ein bild

dancing...


13.07.2008 07:55:18 

~


neunzig minuten...

fünfundsiebzig
siebenundachtzig
neunzig

...und keine sekunde kürzer.

15.06.2008 23:45:46 

worpsweder delta


statuenmittig und zwischen lauter blättern vom vorjahr : diese alten bilder aus einem andern land . meinem andern land . hier das haus der stipendiaten . hier die donnerstraße mitten durchs dorf . das cafe . die ausstellung zum jubeljahr . die allgegenwärtige p . und ich : immer nur diese alten bilder aus einem andern land . deinem andern land . und dann weißt du noch ? dann nämlich : der vogel. ich glaube es war ein reiher . fliegt auf als wir zu nah vorübergehen . gibt ein halbverschlucktes krächzen von sich . stürzt kaum gestartet ins wasser zurück . und du: ist das ein schlechtes omen ? aber der vogel : schüttelt sich . wirft tropfen und federn in der gegend herum . das krächzen diesmal wie ausgedehntes gekicher . sieht zu dir herüber . ich könnte schwören : streng . erhebt sich . dreht zwei runden hoch über unseren köpfen . verschwindet . wir dann wieder zurück in den ort . und das haus und die straße und die allgegenwärtige p und später die wirtin : draußen im delta ? das wundert mich nicht sagt sie. gar nicht sagt sie. im delta geschehen die wunderlichsten dinge . eins sag ich Ihnen sagt sie : wenn der reiher zweimal startet . und du : talergroße augen : dann? wenn er zweimal startet sagt sie wird die ernte gut im nächsten jahr . die ernte sagst du. ja sagt sie die ernte . und ich als wär nichts weiter geschehen mit einem mal wieder nur bilder aus einem andern land . nur anders als vorher nämlich : alle jedes einzelne jedes absolut einzige mit einem reiher darauf : der zwei mal startet .

09.06.2008 00:16:37 


Die Wunderzeilen
des Dichters aus dem Norden.
Lächeln im Süden.

29.05.2008 09:27:53 

Das Fest ist vorbei, der Text geht weiter


...zu Song for Che aus Thorstens Radio

Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. [...] Alle begannen, in fremden Sprachen zu reden [... und] als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt.

Apg 2, 2-7 - évidemment avec des évidements

13.05.2008 09:32:05 

... und tschüß!


osterhase rittiner&gomez

bild >rittiner & gomez

24.03.2008 00:02:10 


Sink mir weg
aus der Armbeuge,

nimm den Einen
Pulsschlag mit,

verbirg dich darin,
draußen.
Paul Celan

18.03.2008 09:36:48 

gefallen


sie hatte ein >meerkleid bestellt. die gab es nur auf hiddensee und auch dort nur bei einer einzigen weberin. daß es ein brautkleid werden würde, hatte sie zum zeitpunkt der bestellaufgabe nicht geahnt. nun stand sie vorm spiegel, drehte und wendete sich, betrachtete das grünblaurosige wunderwerk, das sich wie eine zweite haut an ihren körper schmiegte, und war sprachlos. lang standen die beiden frauen in der niedrigen webstube. von osten her wehte eine böe übers dach. die weberin steckte, zupfte, fädelte, und als es schließlich dämmerte, war alles getan. die frauen setzten sich an den tisch, tranken tee und warteten schweigend. wird er mir gefallen?, fragte die braut irgendwann. die weberin lächelte. denkst du, fragte sie leise, ich mache halbe arbeit?, und schon hörten sie pferdegetrappel vorm haus.

12.03.2008 12:14:24 

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Glashorchen
Gelbriechen
Giftblicken
Gottschmecken
Glücktasten

11.03.2008 18:53:12 

Bereitstellen


Ich merke, wie ich in Hinblick auf breite Schilderung komponiere. Etwa, wenn ich Figuren, die erst später eine Bedeutung annehmen werden - wie der Förster oder der Major - gewissermaßen bereitstelle, indem ich sie aus der Ferne auftauchen und wieder verschwinden lasse. Aber jetzt sind sie da, und der Leser vergißt sie nicht, er trägt sie mit und rechnet mit ihnen.

Paul Nizon - Drehbuch der Liebe

09.03.2008 13:34:19 

Wie Norweger tanzen



Kings of Convenience - I'd rather dance with you

05.03.2008 20:01:11 

Alraunenlichtung


Die Arun hatte rufen lassen. Sie kamen alle, versammelten sich in der Johannisnacht bei halbem Mond, und der Wald war voll Gewisper. Daß ich dazwischen geriet, war wohl ein Versehen, eines aber, daß die Galgenkerlchen, die Spring- und Sollwurze, das Baaras, der Dollwurz und die Oraunl vorhergesehen hatten. Niemand weiß, woher sie solches Wissen gewinnen. Die Nacht verlief rauschhaft, nicht nur für mich, und am Morgen erwachte ich alleine. Doch unter der Eibe war eine Lilie gewachsen, hoch, weiß, schlank, wie nicht von dieser Welt.

