ein bild

HAMSTERN


Eine halbe Kiste Äpfel schaffen
Durchs angeschnittene Reich
An den Schnittstellen schreiende

Soldaten

Also Flussüber- und Waldgänge
Das Hollern der Äpfel im Kasten
Braune Stellen und Der Sack da

zwischen

Jetzt gehts ums Rennenkönnen

12.12.2008 12:03:48 

Plädoyer für einen Hund


1

Seit ich denken kann, hängt über dem Schreibtisch meines Großonkels eine alte Zeichnung von einem großen schwarzen Hund. Mit gefletschten Zähnen, die Lefzen wie die Augen weit aufgerissen, zeigt ihn das Bild mitten im Sprung auf etwas zu, das jenseits des Rahmens ganz in der Phantasie des Betrachters liegt. Wer immer dort ist: ein Fliehender oder einer, dem noch eine Waffe zu ziehen gelang, nie hatte ich Zweifel daran, dass er im nächsten Moment unter den Bissen jenes Grauen erregenden Hundes sein Leben ausgehaucht haben würde.
Es ist Arthur Conan Doyles „Hund der Baskervilles“, den die Zeichnung zeigt, und anders als jeder, der sie in den hundert Jahren seit Sherlock Holmes’ vielleicht berühmtestem Fall betrachtete, fühlte sich mein Großonkel immer auf mir unverständliche Weise beschützt von dem Bild. Den Raum rings um seinen Schreibtisch, sagt er noch heute, verwandele das schwarze Ungetüm in ein imaginäres Dartmoor, und die einzigen zwei Menschen, denen er gestatte, diesen wehrhaften Bezirk zu betreten, das seien er selber und ich, sein wissbegieriger Großneffe.
So habe ich mich jahrelang dem Arbeitsbereich meines Großonkels nur mit äußerster Vorsicht genähert. Erst als ich selbst begann, Doyles Erzählungen von Sherlock Holmes und seinem Assistenten Dr. Watson zu lesen, ist mein Respekt, der mich bis in die Träume hinein verfolgte, allmählich einem Interesse gewichen, das mir erlaubte, in einer Darstellung von einem blutrünstigen Hund schließlich nicht mehr allein das Ungeheuer zu sehen, sondern zunächst einmal ein ungeheures Bild.
Ob es 1975 oder 1976, ob ich also zehn oder elf war, als ich erstmals „Der Hund der Baskervilles“ las, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß nur noch bestimmt, dass der Schreibtisch meines Großonkels zurselben Zeit unter einer Unzahl anderer, nicht minder ungeheurer Bilder verschwand. Es waren zumeist Zeitungsausrisse und Fotos aus Büchern, Aufnahmen, die, soweit ich mich erinnere, alle das Immergleiche zeigten: einen verheerenden Autounfall auf einer von großen alten Platanen gesäumten, ansonsten aber verlassenen und tristen Chaussee. An einem Ackerrain war ein Wagen gegen einen Baum gerast, ein Fabrikat, das ich nie zuvor gesehen hatte. Ich nahm an, dass es ziemlich alt sein musste, wenn auch nicht so alt, dass ich das in zwei Hälften zerrissene Gefährt, das auf den Bildern von allen Seiten und in allen Einzelheiten zu sehen war, als Oldtimer bezeichnet hätte. Als der Junge, der ich damals war, hatte ich doch noch bestimmt keine Vorstellung von Nachkriegszeit, den 50er oder 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Fotografien, die mein Großonkel sammelte, ohne dass ich hätte sagen können, zu welchem Zweck, zeigten für mich das zerfetzte, in seine Einzelteile zurückgesprengte Wrack eines bloß alten Autos.
Aber ich weiß noch, dass stets, wenn mich die Langeweile an einem verregneten Nachmittag in das Arbeitszimmer trieb, dasselbe „ungute Gefühl“ in mir aufstieg, von dem meine Mutter oft sprach, überzeugt, ihre hektische Nervosität sei Ausdruck einer telepathischen Fähigkeit. Bewacht von dem schwarzen hyänengleichen Hund an der Wand ordnete mein Großonkel Papiere, und ich presste so lange die Stirn gegen den kalten Türrahmen, bis meine Verholzung offensichtlich wurde und er mich zu sich rief. Stundenlang sortierten wir dann gemeinsam Bilder und Artikel, die ich aus alten, zumeist französischen Zeitungen ausschnitt und die er beschriftete mit einer Quellenangabe, einem Datum und den immer gleichen zwei Namen „Camus, Villeblevin“, die mir nichts sagten, aber die sich mir einprägten, so als wären sie eintätowiert worden in den Teller meiner noch schmalen Hand mit den roten Druckringen von der unermüdlich auf und ab durch das Papier gleitenden Schere.

