Christine Kappe

ohne zu zögern

Es gibt aber Menschen, die würden das nie zugeben
erst recht nicht suchen
zB. Kulis in vollgestopften Taschen
Meine Freundin Marry gehört dazu
Und der Herr, der Arno & mich noch mit in den Fahrstuhl lässt
Macht eine Geste, als würde er es damit nicht nur beschleunigen
sondern erlauben
Die morgendlichen Straßen sind nass, ohne dass es regnet
Fahrzeuge rollen ohne zu zögern in den Tag

20. April 2018 07:02










Nikolai Vogel

Über die Fragmente zu einem Langgedicht

“Fragmente zu einem Langgedicht”, aus dem handschriftlichen Manuskript, ab 6. April 2018. Erste Verse hier in den Goldenen Fisch gestellt. Und wie weit, wie viel veröffentliche ich hier? Wollen alle doch immer die Erstveröffentlichung. (Stipendien, Literaturzeitschriften etc.) Nachzuvollziehen und dennoch kommt es auf die Zusammenhänge an, müssen noch andere Entstehungsgeschichten möglich sein. Wie sich Texte vortasten und verästeln – wenn sie nicht bis zum Schluss in der Einsamkeit bleiben.

17. April 2018 14:53










Nikolai Vogel

Fragmente zu einem Langgedicht

und so viele Menschen haben schon Geschichte geschrieben

das heißt fast immer, anderen etwas angetan

so viele Namen
die ich hier nicht aufzählen will

17. April 2018 14:52










Andreas H. Drescher

SPIEGELSCHRANK I

All dein Unglück passt
in den Toupierkamm mit
dem du dich unter der
Frisur kratzt die vor wie
nach hoch ist so hoch
dass sie an der Wolken
bildung mitwirkt bildung
von heute an mit einem
ganz kleinen b wie poren

16. April 2018 23:18










Thorsten Krämer

Ein Käfig für elf Arten von Traurigkeit

Die Schalen von zwei Kilo Schwarzwurzeln, ein Büschel Haare, eine Bleistiftmine, eine Handvoll Hasenkot, fünf Kopfschmerztabletten, 50 cm Kordel und ein Lorbeerblatt sehr fein schneiden und in etwas Öl anbraten. Mit reichlich Rotwein ablöschen, eine Viertelstunde weiter dünsten und dann passieren. Anschließend langsam zu einem Jus reduzieren. Mit diesem dann nach Belieben die acht Eckpunkte des Käfigs markieren.
Die elf Arten von Traurigkeit, für die dieser Käfig geeignet ist, lauten:
- die Traurigkeit eines Influencers in der Wüste
- die fünffüßige Traurigkeit
- die Traurigkeit, die ein frankophiler Elvis-Imitator nach seinem ersten Auftritt verspürt
- die Traurigkeit, die sich anfühlt wie eine kleine Raupe, die man an einem Montagmorgen in seinem Federmäppchen findet
- die ihr baldiges Verschwinden antäuschende Traurigkeit
- die silberne Traurigkeit
- die Traurigkeit einer strahlenden Herbstmaschine
- die Traurigkeit, über die man nicht spricht
- die Traurigkeit eines kernsanierten Fundbüros
- die andere Traurigkeit
- die Traurigkeit, deren rechter Ärmel ein bisschen zu lang ausfällt

16. April 2018 10:28










Christine Kappe

„Schon’ dich
die Jungs haben hier oben rumgestanden, als du das Buffet aus’m Keller geschleppt hast
Argument: sie seien nicht richtig angezogen
Ha ha ha.“
„Ja aber, habt ihr gesehen, wie sie nächtelang den Film schnitten?“
Bleibt nur noch:
zu fühlen, was zum Denken nicht gemacht ist:
Unbestimmbare Frühlingstage, schlecht beleuchtet
Die Landschaftsbehörde ist jetzt zu einem Hochsicherheitstrakt umfunktioniert
man kommt nur noch mit Plakette rein
mollige Heizungsluft
Radiosound
der Schlüssel steckt von außen
niemand ist da

15. April 2018 20:51










Konstantin Ames

Oilnspiegel in der altdeutschesten Stadt

für Connaisseurs der Kunstpause

als die Trierer few die Hosen gestrichen voll hatten
benannten sie ihre Hochschule nicht nach dem großen Sohn der Moselle-Stadt.
Und sein Denkmal war Made und gemacht von Hand
in China. So going dhas (Whas? Unnanatur) eben vonstatdten.
Kim, einen Freuntin, finted das ausgesprochen amüsant.
Stimmt’s? Im Gespräch jetzt eine überlebensgroße D-Mark-Stele?
„Landschaft“
, sagt der Schnauzerkamm, „– ist Natur, gesehen mit den Augen des Konsumenten.“ ‛s kömmt aber drauf an, sie abzuwischen, die Offenheit des

14. April 2018 11:38










Andreas H. Drescher

BAUMRECHEN

Das recht und rechnet Stunden aus in Schüssen
Apfelkarussell vor jeder Forke das Geostere gejagt
vor kleinem Himmel Bettlerbilder Flüchtling sagt
er als Sumpfdeckelschnecke Entropien dunkel
gebändert grünbraun am Apfelbaum polarisiert
Groll-Gestöber güllen eingesteift Mitteleuropa
verkniffenes Äquinoktium der Hakenharken

Am Limit wo die Familie Kasernen ausstreift
konsekentern flatternden Verfalls Schuhwerk
als Uhrwerk licht End des Gefratze schon seit
Pfingsten züngelt das das Sattelchen vor dem
Genick genug wissbare Wiesen mähend über
zwei Staaten hin daher der Bibelwald Geruch
der Frömmellieder heimgefedertes Straucheln

13. April 2018 08:04










Christine Kappe

Auf dem Dach

für Dirk Baumeister

Es hing der Kuli an der Wäscheleine und las mir Gedichte vor, bis das Licht nicht mehr reichte. Ich hörte nicht den genauen Sinn seiner Worte, und er las nicht genau das, was da stand. Aber ich wusste, dass ich es mit einem historischen Moment zu tun hatte, mit einem unentdeckten Genie und einem Tag, an dem ich das Schreiben endgültig ihm überlassen hatte.

12. April 2018 06:51










Nikolai Vogel

Fragmente zu einem Langgedicht

grüner Tee, schwarzer Tee, weißer Tee

Ziehzeiten, Härtergrade, Milch, die aufsteigt wie Wolken

was ist das eigentlich, was wir tun, Schreiben?

11. April 2018 10:59










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