glas.

GRATZE
Noch eins, schöne Frau.

Wieder fährt eine Bahn über den Damm.

SMIRN
Ja, Allermöhe.

GRATZE
Da sind die Biere geflossen. Jeden Abend. Denn ist die Frau mit dem besten Kumpel in die Kiste, und rumms - war das Reihenhaus weg.

Gratze bekomt sein Bier und leert es in einem Zug. Er seufzt.

GRATZE
Und ich saß auf der Straße. War bei dir doch genauso. Ist dir doch auch fremdgegangen, die Frau und hat dich denn auf die Straße gesetzt.

SMIRN
Das wohl. Aber bei uns teilte sich die Schuld fünfzig zu fünfzig. Die Sache hatte bei mir mehr mit den Insektenmenschen zu tun.

GRATZE
Sag ich doch. Die ist dir fremdgegangen.

SMIRN
Ich werfe ihr nichts vor.

GRATZE
Du bist mir son Buddhist. Du lurst ja nich mal auf die jungen Frauen, Mensch, guck dich mal um. Das Leben ist und bleibt ne Wucht auf Rädern.

Die nächste Bahn fährt vorbei.

29.04.2007 12:23:55 

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