(Fortsetzung folgt)

*


11.12.2008 23:55:35 

Fundstück 5


"Die Deutschen hingegen zeichnen sich durch Nachlässigkeit des Stils, wie des Anzuges, vor andern Nationen aus, und beiderlei Schlumperei entspringt aus derselben, im Nationalcharakter liegenden Quelle. Wie aber Vernachlässigung des Anzuges Geringschätzung der Gesellschaft, in die man tritt, verräth, so bezeugt flüchtiger, nachlässiger, schlechter Stil, eine beleidigende Geringschätzung des Lesers, welche dann dieser, mit Recht, durch Nichtlesen straft. Zumal aber sind die Recensenten belustigend, welche im nachlässigsten Lohnschreiberstile die Werke Anderer kritisiren. Das nimmt sich aus, wie wenn Einer im Schlafrock und Pantoffeln zu Gerichte säße."
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II, § 285

09.12.2008 19:12:25 

Fundstück 4


"Es widerfährt uns wohl, daß wir ausplaudern, was uns auf irgend eine Weise gefährlich werden könnte; nicht aber verläßt unsere Verschwiegenheit uns bei Dem, was uns lächerlich machen könnte; weil hier der Ursache die Wirkung auf dem Fuße folgt."
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II, § 316

09.12.2008 19:06:07 

wunschzettel


der erstklässler:
isch wil den wainartsman sen
unt plämopil ritabork

der viertklässler:
ich wünsche mir nicht mehr zur schule zu müssen. weil nur in englisch lerne ich was für später. weil ich will später pirat in somalia werden

08.12.2008 08:44:37 

Steuererklärung


GEWINN: -50.000.000.000

Bitte teilen Sie mir die Tel.Nr. von Frau Merkel mit.

07.12.2008 17:37:44 

~


8.00 - Eine eigenartige Geschichte, die Geschichte der Papiere oder die Geschichte meiner Hände, meiner Bleistifte. Seit ich wieder stundenweise mit einfachsten Werkzeugen notiere, mit Werkzeugen, die ohne Elektrizität funktionieren, der Verdacht, dass von eigensinniger Natur ist, was ich auf kleinere oder größere Zettel schreibe. Meine Wörter wollen sich nicht auf Linien legen, sie wollen fliegen, weshalb sie über den Zeilen aufwärts steigen. An einem anderen Tag, wieder ein Tag ohnmächtiger Horizonte, sinken sie, ohne dass ich präzise sagen könnte, warum es an dem einen Tag aufwärts und an dem anderen Tag abwärts ging, immerhin hatte jeweils nur ein wenig Schlaf zwischen da und dort stattgefunden. Auch mit den Buchstaben hab ich Mühe, mal bricht die Bleistiftspitze, dann wieder ist ein Zeichen gemalt, das man doch eher für ein ganz anderes halten möchte. Die Buchstaben Z und G sind besonders widerspenstige Naturen, und das S und das A machen schon immer was sie wollen. Dagegen sind das I und das M an jedem meiner Arbeitstage zuverlässige Erscheinungen, Welle und Giraffenhals, schlicht und weich. Man nimmts jetzt wie es kommt in aller Ruhe.


teilchen

07.12.2008 11:21:14 

Der gute Satan XII


(zu ihm)


Ich träumte:
ich höre: du sprichst:
„Wald, trage du mich vorwärts!
Auf Gold soll ich liegen,
auf der baren Münze der Birke!“

Du, Guter,
da bist du, indem du beschwörst:
„Träume von mir!“ Oder träume ich dies?
Dass du liegst und rast in die Ferne
die sanft ihre Münder aufreißt.

