Markus Stegmann

Rest

Der Schnitt der Rosen hamsterte zu viel von seiner Zeit. Im Stadtgarten gingen die Beete aufrecht den Sterbenden entgegen, ohne dass sie sie sahen. Ich hielt meinen Mund zwischen Mütze und Vergessen verborgen. Viel zu schnell wendete sich die Geschichte, zuerst gegen mich, dann aber, wesentlich filigraner, fasste sie nach uns allen, und der Rest brach ein. Warum? Vielleicht erreichten die Erfrorenen vor langer Zeit die Fische, verschluckten, federten sozusagen die entscheidenden Minuten hinter vorgehaltenen Händen, aber bluteten nicht. Warum? Wieso floss ihr Blut nicht, während alle anderen der letzten Woche ihre Knochen nicht mehr fanden?

26. Februar 2013 22:54










Markus Stegmann

Die und die

Die und die, die immer so sind, im hellen Seitenlicht, weisst du, Regenlicht, das seitlich erhellte sich allmählich im hinteren Gelände Strassenschnee reflektierende Rückstände, Glasscheiben der Fassaden, Lastwagensonnen im gewendeten Oktober um die Oberfläche gekrempelte Haut.

12. November 2012 22:57










Markus Stegmann

Matt

Ich lehne meinen Finger an die Wand.
Im Wind verschwinden die Fliegen.
Eine Perle liegt auf dem Tisch, aber wozu?
In der Wurst schläft der Wald der Menge.
Die Leerstelle trägt locker mein Geweih des Morgens.
Nur Papier ist zu sehen, aber keine Windschutzscheibe.
Wenn ich rechne, legt sich ein Mantel auf die Strasse.
Am Abend sah ich einmal ein halbes Gesicht.
Nur im Abgelegenen montiere ich weiter.
Eine Kelle zwar, aber keine Geduld.
Manche schwammen, aber keiner wollte bleiben.
Mit dem Gesicht geht es nicht mehr lange weiter.
Ich streife die Vorhänge im Krankenzimmer zur Seite.
Da ist ein kleiner Bleistift.
Ich ziehe ihn übers Papier.
Die Buchstaben kannte ich noch.
Viele zwar, aber keinen.
Am Tisch verlor sich das Gewicht.
Ich schleife ein wenig Holz.
Die Stangen heute Nachmittag sind matt.
Der Garten trägt sein Grün.
In der Wiese gibt es gläserne Stellen.
Es könnte Unkraut sein.
So steht es auf der Packung.
Der Karton liegt gut in der Hand.
Ich will die Anleitung nicht lesen.
Ich stelle die Wiese ins Regal.
Das Pulver sieht trocken aus heute.
Es ist ein anderer Faden als gestern.

6. August 2012 22:18










Markus Stegmann

Documenta-Tabletten

Am Rande des Kanals treiben Bäume vorbei.
Ich bette den schweren Teil meiner Wanderung am Wegrand.
Es verschwinden die Zungen des Nachmittags.
Im Lehm leben wenige weiter, bleiben unbemerkt.
Eine Stimme hält sich die Waage.
Schwerer als die Helligkeit aufreissender Wolken legt sich der Regen.
In den Folgen des Gebäudes breitet sich der Staub des Theaters aus.
Ich verlangsame das Zählen der Wörter und schlafe ein.
Im Traum stehen Skelette vor einem Vorhang und streuen Heu.
Kamille, und schon steigen neue Tiere aus dem Hintergrund.
Später Tag, und die gefilterte Sonne verlässt die Bühne.
Dazwischen hängen einige Feigen am blau gestrichenen Geländer.
Die kleinen Palmen heben Kerzen eine Wolke vor Mitternacht.
Keine Tabletten, denn es hat genug Wiese zwischen den Eichen.
Wir hängen die Scheiben zu und treten ins Gewächshaus der Vitrinen.
Zugeschmiert steht der Schaumstoff dort und eingebettet ein kalter Vorhang.
Draussen ist es kühler, in der Durchsicht überschneiden sich transparente Tage.
Kein Ergebnis im Wohnwagen, aber Spuren der Reifen in der nassen Wiese.
Eine Verzweigung des Gebüschs bleibt hängen in der Luft.
Nochmals den Topf gewischt, dann ein Dach gespannt.
Ich hänge im Spalier des Weinbergs an kantigen Häusern und ihren Fasern.
Mit Folien spanne ich den Regen ab.
Korrekturen gezogener Schnüre.
Ich kehre zurück und wärme einen anderen Topf.
Die Ruine der Zukunft steht in vier Buchstaben vor Augen.
Ich streue ein paar Samen in die Fulda und wasche mein Gesicht.
Nicht einmal eine Schnur zündet den Weg zurück.
In der Gegend um die Kälte der Nacht fangen sich ein paar Personen.
Sie warten an einer Wand, aber sie öffnet sich nicht.
Im niedrigen Erdgeschoss des Spülraumes sitzen sie und bewegen sich nicht.
Auf den nassen Gliedern hält sich die Erinnerung des Tages.
Ich ziehe einen Gedächtnisvogel über den Hügel.
Er erinnert sich nicht an meine Mahlzeit.
In den Windungen des Vogels trocknen meine Kleider.
Ich nehme sie von der Stange und fische den Vogel aus der braunen Fulda.
Fahrzeuge haben die nasse Wiese abgeformt.
Es liegen Brillen auf dem Tisch.
Ich habe die Zeichnungen falsch gemacht.
Im Papierhut gabeln sich die nächsten Wege.
Ein anderer Baum und weitere reihen sich an meinen Kopf.
Dreizehn Teile, aber kein Baum, keine Tabletten.
Eine Umarmung folgt, aber zu viele Gerüste zuhause.
Ich leite Wasser in eine Verschachtelung aus Papier.
Es bleibt innen trocken, nur aussen schmelzen Kerzen.
Ich verteile den Dreck des Vormittags an die restlichen Vögel.
Auf die hintere Bank fallen Rosen.
Ich kennzeichne Holz, nur einige Schlachttiere heben die Pfoten.
Im Nebel folgt die nasse Luft Federhüten.
Ich klemme das Gepäck zwischen ihre Flügel und falte Temperaturen.
Nur leiser, dann folgen Papier und Ballast einer anderen Melodie.
Kompliziertes Besteck, nur im Krieg ziehen sie weiter.
Ich zähle die weichen Worte dieses Tages.
Ich trete aus der Grammatik aus.
Was bleibt ist Nässe auf der Haut.
Sagen wurde lächerlich.
Kämme Haare im Wind.

