ein bild

Linde Buche und Eiche


Linde,
Buche
und Eiche
sind meine Geschwister,
und die Kastanie
ist meine Geliebte
mit braunen Augen.
Nur sie kann brennen
einer Torte gleich.
Sie braucht kein Feuer.

Als armer Fischer hab ich nichts,
nur Netze, lange Arme.
Ich laufe übers Meer
im Traum. Die Menschen
wohnen hier und schauen
mit trübem Blick hinauf.
Die Fische baden über mir
im Sonnenstaub. Ich niese nie,
ich denke nicht daran.
Die Strahlen gehen durch mein Fleisch ...
Man nennt mich „Georgs Drache“ dann.
Ich laufe
übers Meer
im Traum.



/Odessa Mai 2007/

25.01.2009 18:08:19 

Annuschka III




An diesem Morgen wird nicht aufgewacht.
Durchs Tor schwebst du als Traum von dir.
Dich selbst siehst du dem Wald zueilen.
Er breitet seine Arme aus und öffnet weit das Aug.
Du rollst dorthin als Glanz, was du nicht siehst.
Du sagst: ich singe leis im Traum.
Dein Wort das du nicht sprichst ...
Ist es der Rauch der über Dächer steigt?
Ist es die Wärme die aus Häusern rinnt?
Du weißt es nicht ...

Geh wandern, Annuschka moja,
von Baum zu Baum, die alle gläsern sind.
Umarmst du sie – verdunkelt sich ihr Saft
zur Farbe deines Leibs. Lässt du sie los –
verbleichen sie. Und gehst du weiter,
da lichtet sich der Wald zum Teich,
in dem du schwimmst. Ein Fisch streift dich,
ein trauriges Juwel, mit dem du tanzt,
bis dir die Luft ausgeht. Ein letzter Blick
und schon haucht er in dich sein Leben ein
im Kuss der blendend schmeckt.

An diesem Morgen wachst du auf.
Du schwebst durchs Tor an Hütten vorbei.
Die Frauen am Fenster bekreuzigen sich
und die Kinder treten heraus. Es ist,
als stünde in Flammen dein Leib,
als kämest du aus dem Eis.


17.01.2009 14:49:03 

Annuschka II


Du erinnerst dich: durchsichtige Stämme der Bäume,
langsames Blut das da eilt wie ein Blitz;
im Kreis stehen sie alle und singen so leise,
dass der Donner seinem Nest entfällt –
ein Schlag der nicht eintreffen will.
Es wächst sein Fehlen immer mehr
und weiter nichts.

Du misst das Land von Tag zu Tag
mit Wolken die du bläst, mit Herden
die du treibst über die Erde,
die so zärtlich schwankt, dass Berge knien.
„Sie knien vor ihr ob früh oder spät“
Das wusstest du, bevor du auf die Erde kamst
aus einem Berg heraus, aus seiner Brust.

Du erinnerst dich: ein Bienenschwarm
– die Zeit, die schnitt dir einen Leib,
der Atem floss golden in dich,
alles was war, als war es gar nicht,
als wäre das Wahre das was nie war.
Du sagst: „Nur davor geh´ ich in die Knie“
Und du kniest und du sinkst ...

07.01.2009 23:34:41 

Annuschka I




(Schlaflied)


Ein Vorbild ist der Mensch
der betet mit dem Blick.
Ein Stern tritt scheu hervor
wie Tau an seiner Stirn.
Er betet, und es summt ein Lied
in seinem Mund
von Fischern, Ferne und von Lust.
Er will nichts wollen.
Er betet mit dem Blick,
das Lied summt mit,
es summt so fleißig wie sein Blut
in ihm die Wege geht. Er betet mit dem Blick,
er schüttelt sanft den Kopf. Was soll er tun?

An Fäden gleiten Engel schon herab
Es regnet wohl. In seinen Augen
ein trüber Tag, in seinen Augen nichts
was etwas sagen will, doch es sagt,
es sagt was er nicht ahnt.

Ein Vorbild ist der Mensch,
er schüttelt seinen Kopf. Was
soll er tun? Er betet mit dem Blick.
so fleißig wie sein Blut in ihm die Wege geht.
Das Lied summt mit. Wie Tau an seiner Stirn der Stern,
er tritt hervor...