Eine Blume an deinem Kaftan,
ein seidener Faden. „Lösung!“
rief ich „Löse, löse mein Haar!“
träumte ich, dass ich rief.

Und es löste sich auf.
Und es lief dir voraus,
eilte dir nach von Ferne zu Ferne,
besamte mit Glanz deine Nacht …

05.12.2008 19:55:53 

neuer boden


hilfst du mir, das parkett abzuschleifen?
frage ich dich
als du wie immer lesend
zwischen deinen grünlilien sitzt.
das tue ich nicht,
sagst du,
und nennst dich doch
den laminator.

05.12.2008 14:50:03 

Maiwald


Ich kannte Peter Maiwald einmal ganz gut. Er war früher stolz darauf, als Lyriker zu arbeiten und nicht an der Werkbank oder sonst wo. Später hat er darunter gelitten, kein Geld zu haben bzw. nur kärglich entlohnt zu werden. Er konnte mächtig trinken und sehr gut reimen. Seine Kindergedichte waren umwerfend komisch. Nach einer Lesung dieser Gedichte in Düsseldorf versuchte ich ihn zu loben, aber er wiegelte ab und sagte, es müsse nicht immer alles witzig sein. Ich blieb beharrlich, es sei aber witzig gewesen usw. Irgendwann intervenierte seine Freundin und herrschte ihn an: Jetzt lass dich doch mal loben. Er hob sein Glas, lehnte sich zurück und ließ sich loben. Es muss nicht alles lebendig sein. Aber er war lebendig.

04.12.2008 13:31:03 

Propheten (14): Sam Beckett treffen


Er fragte uns, ob wir einige Bücher mitgebracht hätten, die er signieren sollte. Er lachte, als er »Mercier et Camier« sah, als würde es ihn an einen alten Freund erinnern. Ich erzählte ihm, wie wir in den Buchhandlungen gescheitert waren. Er fragte, welches Buch ich denn gesucht hätte. Ich sagte »The Lost Ones«. Ich hatte es gerade gelesen und es war mein neuster Favorit. Er schien überrascht. Beim Abschied küsste er uns auf beide Wangen. Als wir an diesem Tag Sam verließen, winkte er uns nach, hager in seinem Übermantel. Er winkte mit beiden Händen, seine Finger waren krumm wie Klauen. Wir warteten, bis er sich abgewandt hatte, rannten dann um die Ecke, um zu lesen, was er in unsere Bücher hineingeschrieben hatte. Da erkannten wir, daß es für ihn seltsam gewesen sein muß, uns zu treffen. Wir hatten nichts spezielles zu sagen - keine Fragen - wir redeten nicht viel über seine Literatur - nichts tiefes. Im Grunde hatten wir ihn einfach nur getroffen. Wir hatten mit einem netten alten Mann angenehm geplaudert.

(Simone Federman, in: Raymond Federman: The Sam Book, two ravens press, 2006, S. 96. Eigene Übersetzung)

03.12.2008 11:08:11 


habt ihr meinen fisch gesehen?
er wurde von einem kraken gejagt
er hatte tentakeln wie ich finger an jeder hand
vielleicht hat er meinen fisch mumifiziert
vielleicht sitz ich im bauch des fischs
vielleicht hat es uns beide berührt

ich hielt mir einmal einen trilobiten ans ohr
er kroch langsam hinein. er war ganz behutsam dabei. und so sonor
er wäre lieber draußen geblieben
aber ich ließ ihn ein

später warf ich einen trilobiten aus meinem ohr
er wäre lieber drinnen geblieben
aber ich schmiss ihn raus
ich sah ihm eine weile zu dabei wie er ratlos nach mir suchte
dann ging er langsam ein

noch später kam ein fisch vorbei. er hatte sich verirrt
er war bleich und blind. er hatte keine augen, aber ein gespür für licht
man kann auch sagen, dass sein gehirn der schattigste teil seiner selbst,
sein drittes auge war

mein drittes auge, sprach der fisch, liegt hinter meiner stirn
es hilft mir dabei, mich in völliger dunkelheit zu befinden. nicht in äußerer finsternis
ich bin ein höhlenfisch. meine wege gehen nach innen
ich kehre nicht zurück

wenn der kalmar mich jagt
ist jeder seiner saugnäpfe ein auge
so sieht er sich satt
nachts, wenn alle schlafen, ist bei uns beiden tag

