Mirko Bonné

Gärten in Bad Z.

Jeder Garten ist ein Grab. Emerson

Trockengarten … Jahreszeitengarten … Formgehölze-
garten … Weißer Garten … Farngarten … Mediterraner
Garten … Spiegelgarten … Leben und Arbeiten im
Garten … Sterben im Garten … Japangarten …
Chinagarten … Rosengarten … Waldgarten … Koi-
Zen-Garten … Islamischer Garten … Islamistischer
Garten … Poolgarten … Zukunftsgarten … Vergan-
genheitsgarten … Gegenwartsgarten … Cottage-
Garten … Wildobstnaschgarten … Supermarkt-
garten … Gebrauchtwarengarten … Baumarkt-
garten … Heilender Garten … Mörderischer
Garten … Immergrüner Garten … Immer-
kahler Garten … Immerdunkler Garten …
Traumzeitgarten … Albtraumgarten … Schre-
bergarten … Schreibergarten … Schreigarten …
Wassergarten … Tränengarten … Skulpturengarten
… Ölgemäldegarten … Ölgarten … Heckengarten …
Heckenschützengarten … Kunstgarten … Duftgarten …
Schulgarten … Kindergarten … Phloxgarten … Kakteen-
garten … Blumenzwiebelgarten … Heidegarten … Bäuer-
licher Nutzgarten … Mechanikergarten … Politikergarten …
Partygarten … Zwerggarten … Fischgarten … Meeres-
grundgarten … Wellnessgarten … Krankenhaus-
garten … Fluchtgarten … Leerer Garten

*

18. März 2019 18:53










Konstantin Ames

Selbst I/18

Zugleich eine Ansichtskarte für deine Akademieklasse, ehrenwerter und sehr nobler Lürke, mit der Girlanden-Frage, was dich anderer Leute Kappes kratzt …
Wohl eine Herausangeberkrankheit? Du hast noch immer diese olle Tröte?! Die hättest du doch beim letzten Potlatch tauschen sollen gegen einen Stuhl, wenigstens einen. Werd endlich den ranzigen Sessel los! Dass ich mir um deinen Poppes noch immer Sorgen machen muss, mein Mörikeopferdchen …

Bussi, baba, ob-la-di-o-bla-da!

Deine Kotzntante Un Dob

Selbstanzeige: Die Thomaskunst wird hier Mehrfachverwertung von Poesie wittern …
Ruhig meinem Verlegenden melden.

14. März 2019 10:06










Gerald Koll

Always keep your bowler on in times of stress

 

 

Irgendwie bedrückend, dass es zuende ist. Gestern beendete ich die zweite Blu-Ray-Edition von „The Avengers“ (eigentlich fand ich den deutschen Verleihtitel „Mit Schirm, Charme und Melone“ immer … charmant, aber das Original überzeugt denn doch, vor allem wegen der Originalstimmen, die eminent diskreter und intelligenter wirken als die vorlauten deutschen Synchronstimmen, die außerdem so hallig waren). Gestern also verabschiedete ich mich, wie man so sagt, „schweren Herzens“ von der allabendlichen Dosis. Zwei Boxen lang ging ich täglich glücklich zu Bett, geleitet von der schwarzweißen Politur der ersten Edition, die in den schönsten Episoden ein feiner Duft aus hundertjährigem Moos und frischer Ledercreme umwehte, bis zum tollkühnen Kolorit der zweiten, die allen britischen Spleens ein Denkmal setzte. Was jetzt?

Fortan würde ich einfach wieder irgendwie in den Schlaf stolpern, ungeküsst von jener stilsicheren Verspieltheit, die sich vom Bösen nie den Humor verderben ließ und jeden schändlichen Anschlag mit dem Klang von Sektgläsern beantwortete.

Gewiss, es war unfein vom Hersteller „Studio Canal“, der teuren deutschen Edition keine deutschen Untertitel zuzubilligen und die eingesparten Kosten auf überflüssige „Einführungen“ von Oliver Kalkofe & Co. zu verschwenden.

