Andreas H. Drescher

Complicius im Kapp-Putsch

21. März 2020 23:37










Mirko Bonné

Krise

Im Innenhof blüht in der Krise
um Ansteckung, Atemabstände,
Hustentod, Ausgangssperren
Passierscheine und Liefer-
engpässe rosig, rot bis
lila abends bei Dämmern,
luftig aufgefächert ein Baum,
darin scharen sich wild umeinander
die jungen Stare zusammen und erfinden
bis tief in die Nacht hinein ihre unverstanden
wunderherrlichen Lieder. Es ist Zeit. Zeit ist es.
Zeit, Zeit, singen sie grün funkelnd und achten
weder des Lärms von den Balkonen noch
der Stille. Baum. Blüht. Ist Blütenkleid.
Traum. Zeit. Traum immer wieder.

Für Konstantin Ames

*

20. März 2020 22:57










Konstantin Ames

Stadtfrühlingslied (nach Laurenz von Schnüffis „Auf, träge Seel!“)

Versammlungen von mehr als 1 Vogel + 1 Vogel + 1 Vogelgel
sind Vorboten. Mit Preisen übersäte Gedichte sollten sich diesem hier
nicht zu sehr nähern. Anthologien sind aus hygienischen Gründen sofort
aufzulösen. Auf der Salzsäule da steht Salzsäure.

Alle Hosen sind schon Hemd, alle Hemden Hose.

Euer Kaufleuteminister entsichert für Gedichte keine Bazooka, nur
Handfeuerwaffen … wenn Ex-Expressionisten das Wort (auf Skiern)
Kultur hören, entsichern sie ihre Elisabeth Browning. Eure
Geduld mit uns ist erschöpft. Barrikaden aus Klopapier, Atemmasken, Mehl.

Alle Hosen sind schon Hemd, alle Hemden Hose.

20. März 2020 12:06










Hendrik Rost

Posthumaner Berufsverkehr in Hamburg

20. März 2020 06:32










Christian Lorenz Müller

AUSGANGSBESCHRÄNKUNG

Dieses Frühlingsgedicht
streift ganz allein durch die Stadt.
Leere schwankt an den Halteschlaufen
der vorbeifahrenden Busse.
Niemand, der eine Dose, eine Tüte
in die schwarzen Löcher
der Abfalleimer wirft.
Was an Leben übrig geblieben ist
flattert als Taubenschwarm
hinauf auf die Dächer. Das Gedicht
blickt hinauf ins Blau. Nirgends
auch nur ein Kondensstreifen-Kratzer.

Neben einer Bank steht eine Forsythie
in einer gelben Warnweste:
Füße vertreten erlaubt,
längerer Aufenthalt im Freien verboten!
Das Gedicht macht sich auf den Weg
in seine Wohnung.
Wieder leere Busse. Wenn sie anhalten
öffnen die Türen automatisch.
Die warme Frühlingsluft drängt hinein
und wird abtransportiert.
Frierend eilt das Gedicht
zurück nach Hause.

17. März 2020 10:04










Björn Kiehne

Abnehmender Mond

Mehr ist es nicht,
nur Nachrichten aus
der unbewohnten Welt,

die Einsamkeit
der Leuchttürme,
die anstrahlt,
was Gletscher
uns freigeben:

allmähliche Wesen,
Anfänge und Enden,

den abnehmenden Mond
an unseren stillen Stränden.

15. März 2020 15:09










Mirko Bonné

Remis

Einen warmen Klumpen
im Bauch
und auf den Lippen
wie die Haut
die nachts nachwächst
tagsüber bearbeitet
von Schneidezähnen
deine Lippen

Lippen
Remis
Lippen

Sag nichts mehr
Nicht
dass die Blätter
an den Zweigenden
im Zwist mit dem Wind liegen
Es ist ein Spiel
und im März
folgt die Revanche

Revanche
Remis
Revanche

Sag nicht
alles ist gut
Nicht
dass der Hund
die Tollwut hat
wenn er dich anfällt
im Schlaf
Er kennt nur deine Träume

Träume
Remis
Träume

aus: Różewicz-Lieder

*

13. März 2020 18:49










Hendrik Rost

Am Ende des Regenbogens ein Topf Spekulationen

11. März 2020 15:47










Julia Trompeter

Was zum Aufklappen

Katz und Hund am Frühstückstisch:
wohin ist die blaue Tasse entwischt?
Das Radio spielt keine Rolle, ist echt —
mit allen Fake-News hat es Recht,
objekthaft in der Küchennische.

Sie umfassen einander, liebestief,
ein hellbunter Vogel macht piep
und denkt, er sei eine Ente.
Falsche Ordnung, kind-crossing
früh am Morgen, zwanzig nach sechs.

Wo ist der Garten — mit Rutschbahn
hinunter vom vierten Stock?
Wo ist der Rosenstrauch,
der zum Aufklappen? Ja, o ja:
den brauchen sie auch.

6. März 2020 09:03










Hendrik Rost

Städtetrips in Zeiten der Demokratie

28. Februar 2020 08:31










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