01.12.2008 11:51:49 

Der gute Satan XI


(zu ihm)

Mein Herr, mich friert hinter den Lidern, dieser Untergang ...
Ununterbrochen rollt die Sonne. „Kind“
hast du zu mir gesagt, du hast mich so genannt
und plötzlich flammten Kreise auf, wo mich so friert.
Hinter den Lidern donnert´s, lieber Herr ...
Die Rede wird sichtbar; begreifbar
das Wesen der Dinge. „Kind“
hast du gesagt und mich benannt,
du gabst mir meinen Sinn.

Nun laufe ich, das Meer trägt meine Last,
sein Finger kitzelt mich, sein blauer klarer Finger,
er kitzelt mich so sehr, dass ich ganz leise singe,
und ja, ich weiß, ich sinke in diesem Gesang,
dieses Schweigen, dieses Wasser im Mund,
ob man es hört, begreift ...

Unter den Löchern deines Rocks - da bin ich,
liege wach, mir träumt: ich träume: du sprichst:

Aus meinem Atem ist alles,
all das außer mir: die Welt
die du buchstabierst.
In meinem Namen tust du all das,
du gibst ihn mir, bis du darin bist,
bis du kommst, als Komet
zischst du rückwärts,
meinen Blick zu erklimmen.

30.11.2008 15:48:40 

Bauhaus Wetzlar


Bauhaus Wetzlar

Du tötest die Stunden in Wetzlar.
Da ist keiner, der dich animiert.
Alle Herrenschuhe gleichen einander,
und morgen ist der erste Advent.

Wie aus dem Lehrbuch zieht Rauch vorbei.
Der Blick vom Bahnsteig ordnet die Welt.
Gelb umrandet liegt still der Raucherbereich.
Du darfst die Blumen nicht vergessen.

Du darfst die Bücher nicht vergessen.
Wenn sonst nichts mehr hilft, kauf Geschenke.
Handwerker folgen dem Zeichen am Himmel.
Das Foto-Handy bräuchte mehr Licht.

Zwischen hier und jetzt wächst der Abstand.
Jemand spricht laut Chinesisch im Zug.
Bis Mitternacht sind die Läden geöffnet,
und vorher geht keiner nach Hause.

29.11.2008 22:41:50 

Fundstück 3


"Ich verließ das Anwaltsbüro naturgemäß in der höchsten Befriedigungsklasse."
Thomas Bernhard, Meine Preise

