Hans Thill

Goldfische II

(…)
Saint Pol Roux

Paulitisch rauh im
Pot Conterpaul
mit dir aus purem Sand

Poissons Rouges

aber als Tier in einer Zwischen- und
Zwischenfarbe, quietschende Wörter,
glitschige Zusammenhänge.
Quietistisch. Rauhes Gold als Armenspeise,
sie schwimmen lehren in der See

Pour Pierre Quillard

liest sich in Kegelform,
Peter an der Leine,
für und für.
Der Hund sei ihm
abhanden gekommen,
so stehe er auf
der Düne mit Salz
im Auge

(…)

27. Oktober 2019 10:52










Hendrik Rost

Baustelle

Am Auge der Taube sehe ich, dass sie mich sieht – und sieht, wie ich sie beobachte. Was, denke ich, wird jetzt geschehen? Und es geschieht: Wie ihr seht.

23. Oktober 2019 06:05










Hans Thill

Goldfische I

SAINT-POL ROUX
Poissons Rouges
Pour Pierre Quillard

Sur les haut-vivants reposoirs
C’est le mariage des ailes.
Les fleurs, filles des arrosoirs,
S’affichent, fleurantes voyelles.

Lambeau d’époque, éteint flambeau
D’une apothéose de pierre,
Un fût se pâme en son tombeau
De valse-admirante-de-lierre.

Fait avec les pleurs du roc dur
Qui de la mousse douce émerge,
Ici regarde un Bassin, pur
Ainsi qu’un œil de blonde vierge.

Des mains en l’avril du décor,
Au centre de la vasque ronde,
Comme on fait pour les césars d’or,
Invisibles, brassent de l’onde.

Sur le bord, d’albes déités,
Délicieusement exsangues,
Dans les rieuses bleuités
Regardent naviguer les langues.

Septembre 1885

(…)

19. Oktober 2019 14:33










Christian Lorenz Müller

ÄNGSTLICHER MÄUSERICH WARNT
VOR DEM VERLASSEN DES
POETISCHEN LOCHS:

Verführerisch duftet der Erfolg
als großer gelber Käse.
Gleich daneben sitzt
die schwarze Katze der Kritik.

16. Oktober 2019 08:17










Hendrik Rost

Die Angst des Autors vor den eigenen Äußerungen

12. Oktober 2019 20:54










Andreas Louis Seyerlein

~

15.12 UTC – Im Haus meiner Eltern hab ich 18 Brillen entdeckt. Sie waren geputzt. Da und dort ein Fingerabdruck. 4 Brillen für die Welt. 14 Brillen für Bücher und Zeitung. Brillen wie Schuhe und Hüte, sehr nah wie von Zeitfäden an meine Tage genäht. Auch Thermometerwerkzeuge, 5 + 1, zur Messung der Temperaturen eines Zimmers. Und flackerndes Regenlicht, das von den Fenstern her kommt. Ein Computerbildschirm, in dem sich der Computer selbst befindet, zuletzt vor fünf Jahren angeschaltet. Auf dem Schreibtisch ruhen anatomische Bücher, gedruckt in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, bitterer Duft steigt auf, sobald sie geöffnet sind. Das Handbuch eines Opel-Rekord und eine Blechdose, drin sind Liebesbriefe: Meine Liebste, wie ich mich nach Dir sehne! Eine Zigarrenschachtel weiterhin voller Briefmarken des Deutschen Reiches, die der Junge noch sammelte. Ein Kinderbuch: Zwei Pinguine winken. Ein Gerät, das den Strom zu vermessen vermag, haardünner Zeiger. Eine Karte der Stadt Lissabon und Fahrkarten einer Straßenbahn, die in Lissabon noch immer anzutreffen ist. Zwei Menschen waren dort, die Lissabon liebten. Dem Jungen, der Lissabon später einmal lieben sollte, gehörten zwei Schulbücher, er wird später ein Doktor der Physik und ein Verehrer Andrei Sacharows. Sein Vater war Arzt gewesen, deshalb auch Skalpelle auf rotem Samt und eine Schachtel, in welcher sich Objektträger befinden. Dort Spuren, die gelblich schimmern. Und Dioden und Widerstände und Rechenkerne auf Platinen geschraubt. Auch Luftpostbriefe, die ein junger Student an sich selbst oder seine Geliebte notierte, da waren sie noch nicht nach Lissabon gereist, prächtige Marken und Stempel und Sonderwertzeichen der Ballonpost zu einer Zeit, als Expressbriefe noch durch Eilboten zugestellt worden waren. Eine Filmdose und noch eine Filmdose, die man nicht wagt im Regenlicht zu öffnen. Auf einem Dia ist sehr klein eine junge Frau zu erkennen, die vor dem World Trade Center in New York steht. Sie ist dem Auge ihres Sohnes sofort bekannt. In einer Kladde verschnürt, Blätter eines Herbariums: Schlüsselblume von Bleistiftbeschriftung umgeben, das war alles notiert am 24. VIII 1904. Auch zwei Funkantennen wie Fühler eines Insektes ohne Strom. Eine Postkarte ist da noch und immer noch Regen draußen vor den Fenstern. Auf der Postkarte steht in großen Buchstaben rot umrandet vermerkt: Lebenszeichen von L.K. aus der Braubachstraße / 8. II. 44: Meine Lieben! Wir sind gesund und unbeschädigt. Marie & Familie. – stop

