ein bild

dergoldenefisch gegenüber


In the Zoo after Dark

No full moon or forest fire.
Unnatural light
takes shape and stays there.
Shadows adjust
to what could be night.

Animals intended
to live an ocean apart
have got an idea of each other.
All day
the lion has watched
a dolphin curve into vision
with the promise of its element,
the taste of salt.

There is containment
and release:
the instinct of the death-watch beetle
to beat its head against the wall
in love song,

or the stillness of the golden eagle,
wings folded, waiting
for the sky to break.

Lavinia Greenlaw

10.02.2004 18:30:39 

Verlangen


In meinem zwanglosen Rahmen
die goldene Schale voller Skorpione,
Jerusalem. Kinder, die da Brocken
schleudern, und Verschleierte,
ich weiß nicht, kann nicht erkennen,
ob Mann ob Frau, stellen die Steine hin
gleich körbeweise.
Die Tage waren so blau.
Raus, rumgondeln, wenn am Nachthimmel
die Wildgänse surren. Schalt aus, fahr
gleich los. Und fliegt ihr Schatten
unter Saturn durch, zähle,
drei, sieben.
Kein Rahmen
das ungleiche V, in der Tiefe
keine Grenzen, Horizont das Verlangen,
allem, vor allem Leblosem
noch zu entrinnen.

09.02.2004 21:13:22 

Stimmen (...)


Ein kleines Mal die Furcht finden, es könne sich bewahrheiten, dass sie – nun nähert sie sich aus dritter Position -, zu keiner Zeit in der Lage gewesen wäre. Dass Stühle und Tische eine verschworene Gemeinschaft bildeten, dass Türschwellen der wahre Grund für ihre Alpträume seien. Nachmittagsvorstellung, das Eine sitzt und schaut, nicht der Rede wert, über diesen Zustand zu befinden. Einen Augenblick lang, im Gestöber, in der flimmernden Gutartigkeit des Bildes, eine Stimme: „Kein Mensch kann ohne Liebe leben“. Als ob man in einem Ofen Rüben pflanzen könne, klar und deutlich. Sie schält Äpfel, schält Mandarinen, eine Schüssel voll des Guten. Das Eine ist ein Spielzeug, ein kleines Püppchen. „Bäh“, wenn es Hunger hat, stattdessen fehlerhaft eingefügt das Modul eines Tankerschiffs, dunkle Töne anstelle von Weinen, ein Fehler, es bekommt keinen Trost.

09.02.2004 17:44:16 


Auf Bali gibt es weder rechts noch links, lese ich heute, auch in der australischen Western Desert nicht, und nicht in Papua-Neuguinea. Winde wiesen dort die Richtung, man orientiere sich nach Sonnenauf- und untergang oder nach geographischen Achsen, Flüssen oder Schluchten, deren Funktion in den Städten von der jeweiligen Hauptstraße erfüllt wird. Die Sprache versetzt das Individuum in Bewegung rund um ein fixes Orientierungszentrum, das oft zugleich den spirituellen Mittelpunkt darstellt.
Ich versuche auszudenken, wie ich nach diesem Modell meinen gegenwärtigen Standort beschreiben könnte, ohne das verwurzelt gedachte Ego, das um sich permanent Berge versetzt. Meine Sonnenuntergangshand wäre die Rechte, wenn ich einen Raum beträte, und die Linke, wenn ich ihn verließe, und die Mühe, meinen seiner angenommenen Gravitation nun ledigen Körper so ständig ins Einvernehmen mit meiner Umgebung umzudenken, ließe mich vermutlich rasch zu einer Vorstellung Zuflucht suchen, die mein abendländisch egozentrisches Orientierungsmodell weniger größenwahnsinnig erscheinen lässt. Denn um einem Besucher den Weg zu dieser Straße hier zu beschreiben, hieße es "von dir aus gesehen links" und "zu deiner Rechten liegt der Kaliberg -". Das "Du", dessen Ankunft erwartet wird, ist die Nabe, um die eine Landschaft sich dreht.