25.12.2008 16:06:48 

Der gute Satan XIV


xxxxx


(zu ihm)

Nicht, dass ich friere, nein -
die Hände wärme ich so:
Dein Lied, mein Herr,
hauch´ ich in sie hinein,
dein Lied, mein Herr …

Du gehst.
Ob du bemerkst:
die Blume schwankt
auf ihrem Bein,
schaut sanft in mich,
weil dieses Lied versiegt.

Ob es versiegen kann?
Du schweigst.

Als dürfte ich jetzt wissen:
golden ist mein Blick,
grün blau und nichts
kann meinen Kopf aufhalten
der in der Leere kreist
um deinen Traum allein -
wie viele tausend Mal?

“Ach, sag es mir noch mal”
kann ich nicht sagen,
weil ich in meine Hände hauche …
Dein Lied, mein Herr …
Nicht, dass mich friert …

24.12.2008 16:10:40 

Der gute Satan XIII


(zu ihm)


Ich schien zu gehen,
mein Herr, ich schien
auf Staub zu schweben,
auf goldenen Körnern,
unzählig und gleich ihre Zahl
in Ewigkeit Amen. Die Luft
rührte sich um,
darin kreisende Vögel
wie Teeblätter, nach rechts
ging die Uhr
und der Turm winkte
mit seiner Prinzessin
ins Auge getroffen
von der Ferne
so blind.

Du sagst:
"Alles geschieht ungeschehen.
Nie ist etwas passiert.
Für den Anderen sollst du träumen,
wenn du wachst träume für ihn!"

Mein Herr, dieser Turm,
er weiß nicht was tun.
Für den Traum einer Toten die lebt
geht er nicht in die Knie
selbst vor dir.

Lass mich bitten
in deinem Namen:
lass es geschehen
geschehen:
ihr Liebster mag springen
durch das Auge des Turms!

Herr, ich flehe:
sag: "Geh nach links!" zu der Uhr.


17.12.2008 09:38:42 

Der gute Satan XII


(zu ihm)


Ich träumte:
ich höre: du sprichst:
„Wald, trage du mich vorwärts!
Auf Gold soll ich liegen,
auf der baren Münze der Birke!“

Du, Guter,
da bist du, indem du beschwörst:
„Träume von mir!“ Oder träume ich dies?
Dass du liegst und rast in die Ferne
die sanft ihre Münder aufreißt.

Eine Blume an deinem Kaftan,
ein seidener Faden. „Lösung!“
rief ich „Löse, löse mein Haar!“
träumte ich, dass ich rief.

Und es löste sich auf.
Und es lief dir voraus,
eilte dir nach von Ferne zu Ferne,
besamte mit Glanz deine Nacht …

05.12.2008 19:55:53 

Der gute Satan XI


(zu ihm)

Mein Herr, mich friert hinter den Lidern, dieser Untergang ...
Ununterbrochen rollt die Sonne. „Kind“
hast du zu mir gesagt, du hast mich so genannt
und plötzlich flammten Kreise auf, wo mich so friert.
Hinter den Lidern donnert´s, lieber Herr ...
Die Rede wird sichtbar; begreifbar
das Wesen der Dinge. „Kind“
hast du gesagt und mich benannt,
du gabst mir meinen Sinn.

Nun laufe ich, das Meer trägt meine Last,
sein Finger kitzelt mich, sein blauer klarer Finger,
er kitzelt mich so sehr, dass ich ganz leise singe,
und ja, ich weiß, ich sinke in diesem Gesang,
dieses Schweigen, dieses Wasser im Mund,
ob man es hört, begreift ...

Unter den Löchern deines Rocks - da bin ich,
liege wach, mir träumt: ich träume: du sprichst:

Aus meinem Atem ist alles,
all das außer mir: die Welt
die du buchstabierst.
In meinem Namen tust du all das,
du gibst ihn mir, bis du darin bist,
bis du kommst, als Komet
zischst du rückwärts,
meinen Blick zu erklimmen.