29.11.2008 12:24:05 

was etwas ist


diese geduldige besichtigung der tage
diese sorgsamen umkreisungen

dies hier ein tisch ein computer
wer wagt es zu sagen

hinterrücks das süße fehlen
jeglichen kommentars

28.11.2008 11:24:39 

~


8.05 - Ich stellte mir vor, wie ich morgens erwache und anstatt in einem Zimmer zu liegen, mich unter einem schönen freien Himmel wieder finde. Das ist eigentlich noch keine große Sache. Ich würde zunächst die Augen schließen und denken, das kenne ich doch, wie oft schon bin ich von einem Traum in den nächsten gewandert. Ganz still würde ich warten, um kurz darauf meine Augen erneut zu öffnen, und schon wieder oder noch immer wäre dieser schöne Himmel über mir, ein leichter Wind würde wehen und die Luft duften nach Salz und Tang. Wie ich mich aufsetze und schaue, hurra, Wasser in allen Richtungen, Wasser hin bis zum Horizont. Was für ein seltener Anblick, was für eine merkwürdige Erfahrung! So plötzlich auf hoher See, und der Boden, auf dem ich sitze, zittert, nein bebt, nein pulst, und ich würde denken, wie kostbar dieses Leben doch ist und dass ich mich nicht erinnern kann, wie ich hierher auf den Rücken eines Wales gekommen bin. – Es ist jetzt zwei Stunden nach Mitternacht, die Luft riecht nach Schnee und die Welt ist still. Alles schläft. Auch Sie werden schlafen, während ich diesen Text notiere. Aber nun ist etwas Zeit vergangen, und da Sie wach geworden sind, werden Sie vielleicht fragen, wie ich zu dieser Überlegung einer nächtlichen Meereslandung gekommen bin. Nun, das ist ganz einfach. Vor wenigen Tagen hörte ich, eine Frau habe sich gewünscht, einmal in ihrem Leben auf dem Rücken eines Wales zu stehen. Sie würde sich, sagte man, ihrer Schuhe entledigen und auf dem Rücken des Wales spazieren wie auf einem Unterseeboot. Natürlich habe ich darüber nachgedacht, was geschehen würde, wenn dieser Wal, von dem hier tatsächlich die Rede ist, sich nicht in der Nähe einer Küste, sondern auf dem offenen Meer, auf hoher See, befinden würde. Ja, und was würde geschehen, wenn der Wal zu tauchen wünschte, vielleicht weil er hungrig geworden ist, obwohl er doch die Schritte einer Menschenfrau auf seinem Rücken spürte. Stellen Sie sich vor, ich weiß wie er das macht. Der Wal wird langsam und geräuschlos sinken, jawohl. Aber noch ehe vollständig in die Tiefe abgetaucht werden wird, wird er noch einmal zurückkehren und ruhig neben der schwimmenden Frau im Wasser liegen, wird etwas Luftschaum blasen und ihr sein Auge zeigen. Ja, so genau wird der Wal das machen, und dann wird er in der Tiefe verschwunden sein, und vielleicht, nein, sehr sicher, wird die schwimmende Frau einen feinen Gesang aus der Tiefe vernehmen, die Geschichte einer Begegnung von einem Wal den Walen erzählt, eine Kurzgeschichte, mehr Zeit ist nicht.

für marjana gaponenko

teilchen2

25.11.2008 06:53:38 

gassi gehen mit mir


bei tage herrscht leinenzwang

aber der ich

zerrt kaum, lieb

ist er und kennt den weg

schnüffelt wittert „aaah die luft
ist freuden geschwängert“

setzt seine marke wort an den ecken

24.11.2008 22:31:31 

Wildern


Eines Nachts warfst du die Bärenhaut ab.
Ich versuchte gerade Fichtenduft – es gab
keine Pilze, bloß die üblichen weißlichen
Kellerkinder - als ich es hörte, an einem Tisch
ganz hinten zwischen fremden Mänteln tafelnd.

Friedlich sei die gewesen: Ist sie deshalb jetzt hier,
nach Art eines Mooshelms zusammengerollt,
ein Nanometer im Quadrat, in dem ein zweiter
Bär immerzu einen Lachs fängt? Daneben du,
daneben ich, ahnungslos, dass es sie gibt

in der verführten Wirklichkeit. Erzähl mir nur
nichts. Die Abwesenheit in diesem Anzug
ist eines, eines ist abseits und erledigt
selig das Gedicht, die Schiebung der Fibern
mit ihrem allgegenwärtigen Zucker, als wäre es

das Nächste. Wir tauschten die Plätze, nun
sah ich auf die verhängte Tür. Kein Durchgang,
Pelze, Fichte. Auf der Rückseite stand
Willkommen. Ein andermal zeige ich dir
eine Stelle, blau von Täublingen, versprochen.


"die imaginäre natur der identität"

24.11.2008 17:41:50 

Das heiße Fleisch der Wörter (Köno)


Trenne die flachen Wörter auf mit einem Stichel. Sieh
die Flügel ihrer inneren Organe. Laß die
Wörter laufen sich verpuppen wie
Amöben. Setze den Hund

auf ihre Spur. Reiße die Spur vom Schnee des Papiers
im Monat Zehn. Spüre die zehn Zähne des
Alfabets und ihre Spitzen. Zwing die
eine Rippe der Buchstaben

in den Schnee. Verfolge die gestiefelte Stimme im Schnee.
Trinke den Fluß bis die Fische bellen. Lies
die Wörter von den Mäulern der Hunde.
Pflanze einen geflügelten Wald usw.

24.11.2008 11:59:04 

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