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	<title>der goldene fisch</title>
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		<title>Nach einem l&#228;ngst &#252;berf&#228;lligen Gespr&#228;ch &#252;ber Gedichte &#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 08:38:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hendrik Rost</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[PS: In L&#252;beck herrschte ein unglaubliches Unwetter, eine schwarze Wolkenlinse &#252;ber der Stadt, wom&#246;glich dieselbe, in die Hollande zuvor auf seinem Flug nach Berlin geraten ist. Der Blitz, der sein Flugzeug getroffen hat, das war wahrscheinlich eine wortw&#246;rtliche E-Mail aus dem Olymp, von wegen Wachstum durch Schulden &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>PS: In L&#252;beck herrschte ein unglaubliches Unwetter, eine schwarze<br />
Wolkenlinse &#252;ber der Stadt, wom&#246;glich dieselbe, in die Hollande zuvor auf seinem Flug<br />
nach Berlin geraten ist. Der Blitz, der sein Flugzeug getroffen hat, das<br />
war wahrscheinlich eine wortw&#246;rtliche E-Mail aus dem Olymp, von wegen<br />
Wachstum durch Schulden &#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Mitte</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 20:06:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirko Bonné</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[Da schweben sie hin und staunen sich ins Gesicht. Da ist Leben aus dem H&#228;uschen. Ich glaub, ich m&#246;cht f&#252;r immer sein dein Freund. H&#228;nde um den Mate-Tee. Man geht vorbei, so wie alles irgendwie vorbeigeht, aber es bleibt ja immer die Liebe. Und der Sinn des Ganzen? Keiner. An einem dunklen Fenster stehst du [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da schweben sie hin und staunen<br />
sich ins Gesicht. Da ist Leben aus<br />
dem H&#228;uschen. Ich glaub, ich m&#246;cht<br />
f&#252;r immer sein dein Freund. H&#228;nde<br />
um den Mate-Tee. Man geht vorbei,<br />
so wie alles irgendwie vorbeigeht,<br />
aber es bleibt ja immer die Liebe.</p>
<p>Und der Sinn des Ganzen? Keiner.<br />
An einem dunklen Fenster stehst du<br />
und rauchst in die Nacht. Gel&#228;chter<br />
in einem Hof. Die letzten Maschinen<br />
landen in Tegel, und nicht weit weg<br />
wohnte Dora Diamant. Zeit vergeht,<br />
die Pergola bl&#252;ht. Wieder Sommer.</p>
<p><em>F&#252;r Gerald Koll</em></p>
<p>*</p>
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		</item>
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		<title>Karwendel im Fr&#252;hling</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 09:06:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Koll</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[Am ersten Fr&#252;hlingsmorgen nach langen, sich hinziehenden Wintertagen und vorschnell dr&#228;ngelnden Sommertagen, ging Karwendel unter B&#228;umen hin durch die von Lokalen und Cafés flankierte Stra&#223;e seines Viertels und staunte &#252;ber den Farbverlust, den das Gegenlicht verursachte. Er bemerkte eine Frau, die ihm entgegen kam, doch kaum dass er sie wahrgenommen hatte, verschwand ihre Gestalt hinter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am ersten Fr&#252;hlingsmorgen nach langen, sich hinziehenden Wintertagen und vorschnell dr&#228;ngelnden Sommertagen, ging Karwendel unter B&#228;umen hin durch die von Lokalen und Cafés flankierte Stra&#223;e seines Viertels und staunte &#252;ber den Farbverlust, den das Gegenlicht verursachte. Er bemerkte eine Frau, die ihm entgegen kam, doch kaum dass er sie wahrgenommen hatte, verschwand ihre Gestalt hinter einem Baumstamm. Gleich w&#252;rde sie wieder auftauchen, doch sie tauchte nicht wieder auf. Die Frau musste, dachte Karwendel, in genau der gleichen Geschwindigkeit den Baum passieren wie er, dachte Karwendel und f&#252;hlte eine gro&#223;e Hingezogenheit und Seelenverwandtschaft und verliebte sich f&#252;r drei Sekunden. Da war er an dem Baum vorbei, und hinter dem Baum war niemand.<br />