30.11.2008 15:48:40 

Der gute Satan X


(zu ihm)


Lass mich gehen, mein Herr, in den Wald.
Lass mich weiden auf deiner Hand.
Deine dornige Hand blüht, deine Hand stützt den Himmel,
der schon lange, so lange schief hängt.

Ja, dieses tropfende Rot wird Beere genannt.
Menschen nennen es so, geben dir Namen, zu wissen
um ihren eigenen Platz. Klüger hättest du es nicht gemacht:
wer dich benennt, kann nicht enteilen
zu dir
in den weiten, sich weitenden Raum
ungerufen.

Bis du rufst,
wirst du benannt.
Den Saum deines Rocks kitzelt der Atem.
Er formt Worte, sucht Halt
im Dunklen und du legst dich
zart kreisend herab, Nacht!
Zahllos die Namen, die du uns gabst,
dass wir sie dir geben. Immer wieder und wieder

Lass mich gehen, mein Herr, in den Wald.
Lass mich weiden auf deiner Wange,
stolpern über deine dornige Hand,
die nie böse sein kann, auch wenn sie mich zerreißt.
Das bin ich und werde immer sein:
Gravitierende Sanftmut - dein Diener.



18.11.2008 16:47:59 

Der gute Satan IX



(zu ihm)

Nein, zu den Zweigen kehren die Blätter nicht wieder
und die Schatten rennen dem Meister nicht nach –
er hoch zu Ross das aus Atem besteht,
aus warmen Gebeten und langsamer Rede,
die sich nachts in uns dreht, uns zu Splittern zermahlt.

Das ist es nicht, Freund.
Du kamst wie du bist.
„Komm für alles zurück!“
Ich rief es, ich stand auf dem Felsen und rief.

Da rollte dein Aug aus dem Brunnen heraus,
umfasste den Finger,
deine Nähe glitt den Faden entlang
den ich dir schickte, wo auch immer du warst.
Ich warf ihn ins Meer, in den Himmel, tauchte ihn in die Erde.
Ich rief: „Komm für alles zurück!
Für die Blätter die niemals aufstehen,
für den Schatten der sich in Eile losband.“

Deine Zunge rollte dann aus dem Brunnen heraus
und leckte mein salziges Herz, leckte es rein.
Während ich schlief. Ich stand auf dem Felsen und sang.
„Komm für alles zurück!“ Du kamst um zu tanzen.
Von deinem Fuß wurde mir der Leib zerküßt.
Mein Herr, Du machtest mich so blind, dass ich dich sah, begriff.
Du Licht das mich durchdrang, mich aus Angeln hob
und niederwarf ins Licht. Bei Gott, mein Herr!

08.11.2008 16:41:30 

Der gute Satan VIII


(zu ihm)

Ich erwachte, mein Herr,
in dem Wort das du sprachst,
wachte ich auf und die Münze
unter der Zunge zerschmolz.
Etwas tropfte golden auf den Wind:
ein Falter der kein Falter war,
ein Blatt das tanzen ging.

Du warst es, Freund.

„Nimm dies und das“ hast du gesagt
„Brich diesen Zweig. Leg dich ins Gras.
Steh auf!“ Dein Auge schaute aus meinem heraus,
beleuchtete den Wald, durch den ich strich,
ich sah es nicht, doch wußte ich:
mein Weg ist hell
und überall mein Herr.

„Sei leer!“ hast du gesagt,
„Sei leer, dass du erfüllt bist
von Dingen die nicht deine sind.
Laß alles ein. Laß los, dass alles wiederkommt.
Dein Weg ist hell, du siehst es nicht, doch hell ist er.

01.11.2008 12:24:13 

Der gute Satan VII


(Der Singende)

Man trete zur Tür.
Man gehe hinaus
in die Welt und man wisse:
die Welt bleibt zurück in dem Raum,
wo du sitzt, einer von dir.
Der Andere liegt in der Luft,
singt. Sein Lied – eine Fahne,
bleich und reißend
in Schatten;
sie kriechen zum Dritten.
Er öffnet die Tür,
läßt die Welt ein,
einen ziehenden Gast,
geht hinaus in die Welt,
wissend,

dass ich alles erschuf.
Ja, ich stieg auf die Zinne und sang,
dass du singst, Kind.
Mit dem Dolch umkreiste ich dreimal
mein Herz.
Dreimal schlug ich ein Kreuz
den Raum zu teilen:
in Norden, Süden, Westen und Osten.
Das sind Worte wie wir.
Doch sie sind. Mit Wurzeln tief
in der Luft, wo du liegst,
wo du singst,
einer von dir,
für den Zweiten
und Dritten,
mein Bester.

