ein bild

was etwas ist


diese geduldige besichtigung der tage
diese sorgsamen umkreisungen

dies hier ein tisch ein computer
wer wagt es zu sagen

hinterrücks das süße fehlen
jeglichen kommentars

28.11.2008 11:24:39 

gassi gehen mit mir


bei tage herrscht leinenzwang

aber der ich

zerrt kaum, lieb

ist er und kennt den weg

schnüffelt wittert „aaah die luft
ist freuden geschwängert“

setzt seine marke wort an den ecken

24.11.2008 22:31:31 

Zum Thema Mann ohne Eigenschaften


Jeder Text, der Kunst sein will und nicht bloß Unterhaltung, d. i. Betrug, reflektiert die imaginäre Natur von Sinnstiftungen. Wenn Identität verhandelt wird, wird die imaginäre Natur der Identität reflektiert. So ist die Literatur mit der Wahrheit verknüpft, während sie andererseits, als Geschichte, zufällig und vergeblich bleibt. Was an ihr wirksam ist, greift auf das Leben über, dessen Sinnstiftungen nicht minder imaginär sind. Eine so simple Geschichte wie „ich gehe durch diese Türe“ ist letztlich vollständig imaginär. Das ist das Problem mit dem Wahrheitstrieb, er nimmt einem mehr als man ahnte.

24.11.2008 10:50:44 

Schreyahn


Nebel.
Die Terrasse ist von Blättern überhäuft.
Ab und zu das Geräusch fallender Äpfel – immer noch, schließlich ist es November.
Nachts fast völlige Dunkelheit. Ab und zu rufen Kühe.
Der Hund, der hier stromert, sagt die Nachbarin,
ist älter als Gott.

06.11.2008 16:15:40 

Das Bernsteinfossil


Der Horizont fällt durch etwas blöde Augen in ihn ein. Das Blau des Himmels ist makellos. Peter fragt sich, warum er so wenig erschüttert ist. Dieses Blau ist zeitlos, unbegrenzbar, jäh gegenwärtig. Doch für ihn deutet sich dies nur an, zu sehr ist er heute in jener zähen psychischen Kontinuität befangen, die nichts Neues unter der Sonne sieht und anscheinend die eigentliche Seuche der Menschen ist. Er fühlt sich jetzt eingesperrt in diesen Mechanismus, gefangen wie ein kleines Insekt in Harz: ein Bernsteinfossil. In dieser Stunde ist Peters Anblick der Welt wie in klaren Farben auf eine Leinwand aus Licht gemalt. Ist Peter nicht dieser zähe, irrsinnige Widerstand gegen das Licht? Diese Unbeeindruckbarkeit? Auch die Menschen, denen er begegnet, scheinen nicht beeindruckt zu sein.

07.08.2008 14:40:31 

so h. – 003


... gebe es ein tiefengehör im innern des organismus,
das die gegenwart höre

05.07.2008 09:51:29 

so h. – 002


... das geräusch der schritte über welkem laub:
wenn der geher unverstört sei,
sei es das glück

01.07.2008 09:24:16 

so h. – 001


... sei er aus dem staunen niemals heraus-, sondern immer tiefer in es hineingeraten

18.06.2008 13:22:15 

ohne titel


zum beispiel du spazierst
über den alexanderplatz
an einem mittelgrauen
vormittag

oder im wald
ein teich, worin
frösche quaken
du stehst da, wehrst
den mücken

das bild würde dich umwerfen,
wenn es dich nicht
enthielte

(das sehende unendlich
gelassen)

10.06.2008 16:23:27 

worpsweder lidl


still unter solchem himmel
fahrrad zu fahren
die erde nämlich ist oben offen
und der status quo unterliegt der bewegung
die niemand beherrscht

der supermarkt
gleitet so stetig durchs sein kein
vogelflug ist unbeschwerter insgeheim
lebt er von diesem mysterium

wie die kunden die hier
auf dem parkplatz vorfahren
das licht in bedeutungen einfrieren und
anstelle der schönheit des todes zum beispiel

eistüten kaufen

08.06.2008 17:28:55 

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