Und es war schon beinah frech, ausgerechnet die Farewell-Episode für Emma Peel („The Forget-Me-Knot“) nicht in die Edition 2 aufzunehmen (mit der nur für Buchhalter-Gemüter verständlichen Begründung, diese Episode gehöre bereits zur nächsten Staffel, also Edition 3 mit John Steed & Tara King, Peels nicht-ebenbürtiger Nachfolgerin; sie, die Edition, ist derzeit für 25,- EUR zu haben). Denn nie war es zwischen Steed und Peel so zartfühlend und gänzlich jeder Ironie entkleidet zugegangen wie am Ende von „The Forget-Me-Knot“, genauer: in jenem Moment, als die scheidende Mrs. Emma Peel mit versagender Stimme Steed zuflüsterte: „Always keep your bowler on in times of stress“ – und sich dieses ewig flirtende, nie der trivialen Versuchung erlegene Liebespaar einen letzten hauchflüchtigen Kuss auf die Mundwinkel tupfte.

„Studio Canal“ beweist an dieser Stelle Mitgefühl, für das man danken muss. Das romantischste Lebewohl der (mindestens Fernsehserien-)Geschichte befindet sich in der Edition 2 in einem der Extras.

13. März 2019 11:43










Gerald Koll

Aikido in der westlichen Kultur (7)

 

 

 

 

Der Verkündigungsengel aus dem Polyptychon Averoldi (1522, Santi Nazaro e Celso, Brescia) von Tiziano Vecellio belegt einmal mehr den eminenten und frühen Einfluss der westlichen Kultur auf das japanische Aikido (siehe dazu die hier erschienene gleichnamige Reihe aus dem Jahr 2013). Die Ausführung des tenchi-nage (Himmel-Erde-Wurf) ist hinsichtlich der Körperhaltung, der Gewichtsverlagerung, des Blicks und der schweigsamen und doch unübersehbaren Botschaft an den Partner vorbildlich.

 

8. März 2019 13:58










Mirko Bonné

Drei Herzporträts

Herz, ausgeschlagen
mit Tapeten aus Tränen
   für Woche für Woche
ferner, fernere Kinder.

Herz, wild pulsierender
Fisch, Dornenbarsch, da
   in dem purpurnen Krug
der Brust, des Luftkorbs.

Herz, das dich sieht, ja,
Auge ist es auch, Auge,
   gläsern Funkelkörper,
inmitten von allem da.

*

2. März 2019 00:01










Barbara Felicitas Tax

chamäleon

es setzt den fuß, greift mit dem fuß den ast.
die augenlider bewegen sich von oben, von unten,
und öffnen sich wieder.
jedes auge blickt in eine andere richtung.
ein ruck in der blickrichtung.
der betrachter wird angeschaut, mit augen,
rund und groß, unter einem himmel aus glas.

28. Februar 2019 12:47










Norbert Lange

Als ich Barbara Tax vor längerer Zeit bat, mir für eine Anthologie einen Essay über ihre Arbeitsweise als Dichterin zu schreiben, war ich sehr darauf gespannt, worüber sie in ihrem Text sprechen würde. Bislang hatte ich nur Gedichte von ihr gekannt, die in Zeitschriften wie Edit oder Ostragehege erschienen waren, später gab es dann welche in der Anthologie Freie Radikale von Christian Lux. Was mich neugierig gemacht hatte, war, dass sich ihre Gedichte mir in ihrer epigrammatischen Kürze entzogen. Sie erschienen mir auf die beste Weise verschlossen: greifbar, aber sobald man sie zu fassen glaubte, veränderten und entfernten sie sich, so dass ich einen neuen Versuch starten musste, sie zu verstehen.

