Christine Kappe

Im Unterbewusstsein werden wir um 1 verschoben. Wir geben uns nicht genug Liebe / mit. Wir reißen uns morgens aus dem Bett und müssen los, bevor wir wachgeworden
sind. Wir fahren im Dunkeln irgendwohinwo wir gar nicht hinwollen wo
stimmen inneres und äußeres Bild überein – so gibt es ein inneres und ein äußeres Bild,
Tage, die immer wieder um sich selbst kreisen und dadurch kein Ende nehmen und schließlich ein einziges Knäuel bilden vom Wind vertrieben werden in die Nacht getrieben
werden, dieser Wind. Dieser Abendwind.
Fische.

(Antwort auf: Andreas Louis’ russischen Gedankengang)

18. Oktober 2017 18:23










Konstantin Ames

Kleine Promenadologie

Es ist die erste und einzige Regel des Promenadologen
keine Barschaft bei sich zu führen. Solche / Gänge
(seien’s die kleinsten Wege) sind Geschäftsreisen.

Ein Promenadologe wird während seiner Streifzüge zum man.
Man passiert einen Basssaxofonisten, lispelt innerlich etwas.
Geht weiter. Wird mehr und mehr zum Beuteltier, das was kann.

Man schreibt auch Liebeslieder, aber auch Lieder auf Molche
in der Enge einer Parkbank. Das Abfackeln der Parkbänke*
dauert Spaziergangsgeleerten zu lang (=) in Neopreußen

Askesekoketterie abzuziehen, auf die in diesen Tagen so viele flogen.
Janwagnerianern den Nadaismus beizubiegen macht nicht weniger Spaß.

* Pawlenski: «Parkbanken.»

18. Oktober 2017 14:12










Karin Fellner

chroniksch

wellig gehen Orte auf und unter
Miesfäden, Moosfäden,
verfilzte Generationen

Torf, Bregen, abgedeckt
die Schädelplatten der Haie
weißt schon, Haie mit Bärten

abgedeckt auch die Soden
von mageren Jongens, ha
ihre verbrannten Gebeine

und am Kliff, war das Schilf, ging das schief
ein und aus
unterm Ab-Abdecker

Torf, am Totenfenster
steht noch der Leuchter, sah
seine Arme schmerzen

indes hocken Haie und Jongens gemeinsam am Hafen und
lachen und essen einander
hier alles in deutscher Hand

18. Oktober 2017 07:35










Gerald Koll

Don Quixote, aufgenommen mit Phantom-3-Drohne des chinesischen Herstellers MeLi

14. Oktober 2017 00:08










Konstantin Ames

Kein Fachkräftemangel

Wer immerzu nur Sprüche machte, und damit unter DIY-Fanfarenschall
einen Dichter in die Tiermetaphorik und die rechten Hammer-Philosophie-Ecke
abschöbe, bliebe doch auch bloß ein
bloßstellerischer Sprüchemacher. Im Verhältnis zu Schriftstellern: „germanisten
nisten[.]mager“ (Mautz): überwögen solche Fachkräfte samt Gehilfen stets im
Verhältnis 3:1. Zur Freude jeder Porzellanfabrik nebst angestellter Gäule. Hü!

für Christian Lorenz Müller

10. Oktober 2017 05:32










Christian Lorenz Müller

DREI SPRÜCHE FÜR DICHTER

Jeder Dichter ist seines eigenen Glückes Schmied,
aber ganz besonders der, der sich nicht scheut,
jederzeit zum Hammer zu greifen.

Ein Dichter sprach gerne über “abgehalfterte Kollegen”.
Er selbst tat nichts lieber, als sich ordentlich
ins Geschirr zu legen.

Am Anfang war das Wort, und das Wort war beim Dichter;
am Ende stand ein Werk, es war für Germanisten.

9. Oktober 2017 09:15










Andreas Louis Seyerlein

Ход мыслей

Я иду несколько шагов налево, затем я иду несколько шагов направо. Как только я хожу, я думаю иначе, чем если бы я думал сидя. Я многое уже передумал в то время, как я ходил. И я многое уже забыл в то время, как я ходил. Когда я хожу, мысли возникают из воздуха и исчезают обратно в воздухе. Когда я сижу, мысли возникают из моих рук. Как только я перестаю писать, мои руки покоятся на клавиатуре печатной машинки и ждут. Они ждут того момента, когда голос в моей голове продиктует, что писать. Я мог бы, наверное, сказать, что мои руки ждут того момента, когда они смогли бы разгрузить мою память. О том, что я моими руками пишу в клавиатуру печатной машинки, я думал, но я не выучил, не сохранил того, что я написал, поскольку я знаю, что я мог бы вернуться обратно и прочитать то, что я отметил. Странные вещи. О некоторых странных вещах я думаю во второй или в третий раз. Только что я заметил, что невозможно в один и тот же момент написать два знака на моей печатной машинке, один знак всегда на долю секунды опережает другого знака. Когда я думаю о странных вещах, я радуюсь. Когда я радуюсь, я не могу оставаться там, где я нахожусь. Радость — ето чувство, которое приводит меня в движение. Я вспрыгиваю, если я сидел, или я прыгаю в воздух, если я уже стоял на ногах. Тогда я иду несколько шагов налево, затем я иду несколько шагов направо. Как только я хожу, я думаю иначе, чем если бы я думал сидя. — Стор

