Thorsten Krämer

Ich will eine Beule von dir, habe ich

in den Sand geschrieben, aber der Sand
kann nicht lesen, und das Meer ist zu müde
für Haarspaltereien. Dann gehen wir eben
einkaufen, sagst du, und hast schon den

Kuli gezückt. Wir schreiben Listen als
Teambuilding, unser Enthusiasmus über-
fordert jeden Supermarkt. Mit streberhaft
gepackten Tüten folgen wir dem Radweg

bis zur Erschöpfung. Da liegen wir dann
so rum, wir könnten auch heldenhaft wieder
aufstehen, aber wozu? Kommissarisch werden
wir Weichtiere, der vorurteilsfreie Nachmittag

schüttelt mitfühlend unsere Hände. Also was
ist jetzt mit der Beule?

10. Mai 2018 07:46










Christine Kappe

Niemand wünscht dir eine gute Nacht
Nicht einmal eine Nacht
Ich meine – irgendeine

Draußen haben sie einfach das Licht ausgeschaltet
Nur der Wind ist noch wach
Treibt kleine Tropfen vor sich her
Weiß nicht so recht, wohin damit

10. Mai 2018 07:21










Nikolai Vogel

Fragmente zu einem Langgedicht

Wünsche, die wieder wegtrocknen

9. Mai 2018 15:46










Andreas H. Drescher

TEILTROMPETER

Giftige Katzen trompetet der Teiltrompeter
Absurdität um Absurdität
Bitter-Texturen mit aufgestelltem Fell
das Vernünfte ins Hecheln
massiert wo seine Rheuma-Räume warten
Wird man doch wohl noch
schweigen dürfen Hall-Schweigen erster Art
Phonetische Manöver von
Katzenzungen über Haut überhaupt Poren alle
in Ohren umgearbeitet loslos
So kommt es dass selbst wer weghört hinhört

8. Mai 2018 07:59










Mirko Bonné

Zum Tod von Günter Herburger

Saurüssele

Das Wichtigste,
was man von Schweinen
lernen kann: kein Mensch zu sein.

Sie sind sehr sauber,
sehr gefühlvoll, ein wenig zänkisch,
kämpferisch, aber dann lieben
sie einander wieder,
und wenn sie weinen,
was sie gerne tun, schreien
sie kaum und lächeln dabei.

Einen Tag, bevor sie
geschlachtet werden sollen,
sind sie nervös und konfus,
rennen umher und beschmutzen sich.
Dann beginnen sie zu singen,
sehr tief und sehr hoch,
wir vermögen es nicht zu hören.

Kein einziges Schwein ist bekannt,
das alt, krank und mager
noch auf der Weide lebte,
ganz und gar nicht allein,
weil umgeben von Igeln,
sodass, wenn es stirbt,
es auch ein Häufchen wäre,
bedeckt von Blättern und Geschmeiß,
deren Konzerte
wir niemals vernehmen.

Günter Herburger
6. April 1932 – 3. Mai 2018

*

7. Mai 2018 12:03










Tobias Schoofs

SAMSA

mein auto ist ein samsa ein
großes ungeziefer das fliegen
fängt während der zick-zack-
förmigen fahrt es ist völlig

autonom es braucht keinen
strom wie hat sich die technik
doch entwickelt denke ich oft
noch gestern war alles metall

und zahnrad heute trägt uns
organische masse in einem
random walk von a nach b

5. Mai 2018 13:26










Konstantin Ames

karlkarlkarlkarlkralkarlacker



5. Mai 2018 11:25










Julia Trompeter

Luftmaschine

Trösten wir uns einfach mit dem nicht Geklappten
das sich, anders als der schnell verklappte Müll im Meer
in Luft vergessen hat auf unserer Reise

Stell dir ein reinweißes Segel vor
nen inselfreien Horizont
keine Fische, kein Plastik im Bauch
nur du und ich und die ZuKunft
Nicht mal der Himmel stört

Wenn ich hier am mosaikenen Kanal ganz steilrecht hocke
tröste ich mich so. Das kann ich dir natürlich nicht mehr sagen
Wie das eben so ist mit Dingen, die sich im Nichts auflösen

3. Mai 2018 09:02










Björn Kiehne

Treibgut

Im Salzwasser schweben,
Zeilen wie Nabelschnüre,
Dinge, die voreinander fliehen,
mit Tang an einander binden.

Zusammen mit dir und den Wellen
ein Lied anstimmen, verbunden
und genährt, der Sonne zu-
blinzeln wie einer Vertrauten.

Teile unserer gemeinsamen
Erzählung, treiben wir auf
dem Meer, bis die Wörter
nicht mehr zueinanderfinden.

Was geschieht, was lockt den
Sturm in unsere Bucht, was
trennt die Silben, was lässt die
Wellen zu Brechern werden?

Die Wellen sagen: Schwimm!
Streich dir das Alter aus dem
Gesicht, erinnere die Einsamkeit
wie ein vergessenes Lied.

2. Mai 2018 05:30










Konstantin Ames

leipziger langhaariges

1 elegie um ein haar

ich sehe am waschbeckenrand
in form eines großen g
ein haar haare

2 März. Email nach breddín

Für Hele

Wo eine form, ein forum (wie ein feld vorm abend will
Grins nicht zu früh, scwach grins erst, wenn du ankommst
Und keine not an kommata mehr herrscht am nachmittag
Und keine sciefen pflaster uns den scritt zum nascmarkt
So hin und her verstreuen. im nachen durch die mark
Wo eine form, ein forum wie ein feld vorm abend will
Ich nicht sagen), ein areal – in der rechten einen spruch , ,
In der linken schwenk ich rasch ein hinweisschild –
Im gelände eine wahrnehmungsstunde wort für ort beklomm
Brief an die korinthenkacker, nur um brot, veggieberief.
Eisenbahnstraßen und promenaden. mischen ohne zahl
Laubsägearbeiten, bastelkeller, garten- & modelleisenbahnen, holz-
Scnitzereien, pfannkuchen, ein meter weit befreiendes screien
Sciefe brandnarben auf der haut, ein H, ein H, und noch ein H

3 stoffwechselsammlung

links die kuchengartenstraße die rußschwarzen exfenster oben
drei leere bier auf einem sockel zwei glatzekahle prekäre
jvaler irgendwann gegen 14 uhr jahre dievielleicht danach dort wohnen
der polster spezi biegt heute mal seinen nackten nacken
sieht mich rechts außen vorbei
noch nicht das loch im kopfsteinpflaster
vorbeigehen mit der zeit unter der achsel (rasiert)
rettet die alten häuser!

(aus: Alsohäute, roughbooks 2010)

27. April 2018 17:44










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