29.10.2008 12:12:08 

Der gute Satan VI


Der Zärtliche


Du erwachst,
fällst,
fällst tief,
verfehlst
deine Wirklichkeit.
Zwischen Horizonten scheint:
ein zerbrechendes Zeichen – meine Gestalt,
die dich nicht zu rufen wagt,
denn du bist in dein Fallen vertieft.

Kind, du erwachst,
richtest dich auf,
rast zum zehnten, aberzehnten Mal
vorbei an der Wirklichkeit,
in die du gehörst.
An Horizonten zerreißt du dein Kleid.
Ob du siehst: diese Wolke aus Rauch
ist meine Gestalt;
dieses bucklige Zeichen
bin ich –
ein Springer, ein Pferd,
das sich zur Seite neigt,
dich zärtlich sterbend anschaut,
denn rufen kann es dich nicht.



12.10.2008 21:58:30 

Der gute Satan V


(Der Träumer)


Ich ließ dich träumen:
Du beißt in den Erdkern,
in den eisernen Apfel.
All die Wahrheit schmeichelt kurz
deinem Mund und trübt dich.
Jetzt kennst du die Welt.
Jetzt wünschst du nichts mehr.
Dein Spiegel tritt näher
und zeigt seine Brust,
wo du schwimmst.
Du schwimmst, schwimmst darin.
Meine Hand, geladene Luft,
lege ich darauf, daß du glaubst:
an etwas und sei es an mich.

Du wachst auf (es träumt dir),
betastest Schuppen deines Leibes.
Mein Kind, wenn, falls du aufwachst,
wachst du als Ritter auf.
Du darfst mir dienen,
darfst wieder fröhlich sein...

Im leeren Universum kreist dein Haupt.
Es kann nicht fallen, kann nicht halten.
Zehntausendmal durcheilt es meinen Traum.
Oh, ja, ich träum´von dir.

08.10.2008 15:03:48 

Der gute Satan IV


(Der Verschlingende)

Du befiehlst, dass die Toten aufstehen,
dass ihr Atem ein Blumentuch ist,
lodernde Seide im Wind.
Du befielhst, glaubst zu wollen,
aber ich sage,
was hier geschieht.
Im Schweigen pocht dieser Wille.
In der Faust singt leise das Herz.
Schau nicht hin, denn du fällst.
Schau, wie du langsam nicht fliegst.
Ob du ahnst, was du bist:
ein anderer und doch
herze und kose ich dich,
meine Beute, mein Wild.
Durchsichtig dein Treiben,
ich sehe, ich sehe es kaum,
vergesse, um heißer zu brennen
in Erinnerung daran.

Dich zu täuschen ist meine Wonne.
Dich zu trinken ist mein Genuß.
Dich zu meinem Gefolge,
zur Schar meiner Träume,
zum Leittraum zu machen,
den ich im Laufen zerreiße,
den ich zärtlich betrete;
wie ein Ring in den Brunnen –
so gleite ich. Ins Eigene.
Wieder. Schaust du hin,
wirst du nichts sehen
und trotzdem erstarren
zu dem, was du siehst.


29.09.2008 21:42:20 

Der gute Satan


III

Der Einsame

Ein neuer Sklave wärest du, mein Kind,
ein Anderer in dir, du in dem Fremden – ich.
Euch rufe ich: dich, ihn und meine mich.
Ihr kommt wie Perlen angerannt.
Euer Schmerz ist so weiß
und er flattert so hoch.
Dreifach tut er mir weh.
Dreifach versklavt er den,
der sein Eigentum ist.
Dreifach an sich selbst gereiht.