Herr Karwendel bestellte beim B&#228;cker einen Kaffee und las. Auf die sonnenbeschienene Seite seines Buches setzte sich ein r&#246;tliches Insekt. Es verdeckte nicht einmal die H&#228;lfte eines Buchstabens, aber in kurzer Irritation wischte Herr Karwendel das Insekt fort. Auf dem Papier blieb ein roter Strich, der um ein Vielfaches l&#228;nger war als das gewesene Lebewesen. Wieder f&#252;hlte Karwendel eine gro&#223;e Hingezogenheit und Seelenverwandtschaft. Und er dachte, dass das Insekt all dies wohl anders wahrnahm als er: m&#246;glicherweise mit vielfach verlangsamter Zeit, in der es seinen Tod auf Jahre hinaus hat kommen sehen, w&#228;hrend eine riesenhafte Hand ausholte und ihm entgegenkam, ohne dass es sich seinem Schicksal h&#228;tte entziehen k&#246;nnen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Zazen-Sesshin (19)</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2012 18:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Koll</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[Die naht bî Parzivâle er stuont, da in bêden was der walt unkuont und dâ se bêde sêre vrôs. dô Parzivâl den tac erkôs, im was versnît sîns pfades pan: vil ungevertes reit er dan &#252;ber ronen und manegen stein. der tac ie lanc hôher schein. ouch begunde liuhten sich der walt, wan daz ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font color="red" size="5">D</font>ie naht bî Parzivâle er stuont,<br />
da in bêden was der walt unkuont<br />
und dâ se bêde sêre vrôs.<br />
dô Parzivâl den tac erkôs,<br />
im was versnît sîns pfades pan:<br />
vil ungevertes reit er dan<br />
&#252;ber ronen und manegen stein.<br />
der tac ie lanc hôher schein.<br />
ouch begunde liuhten sich der walt,<br />
wan daz ein rone was gevalt<br />
ûf einem plân, zuo dem er sleich:<br />
Artûs valke al mite streich;<br />
dâ wol tûsent gense lâgen.<br />
dâ wart ein michel gâgen.<br />
mit hurte vlouger under sie,<br />
der valke, und sluog ir eine hie,<br />
daz sim harte kûme enbrast<br />
under des gevallen ronen ast.<br />
an ir hôhem fluge wart ir wê.<br />
ûz ir wunden ûfen snê<br />
vieln drî bluotes z&#228;her rôt,<br />
die Parzivâle fuogten nôt.<br />
von sînen triwen daz geschach.<br />
do er die bluotes z&#228;her sach<br />
ûf dem snê (der was al wîz),<br />
dô dâhter «wer hât sînen vlîz<br />
gewant an dise varwe clâr?<br />
Cundwier âmûrs, sich mac f&#252;r wâr<br />
disiu varwe dir gelîchen.<br />
mich wil got sælden rîchen,</p>
<p>Sît ich dir hie gelîchez vant.<br />
gêret sî diu gotes hant<br />
und al diu crêatiure sîn.<br />
Condwîr âmûrs, hie lît dîn schîn.<br />
sît der snê dem bluote wîze bôt,<br />
und ez den snê sus machet rôt,<br />
Cundwîr âmûrs,<br />
dem glîchet sich dîn bêâ curs:<br />
des enbistu niht erlâzen.»<br />
des heldes ougen mâzen,<br />
als ez dort was ergangen,<br />
<font color="red" size="1,5">zwên zaher an ir wangen,<br />
den dritten an ir kinne.</font><br />
er pflac der wâren minne<br />
gein ir gar âne wenken.<br />
sus begunder sich verdenken,<br />
unz daz er unversunnen hielt:<br />
diu starke minne sîn dâ wielt,<br />
s&#246;lhe nôt fuogt im sîn wîp.<br />