26. Juli 2012 22:13










Markus Stegmann

Neomontana

Ging die Impak an die Transvestia, die Transvestia veräusserte an die südkoreanische Yang-Min, die mit südafrikanischem Kapital Nutzungsrechte an der Neomontana geltend machte, die erst zögerte, dann uns nach Smolensk verschob, um uns zu zerschlagen.
Wo sind deine Augen, auf wessen Tisch hast du sie gelassen?
Am hinteren Wasserfallen liefen die Zerschlagenen in grosser Entfernung einer nach dem anderen über den Kamm. Dann hockten sie am Vogelberg, später am Frühen Eck, an der Kargen Fluh am Abend. Es wurde schwarz.
Sag mir, wo sind deine Augen, wenn ich in deine Augen schaue?

10. Juli 2011 22:43










Markus Stegmann

salbe mittig rutschte das schiff

an versen wer
am linienlicht
den dolch den
herzsporn der finger
ins ausreisen wir
aus tapeten ein
so und dann
legen wir deinen arm der
in weitem bogen

aus kinn erzählte
eine magensicht hatte
im licht im gleichschritt

liessen die das
am besten

kapitän aus schiff
getrocknete und
im bindemittel hoben sie
wie harfen

fassten an
dann tranken sie

wir gehen ab
bananen blinder sand
oder ein fell als
sense weiss ich
nicht

kamen die anders
dran als wir mit
reishänden rändern
aus trockenen kindern

aber das dachte ich
nur sah sie nicht
du kapitän aus schiff
wir trennten papier von
salben und fingern
rutschte dann in weissen
leinen ins meer

8. Mai 2011 22:40










Markus Stegmann

Ajdabiyah

sind wir dran zwei
hinter vorgehaltener hinter
brennenden augen
zerstörter radar als ich
den schleier legte
treten vier ins gegenlicht
verhängte gewehre
verkreuzte zeitungsgesichter
drei reihen nieder zum gebet
panzerfäuste in reihe
münden ein betender kopf
vorn sein karton hinten das
gebundene kind
koffer über koffer decken
drehen drei flieger
abwärts

27. März 2011 22:09










Markus Stegmann

staub auf mich (für liu xiaobo)

du wartest mit staub auf mich

atmet und verhängt das licht
zeigt mit balken den klaren
morgen einsam brennende
lippen werfen kalk der
knochenschutz-mantel
misst mindestens zwei hand
vermittelte treppe der sie licht
der sie roh gestemmte
sprache genähte zunge
verlegen eine scheibe klemmt
niedergestochene augen
hellen sich lang für lunge
hinter vorhängen
vorgehaltener mund
vergessene wie totentrauben
getrocknete finger die vertreiben
vorverhängte luft und schreiben:

du wartest einmal staub auf mich

21. März 2011 00:11










Markus Stegmann

libya17feb_2011_02_28_22:13:53

w: heute warfen die flugzeuge bomben
4e: und wir sprangen aus dem haus
w: sie haben uns gewarnt
4e: mehr und mehr flugzeuge kamen
n: aslam alekom
4e: du weisst
w: aber unsere herzen starben
w: daher sassen wir auf dem platz
4e: wir sind zeugen
w: wir werden uns immer an diese tage erinnern
w: in allen details
4e: schwöre zu gott ich möchte mein leben nicht eintauschen mit niemandem auf der welt
b wurde gelöscht von ftp
ftp: schreib nicht wenn die übersetzung läuft
w: einzigartiges gefühl hier zu sein
4e: es gibt leute weit draussen die
w: jetzt
4e: was wir fühlen
w: ich bin einer von ihnen
e: ich auch
jo: wir können stolz sein
w: einen grossen gruss für diese drei seelen
fb: wunderschön ali danke für
ftp: danke 4e und w
v: vielen dank ali
w: sehr tiefer austausch
u: ich wurde nicht gelöscht

28. Februar 2011 22:23










Markus Stegmann

Live on LibyaFeb17

arm der graue fahrer hellere ruckende
nächster rollt schwarzer gegenrichtung
bahnen reihen weiter jetzt queren
zwei die strasse schatten dünne stangen
zwei am bildrand abgeschnittene
mütze nochmal zwei parallel den wagen
weisser schwarzer wieder zwei zurück in
gegenläufige richtung wartet von oben
einer nach unten drei vier es sind fünf
mindestens drei warten zwei tragen eine
platte als bahre die drei warten mitten
zwischen einsteigen in den pickup
fährt auf der ladefläche zwei von
oben unten
2011-02-26 01:01:20

26. Februar 2011 01:17