06.02.2004 14:01:01 

naturbeobachtung


Naturbeobachtung. Sagen wir : Savanne. Sagen wir : Abend. Sagen wir : vorschriftliche Zeit. Dort - zwei Männer. Der eine der beiden Männer liegt auf dem Rücken. Dieser Mann, von Staub bedeckt, - ein toter Mann. Sein Bauch ist geöffnet. Vielleicht ist der Mann gestürzt, vielleicht wurde der Mann von einem Raubtier angefallen. Der zweite vorgestellte Mann kniet vor dem Toten und betrachtet die Wunde. Nun zieht dieser Mann seine Waffe und hebt einen Lappen Haut zur Seite. Er setzt das Werkzeug in der Wunde an und schneidet solange in die Muskulatur des Bauches, bis die Bauchhöhle des Toten offen liegt. Diese Geste, - eine Geste der Untersuchung, des Eindringens, der Invasion, eine vorsichtige Geste ohne ein bestimmtes Ziel. Da ist der Wunsch, Tiefe zu gewinnen, Unsichtbares, Verdecktes, Unbekanntes sichtbar zu machen. Vielleicht wird sich dieser Mann nun von dem Toten entfernen, vielleicht deshalb, weil eine weitere Raubkatze sich nähert. Vielleicht wird der Mann, aus der Erinnerung heraus, den Umriss eines Mannes, der tot ist, in eine Felswand ritzen. Vielleicht wird er in diesen Umriss eines Mannes, der steht oder liegt, die Form eines Organs eintragen, - genaue Lage, exakte Größe. Die Abbildung nun eines Organs, für dessen Existenz zum Zeitpunkt der Entstehung weder ein Zeichen noch ein Begriff erfunden wurde.

anatomische notiz

05.02.2004 17:33:44 

haltestelle



halt

05.02.2004 13:03:06 


lautstarke bilder, so verzettle ich tage unter bögen, brauen, ähnlichem. so ein fischhändler. wieder gehört : gesänge aus dem feuerofen, keine bedeutung. tier wählt seifige wegstellen, für alles ausgleiten ein grund, ein boden. es gelten größen verschiedener länder, passen alle. darf nicht angegossen sein. stockprügelung, tätiges vokabular, machset selbst meistern.

05.02.2004 12:00:12 


Es gibt ein neues Fohlen auf der Weide, das exakt so aussieht wie jenes vom letzten Jahr. Auch das ist wieder da und bereits größer als ich. Und die Enten sind nur abends unten am Teich, sind tagsüber verschwunden, sind "bei der Arbeit", wie meine Tochter Sonia weiß.

Die Nachbarin mit ihrem neurotischen Dobermann, die stets wenn ich mit Hund sie passiere, ihrer kläffenden Töle zuruft: Ich weiß! Ist gut! Ich weiß, dass du ihn hasst!

Im Internet gelesen: Schüler des B.-Traven-Gymnasiums kämpfen darum, dass der Name ihrer Schule geändert werde in B. Traven-Gymnasium, da das B vor dem Nachnamen des Dichters in alter Freidenkertradition keine Abkürzung eines Vornamens sei, sondern die Nichtigkeit des Vornamens als Zeichen nicht zu lebender Individualität symbolisiere.

04.02.2004 18:29:11 

Manitoba


Dein Nachbar hat seine Schindeln
weggelegt neben die ausgedienten
Nägel und die Kinder

nebenan das Lachen, das du
an schlechten Tagen verdächtigst.
Um diese Zeit lacht niemand über

die Zäune. Die Dunkelheit der Häuser
streicht die Zeile, die Trampelpfade und
das Gebell und was immer zu hören ist: dies

ist der Platz, beleuchtet von nur diesem Tag.
Dort rücken wir die Stühle aus den Hageln
des Nussbaums, die hirnschönen Kerne liegen

weiß und bitter bloß zu früh.
Wie Angehörige einer alten Religion
beugen wir uns der Augenzahl der

Blätter, schütteln unsere Deutungen ab
und noch einmal beschreibst du mir das
Wild mit der falschen Frage.

01.02.2004 22:59:36 

Nach Europa


Regen: nach der Heimkehr
von einer Reise durch Europa, die Kälte,
die messbar wäre unter der Haut,
könntest du dich öffnen – und das Glas Milch,
das zurückblieb im Handstein,
wird niemand mehr trinken, jetzt,
da es ein Abendland füllt.

Nur Abwesenheit
als Geschehen.
Die stillen Zimmer,

als fiele Schnee.
Die Geräusche
der Augen.

Nur Nachrichten auf Löwenzahn,
Blätter voller Kartoffelstempel,
Fliegen auf den Lichtbahnen im Hausflur.

Aber: die Kastanien blühen.
Zwei Kakteen gingen auf,
und die Läden der Bahnhofsfenster
sind doppelt gestrichen – jemand verlief sich
Hand in Hand auf dem Schleichweg
zur Ortsmitte, hier
sind deutliche Spuren von Nähe.