dirre varwe truoc gelîchen lîp<br />
von Pelrapeir diu k&#252;negin:<br />
diu zuct im wizzenlîchen sin.<br />
sus hielt er als er sliefe.</p>
<p><i>Auszug aus <b>Wolfram von Eschenbach: Parzival</b>. 6. Buch: 282/283.</i></p>
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		<title>~</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 10:38:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Louis Seyerlein</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[0.22 – Kamele sind Tiere, die ich schon immer mochte. Sie erscheinen mir vertraut, als h&#228;tte ich einen Teil meines Lebens unter Kamelen zugebracht. Ihre gro&#223;en Augen, die leicht aus dem Kopf hervorstehen, ihr samtig ledriger Mund, ihr Geruch, ihr warmer Bauch, das weiche dichte Fell. Ich erinnere mich, dass man mir vor langer Zeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>0.22 – Kamele sind Tiere, die ich schon immer mochte. Sie erscheinen mir vertraut, als h&#228;tte ich einen Teil meines Lebens unter Kamelen zugebracht. Ihre gro&#223;en Augen, die leicht aus dem Kopf hervorstehen, ihr samtig ledriger Mund, ihr Geruch, ihr warmer Bauch, das weiche dichte Fell. Ich erinnere mich, dass man mir vor langer Zeit einmal erz&#228;hlte, ich sei w&#228;hrend meiner Besuche mit meinem Vater im zoologischen Garten immer wieder gern bei den Kamelen gewesen. Auch soll mein Vater mich auf den Schultern getragen haben, w&#228;hrend ich seinen gro&#223;en Kopf mit meinen kleinen Armen umfasste. Merkw&#252;rdig ist, dass ich mich an keine Fotografie erinnere, die mich dort oben als einen stolzen Reiter zeigt, vermutlich deshalb, weil mein Vater vor Jahren der einzige Fotograf der Familie gewesen war. Es existieren &#252;berhaupt nur wenige fr&#252;he Bilder, die ihn und mich gemeinsam zeigen. Und so habe ich nun folgendes probiert. Ich habe eine Fotografie in meinem Kopf illuminiert, ein Dokument, das nie existierte und doch sehr wirklich werden k&#246;nnte, wenn ich nur lange genug daran arbeite. Das Dokument ist eine schwarzwei&#223; Aufnahme. Sie zeigt einen Mann in weiten dunklen Hosen mit hellem Hemd, das ist mein Vater. Auf seinen Schultern sitzt ein kleiner Junge, auch er tr&#228;gt ein helles Hemd, Sandalen und kurze Lederhosen, das bin ich. &#220;ber uns verzweigt sich ein Ulmenbaum. Es ist ein m&#228;chtiger Baum. In seinem Schatten hinter einem Zaun stehen zwei Kamele, sie schauen uns an. Da ist noch ein Flamingovogel, hungrige Gestalt, der auf einem Bein mitten auf dem Spazierweg steht. Das sieht alles schon sehr gut aus, finde ich. Ich habe mir dieses Bild vorgestellt, bis ich es so genau vor mir sehen konnte, dass ich es auf einem vorgestellten Tisch drehen und wenden k&#246;nnte. Mein Vater, den ich jetzt in dieser Weise sehen kann, war ein junger Mann, der lachte. Er zeigte in die Richtung der Kamele. Und auch ich zeigte mit einem Finger in die Richtung der Kamele und auch ich lachte. Es war Sommer. – stop</p>
<p>15.14 – Wie ein nahender Tod in den Bewegungen der Menschen auf Hospitalfluren, in Gespr&#228;chen, Nachrichten, Telefonaten, auch in den Blicken pflegender Schwestern und behandelnder &#196;rztinnen nach und nach erscheint. Das Licht des kommenden Endes wird sichtbar im Leiserwerden der Stimme des Sterbenden, ein Mund, der sich &#246;ffnet wie der Mund eines jungen Vogels, nach Luft suchend, nach etwas Wasser, Tee, Aprikose. Letzte z&#228;rtliche Ber&#252;hrungen, die K&#252;hle der Glieder, wandernde Farben der Haut, liebevolle S&#228;tze von Dank, Klagen, Weinen, Gebete. Ja, das Licht eines nahenden Todes erscheint nach und nach unaufhaltsam wie das Licht der Farben auf einer Polaroidfotografie erscheint. – stop</p>
