Andreas H. Drescher

MITGLIEDER DES HAUSES

Bevor die kommen / die wir sind
Taufrische Zeitung / aufgeschlagen
Tauf-Zeitung / Stadtteil Vauban
Das ahnungslose / Gesicht in Drucker

Schwärze getaucht
Es ist Montag

Wir wären gern – du / ich – namenlose Mitglieder
Des Hauses / setzten das Haus
Den struppigen Garten / des Nachbarn mit dem
BIC-Feuerzeug in Brand / melden uns er

Wachsen
Entaufen

In J. an / Wenn nicht
In Jockgrim / dann in Jerichow

Wir kämen gern / im Dax vor
Der kleinsten gemeinsamen / Treue zur Nassrasur

Opfer dies / es Eigensinns
Gutgut geht / ohne zu murren

10. März 2018 07:52










Nikolai Vogel

Tagelang krank im Bett.
Die Stille der abgesagten Termine.

6. März 2018 22:36










Andreas H. Drescher

TERMINALS

Vor allem, dass die Terminals sich nicht wieder in Rampen verwandelten. Neu, wie sie waren, hätten sie allzu bunt gebrannt. Was wäre in diesen Farben aus dem Luftkind geworden, das er jetzt statt einer Zirbeldrüse trug? In das jeden Augenblick Fleisch einschießen konnte? Schwelbrände sind durch keine Ohrfeige zu löschen.

Gut, dass er am letzten Rampentag die Stewardess abschoss, die um ein Haar sein Embryo geworden wäre. Die hatte ihm doch zu schnell die Wetter gewechselt und bereits nach zwei Tagen seinen gesamten Mutterkuchen aufgebraucht. Das feiert er jetzt, diesen gelungenen Start. Durch einen Billigflug im Feuerlöscher.

6. März 2018 20:38










Julia Trompeter

Irgenddann

Der abgeschnittene Haselzweig
auf dem moosigen Plattenbeton;
im vierkantigen Hof scheint die
grünende Sonne erstmals in
diesem Jahr splitternackt, sie
wartet aufs Blühen – auch der
Frühling und das Teil, das einmal
seines war, der verödete Zweig.

Bin auch ich voll von Trieben,
sprieße auch ich fern vom Stamm,
habe auch ich keinen Zweck
als irgenddann Zierde zu sein?
Niemand sieht mich mehr an,
wenn ich ausgestopft hänge;
der verendete Teil eines Menschen
in einem Zimmer zur Osterzeit.

5. März 2018 17:58










Tobias Schoofs

ETWAS FEHLT

hinter mir ein geräusch
als sei was zu boden gefallen

die hände huschen in die
hosentaschen suchen münzen
telefon schlüssel –

nichts fehlt und auch
die zigaretten finden sich
in der brusttasche –

aber das gefühl dass etwas
fehlt bleibt

2. März 2018 18:11










Andreas H. Drescher

Warane

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narren der Blätter hinter Türen die

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Verlassen

23. Februar 2018 19:09










Christine Kappe

tot gildet nicht

vielleicht schreit immer nur der, der sagt, was die anderen nicht hören wollen vielleicht sind alle verrückt & nur wenige geben es zu. vielleicht missverstehen sie rechts und links und oben und unten und vorn und hinten

vielleicht schläft der eine viel & plant nicht, wird der andere krank und meints nur gut
aber das hilft nichts, und tot
gildet nicht, wo
soll ich hin

es gibt inzwischen nichts mehr
nichtsmehr

Los
klaut doch
flüstere ich den Leuten am Bildschirm zu
für mich zählt jeder Dieb

19. Februar 2018 06:40










Christian Lorenz Müller

URNE

Henkellose Kaffeetasse mit Deckel,
Trauer-to-go
an einem ganz gewöhnlichen Nachmittag.
Schwarz, aber nicht zu stark,
drei Stücke süßlicher Musik,
ein paar milchige Sätze.

Zwanzig Minuten Pause
von der Unsterblichkeit,
aber nur ein vorsichtiges Nippen
und beim Hinausgehen die Frage
Wohin damit? Die Antwort
liefert ein Aufkleber: Bio,
zu hundert Prozent kompostierbar.

14. Februar 2018 13:42










Christian Lorenz Müller

WEISS (WINTER IN HAIKU)

Wenn weiß sich an weiß
verschwendet, wenn die Stille
dich flockig umtanzt.

Wenn deinen Schieren
ein Fell wächst, wenn du lautlos
durch die Wälder schnürst.

Wenn du talwärts stiebst,
wenn du die Lawine bist,
die sich selbst verschont.

Wenn du gehst und gehst
und das Tal vergisst, wenn du
weißer wirst als weiß.

12. Februar 2018 09:01










Mirko Bonné

Tubus

Nach Erich Fried

Es ist unter-
drückt, sagt
die Verein-
zelung. Es
ist, was es
zerfrisst, sagt
der Tubus.
Es ist verun-
sichert, sagt
die Brechung.
Es ist vernich-
tet, sagt die
Annexion.
Es ist un-
säglich, sagt
die Ausgren-
zung. Es ist,
was es zerfrisst,
sagt der Tubus.
Es ist gelähmt,
sagt das Beben.
Es ist eine Leiche, sagt das Gedicht. Es ist unmenschlich,
sagt das Schweigen. Es ist, was es zerfrisst, sagt der Tubus.

*

11. Februar 2018 13:38










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