Andreas Louis Seyerlein

nahe mariupol

14.32 UTC — Auf Luftbildfotografien dieses Winters wird Olga nicht zu sehen sein, zu klein dieses menschliche Wesen. Oder doch vielleicht sichtbar im Sommer unter einer Lupe, wie die alte Frau in ihrem Garten Himbeeren pflückt. Es ist ein wilder Garten geworden, weil Olga den Gewächsen ihres Gartens nicht länger Herr wird, sie muss oft im Haus sein bei ihrem Mann, dessen Namen ich nicht kenne. Er ruht im Wohnzimmer auf einem Bett, weil er alt ist und kaum noch gehen kann. Als er noch nicht ganz so alt war wie in diesem Winter, 8 Jahre jünger, war das mit dem Gehen bereits schwer geworden, weil er von einem Splitter harten Holzes in die Hüfte getroffen worden war, als eine Granate in einem Februar im Garten des Nachbarn explodierte. Der Nachbar lag drei Tage reglos auf dem Rücken im Schnee, weil er nicht mehr lebte. Dann hörte der Krieg auf. Nein, der Krieg entfernte sich, war jedoch nah genug geblieben, dass man ihn hören konnte und immer noch hören kann. Olgas Mann liegt auf dem Bett und lauscht zum Fenster hin, was man von dort hört vom Krieg, ob er näher kommt. Auch hört er Olga, es ist Abend, die in den Keller gestiegen ist. Sehr steile Treppe. Es ist hell da unten, weil eine Kamera der alten Frau in den Keller folgte. Ein Mann trägt diese Kamera auf seiner Schulter, ein weiterer Mann trägt grelles Licht, eine Frau stellt Fragen, Olga antwortet: Wenn der Krieg wieder zu uns kommt, dann wird unser Sohn das Bett und seinen Vater in den Keller tragen. Dort wird es stehen, genau dort wo die Zwiebeln liegen. Hier werden wir sicher sein. Der Atem der alten Olga dampft. Von der Decke hängen Fäden, auch schneeweisse Gebeine, Spinnen, die Olga noch immer fürchtet, so, stell ich mir vor, könnte das sein. Sie schaut jetzt direkt in die Kamera. Ich betrachte ihr altes, müdes Gesicht, das sich nicht zurückziehen kann, weil ich den Film angehalten habe auf dem Bildschirm meines Fernsehgerätes. — stop

Dieser Text wurde im Januar notiert. Seither habe ich gelernt: Menschen, wenn sie tot sind, wenn sie auf Strassen liegen, sind sichtbar vom Weltraum her gesehen. – Ich bitte Sie folgende Petition des Zentrums Liberale Moderne zu unterstützen: Die Sache der Ukraine ist auch unsere Sache!

4. Mai 2022 20:13










Tobias Schoofs

APRIL

da hocken sie aufeinander
hündin und hund halbieren
ihren bezirk mit seinem auf

jaulen laufen sie los wie sie
sich verspielt auftürmt er
zieht sich verstört zurück

(nach William Carlos Williams)

4. Mai 2022 11:10










Björn Kiehne

Die leuchtende Stadt

Ich brauche stärkere Medikamente,
etwas, das die Risse in den Fassaden
kittet, oder sie ganz niederreißt.

Ich sehe sie aus dem Fenster eines
Flugzeugs, nachts, Licht, das wie Lava
aus der schwarzen Erdkruste quillt.

Ich laufe ihre labyrinthischen Treppen
auf und ab, die sich in wahnsinnigen
Kombinationen aneinander reihen.

In ihren Auditorien trage ich meine
Lieder vor, ernte Applaus und Spott,
werde ein und wieder ausgeladen.

Dann sehe ich mich in einem Garten,
zwischen Ruinen, mühsam und müde
der Trümmererde etwas Gemüse abringen.

Ich brauche stärkere Medikamente, etwas,
das mich über die Grenzen der Stadt bringt;
Licht dringt aus den Rissen ihrer Fassaden.

