Julia Trompeter

annehmlich es sei alles nicht so
wie es sei, und es ist wie es ist:
der baum nur 1 baum nur 1 baum,
kein querschlagen der synapsen,
übersprungsgedanken balsamiert.
annehmlich du bist nur du und
ich bin nur ich, ganz ohne kon-
junktiv, wir hängen so anneinan-
der und diese hand ist nur hand,
und wir sehen uns wirklich so
wie wir sind. annehmlich du und
ich sind 1 paar. was können wir
tun, um uns nackt und blind und
außerirdisch lange zu lieben.

30. Juli 2019 20:42










Christian Lorenz Müller

TRINKGELD

Eilfertig kellnern die Gärtner
Gießkanne um Gießkanne,
bedienen den gewaltigen Durst
der Kohlköpfe, der Karotten, des Kohlrabis
die seit Anfang Juli
auf den Beeten stehen
wie auf Biertischen.
Ganz in strotzendes Grün gewandet,
fordern sie Aufmerksamkeit
und fetten Dünger.

Vor dem Zapfhahn der Pumpe stehend,
seufzen die Gärtner,
sie denken an das Gemüse,
das um ein Trinkgeld
in den Supermarktregalen liegt
und füllen ihre Kannen.

25. Juli 2019 14:29










Hans Thill

Die orphischen Dörfer

DAS NÄCHSTE DORF geformt von Händen, die keinen Schweiß kennen und keine Stirn, wenn sie zu wischen wäre. Beim Reden vermied man Vokale und der Kies auf den Wegen war weich und alt. Wüstenboden aus Stein: Die Blätter an den Stadtbäumen wurden von einem Meister in Bewegung gesetzt. Also das raschelte mit dem Sound eines Dieselmotors. Hoffentlich gibt es noch Bienen, die uns in die Gläser fallen. Hoffentlich geht das so weiter und hört einmal auf

19. Juli 2019 18:20










Tobias Schoofs

(PASSAGEN

vorm friedhofstor in den
sandbedeckten steinknochen

getriebener schacht im quer
schnitt ein sarg den ich
die stufen runtergeh und seh

durch die plexiglasscheibe
da unten die an riffen schaum
schlagenden wellen dem ge

dächtnis der namenlosen die
sich bald wieder im wasser auf
lösende spur ist die historische

eine seltsame konstruktion und
mich selbst gespiegelt geweiht)

15. Juli 2019 20:36










Hendrik Rost

Organisches Sprechen
Der Ort, wo ich herkomme,
ist der, an den ich gehe, 
der politiklose Hügel hinterm
Haus, wo Vokalkraut blühte,
blühte, vieles nicht sagend.

Von oben reichte der Blick 
stielweit, buchseitenweit.
Ich: dastehend, am Blättern
bis heute, während Binsen 
mir von den Lippen wuchsen.

Diese Weite, dachte ich, welt-
verlorene Wut; wenn nur einer
in dem kehligen Kommen und 
Sehen verzichtete zu wuchern,
sich zu äußern. Eins mit Kräutern.

Für Mirko Bonné 
11. Juli 2019 09:31










Christian Lorenz Müller

ERSTE ZYPRESSE

Grüne Feuerzeugflamme,
die plötzlich vor dem Autofenster steht.
Der Wunsch, sofort auszusteigen,
den Augenblick aus der Schachtel
des Lebens zu fingern
und inhalierend dazustehen,
die Blicke absichtslos im Blau.

8. Juli 2019 06:37










Gerald Koll

Im Wendland

Rehe kreuzen dort die Wege.

Kirschen über Kirschen.
Über Gras geht man und unter Eichen.
Und dennoch …

Wüten kann das Wendland auch.
“Lieber wütend als traurig!”

3. Juli 2019 13:14










Hendrik Rost

Großes Thema

Widerstand: erst nicht aufräumen,

dann nicht verwüsten.