1994. Ten Years After

31.01.2004 21:43:05 

Fütterung


Ich fütterte ein Tier. Mit
braunem Fell stand es zwischen
Bäumen. Das Tier - jemand sagte in die
Fütterung hinein: "das Tier" - fraß aus der Hand.

29.01.2004 12:44:01 

viso 2



viso

28.01.2004 16:28:55 

feuer nelke zeit


Folgendes. Immer gegen 8 Uhr in der Früh brechen wir auf, Georges und ich. Wir gehn ein paar Schritte über die Rue de Javel, nehmen die 6er Metro durch den Süden, steigen dann um in Richtung Porte Dauphin, fahren mal unter, mal über der Erde im Kreis herum, während wir einer neben dem anderen sitzen und schauen und notieren bis es Abend oder noch später geworden ist. Man kann für viele Stunden sehr zufrieden so durchgeschüttelt Seite an Seite sitzen und Menschen betrachten. Wie sie hereinkommen, Fahrgäste, wie sie im Waggon Platz nehmen, wie sie beschaffen sind, davon legen wir Verzeichnisse an, Georges ein Verzeichnis, und ich ein Verzeichnis. Weil es aber sehr schwer ist, ein Verzeichnis aller Erscheinungen eines Raumes anzulegen, der nicht gerade erfunden wird, eines Raumes, der sich fortbewegt, der betreten und verlassen wird von Menschen im Minutentakt, das Verzeichnis eines Raumes, dessen Fenster sich von Sekunde zu Sekunde neu bespielen, weil es also unmöglich ist, das Verzeichnis eines wirklichen Raumes anzulegen, mindestens aber sehr anstrengend, machen wir das so : in der ersten Stunde des Reisetages notieren wir ein Verzeichnis der zugestiegenen Krawatten, in der zweiten ein Verzeichnis der Schuhe und der Strümpfe, ein Verzeichnis, sagen wir, der Gehwerkzeuge und ihrer Bekleidung, dann ein Verzeichnis der Haartrachten, der Taschen, der Methoden sich im fahrenden Zug einen sicheren Stand zu verschaffen, der Gesprächsgegenstände, der Art und Weise sich zu küssen, zu streiten, oder aber ein Verzeichnis abseitiger Gestalten, ein Verzeichnis der Diebe, der Bettler, der Posaunisten, der Verwirrten ohne Ziel, je ein Verzeichnis der Sprachen und kleiner Geschichten, die wir aus der allgemeinen Bewegung zu isolieren vermögen. Von Zeit zu Zeit, während wir so fahren und notieren, höre ich neben mir ein Lachen. Wenn Georges lacht, hört sich das an, als habe er einen Vogel verschluckt, als lache er nur deshalb, weil er Mademoiselle Moreau wieder freilassen wolle. Dann weiß ich, Georges hat etwas gefunden, das er mir abends in irgendeinem Cafe, wenn wir fertig, wenn Papier und Strom zu Ende sind und unser beider Köpfe so voll, dass sich nichts mehr in ihnen aufbewahren lässt, vortragen wird, - „ Auf Krawatte gelb, zehnzwei, lebende Ameise, argentisch, kreuz und quer. Der Codename Servals war Louviers“, sagt Georges und hebt sein Glas. Fünf Gläser Pastis, fünf Gläser Wasser, - dann sind wir wieder leicht geworden, und weil die Luft warm ist, weil Mai ist, nehmen wir den letzen Überlandzug nach Norden oder den 11er nach Süden, dorthin, wo die Feuernelken blühn, und wenn es endlich Morgen geworden ist, steigen wir um, öffnen die Fenster und fahren nach Westen in unserer Windmaschine spazieren. Der Regen schlägt uns ins Gesicht und wir sehen Gewitter aufsteigen und Schwefel vom Himmel kommen und weißes Licht, das die Landschaft entzündet. So haben wir schon sehr schöne Gedanken über das Feuer gefangen und über das Schlagzeug in diesem gewaltigen Raum, der über uns hängt, einem Raum, dessen zentrales Verzeichnis von nicht menschlichen Maßen ist, so dass wir bald nur schweigen und auf entfernte Menschen schauen, auf Szenen im rasenden Vorüberkommen, auf Filme, die in unseren hin und her hastenden Augen derart kurze Filme sind, dass sie einer Fotografie sehr nahe kommen, nicht mehr Film sind und noch nicht ganz unbewegt. Es ist ganz so, als würden wir an einer gewaltigen Aufnahme der Zeit vorüberkommen, an einer Fotografie, deren Gegenwart wir nicht berühren können, weil wir nicht aussteigen können, ohne das Leben zu verlieren, weil wir zu schnell sind, weil wir in einer anderen Zeit sind.