2. Mai 2022 16:22










Mirko Bonné

Kein Lied

Wohin unterwegs du warst
– unbekannt. Ich kenne
deinen Tagesbefehl
nicht, nur den Tag,
kein Lied, das
du gesungen hast,
vielleicht sogar gegrölt
aus vollem Hals und vor
lauter Heldenshit. Ich weiß
von keinem Schimmer Licht,
in dem du lagst. Froh? War da
ein Duft? Stiller Augenblick. So.
Licht. Ferne Geräusche, fremd.
Hat dich wer liebgehabt? Wer
war das? Eh die Geschosse
kamen, und immer näher,
bevor es die Granate
zerriss, die Stille
zersplitterte
und du
mit.

*

28. April 2022 12:45










Hans Thill

Kleine Geschichte der verbliebenen Zeit

La chevelure des choses
coiffée avec un doigt d´eau
Jorn/Dotremont

Ein Brot, das du in die Kommandozentralen
wirfst, kommt dir als Stein zurück. Dem Volke
dienen. In der Hand der Leute ist das Brot ein
Bumerang, beflügelte Sprache. Auch das Brot
schaut zurück. Die ersten Früchte hat

das freie Feld getragen. Dörfer umringten
ihre Menge, man mußte nur aufsperren und
war satt. Betreten des Rasens, die Stadt
muß wieder zur Wiese werden, Wiese ist
Macht. Horus und Hengist, jeder für sich,

eine Insel, die Liebenden, noch vorsichtig
betraten sie Neuland. Ein Gebirge kostete
nicht viel und Bauern gab es umsonst oben.
drein. Alle Wildheit dem äsenden Pferd,
das den Garten verschmäht, um über Zäune

zu rasen. Partisan Wiese, Botschaften des
Rasens. Auch die See schaut zurück. Du hast
Boote unter den Füßen, du gehst über Köpfe
hinweg, die ihre Müdigkeit vergessen. Heute
labt dich ein Mund mit Crack, mit Ei. Längst

sind es Siedler und keine Liebenden mehr.
Kein Mensch ist illegal, kein Mensch ist Hegel.
Du bist feucht hinterm Ohr, läßt für ihn den
Rest Ei in der Schale. Du bist hungrig. Kleine

Geschichte der verblichenen Zeit. Man er.
wachte, die Augen noch nicht zerkratzt. Die
Erde belohnte Schönheit, wollte nichts wissen
vom Fleiß. Industria am Morgen, eine Kerze,
der Rauch, auf Höhe des Bürgersteigs,

krümmte sich vor deiner Brust. Betreten der
Wiese. Gebäude stehen oder wurden abgerissen,
wenn sie sich in den Weg stellten. Die Jahre, eine
Herde plus und plus, Knüppel, in einem Moos.
Freundlichkeit der Tiere, da sie im Gras stehen,

kommen Bootsleute, um ihnen das Fleisch zu
nehmen, denn sie haben Feuer dabei. Auch die
Luft schaut zurück. Du nimmst sie als vergangenen
Rauch, entwichen einer Flasche in der See oder
selbst gezogen aus dem Tabak, aus den Stoppel.

feldern. Kleine Geschichte mit Blutergüssen. Von
den Füßen aufwärts bist du beliebt, starr, ein Baum,
der seinen Bart in die Luft streckt. Es ist Sonntag,
es ist Frollein Leichnam, es ist nützlicher Juli,
ein Fetzen Bumaire, fest in der Schwebe, weit

übers Schwäbische hinaus, über die Karparten
nach Ivano Frankivsk. Old Soldier very drunk.
Dazwischen Flüsse heißen Oder, Oder. Monate
mit Namen, die fast nur aus Zahlen bestehen.
Die Zahl ein Stück Lippe. Du traust ihr nicht,

nimmst das andere Wort. Noch hast du keinen
Fuß in den Schlaf gesetzt. Der Stein, den du in
die Komazentralen wirfst, irgendwann wirst du
ihn zerlegen. Das Essen hat keine Bedeutung.
Betreten des Rasens, keine Bedeutung. Es gibt

zu wenig Substantive, denn auch die Syntax
schaut zurück. Die Mähne der Dinge, zu käm.
men mit nasser Hand. Du setzt eine Verblüffung
in die Zeit, du stoppst den Fluß mit dem rechten
Fuß. Sind wir hier Städte der Barmherzigkeit?