<p><a href="http://der-goldene-fisch.de/ping/wp-content/2012/05/transfer.jpg"><img src="http://der-goldene-fisch.de/ping/wp-content/2012/05/transfer.jpg" alt="" width="425" height="750" class="alignleft size-full wp-image-4753" /></a></p>
<p><a href="http://andreas-louis-seyerlein.de/air">&gt; particles</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Widerst&#228;nde</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 19:53:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirko Bonné</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[4 Animal Collective Animal Collective \&#34;Sleeper Factory\&#34; His voice (&#8230;) conveys the emotional impact of the rhythm and harmonies, which is what A(nimal) C(ollective) is all about. It&#8217;s tribal in that the sound is meant to be﻿ acted on and SCREAMED. (kosigan86, gepostet auf youtube) Animal Collective \&#34;Summertime Clothes\&#34; *]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>4   Animal Collective</p>
<p><a href='http://www.youtube.com/watch?v=seKklhwmT_8&#038;feature=related'>Animal Collective \&quot;Sleeper Factory\&quot;</a></p>
<p>His voice (&#8230;) conveys the emotional impact of the rhythm and harmonies, which is what A(nimal) C(ollective) is all about. It&#8217;s tribal in that the sound is meant to be﻿ acted on and SCREAMED. (kosigan86, gepostet auf youtube)</p>
<p><a href='http://www.youtube.com/watch?v=mKo9mvuxNaM'>Animal Collective \&quot;Summertime Clothes\&quot;</a></p>
<p>*</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Zazen Sesshin (18)</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 16:30:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Koll</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Vladimir&#8217;s Night&#8221; ist ein Hybrid aus Kinderbuch, einer &#228;u&#223;erst blutigen M&#228;rtyrergeschichte und einem verschachtelten politischen Traktat. Vladimir (Putin &#8211; auch wenn der Name nie genannt wird) ist gleichzeitig ein kleines Kind und ein politischer F&#252;hrer, der in seinem Sommerhaus Ferien macht. Vor dem Einschlafen sieht er in der Maserung seines Schlafzimmerschranks Gesichter. Die Gesichter beginnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Vladimir&#8217;s Night&#8221; ist ein Hybrid aus Kinderbuch, einer &#228;u&#223;erst blutigen M&#228;rtyrergeschichte und einem verschachtelten politischen Traktat. Vladimir (Putin &#8211; auch wenn der Name nie genannt wird) ist gleichzeitig ein kleines Kind und ein politischer F&#252;hrer, der in seinem Sommerhaus Ferien macht. Vor dem Einschlafen sieht er in der Maserung seines Schlafzimmerschranks Gesichter.<br />
Die Gesichter beginnen sich zu bewegen, ein Mund &#246;ffnet sich, belebte Objekte fliegen heraus, um mit Vladimir zu kuscheln, ausgelassene Freunde tauchen aus einer Schublade und aus Vladimirs Tasche auf. Das fr&#246;hliche Treiben schl&#228;gt aber rasch in Gewalt um. Vladimir wird vergewaltigt, gefoltert und am Ende von den Objekten ermordet&#8230;<br />
Der israelische K&#252;nstler Roee Rosen steckt hinter dem russischen Schriftsteller und K&#252;nstler Efim Poplawski (1978-2011) aka Maxim Komar-Myshkin. Dieser war stark von Daniil Charms&#8217; zugleich komischer und schauriger Form des Absurden beeinflusst, die f&#252;r ihn zwei scheinbar unvereinbare Zust&#228;nde verk&#246;rperte: eine durch die Kunst gewonnene heitere, aufs&#228;ssige, irrationale Autonomie und das allumfassende Gef&#252;hl eines realen rachs&#252;chtigen Animismus.<br />
