Markus Stegmann

Verglommen

Adieu ihr Abendhallen
Du falsches Sprachrevier
Die falben Blätter fallen
Wir segeln fort von hier

Träum fort im stillen Grunde
Illusionen halten Wacht
Sterne drehn die Runde
Halten fest die Nacht

Und ob sie all verglommen
Die Thäler und die Höhn
Meer muss doch wiederkommen
Vögel auferstehn

21. Mai 2017 22:51










Markus Stegmann

Segeln

Am schönen Wundertag
am Abhang aller Augen
leblose Nähe lag
weder Nächte taugen

Am schönen Tag der Fliegen
beim Landgang aller Meere
Sommerstimmen lügen
segeln sanft ins Leere

21. Mai 2017 22:26










Markus Stegmann

Lerchen und Quellen

Du hast den Vogel mir gefangen
er war so leicht und war so frei
nun ist das Fliegen ihm vergangen
der Frühling kam und ging vorbei

Es liegen seine Federn hier
und nimmer können sie mich heben
aus der Lagune Meer Papier
die Nächte neue Vögel weben

Kaum dass wir beide uns besannen
da kreisen Vögel überall
wir gehen sprachlos schon von dannen
da überrollt uns Vogelhall

6. Mai 2017 22:33










Markus Stegmann

Strand

Wie es da ist
wie es etwas weiter ist
wie es auf den Felsen ist
auf den rauen Oberflächen
in leicht erhöhter Lage
wie es weiter draussen ist
wie

5. März 2017 21:34










Markus Stegmann

Verfangen

In der Menge
des Pigments verfangene
Hälfte des Gesichts
die andere verwischt
hebt und senkt sie sich

Dein Blick blieb
dennoch darin hängen
aus der Ferne
erdiger Fleck
an der Wand

Zu: Eugène Leroy, Autoportrait, recherche de volume, 1953

12. Februar 2017 23:13










Markus Stegmann

Zyklop

Schmaler Mund
aus leisen Linien
vor dem gasförmigen Kopf
steht eine Pupille
mittig davor

Blicklos blass
schaut sie mich an
aber sie sieht mich nicht
und ich erkenne
keine Person

Vor dem Körperkopf mit
schädelhaften Vertiefungen
schwebt einsam
die zentrale Pupille
als Zyklop

Zu: Francis Picabia, Untitled, 1946-47

6. Februar 2017 17:13










Markus Stegmann

Verrührt

Aprikose du Fond
Hintergrund und Körper
des Bildes mit guter
Menge Azur verrührte
Figur vielfaches Du

Verstreut in den Wind
ins Wasser verrührt
ein Wirbel mehr oder weniger
Täuschung oder Tarnung
im spiegelnden Meer

Zu: Willem de Kooning, Untitled XX, 1976

4. Februar 2017 22:51










Markus Stegmann

Café Bar Martin Malaga II

Kaum Platz zum Sitzen die paar
Plastikstühle belegt ältere
Kundschaft vor sich Glas Kaffee
Kopf zurück lehnt sie Kopf
zurück als sei die Luft raus

Neonlichthell beleuchtete Bar Café
was auch immer es hat Kaffee im
Angebot unsichtbar Alkohol und
was hinten noch ist weiss ich nicht
Begrüssung absitzen ausatmen

Giesst heisse Milch dazu serviert
schnell im Gedränge kaum kommt
man aneinander vorbei im
schmucklosen Café einzig du
Madonna aber ohne Dekor

27. Januar 2017 23:12










Markus Stegmann

Café Bar Martin Malaga I

Schmaler Korridor Kacheln
bestuhlt mit Plastik was will
sie schon wieder mit blauer
Leichtmetallkrücke Zuckertütchen
gratis nur dankt und geht

Schenkt nochmal ein
den Klaren eben rasch vom
untersten Regal neben dem
Mülleimer gegriffen und ebenso
schnell wieder dorthin zurück

Plastikmadonna mit Kind ragt
nur wenig aus der Wand hervor
schwebt schmucklos über den Köpfen
damit sich niemand daran stösst
öffnet den Grossraumkühlschrank

Bringt ein belegtes Brot mit dem
Messer zerteilt zum Schnaps schlägt
den Kaffeesatz raus was ist heut mit
euch los seid ihr überhaupt da dann
macht mal macht ihr mal

23. Januar 2017 00:14










Markus Stegmann

eines

eines
eines
tages tages
tages tages
tages

eines eines
tages
tag tag
tick tack
tages

eines

bist
du und du
bist
du

eines bist
du
tick tack tages
eines bist
du
bist du
tick tack
tages
sind wir du
und du
und

eines

bist du
du

bist du
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28. Dezember 2016 00:09