Wir leben ewig, wenn wir das überstehen. Das
Brot, hättest du es jetzt in der Hand, du würdest
es essen, doch sind keine Felder in Sicht. Du
hast Kommandos im Ohr, Knochen der Echo
aus einer Kindheit ohne Landschaft unter den

Stiefeln. Auch der Sand am Meer schaut zurück.
Jetzt landen sie an, schütteln sich, Hunde, und
du begreifst, daß du die Insel bist oder umgekehrt
der Kern einer Lücke, nackt wie ein Pferd.

23. April 2022 15:17










Mirko Bonné

Bresche

Kunst tauge nicht zu Propagandazwecken, sondern gehöre zur „Gegenwehr der Menschen gegen den Krieg. Deshalb kann auch die Behinderung von Kunst oder Künstlern kein Akt gegen den Krieg sein“, schrieb Alexander Kluge am 13. April in der Süddeutschen. „Kunst ist kein Richter. Kunst trainiert Wahrnehmung. Die Kriegssituation ist eine Welt der Algorithmen. Die Kunst ist der Anwalt der Gegenalgorithmen.“ Es sind dies die vielleicht einzigen Sätze, die ich während der völkerrechtswidrigen und durch nichts zu rechtfertigenden russischen Invasion in der Ukraine gelesen habe, die mich trösten können. Sie könnten, würden wir ihn hören können – denn er ist nicht gestorben –, ebenso von Oscar Wilde stammen – der den Krieg einer ganzen von Dünkel und Vorurteilen gelenkten Gesellschaft gegen einen Einzelnen am eigenen Leib erfahren musste. Wladimir Putins Europa aufoktroyierter Krieg ist ein Angriff auch auf die Werte, für deren Einsetzung und Erhaltung unzählige Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten gestritten haben. Man lese nur George Orwells Visionen „1984“ und „Animal Farm“, lese sie, anstatt sie abzutun als allzu bekannt und Schullektüre. Theater, Dichtung, Tanz, Fotografie, Ballett, Video und Malerei und Zeichnung und Plastik – und Musik! – und Übersetzung – reichen tiefer und drücken tastend oder schreiend, laut oder leise, mehr aus, als dass sie instrumentalisiert oder funktionalisiert werden könnten selbst in Zeiten extremster menschlicher Auseinandersetzungen. Was uns dazu führt, andere zu überfallen, abzuschlachten, zu vergewaltigen und auf offener Straße hinzurichten, den Zusammenbruch des Minimums an menschlichem Miteinander, alles, jede Freude und jedes Gräuel, jeder echte Austausch und jede Untat, wird stets – seit Jahrhunderten und -tausenden – thematisiert in den Künsten, die frei sind, sich freigerungen haben von Staat und Kirche, jedweder Inquisition, gerade deshalb. Kunst hat keine Funktion, nicht mal eine Aufgabe, so wenig, wie ein Kind sie hat. Sie ist Ausdruck von Lebendigkeit und damit Unterschiedlichkeit, wie jedes Kind. Nein, ich bin kein politischer Mensch. Ich misstraue jedem, jedem Axiom, das nicht, wie Keats sagt, am Puls überprüft wurde. Der Zweifel an aller politischen Äußerung ist mein Terrain. Und so wäre es auch unter einer Tyrannei wie jener Putins. Doch ich glaube fest, ja unverbrüchlich an einige wenige menschliche Werte, und es ist kein Zufall, dass ich sie in nur zwei dichterischen Texten der letzten achtzig Jahre ausgedrückt finde, Gedichte, die sich jeder Vereinnahmung zu entziehen vermochten: Ezra Pound wurde in einem Käfig gefangengehalten, weil er sich für Mussolini einsetzte, und schrieb dennoch den Abschluss des Canto LXXXI: „What thou lovest well remains, / the rest is dross.“ W. H. Auden drückte seine Bestürzung über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in seinem Gedicht „September 1, 1939“ aus und fand darin zu einem Vers von nahezu galaktischer Bedeutsamkeit: „We must love one another or die.“ Man lese es nach, es steht ja alles im Netz.

