Konstantin Ames

Die letzte perfekte Ansprache eines Amerikaners

Sie datiert auf den ~ 23. August 1927 ~, sie bestand aus wenigen Worten.
Aus den Buchstaben dieser Worte ist dieser Text gemacht, nicht aus großen
Worten. Aus Worten von Besiegten.

Rache – spricht der Bourgeois – ist eine feine Sache. Er zerdrückt die zarten
Klatschmohnköpfchen mit elektrifizierten Fingern. Das Ganze auf 35 mm, alles frisch
erfunden, alles frisch. Aber keine Kamera kann die Worte sichtbar machen.

Nicht ihre Gestalt. Nicht ihren Geist. Ihre geniale Schlichtheit. Etwas, das etwas
in Haarspitzen treibt. Ein Kribbeln in den Fingern. Knälle in den Ohren. I am not a better
babbler than he is
Perversling Alpha hat den Transport reiner Reime

durch Drähte erfunden. Der erste Snuff for tolerance, for justice, for men’s understanding
of man
stammt von brainfucked Edison. Nobel! Nobeltaten seinem Andenken!
Das Lied für Nicola und Bart? Zu sehr Rimjob im Chor. Packt eure Zungen ein. Es

wird nicht mehr gesungen. Sagt wer? Anarchistische Folklore und bürgerliches
Samisdat ergeben einen Quietismus der Tat. Am Punkt angelangt, wo du nichts mehr
hören willst, weil du niemand gehören willst wish to forgive some people

und du all das in deinem Leben siehst, was man ‘Mangel an Solidarität’ nennt
from our childhood to today dann geh in die Wüste Denn. In der Wüste Denn
I might have die, unkown, unmarked, a failure in der Wüste Denn nur gibt es eine Oase.

Dort sind alle Seen schwarz wie in meiner Schildhut. Zum Tag kommt’s nie. Permanent
ist Morgenrot. «Euch habe ich auf die Finger gesehen, da vergeht mir die Lust zum
Kartenspiel», schlug sie tot und warf sie hinaus ins Wasser. Ins trockene Wasser. Sacco

has never dreamt to steal, to assassinate. Wie wohl dieses Spiel geworden wäre?
Farewell. Orwell sah die Brigade Vanzetti noch in Aktion. Hast du schon eine Stadt
befreit, «da kamen aus allen Ecken und Enden schwarze Katzen und schwarze Hunde

an glühenden Ketten, daß [weiß]er [Mann] sich nicht mehr bergen konnte», die
heulten wie Kaffeemühlenstukas aus den 1960ern Made in W-Germany nur eben
dreißig Jahre eher. Literaturfromm möchte ich sterben als lover of work.

Es lebe die große Unbekannte ~ und ihr Anarch ~ Sacco too is a worker. Vermag
die Fruchtbringende Gesellschaft etwas gegen einen Fischverkäufer, einen Schuster?

~ Keine Götzen, kein Gehorsam. Die Anbeter haben die Hosen voll. ~

5. September 2017 07:52










Mirko Bonné

Aus den nördlichen Regengebieten

Dürer auf Durchreise
stieg in Bamberg immer
in seinem Lieblingskrug
Zum Wilden Mann ab, dann
eilte er sofort, rannte
mit wehenden Locken,
in denen der Wind
knisterte, hinaus an
die Regnitz, seinen Herz-
fluss, um am Ufer zu zeichnen.
Zeichnen die Pferde, die
über die Felder zogen
zwischen Nürnbergs
Waldungen, am Himmel
die Schwärme der Stare,
der Schwalben, der Krähen
und der Tauben. Zeichnen
im grünen Wasser den Fisch,
der dastand, still, zwischen
den lang behaarten Steinen
am Grund der Schilfbänke.
Die Köche zeichnen, jungen
Mägde, die Alten wie Geister
in den Augärten Kleinvenedigs.
Kleine schwarze Rose, gestochen
mit Tinte auf den Handteller, sein
Bamberger Blümla. Zeichnen Julie
und zeichnen Juliens Busch.
Den Hasen. Den Hohlweg.
Tout s’était passé
d’une manière révoltante,
sagte auf der Unteren Brücke
ein Franzose, und Dürer war heftiger
Widerspruch peinlich. Die Zeichen
im Zeichenbuch wuchsen. Wolken-
vielfältig Bambergs Abende.
Am nächsten Mittag der kalte
Regen von Franken, die Weinberge,
Würzburg, wozu immer weiter, weiter,
weiter in die nördlichen Regengebiete.
Das Licht war ein Puls, langsam,
beständig langsamer, beinahe
glaubte man, es hört auf.

*

4. September 2017 17:13










Konstantin Ames

Verteidigung von Zuß gegen Ames

Näschen rümpfen geht am besten in Strümpfen.
Oder eben Samisdat.

Ach, wär nur nicht das Samstagsdate
im Zwanglos III. Kannst doch auch?
Oder Hegeldienst im Zotenclub?