3. Juli 2019 06:25










Hans Thill

Ich allein bin Calvin Klein

großer calvinistischer Bonobo, also ein Pferd in der Hölle
und das Mädchen schläft weiter, die Di als
Wildfrau, Waldvenus

im Körbchen eines mongolischen Herzmuschelsammlers
mit Sand im Salat und zwischen den Zähnen. O Nasnblutn,
o Holz von Ednkobn, nun wahrhaft

Seehundfarbn und ganz nah Quercus, es ist Vollmond,
ideale Bedingung, um ein Gedicht zu lesen,
der Ford Capri fahrlässig geparkt in der Klosterstrasse

bei der unvergessenen Miss Ferguson, deren halber Mund
einer anderen Zunge gehört. Also mein ganzes Auge
schwimmt in einer Salzlake,

mein Vater hat die Rote Spinne gekillt, es herrschte bitterer
Nebel auf der Vogesenstrasse, nicht weit von hier
hat Adomnán die Ewigkeit gesehen.

Lüeg emol: l´éternité, jamais vu de l´exterieur. So ein
Mannbaum mit Sardelle, vermutlich aus Mannheim,
wo man die Seife verteidigt als wäre sie

ein durstiger Bulldog aus der Notfalltasche. Botoxiere
die Falte auf der Stirn des Zürngottes, mach das
mit dem ganzen Olymp von Paris, das nennt man

Party. Tote Tiere pflastern deinen Weg, (gemeint ist wohl:)
Pavarotti und seine Vogelverwandtschaft.
Wir fahren nach Genf nach Speyer

mit Gepäck aus Dunmail und Dunlop. Wir fahren nach
Bullerbü. Hätt ich dich, so äss ich dich (Grimm).
Noch schubsen sich die Wörter

auf Hochland-Latein (Wein redt Latein), geben es sich
mit den Ellbogen, noch ist Kirschenzeit und mein
Augensalz kommt von

einem Dichtertattoo, wenn es nicht einem Skibbo aus Skiddaw
gehört, mit mehr Haut als Haaren. Und jetzt übersetz
das mal ins Küstenschwäbisch, mein

alter Bazillus aus der keuschen Familie Castrol, ich
ist ein anderer GTX

Edenkoben, 26.6.2019

Begrüßungsgedicht für
Meg Bateman, Cheryl Follon, Iain Galbraith, Peter Mackay, Peter Manson, Paul-Henry Campbell, Daniela Danz, Sina Klein, Uwe Kolbe, Tobias Roth, Lea Schneider

27. Juni 2019 11:49










Christine Kappe

Eigentlich sind es Felsentauben

Ein Mann bestellt eine Donauwelle, mit junger Stimme
eigentlich ist er alt
Draußen mischen sich die Krähen mit den Tauben
eigentlich sind es Felsentauben
Eine japanische Radfahrerin bestellt für ihre Tochter einen Bienenstich
und kann das Wort nicht aussprechen
Eigentlich müsste sie einen Helm tragen
Eine dicke Alte setzt sich draußen auf die Bank und wippt mit dem Oberkörper
Eigentlich müsste sie zahlen
Eigentlich hat die Verkäuferin schon frei
Jetzt bedient sie noch, in Jacke –
Wie das Wetter plötzlich schlecht wird und der Bagger wegfährt
Wie der neue Verkäufer sich bemüht
„Haben Sie 15 Cent? Wenn Sie nur 5 oder 1o haben – auch gut.“
Dann räumt er den Getränkeautomaten ein
Lauter Coladosen. Wer trinkt die alle?
Die türkischen Männer? Sie gehen vorbei
sehen ernst aus, streichen sich die vorhandenen und nichtvorhandenen Bärte
Zwischen vorhandenen und nichtvorhandenen Krähen
Eine hat tatsächlich den Winter überlebt
Obwohl die TiHo prophezeite
Sie würde nie in einem Baum sitzen oder irgendetwas greifen können
Eigentlich wollten wir sie in einen Karton tun und hinbringen
Aber wir schafften es nicht

(work in progress: „Vögel und Städte“)

27. Juni 2019 07:29










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