Roee Rosen (*1963): &#8220;Vladimir&#8217;s Night&#8221; by Maxim Komar-Myshkin, 2011/2012. Auswahl aus einem Album mit 40 Gouachen und Text auf Papier, je 55&#215;36,5 cm.<br />
<em>(Programmtext der Brosch&#252;re zur Ausstellung/Konferenz Animismus, 16.3.-6.5.2012, Haus der Kulturen der Welt, Berlin.)</em></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Widerst&#228;nde</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 15:28:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirko Bonné</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[3 Mati Shemoelof: Mein toter Vater Die Briefmarken sammelten die letzten Tage meines Vaters in L&#228;ndern die er nie bereiste, er legte sie in die Wasserschale seiner Seele und l&#246;ste sie vom Umschlag der Vernachl&#228;ssigung in den Arbeitervierteln der Stadt Haifa, die Krakenarme staatlicher Beh&#246;rden aber gaben die Marke nicht frei und als Kainsmal blieb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>3   Mati Shemoelof:</p>
<p><em>Mein toter Vater</em></p>
<p>Die Briefmarken sammelten die letzten Tage<br />
meines Vaters in L&#228;ndern die<br />
er nie bereiste,<br />
er legte sie in die Wasserschale seiner Seele<br />
und l&#246;ste sie vom Umschlag der Vernachl&#228;ssigung<br />
in den Arbeitervierteln der Stadt Haifa,<br />
die Krakenarme staatlicher Beh&#246;rden<br />
aber gaben die Marke nicht frei<br />
und als Kainsmal blieb die schwarze<br />
Tinte.</p>
<p>*</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Zazen-Sesshin (17)</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 05:54:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Koll</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[Der ist auch schon da, der d&#252;rre Raubtierkopf, Sternbild aus Astl&#246;chern der Diele. Ein wenig d&#252;rrer wirkt er heute. Mehr als einem L&#246;wen gleicht er einem Panther, dem man die Z&#228;hne zog und Augen stach: Baghira beim Wiedersehen mit Mowgli, der heimkehrt in den Dschungel, ihn zu roden. Das zum Rad aufgestellte Kissen schont die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der ist auch schon da, der d&#252;rre Raubtierkopf, Sternbild aus Astl&#246;chern der Diele. Ein wenig d&#252;rrer wirkt er heute. Mehr als einem L&#246;wen gleicht er einem Panther, dem man die Z&#228;hne zog und Augen stach: Baghira beim Wiedersehen mit Mowgli, der heimkehrt in den Dschungel, ihn zu roden.<br />
Das zum Rad aufgestellte Kissen schont die Knie. Das Rad wird S&#228;geblatt mit winzigen Vibrationen. Nach vierzig Minuten schlagen seine Z&#228;hne klappernd auf die meinen. Zusammen hoffen wir, zers&#228;gte H&#228;lften, auf das Fr&#252;hst&#252;ck. Der Brei wird z&#228;h und klebrig sein, er ist mein Reisverschluss.<br />
Der dritte Tag w&#252;rde der h&#228;rteste, hatte man gewarnt. Er begann vor langer Zeit. Es ist 05:20 Uhr.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Yttrium</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 15:33:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sylvia Geist</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://der-goldene-fisch.de/ping/?p=4720</guid>
		<description><![CDATA[hinterm mond ohne horizont f&#252;r die d&#252;nen ohne biologie und bildschirm verpasste ich den start. drinnen streiften sie das mmmmnackte staunen &#252;ber ihre gesichter bl&#228;ulich vor dem stillstand eines allgemeinen herzens flackerten sie mit den teuren missionaren dem verlust der erdenschwere entgegen. ich war nicht dabei. sah den dandy schwebend im raum seines lichten anzugs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>hinterm mond<br />