*

22. April 2022 21:57










Tobias Schoofs

ZWISCHEN BÄUMEN

gewalt ist wie ein gedicht
sie korrigiert sich nicht am
lauf des messers machst du
nichts und auch nichts am

bild der für immer sinkenden
sonne zwischen den bäumen

die ich erfinde und die eh
keine bäume sind bin ich

(nach Roberto Bolaño)

9. April 2022 13:04










Christian Lorenz Müller

FRÜHLING AM ASOWSCHEN MEER

An allen Bäumen
knospen jetzt die Patronen,
überall schwillt Stahl.

Das rasche Aufbühn
der Explosionen, ihr scharf-
kantiger Geruch.

Mit Angst bestäubte
Augen. Flugzeug um Flugzeug
summt böse heran.

1. April 2022 17:48










Mirko Bonné

Fragment eines Kriegstagebuchs

Dieselben Sternbilder am Nachthimmel
wie letzten Winter. Ich bin entsetzt
beim Anblick des Bahnsteigs
voll Tausender, die auf die Gleise,
dann auf der anderen Seite herumströmen
um den viel zu kurzen Zug. Das Foto lässt sich
großzoomen, und da erscheinen vor allem Frauen,
Kinder, Alte, wie auf allen Kriegsdarstellungen,
die ich kenne. Frau mit roter Kapuze,
Kind auf dem Arm. Was hast du,
frage ich mich, von Kriegen
wirklich miterlebt. Jedenfalls Angst.
Drohungen. Bedrohungen. Die Zeit wie
angehalten in diesen Tagen. Was soll da erst
die Frau mit roter Mütze sagen. Freiheit wird siegen.
Du musst dich begnügen. Auf der A5 öfter schweres Militär,
Armeetransporter, und einmal die blaugelbe Fahne
im Seitenfenster eines vorbeiziehenden Horch.
Und die Gespräche Schein. Und die Attacken
unsichtbar. Einen Nachmittag lang hinaufgewandert in
das felsige Bergland, auf dem Schotterpfad weiße Splitter,
vorbei an den Grotten, an Olivengärten, schon gehen
die Augen wieder auf, schon möchte ich überall
am Körper Augen haben. In der Luft zu hören
die Dohlen, seltsam aufgeweckte Raben,
auf dem Smartphone der Einschlag
einer Rakete in Cherson und der Staub
im rasselnden Laub. Ich bin aufgewacht
nach wochenlangem Albtraum im eigenen
Leben, andere schwer vorstellbar, zu schwach
für großstädtische Barmherzigkeit, es tut mir leid.
Wir fahren durch die Nacht. Heim von der Crêperie
in Forcalquier. Die Kids auf den Rücksitzen zählen sie:
die Toten durch die Pest, die Toten durch Corona, die Toten
im Krieg in der Ukraine. Welche Sprache spricht man da?
Die Sternbilder wie immer. Das große W – Kassiopeia.
Orion. Der kleine Bär. Vorm Nachthimmel steht
die Roche amère. Polen bittet die USA,
eigene MIG-21-Düsenjägerbestände
an die Ukraine zu überstellen. Und du
fühlst dich wie? Am vierzehnten Tag nach
dem russischen Angriff auf die Ukraine erklärt
der russische Außenminister Lawrow, Russland
habe die Ukraine gar nicht angegriffen. Was
kann wirklich sein in einer Wirklichkeit,
wo die Lüge sich ins Recht setzt.
Ein Kinderkrankenhaus beschossen.
Mariupol. Wöchnerinnen im Raketenfeuer.
Fünftausend russische Soldaten gefallen, gefallen,
gefallen, gefallen, gefallen, gefallen in nur zwei
Wochen. Ihre schneebedeckten Panzer mit