03.03.2008 09:24:57 

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Viele Menschen begriffen nicht, daß Dinge Herrschaft über uns hätten, nur weil wir ihnen gegenüber nachlässig seien. Wenn man etwas liegen läßt, sagte sie, dann muß man es sowohl äußerlich, als auch innerlich tun. Sie nahm ein Buch von dem nächstliegenden Stapel und legte es auf den Boden. Ich lasse es hier, sagte sie, aber ich lasse es auch in mir liegen. Sie berührte ihren Bauch, als habe sie das abgelegte Buch soeben verschluckt. Wenn sie jetzt wegginge, sagte sie und stand auf, bliebe das Buch liegen, sowohl in ihr, als auch außerhalb, und wenn sie zurückkomme, sagte sie und setzte sich wieder, nehme sie es, als habe sie es nie liegen gelassen, weder im Zimmer, noch in ihrem Inneren.

Aus: David Albahari - "Die Ohrfeige"

29.02.2008 08:02:27 

Uralte Geschichte


Drehte sich einmal um die eigene Achse, warf sein Lächeln in die Luft, ließ uns nichts als seine Silhouette, silbrig, schemenhaft, federleicht: des Königs Mundschenk, als er erstmals im Leben das eigene Herz hörte. Wie es klopfte, wie es bummerte und wummerte in seiner Brust! Lenchen, nämlich, des Müllers Jüngste, war ihm am Morgen begegnet.

Pisanello - Der Mundschenk Antonio Pisanello - Detail aus "Niccolò Brenzoni"

26.02.2008 22:40:38 

Aber vielleicht auch


...
Mais les vrais voyageurs sont ceux-là seuls qui partent.
Pour partir.

Baudelaire - Le voyage

24.02.2008 19:51:47 

zu früh


daß frau bremer doch nicht starb, blieb lange hauptgespräch in der nachbarschaft. daß max kreining, der bauarbeiter, der ihr den balken aus über fünfzehn metern höhe auf den kopf hatte fallen lassen, sich nur zwei monate später mit frau bremers enkelin verlobte, er hatte sie wiederholt bei der alten dame im krankenhaus getroffen, erfuhr man erst kurz vor der hochzeit. sie wurde im folgejahr gefeiert, als nämlich frau bremer, bis auf eine häßliche, von ihr als stolzes zeichen ihrer untotbarkeit getaufte narbe auf der stirn, wieder vollkommen hergestellt war. vierzehn jahre später starb frau bremer dann einen entspannten tod im eigenen bett. im keller fand man einen sarg, gezimmert aus brettern von maxens balken. der balken hatte zwei aufgaben, stand im testament, für die zweite war es damals noch zu früh.

22.02.2008 11:32:25 

Pisanello


Nicht allein die für die damalige Zeit ungeheuer hoch entwickelte Realismuskunst Pisanellos ist es, die mich anzieht, sondern die Art, wie es ihm gelingt, diese Kunst in einer mit der realistischen Malweise eigentlich unvereinbaren Fläche aufgehen zu lassen, in der allem, den Hauptdarstellern und den Komparsen, den Vögeln am Himmel, dem grün bewegten Wald und jedem einzelnen Blatt, dieselbe, durch nichts geschmälerte Daseinsberechtigung zugesprochen wird.

W.G. Sebald - All'Estro

19.02.2008 22:26:53 

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immer noch trägt er steine in den taschen. wenn er nicht auf wanderung ist, steht er oft schweigend am waldrand, schaut ins dunkel zwischen den bäumen. so habe ich ihn zum ersten mal gesehen, rückwärts vor tannengrün, mit dichtem, schwarzem haar. ich habe ihm kieselsteine vors haus gelegt, einen grauen, einen braunen, einen rötlichen, und bin gegangen. er kam mit dem floß. wir schweigen viel. nachts zählen wir sterne. beim wandern verschwände man schnell in lücken und flüssen, sagt er. man müsse träges dagegen setzen. deshalb die >steine, sie halten ihn am boden.

19.02.2008 13:58:58 

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Früher Februarmorgen, reifbedeckt, klirrend. In eine Decke gehüllt am Teich stehen, nackt, die Fußsohlen eingerollt, der Kälte wegen, silbrigen Dampf zwischen Sonnenaufgang und Mund. Die Rohrdommel schlägt. Im letzten Moment des Traums der Schamane, wie er leichtfüßig rechts hinten aus dem Bild verschwindet, einen Reiher im Geleit.

14.02.2008 11:10:02 

grace


stieg ein und schloß die augen und schwieg, und ich fuhr richtung dünen, richtung meer, und jeff buckley und möwen, drei vielleicht, und wieder jeff buckley, und faßte mit immer noch träumenden augen nach meinem arm und trank einen schluck, und wir schwiegen, und ein fuchs, landstraßenquer durch den abend, und wieder jeff buckley, und sind dann abgekommen vom weg und haben die nacht wachend verbracht und das meer nicht gesehen bis heute. dafür waldsterne, feldwolken, straßengeviech. und die flasche, leer am andern morgen.

08.01.2008 18:51:05 

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