So wandere ich auf der Hand dieser Welt.
Ich schweige, doch ich rufe, ich rufe dich,
den Anderen in dir, dich in dem Fremden – mich.
Ihr ward, ihr seid ... Euer Reich ... Immer weißer
und näher, je ferner es ist.

Ins Auge rollt die Träne zart zurück.
Sterne verglühen in ihrem Leib,
Steine, die zu Sternen heranglühen.
Sie treffen meinen Kopf und töten nicht.
Niemals. Weil sie nicht können.

23.09.2008 16:02:41 

Der gute Satan


II

(Der Verwundete)

Mein Name ist nicht Ruth.
Nicht Ruth ist mein Name.
Ich heiße Blume, Stein, Kristall.
Ich heiße alles außer Ruth.
Weil du sie liebst. Du sagst:
Ich liebe nun auch sie.

Umsonst will ich vor Worten fliehen,
die du in deinen Mund nimmst,
die du mit deinem Mund berührst.
So wie die Welt ist Liebe überall.
Ich renne vor mir weg
und hol´ mich dauernd ein.

So wie der Tod ist diese Frau überall.
Sie könnte ich sein
und deine weiße Hand auf ihr ...
Ist alles einerlei, ob hier, ob da,
ob du sie in den Armen hältst,
oder das Leben selbst –

zum Leben kommst du nur durch mich.
Ich bin es, Kind.

19.09.2008 23:00:09 

Der gute Satan


I

(Der Verführende)

In ein schönes Vielleicht
setzt du den Glauben.
In den Glauben selbst,
in sein Glimmern,
in ein bebendes Bild.
Das Große umfassen
und fassen – wer kann es?
So wie des Himmels blanker Fuß
ein bisschen hervorlugt,
und es genügt, um Menschen zu verwirren,
so ist es mit dem Großen, Kind.

Du hütest deinen Blick vor mir.
Du hütest deinen blauen grünen Blick.
Dein Goldblick pudert diese Dunkelheit,
die plötzlich, ach so plötzlich um halb neun erschien
am Platz, den sie mit ihrem Bruder teilt, dem Licht.
Du sagst: „Es fährt unter der Erde hin und her,
den Toten zu leuchten, damit sie einander begegnen
und finden: ihr himmlisches Reich ...“
Du hast recht.

11.09.2008 23:09:52 

Annuschka X


Ob wir zum zischenden Stern,
ob wir zum Tautropfen werden,
entscheiden wir.

Wir entscheiden nicht zu entscheiden.
Dass ein Nichtwille geschieht,
lassen wir zu.

Er legt Wege die wie Schlangen
sich ringeln um unsere Füße.
Er lockt Wälder heraus
aus ihrem Versteck.
Er mehrt das Meer -
das bisschen Gold
das einem Lügnermund
entglitt.

„Vertrau in den Herrn!“
sagt der Apfel zum Zweig.
„Vertrau in den Herrn!“
sagt der Grashalm zur Erde
Das Licht wendet sich ab vom Licht,
sagt zum Licht: „Vertrau in den Herrn!“

Du der ich bin, wir sagen zu uns:
„Es ist niemand allein“

01.09.2008 11:47:47 

Annuschka VI



Das Mädchen das in die Stille rennt,
kann ich nicht sein. Ich sein kann ich
auch nicht. Ein Anderer wandert ums Haus,
ein Anderer zersägt den Tisch, schmückt den Baum
auf das Schönste, tanzt.
Wer ist das?
Köstliche Speisen schweben zum Mund,
der dreifach erzittert, spricht man von ihm,
zehnfach, gedenkt man seiner in Stille.
Wir saßen, aßen in der Luft:
Ich – mein Bruder – ich.
Wir aßen was es gab:
Ein Nichts das uns spiegelt,
und jeder wurde satt.
Jeder sprach in die Ferne:
Liebster, daß du mich nicht liebst,
ich bin dir nicht böse dafür.
Von Liebe ist die Welt erfüllt
und ich bin auch darin.
In jedem sanften Blick,
in jedem fremden Kuss.
Was soll man wünschen?
Wie soll es nicht genügen?

27.08.2008 17:18:40 

   1 2   
counter