ohne horizont f&#252;r die d&#252;nen ohne biologie und<br />
bildschirm verpasste ich den start. drinnen streiften sie das<br />
<span style="color: #f3efec"> mmmm</span>nackte staunen &#252;ber ihre gesichter bl&#228;ulich vor dem stillstand<br />
eines allgemeinen herzens flackerten sie mit den teuren missionaren<br />
dem verlust</p>
<p>der erdenschwere<br />
entgegen. ich war nicht dabei. sah den dandy<br />
schwebend im raum seines lichten anzugs nicht den boden<br />
<span style="color: #f3efec"> mmmm</span>proben den wir nie verlassen hatten. verpasste die geschichte<br />
drau&#223;en ohne mond und horizont und ebenso kalfatert<br />
von derselben </p>
<p>dunkelung durch<br />
die es schon wieder auf uns zu flog<br />
apollinisches projektil zur&#252;ck vom ziel kleine tr&#252;mmer der heimatfiliale<br />
<span style="color: #f3efec"> mmmm</span>an bord mutterk&#246;rner pechvogelgew&#246;lle. einen augenblick in den d&#252;nen<br />
der d&#228;cher diodenjahre weiter. ich &#252;bersah die strecke nicht<br />
die k&#252;rze.</p>
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		<title>Das letzte Gold</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 15:01:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hendrik Rost</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichte klemmte ich mir ans Fahrrad. Ein kleines B&#252;chlein mit Texten von Trakl war mein liebstes. Ich lernte An den Knaben Elis auswendig, Grodek und andere. Auf dem Weg zur Schule kam ich &#252;ber Land, 13 Kilometer durch Maisw&#252;sten. Wie schwerm&#252;tig ich war, das las ich in den Texten. Die Bewegung regte mich an, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gedichte klemmte ich mir ans Fahrrad. Ein kleines B&#252;chlein mit Texten von Trakl war mein liebstes. Ich lernte An den Knaben Elis auswendig, Grodek und andere. Auf dem Weg zur Schule kam ich &#252;ber Land, 13 Kilometer durch Maisw&#252;sten. Wie schwerm&#252;tig ich war, das las ich in den Texten. Die Bewegung regte mich an, das Auswendiglernen war Abbild der Bewegung im Geiste. Insgesamt war das alles l&#228;cherlich: der Mais, die Gedichte, das Fahrrad, die Schwermut. Und es war grandios. Ich fuhr Komplexen f&#252;r den Moment davon und tr&#228;umte dabei nie von k&#252;nftiger Gr&#246;&#223;e. Ich tr&#228;umte ohnehin nicht viel, sondern las, von den Fingern der M&#246;nche, von traurigen Tieren und von dunkler Deutung. In der Schule zehrte ich von meinem Image als Sonderling, etwas Schauspieler, etwas Sportler, etwas ehemaliger Rebell. Und etwas Leser. So ging es weiter. Wer wei&#223;, wozu das noch gut sein wird?</p>
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		<title>Zazen-Sesshin (16)</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Apr 2012 20:35:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Koll</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit &#196;chzen und Knarren in den Planken des Gebeins richtet das sitzende Dutzend sich auf. Nach vierzig Minuten des Sitzens geht es im Kreis, gemessenen Schrittes, gesenkten Blicks, Kin Hin, mit angelegten H&#228;nden vor der Brust, blinzelnd unter den Lidern, ob der Abstand zum Vorderen k&#252;rzer oder l&#228;nger wird, denn der namenlose M&#246;nch achtet auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit &#196;chzen und Knarren in den Planken des Gebeins richtet das sitzende Dutzend sich auf. Nach vierzig Minuten des Sitzens geht es im Kreis, gemessenen Schrittes, gesenkten Blicks, <em>Kin Hin</em>, mit angelegten H&#228;nden vor der Brust, blinzelnd unter den Lidern, ob der Abstand zum Vorderen k&#252;rzer oder l&#228;nger wird, denn der namenlose M&#246;nch achtet auf Gleichma&#223;, und unwirsch wird er bei gegebenem Anlass.</p>
