Andreas H. Drescher

ERUPTICON III

Der Reflex   der   Apo
thekenlichter auf  blatt
feuchten Trottoirs  das
Knirschen    der    Ab
sätze von  ersten Halb
bekannten  die  Regen
halle halb  in sich  hin
eingesammelt  mit   ih
rem   Schweiß  mit  ih
rem Schmutz der Abend kommt  aus seinem Vorspann nicht heraus und selbst das
Schlucken hat seinen S-Fehler   Endlos   Wo aber steht etwas von dieser Pf
licht geschrieben rostige Fahrradständer als Hosen anzuprobieren?

16. Juni 2020 07:34










Andreas H. Drescher

ERUPTICON II

LUFTWURZEL

Wiehernder Zivilschutz
in Pappeln versteckt
im Plappern am Schulhof
Sie lauern sich aus um
alles Weiß und alles Schwarz von diesen Mauern abzuhalten Folglich und sam
sind sie schon bald mit Pausenbroten aufgepäppelt Dieser Umsetzung reichen
Mikroben Ergo setzt
Untersee und Magma

e
i
n

8. Juni 2020 08:03










Andreas H. Drescher

ERUPTICON I

Nur ein ganz leichtes Trampeltier
Ein wenig gedunsen zwar doch
eben dadurch in die Wipfel leckend
Wurfblüten bläst es aus dem geh
leerten Rüssel Jedes Fräulein das
getroffen verdoppelt flugs die Kunst
der Transparenz Je nach Lichteinfall
ist es ganz z/du Vor Freude wächst
dem Trampeltier ein blauer Bart

Vorher
immerschon
vorher

28. Mai 2020 05:12










Andreas H. Drescher

Robinson

Und mitten im Stein begegnet dir diese Silhouette

Ein Kind das sich vorbeugt
Um deine Maserungen
Noch einmal zu sehen

Den Marmor
Nun als F
Unkenflug

Sieben Wochen wartet es nun schon auf seinen Geburtstag

Über den Stein hinweg sehr nah
Und fried
fertiger denn je

Die Versöhnung gleich nach Mittag
Ganz Ohne Umriss
Vor laut

Er……….B…e…f…l…i…s…s…e…n…h…e…i…t

4. Mai 2020 12:32










Andreas H. Drescher

ALTERSZEICHEN

^Mit / HÄTTe iCH P2rzelbä7mE g8scHlagen´
u,m dEin L5cheN zU h?ren

Mit 13 Vogelstimmen nachgeahmt
um dir einen Satz abzulocken

Mit 17 hätte ich Atemlosigkeit geübt
um dich auf dieses Luftloch aufmerksam zu machen

>Heute 3in icH Sc9.0n f10h a6cH nu1
i,N 5inem r4Um m1t dI3 zu l8s8n`

29. April 2020 08:36










Andreas H. Drescher

Complicius im Kapp-Putsch

21. März 2020 23:37










Andreas H. Drescher

CHAMPIGNONS (Kapitel aus dem Roman „Kohlenhund“)

„Ganze drei Schichten habe ich´s unter Tage ausgehalten, bis mir die Schinderei zum Hals heraushing. Aber auch danach bin ich die Stollen nicht losgeworden, hab in der Champignon-Züchterei angefangen, in dem alten Schacht im Limberg. Ein Nachbar hat mich eingestellt. Ein pensionierter Bergmann, der billig an die ausgedienten Stollen gekom-men war. Fünfzig Meter ging es in den Stein. Überall der Geruch nach Hopfen. Die Donner-Brauerei hatte dort unten noch kurz vorher ein Bierlager gehabt.“ VOLLSTÄNDIG ANHÖREN.

21. Juni 2019 08:20










Andreas H. Drescher

DER FADEN (Kapitel aus dem Roman „Kohlenhund“)

Die Befriedigung, die ihm das Knacken der trockenen Zweige und Tannenzapfen unter den Füßen verschafft. Der Blick durch die Lichtmulden in den Baumkronen. Von Helligkeit aufgelöst selbst die Vögel in den Zweigen. Nur ihr Gesang übrig. Wechselnde Töne. Das setzt noch einen Raum in den Raum. Dann wieder ein Knacken, grundlos scheinbar, zwischen den Stämmen. Schließlich die winzige, lichtgelbe Raupe vor ihm. Sie windet sich, spinnt ihren Faden. Unsichtbar, sichtbar, unsichtbar. Lange steht er da und sieht das an…WEITERHÖREN

15. Mai 2019 06:20










Andreas H. Drescher

JESUS AVATARUS, BUDDHAN HINGEKLATSCHT

I.
Ich wollte wirklich, ich wäre gründlicher gestorben. Nicht so gemischt, nicht kerzengrade wie ein Embryo, gemütvoller vor allem, seliger beschaffen. Hinterdrein sogar noch hätte sich das ausgewirkt. Richtig fortgegangen, würden mir die Dämonen hierzuoberst nicht mehr so papieren rascheln und mir Angst einflößen, wie es sich gehört. Doch wer stirbt schon beim Auspacken des Butterbrots! Kein Stockwerk, keine Treppe, nicht mal ein wenig Bohnerwachs: einfach nach vorn gekippt auf die dick bestrichne Seite und dann ausvorbei und Amen.