grillofenähnlichen Gerüsten auf dem Turm,
langsam dahinschepperndes Gerät, abgeladen
irgendwo in Belarus und über die Grenze gerollt, um
die erste nächtliche Kanonade abzufeuern, hinein
ins Vorland von Lwiw. Ich denke an Claude
Simons Schilderungen des Krieges als
das menschliche Nichts, Schlamm,
Matsch, Unrat, Plunder, Müll,
in Fetzen geschossen, das Vieh
halb eingesunken in den Sumpf aus
Stumpfsinn, Angst, Abfall. Simon beschreibt
in „Die Schlacht bei Pharsalos“ die Fassungslosigkeit
der Söldner, erfahren im Kampf Mann gegen Mann,
angesichts der Enge, kaum Raum und kaum Zeit,
auf dem durchstrukturierten Schlachtfeld. Ich
suche auf Google Maps Grodek, scrolle
durch Fotos meines Freundes Farhad
aus Czernowitz vom letzten Sommer, ich
lese, wo Berdytschiw liegt, der Geburtsort
Józef Konrad Korzeniowskis, womit ich Joseph
Conrad meine. Ich war noch nicht in der Ukraine.
Es ist der 11. März. Nächste Nacht erwartet
Odessa die Einkesselung, und ich denke
an meinen Freund Jürgen, der im Mai
mit dem Rad an Kiew vorbei bis
ans Schwarze Meer wollte,
einen Blick werfen auf die Krim,
und denke an meinen Freund Steffen,
den Kosmonauten aus Leipzig, Gagarin2.
Woran erinnere ich mich von seinen Bildern
aus dem Niemandsland um Tschernobyl:
das Grün. Auf der anderen Seite ist
das Gras immer grüner. Tam
choroscho, gde nas njet. „Keiner
hört mich. Ich lalle und meine Hände
sind immerfort in Bewegung, denn
die Liebe ist unsterblich und lebt
weiter in Träumen und Gesichten“,
schreibt Emma Lew in dem Gedicht
„Tschernobyl: Smalltalk“. Krieg heißt
für die, die ihn erleben müssen, die
Unwirklichkeit zeigt ihr zerrissenes
Gesicht. Sie will das Wirkliche sein
und frisst es doch auf. Der Erzähler
Sergei Gerasimow schildert den Luft-
angriff auf Charkiw und beschreibt die
Geräusche erster Raketen und erster
Einschläge, ein nie zuvor gehörtes
Sirren und Gejaul, vermengt mit
ungeheuerlicher Stille, mit der
der Erwartung, mit dem Schweigen
zwischen Einsetzen der Furcht und
Eintreten des Befürchteten. Der Krieg
ist der Riss im Blick, in sieben Sinnen
quer durch dich, aber was weiß davon
ich. „es gibt viele häuser die stehen aber
es gibt keine mitte es gibt viele wege die
führen doch sie führen zu keiner mitte“,
dichtet Tadeusz Różewicz in derselben
Welt. CNN Grodek. Gekappt. Ende
vom Glauben ans Glück, alle elende
Utopie. Heute stand ich auf einer 2025
Jahre alten Brücke und fühlte mich wie?

*

28. März 2022 12:43










Markus Stegmann

Land

Ich lief in ein Land hinein, das kein
Land mehr war. Ich wanderte einer
Strasse entlang, die nicht mehr
bestand. Ich setzte mich an einen
Fluss, der kein Fluss mehr war,
sondern ein Meer. Ich trank vom Meer,
das kein Meer mehr war, sondern
ein Mond. Ich betrat den Mond, der
kein Mond mehr war, sondern ein
Krater. Ich lief in den Krater, der
kein Krater mehr war, sondern
ein Loch. Ich fiel in das Loch, das
kein Loch mehr war, sondern …

12. März 2022 16:26