georges perec



koffertext

28.01.2004 12:50:45 


Wie ich lese, hat die holsteinische Polizei den Kornelkirschenkiller gefasst, einem in G. gemeldeten Obdachlosen war es aus widersinnig erscheinenden Motiven heraus eingefallen, den unscheinbaren Zierstrauch auf breiter Fläche auszuradieren, mithin vom Meer bis an die Elbe sollte es Kornelkirschen nicht länger geben. Die Kornelkirschen hätten ihn verfolgt, gab der Mann bei der Vernehmung an, ferner seien die Kornelkirschen nicht echt, sie seien keine Kornelkirschen.

27.01.2004 22:34:35 

Befragung


Sie fährt sich mit den Fingern durch das Haar. Zwirbelt Strähnen und wickelt sie um die Hand. "Ich warte", sagt er. Sie sagt nichts, spürt seine Ungeduld und Wut. Wie um sich greifendes Feuer stürzt die Wut auf sie zu, der Weg zur Tür ist abgeschnitten. "Ist das alles, was Du zu sagen hast?" Er beugt sich vor, versucht ihren Blick einzufangen. Flammen lecken an den Fußsohlen, der Hals wie zugeschnürt, als drücke der oberste Blusenknopf die Luft ab. Sie versucht ein Räuspern.
Er brüllt: "Was? Was war das?"

27.01.2004 20:09:13 

viso 1



viso

25.01.2004 13:27:07 


"Lerne von der Panik eines Kindes:
Lied bedeutet, du atmest" (Emma Lew)

Ein Bild allen Trosts

Der Wechsel ins neununddreißigste Jahr
mit Körperbaustellen. Eisregen,
Blutabnahme. Flieh,
mein Freund, die nachgeahmte
Furcht vor Übelkeit und Ohnmacht,
schau aus dem Fenster.
In einem Jeep bellt ein weißer Hund,
und die Nadel, wahrlich,
dringt ins Fleisch.
Rasche Wolken, über Supermarkt,
Praxen, Bank, und im Herzen des Versorgungsarreals
dienen der Sprechstundenroutine,
schlucken unsere Schmerzen
und schenken ein Bild allen Trosts
ein Klappschrank, ein rostiges Scharnier.

21.01.2004 22:11:39: von Mirko Bonné
Guten Tag sagt die Dame die in den Laden tritt ich
hättette gern ein Buchuch das aber nicht so schwer
soll nicht so schwer sein.
Ja sagt der Antiquar da gibt es so Einiges gibt es da
Und ich auf der Leiter bei C zwischen Canetti und und
Campus blättere in den Fragen der Zeit meines Albert
Cacacacacamücamüca Camü Mümcacacamü Camus
als die Dame sagt schwer ist das Buch das ihm aus
den Händen fällt wenn er im Krankankenbett ausaus
atmet was Leichtes muss ich haben was Leichteres
Sagt der Antiquar Handke Handke is leicht Jünger der
nicht in Stahlgewittern naja was wiegt das nein das fällt
das fällt ihm sicher aus der Hand Hand

*

Guten Tag miteinander.

23.01.2004 18:59:22 

molto commosso


Wir gehen heute Abend zum Konzert der schwarzen Fräcke. Jeder soll Gast sein und etwas mit nach Hause nehmen. Was nehmen wir mit nach Hause. Den Schnurrbart des ersten Geigers und den roten Hals des Tubaspielers. Die Lippen des Trompeters und den langen Hals der Harfenistin. Die hellen Bögen im Haar des Trommlers, der heute mit dem Taktstock des Dirigenten den Schlusspunkt setzen wird. Der Frühling setzt ein im Schneetreiben, so sagt die Musik, während wir die silbernen Klappen der Querflöte in unsere Taschen stecken. Rotsamtene Vorhänge für die Dame mit den dunklen Lippen, meine Erinnerung für die Sanftheit des Cellobogens. So tupfen wir Tränen aus unseren Augen und gehen, noch bevor die letzte Melodie verklungen ist.

19.01.2004 23:14:28 

dark rooms 3



darkroom

17.01.2004 22:29:22 

dark rooms 2




dark

16.01.2004 22:56:40 

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