(Text übersetzt von
Anastasiya Nonenmacher,
Deutschland 2017)

Gedankengang

Ich gehe ein paar Schritte nach links, dann gehe ich ein paar Schritte nach rechts. Sobald ich gehe, denke ich in einer anderen Art und Weise, als würde ich noch sitzen. Ich habe schon viel nach­ge­dacht während ich ging. Und ich habe schon viel vergessen während ich ging. Wenn ich gehe, kommen die Gedanken aus der Luft und verschwinden wieder in die Luft. Wenn ich sitze, kommen die Gedanken aus meinen Händen. Sobald ich einmal nicht schreibe, ruhen meine Hände auf den Tasten der Schreib­ma­schine und warten. Sie warten darauf, dass eine Stimme in meinem Kopf diktiert, was zu schreiben ist. Ich könnte viel­leicht sagen, dass meine Hände darauf warten, mein Gedächtnis zu entlasten. Was ich mit meinen Händen in die Tastatur der Maschine schreibe, habe ich gedacht, aber ich habe, was ich schrieb nicht gelernt, nicht gespei­chert, weil ich weiß, dass ich wieder­kommen und lesen könnte, was ich notierte. Selt­same Dinge. Ich denke manchmal selt­same Dinge zum zweiten oder dritten Mal. Gerade eben habe ich wahr­ge­nommen, dass es nicht möglich ist, zwei Zeichen zur selben Zeit auf meiner Schreib­ma­schine zu schreiben, immer ist ein Zeichen um Bruch­teile von Sekunden schneller als das andere Zeichen. Wenn ich selt­same Dinge gedacht habe, freue ich mich. Wenn ich mich freue, kann ich nicht bleiben, wo ich bin. Die Freude ist ein Gefühl, das mich in Bewe­gung versetzt. Ich springe auf, wenn ich saß, oder ich springe in die Luft, wenn ich bereits auf meinen Beinen stand. Dann gehe ich ein paar Schritte nach links, dann gehe ich ein paar Schritte nach rechts. Sobald ich gehe, denke ich in einer anderen Art und Weise, als würde ich noch sitzen. – stop

> particles

8. Oktober 2017 18:24










Tobias Schoofs

PUDELSKERN

enrico hatte gewarnt aber keiner hörte
der pudel war so niedlich: bellte nur
wenn es angebracht war und machte

den clown wenn uns kinder besuchten
unbeobachtet hatte er böse gedanken
harry biss er in die hand sie verdorrte
und harry starb schon im monat darauf

als louis seine hand schützend über ihn
hielt biss er wieder zu louis starb zwei
wochen später. zeugen überlebten jahre
zum teil aber starben oft an den folgen

mehr vorsicht hatte enrico gefordert
doch keiner hörte auf ihn. es war doch
ein so nützlicher niedlicher pudel

8. Oktober 2017 14:19










Konstantin Ames

s’ top Eishörnchen lag

da noch. Bei uns gibt’s keine Nüsse, Herr Freud,
nur Leid. Und Schilder. Keiner glaubt mehr daran.
Sie werden immer vollgeklebt, immer überfahren.
Alles hier ist ein Flop, selbst dieser faustförmige
Ketschupfleck an meinem Arm. Ich klopfte jeden Tag damit an
die Türen der Nachbaumeister. Ihre Secondshowshops*
florierten; verwaisten: Die Gestalten brauchten zu viel Eis
während der Brandrodung der Kritischen Wälder, alles
erkaltet (lies ruhig mal wieder Brecht, aber ruhig), prächtig veraltete Scharen
Stoppschilder auf Feldherrenhügel gepflanzt wie Befehle in Ohren, ihr Echo
hallt wieder(!) in den Mittelfingergebirgen, und ob-ob-ob-ob-ob …, sasa ke?
Wenn Ketschupfaust und Faunenschädel zusammenstoßen und es klingt hohl,
ist das allemal im Ketschupfaust? * Kling klang schon verklungen
[Hier bitte klinkeln, Kernölkompetenzkollege kommt gleich.]

8. Oktober 2017 10:33










Thorsten Krämer

Das Eichhörnchen

Ankomme Freitag STOP Halte Nüsse bereit STOP

Planänderung STOP Ankomme Donnerstag STOP Nüsse vorhanden STOP

Keine Nüsse STOP Falsche Adresse STOP Reise verschoben STOP

Ankomme Sonntag STOP Sind zu zweit STOP Abholung erwünscht STOP

Krank STOP

Wieder gesund STOP Ankomme Dienstag STOP

Zwei Stunden gewartet STOP Niemand da STOP Was war los STOP

Entschuldigung angenommen STOP Freitag optimal STOP

Finde Nüsse nicht STOP Samstag besser STOP

Nüsse verfault STOP Großer Hunger STOP Bin unterwegs STOP

Tauwetter STOP

(Ein Klick aufs Cover führt zur vertonten Version.)

7. Oktober 2017 15:45










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