II.
Wieder versammeln sich meine papierenen Dämonen. Unbestimmt und leise grinsend wie mein mobbigster Kollege, der sich sicher war, ich schlafe einfach ein über dem Butterbrot und murmle: „Seht euch nur an, wie er den Heringskopf auf seine Stulle buttert!“ So kollegial sind jetzt meine alpinsten Alpe. Nicht einmal zu Beelzebub habe ich´s gebracht. Bescheiden, dieser Tod, wirklich! Sehr bescheiden! Keine Klasse, ohne Wissen… Dem Allerhaarigsten nicht mal in vitro widersprochen. Bloß beleidigt, aber nicht mal fachgemäß gequält.

III.
Blamabel ist das, derart schmählich unpurgiert, dass kaum mein kleiner Finger davon weiß. Knister, knister! Ohne jedes Aufsehn weggestorben. In diesen ewig blauen Montag hinein. Ich weiß noch immer nicht, wie´s dazu kommen konnte. Das insultierende Papier um mich herum nennt mich inzwischen einen „Simulanten“ dieses Wochentags. Als könne ich etwas dafür, dass ich nicht an einem Freitag gestorben sei, am besten nach der Feierabendglocke oder in der Straßenbahn. Dabei dachte ich schon, ich hätte mit der Mittagspause mein Bestes getan.

IV.
Einmal wirklich geplagt sein und nicht bloß belästigt! Einmal die Ruten, Spieße und das Eis des neunten Kreises nicht bloß aus Papier! Immer wieder versuche ich es. Aber sie sind allzu druckfrisch, diese Kraftakte. Keine Stricke, bloß Marienfäden: Spinnweb. Ungewisse Schmerzen. Das will sagen: gar keine. Himmel, was für eine lahme Unterwelt! Zu sauber, viel zu sauber, wie eine frische Wegwerfwindel. Nein! Derart halbe Sachen sind meine Sache nicht. Immer bloß diese flachen Nervenspiele. Das Inferno beschränkt sich auf die Werkskantine.

V.
Wie also? Sind mein Dämonisches und ich am Ende Freunde? Oder wo rascheln sie so ungeduldig hin? Ein Schein, ein Mein, ein Dein am Bein. Das lacht nicht mal mehr über mich, bei aller Ungeduld. Da sind die Buchstaben – und mehr als vier – die sie mir alle machen. Selbst sie wollen es besser, wollen die ganze Pein statt bloß der Peinlichkeit. Ergo sehe ich mich nach einem Windmacher im Eis mit vier Gesichtern um. Nur er würde mir helfen, vor lauter Schreck den Tod im Tod zu sterben. Aber da ist nur dieser Knick in meinem Butterbrotpapier.

(Für Thorsten)

13. September 2018 09:53










Andreas H. Drescher

TAXI

(Das erste Kapitel meines ersten Romans „Kohlenhund“, das auf www.edition-abel.de auch nachzuhören ist.)

Der Eindruck, als habe sich alle Schwüle dieses Tages in den Innenraum des Taxis zurückgezogen, in das ich mich gleiten lasse wie in eine Flüssigkeit. Eine Flüssigkeit, von der auch das Denken eingeschlossen ist. Einen Augenblick lang die Befürchtung, der Fahrer könne mich in ein Gespräch ziehen wollen. Doch der bärtige Mann scheint ebenfalls in eine große Abwesenheit geraten, in der nichts mehr Geltung hat als ein unsinniges Warten auf Kühle. Nur schwach dringt das Bild seiner Massigkeit zu mir durch.

Mein tiefes Aufatmen bei dem Windhauch, der mit dem Anfahren hereindringt. Durchzug. Er streicht mir um Gesicht und Nacken, findet zwischen den Knöpfen des Hemdes hindurch. So nehme ich für mich selbst wieder Kontur an. Es ist, als hätte ich in der gestauten Luft hier einen Abdruck hinterlassen, der nun von mir abrücke und aus dem Fenster steige.

`Hauchseelen!´, denke ich. Ohne Zusammenhang. Nur das Wort. Erinnere mich dann erst an die Geschichte, in der den Sterbenden mit dem letzten Atemzug zugleich die Seele entfährt, um in die Wolken aufzusteigen.

Einen Augenblick lang sehe ich den schweren Mann jetzt sehr deutlich neben mir sitzen. Selbst er hat Kontur gewonnen im hereinströmenden Wind. Nur sein Bart vom Licht des Seitenfensters durchstochen. Ich bin ihm dankbar, dass er mich nicht anspricht. Ein entgegenkommender Bus. Lichtblitze von dessen Fenstern. Ich schließe die Augen. Rotgelbe Fraktale. Das Flattern der eingerissenen Sonnenblende. Deren Rhythmus löscht Fahrer, Fahrt und Fahrigkeit, lässt meinen Kopf gegen die Nackenlehne sinken.

27. Juni 2018 08:47