<p>Das Schreiten f&#252;hrt heraus aus den Gr&#228;ben der Dielen. Diesmal waren sie Savannen. Schwaden Nebels zogen hindurch, bis sie sich lichteten und die Savanne Dornen trug, befallen von Aschen ausgebrochener Knie. Die schrien vor Schmerz, im Eindruck der Striemen gl&#252;hender Dr&#228;hte und im Zucken kommender Schmerzen. Hindurch!!, gezw&#228;ngt und bezwungen von hinten und vorn. Unm&#246;glich, den Schmerz zu verdr&#228;ngen, auch mit Liebe war er nicht bestechlich, so wurde ich Tiger und kreiste ihn ein. Ich schnitt ihn ab von Vorher und Nachher, kam n&#228;her, zog die Kreise enger, bis, jede Sekunde aufs Neue, das eben Erlebte l&#228;ngst vergangen war und die n&#228;chste Zukunft in fernster Weite unber&#252;hrt lag: bis der alles verschlingende Schmerz abgenagt war auf die kleinste Gr&#246;&#223;e des Moments, die den Schrei nicht lohnt. </p>
<p>Doch tr&#228;ge wurde ich und verlegte mich ins Kauern. Die Savanne wurde Steppe. Trockener Wind blies Zahlen dar&#252;ber hin, die sich verketteten und sich um meine Kehle legten und verschn&#252;rten wie ein Strick, der das Ende sucht und sich um die Gurgel legt und schwerer wiegt mit jeder Zahl: Jede m&#246;ge die letzte sein, doch legte sich, solange der M&#246;nch die Schale nicht schlug, die n&#228;chsth&#246;here Zahl auf die letzte, eine bleierne Elf auf die Zehn, darauf die Zw&#246;lf, darauf die Dreizehn und am Ende dieses Tages, des 28. Dezember, die Einhundertundneununddrei&#223;ig.</p>
<p>Bevor &#228;chzend und knarrend die Knochen den Stand fanden, k&#252;sste die Stirn gedanklich den Sand der Steppen der Dielen, F&#252;&#223;e wandelten benommene Minuten, Abstand wahrend zu den stummen Nomaden, die zum 24. Mal beieinander sa&#223;en, jeder f&#252;r sich, in der Glut ihrer H&#246;llenwinkel. 28. Dezember um zehn Uhr nachts. Himmel und Sterne. Wir sch&#252;tteln uns still.</p>
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		<title>Mit dem M&#228;rz</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 08:14:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirko Bonné</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem M&#228;rz kam der Regen, der Winter schmolz weg. Ein Taxi, das hielt, stoppte in Wasserlachen, die U-Bahn war Lichterschlange und kroch durch die F&#228;den. Mit dem M&#228;rz h&#246;rte ich auf, um alles Angst zu haben. Welchen Wein du trinkst &#8211; falls Wein -, der Winter geht zu Ende. Und das Taxi f&#228;hrt los, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem M&#228;rz kam der Regen,<br />
der Winter schmolz weg. Ein Taxi,<br />
das hielt, stoppte in Wasserlachen,<br />
die U-Bahn war Lichterschlange und<br />
kroch durch die F&#228;den. Mit dem M&#228;rz<br />
h&#246;rte ich auf, um alles Angst zu haben.</p>
<p>Welchen Wein du trinkst &#8211; falls Wein -,<br />
der Winter geht zu Ende. Und das Taxi<br />
f&#228;hrt los, durch die goldenen Pf&#252;tzen.<br />
Die Bahn ist l&#228;ngst Hudtwalckerstra&#223;e,<br />
B&#228;ume, Leute im Regen. Mit dem M&#228;rz<br />
glaubst du nicht mehr, Panik sei gastlich.</p>
<p>*</p>