> particles

11. Oktober 2019 21:33










Christian Lorenz Müller

BESUCH VON EINER FERNEN INSEL

Die Poesie wohnt in Thule,
sie hat ein kindliches Lachen,
sie graviert Algen mit Stecknadeln
auf Aquarellpapier
und baut sich ein Boot,
das sie auf der Schulter tragen kann.

Die Poesie genierte sich früher
für ihre verschwielten Hände,
für den Kartoffeldreck
unter den Fingernägeln
und die Kälteschrunden, die entstehen
wenn sie im Winter Fisch ausnimmt.

Reist sie aufs Festland,
liegen zwischen den Seiten
ihrer mitgebrachten Bücher
getrocknete Wellen, jedes Umblättern
ist ein Flossenschlag.
Auf Empfängen trägt sie stets
den Frack des Meeres, den Neoprenanzug.
Niemals nimmt sie
Cocktailglas und Strohhalm in die Hand,
immer sind es die Taucherbrille, der Schnorchel.

Wenn sie abreist, fallen die Flure trocken,
die Einsiedlerkrebse in den Hosentaschen
verwandeln sich zurück in Zimmerschlüssel
und alle Metaphern verschließen sich,
muscheln nicht länger
offen in der Sonne.

für Miek Zwamborn

10. Oktober 2019 10:39










Julia Trompeter

IDIOS

Einem gleicht er wohl.
Wem gleicht er, fragst du.
Wem wohl, dem, der fragt
gleicht er, denn gleich
& gleich gesellt sich gern &
gern & gern gesellt sich gleich.
Das Gleiche ist immerzu gleich,
oder das Selbe.
Wem selbt er dann?
Nur sich selbst selbt er,
nicht dir oder mir, denn
deine sind nicht deine
Söhne & Töchter der Sehnsucht usw.
Also wem gleicht er nun, dieser Selbe,
oder ist er gar sich selbst nicht gleich?
Wem gleiche ich & bin ich die Selbe
wie er, der Fluß, in den ich steige.
Dieser Selbe, der sich mir entselbt.

8. Oktober 2019 19:20










Christine Kappe

Zum Glück gibt es noch Vogelhändler

Heute – wir kauften Mäuseheu – erzählte er wieder Geschichten
Über zu dreckige Vogelkäfige
Deren Annahme zur Pflege er verweigerte
Und über das Verbot Tauben zu füttern
Über das er sich genauso hinwegsetzt wie wir
„Das sind doch Geschöpfe wie wir auch
Die muss man mit Würde behandeln
Die Menschen sind nur neidisch, weil sie selbst nicht fliegen können
Aber ich kenne keinen Neid.“
Habe so mit ihm übereingestimmt!
Man freut sich doch aneinander
Er erzählte, wie er als Kind schon Tauben liebte
Weil sie so elegant auffliegen im Schwarm
Dann zeigte er uns ein Kanarienvogelnest mit 3 kleinen, bunten Eiern
Sah fast unwirklich aus, wahrscheinlich weil wir soetwas noch nie gesehen hatten

(work in progress: „Vögel und Städte“)

3. Oktober 2019 01:47










Hendrik Rost

Vielleicht Vogel, vielleicht Süden

28. September 2019 07:26










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