«Und ich scheiß auf Eure Dichterfeste!» (Handke)

Nach Poezystektomie sollte man verzichten auf
stark blühende Zwiebelmittel wie z.B. Leben
und Bewunderer und Sandförmchen überhaupt

3. September 2017 09:11










Jonis Hartmann

FEILSCHEN

Später nach dem Flohmarkt trafen wir den unzuverlässigen Erzähler, und denk dir, was er sagte, Morgen werdet ihr schreien. Wir lachten, und das tun wir auch jetzt noch, während wir uns anschauen und keiner der Erste sein möchte.

31. August 2017 10:18










Thorsten Krämer

Ein neuer Fisch im Schwarm: Jonis Hartmann



Jonis Hartmann lebt in Hamburg und arbeitet als Autor, Kritiker, Veranstalter und neuerdings auch als Literaturzeitschriftenmitmacher. 2016 erschienen sein Lyrik-Debüt “Bordsteinsequenzen” im Elif Verlag und der Literatur Quickie “B-Texte” mit Kurzprosa.

*



Idee von einem Satz

Gestern sagte mir jemand, dass die Gedichte dieser Tag wie Prosa wären und die Prosa wie Müll. Wenn ich heut Abend jemanden träfe, könnte ich sagen, dass Worte Gefangene sind oder Entdecker, aber das wird nicht der Fall sein, denn heut Abend verlassen wir die Erde. Wie dumm von mir, nichts erwidert zu haben. Jetzt heißt es warten.


*

Herzlich willkommen, Jonis!

30. August 2017 07:53










Tobias Schoofs

JOYCE

überschütt uns herr mit elend und
umkränz mit zoten unsere kunst

25. August 2017 20:17










Sylvia Geist

Samisdat

Ein Freund schreibt mir von
zwei Gedanken, beide von heute,
ich berichte ihm von meinem
zweiten Gehirn, dem im Bauch,
wo beredte Bakterien Dienst tun.

Es gebe solche, die lassen die Maus
tapfer wie ein Samurai der Katze
ins Auge blicken, einer Welt,
in der sie es besser haben werden.
Bedenkend, was von Verdauung lebt,

Irrtümer, Mut, Entscheidungen,
fiele es schwerer, von unten
und oben zu sprechen. Jede Energie
frisst die Ordnung. Mein Mitgefühl
für die Maus ist echt, ein Ausdruck

probiotischer Verhältnisse. Täglich,
schreibe ich, denke ich daran,
etwas zu unternehmen, was ich tue,
löst sich im Milieu des Satzes.
Jede Ordnung frisst Energie.

24. August 2017 07:52










Konstantin Ames

Packt alle ein

Das Maggieis, das Maggieis ist erfunden.
Die Saar war schon immer maggifarben.
Das Eis äß nur flussaufwärts mit Schürze

ich. Schiller schrieb niemals über die Saar
(Bleutge ooch nich) oder das Maggieis
und die aus ihr aufsteigenden Fürze.

Mit Maggiallergie wirst du geschunden
vom Maggigeschmack; und Narben
übersäen deine plattfüßige Zunge.

Das Land kann man streichen; das Haar
des maggifarbenen Flusses muss man (u. sei’s
würzehalber) streicheln, Junge, bis zum Stuss.

für Sean Bonney

23. August 2017 09:34










Mirko Bonné

Eisgrube

1
Wallenstein in Bamberg träumte von Schweden,
und hier ging Wollschläger und hatte im Kopf
den Fluss, den Fluss. Vom Hexenbrenner,
dem Fuchs von Dornheim, was blieb
von den gierigen Hasspredigern
gegen Küsse, Brüste, Lust und
den Rausch, zum Glück zu leben?
Totengeflatter. Mauern. Wer weiß, wo
der Ausgang ist. Womöglich am Eingang.
Der Erlöser mit den schönen Augenbrauen
wartet im Regen, du im Café Graupner.

2
Wider die Tausendzüngigkeit
der Freien! Den Kot ihrer alles,
jeden hinnehmenden Gelassenheit!
Gegen die Liebe, gegen die Leichtigkeit,
und eingemauert die Zuneigung! Widerstrebt
gleichgesinnt randständigen Elementen. Gegen
das Offene, die sich lebendig schimpfende
Verharmlosung der Moral des einzigen
Gottes! Gegen ihre Liebesssucht,
steht auf gegen die Widerrede-
sucht. Sie lügen! Verratet!

3
Obere Pfarrkirche, Mauer
Unserer Lieben Frau. Die Tauben
kommen zurück. Sie landen und finden
aufgeplustert Platz auf den nackten Armen
des Herrn. Und sie warten. Worauf,
dass alles endlich fliegen lernt,
abhebt und die Weite sucht?
Worauf warten, hm, Messias?
Kinder fliegen vorbei. Sie segeln
in die Gasse, die Eisgrube, stehen rum,
blödeln in der Sonne. Sie lachen und sind jung.

*

23. August 2017 00:09










Konstantin Ames

Spilze (Glück)

Über unserer Usance
das Tüpfelchen bin ich
oder zumindest Musik – - –

Wie heißt er ’n?
Ist er heiß, -er?
Bitte mehr Live!

Gerade von Ihnen.
Da poppt was, da
ohne Foto sehen

wir nichts, hisst
his master’s vo-
ice. [Nur] Nuance.

22. August 2017 19:38










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