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		<title>Zazen-Sesshin (15)</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 16:49:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Koll</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[Dreh und wende nichts, tr&#228;ume nicht hinab ins Dunkelnass der S&#252;nden. Durch die Stille geht das d&#252;nne Pfeifen einer Nase. Der namenlose M&#246;nch gibt zu verstehen, Nasenpfeifen verrate ein Schlummern, doch Schlummern sei nicht Meditieren, ganz im Gegenteil sei das Meditieren eine aufmerksame Wachheit. Mit einem Ruck h&#228;lt er den Atem an, als gelte es, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dreh und wende nichts, tr&#228;ume nicht hinab ins Dunkelnass der S&#252;nden. Durch die Stille geht das d&#252;nne Pfeifen einer Nase. Der namenlose M&#246;nch gibt zu verstehen, Nasenpfeifen verrate ein Schlummern, doch Schlummern sei nicht Meditieren, ganz im Gegenteil sei das Meditieren eine aufmerksame Wachheit. Mit einem Ruck h&#228;lt er den Atem an, als gelte es, dringlich und mit allen Sinnen zu lauschen. Mit Sinnen und Kr&#228;ften. Beide Arme kr&#252;mmt er vor sich, die H&#228;nde zu F&#228;usten geballt, als w&#252;rde er mit seinen Unterarmen einen K&#252;bel umklammern. Nichts regt sich, nicht der kleinste Laut ist da, auch kein Nasenpfeifen mehr, und in die angespannte Stille schweigt der namenlose M&#246;nch. Sein Schweigen umklammert die Sitzenden. Innerlich erregt, registriere ich die Lockerung, den Einsatz, den erneuten ersten, noch sehr leisen, fast versunkenen Pfiff, als streiche &#252;ber eine seit hundert Jahren am Meeresgrunde salzig eingelegte Violine eine Str&#246;mung des Atlantiks. Ein letzter Klagelaut, das kleinste Requiem der Welt, ein Echo Lots.</p>
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		<title>Zazen-Sesshin (14)</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 16:45:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Koll</dc:creator>
				<category><![CDATA[a]]></category>

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		<description><![CDATA[Reines Warten ist Folterqual, und niemand hielte es aus, sieben Jahre oder auch nur sieben Tage lang dazusitzen oder auf und ab zu gehen und zu warten, wie eine Stunde lang zu tun man wohl in die Lage ger&#228;t. In gr&#246;&#223;erem und gro&#223;em Ma&#223;stabe kann das darum nicht vorkommen, weil dabei das Warten derma&#223;en verl&#228;ngert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Reines Warten ist Folterqual, und niemand hielte es aus, sieben Jahre oder auch nur sieben Tage lang <font color="red" size="1">dazusitzen oder auf und ab zu gehen</font> und zu warten, wie eine Stunde lang zu tun man wohl in die Lage ger&#228;t. In gr&#246;&#223;erem und gro&#223;em Ma&#223;stabe kann das darum nicht vorkommen, weil dabei das Warten derma&#223;en verl&#228;ngert und verd&#252;nnt, zugleich aber so stark mit Leben versetzt wird, dass es f&#252;r lange Zeitstrecken &#252;berhaupt der Vergessenheit anheimf&#228;llt, das hei&#223;t, ins Unterste der Seele zur&#252;cktritt und nicht mehr gewusst wird. Darum mag eine halbe Stunde reinen und blo&#223;en Wartens gr&#228;sslicher sein und eine grausamere Geduldsprobe als ein Wartenm&#252;ssen, das in das Leben von sieben Jahren eingeh&#252;llt ist. Ein nah Erwartetes &#252;bt, eben verm&#246;ge seiner N&#228;he, auf unsere Geduld einen viel sch&#228;rferen und unmittelbareren Reiz aus als das Ferne, es verwandelt sie in nerven- und muskelzerrende Ungeduld und <font color="red" size="1">macht Kranke aus uns</font>, die buchst&#228;blich mit ihren Gliedern nicht wissen, wohin, w&#228;hrend ein Warten auf lange Sicht uns in Ruhe l&#228;sst (&#8230;).</p>
<p><i>Auszug aus <b>Thomas Mann: Joseph und seine Br&#252;der</b>. 1. Buch: Die Geschichten Jaakobs, 5. Hauptst&#252;ck: In Labans Diensten, Kapitel: Von langer Wartezeit.</i></p>
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