Bekommen habe ich einen sehr schönen Essay, der von Apollinaire bis Zukofsky darüber nachdenkt, wie Gedichte unsere Aufmerksamkeit fesseln. Und jetzt, beim Wiederlesen, bin ich wieder froh, sie gefragt zu haben. Denn der Text ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie über Gedichte und das eigene Schreiben nachgedacht und geschrieben werden kann. Nämlich, indem man vordergründig nichts über das eigene Schreiben sagt, um stattdessen von der Lektüre zu sprechen, die einen beim Nachdenken über das Schreiben begleitet.

Und so folge ich Barbara Tax‘ Lektüre bis zu Horaz‘ Brief von der Dichtkunst, dem sie den Titel ihres Essays entlehnt hat (Ut pictura poesis erit) und glaube für einen Moment, ihr Gedicht Chamäleon zu verstehen. Ich stelle mir ein Lebewesen vor, so sehr Auge, dass alles andere nurmehr wie Vegetation erscheint. Und während ich noch davon lese, wie das Tier sich bewegt, werde ich in die Situation versetzt, mich perplex im Terrarium wiederzufinden, ein Auge auf einen Glashimmel gerichtet, das andere auf den Text.

Eben blickte ich in seine Pupille. Jetzt versuche ich, etwas schwerfällig im noch ungewohnten Körper, mich in meiner neu gewonnenen Differenz zurechtzufinden, greife mit stockender Bewegung langsam, langsam nach, nach einem, einem Ast.

Herzlich Willkommen, Barbara!

28. Februar 2019 12:43










Björn Kiehne

In der Gerste

Auf welchen Wegen
kam ich hier her,
was blieb von dem Jungen,
der durch die Gerste strich,
der versuchte den Wind zu lesen
im wogenden Korn.

Was bleibt jetzt zu tun,
der Körper löst sich auf,
die Pläne stolpern übereinander und lachen.

1. Die Geschichte weitererzählen,
2. ein Zuhause finden zwischen ihren Zeilen,
3. die Vögel fliegen lassen, wenn die Zeit gekommen ist.

Auf welchen Wegen kam ich hier her,
was kommt nach dem Jungen,
der durch die Gerste strich,

mit ihren Halmen
schreib ich mich
in deine schönen Hände.

Kushinagar, 2019

23. Februar 2019 07:03










Andreas Louis Seyerlein

~

18.02 UTC – Ich kam mit dem Zug nach Venedig, trat auf den Vorplatz des Bahnhofsgebäudes, hörte, vertraut, das Brummen der Vaporettomotoren, bemerkte das dunkelblaugraue Wasser, und einen Geruch, auch er vertraut, der von Wörtern noch gefunden werden muss. Und da war die Kuppel der Chiesa di san Simeone Piccolo im Abendlicht, und es regnete leicht, kaum Tauben, aber Koffermenschen, hunderte Koffermenschen hin und her vor Ticketschaltern, hinter welchen geduldige städtische Personen oder Furien warteten, die das ein oder andere Drama bereits erlebt hatten an diesem Tag wie an jedem anderen ihrer Arbeitstage. Und da war mein Blick hin zur Ponte degli Scalzi, einem geschmeidigen Bauwerk linker Hand, das den Canal Grande überquert. Ich will das schnell erzählen, kurz hinter Verona war ich auf den Hinweis gestoßen, es habe sich dort nahe der Brücke, vor den Augen hunderter Beobachter aus aller Welt, ein junger Mann, 22 Jahre alt, der Gambier Pateh Sabally, mittels Ertrinkens das Leben genommen. Ein Mensch war das gewesen, der auf gefährlicher Route das Mittelmeer bezwang. Niemand sei ihm zu Hilfe gekommen, ein Vaporetto habe angehalten, man habe einige Rettungsringe nach ihm geworfen, aber er habe nicht nach ihnen gegriffen, weshalb man eine oder mehrere Filmaufnahmen machte, indessen man den jungen Mann ermutigte: Weiter so, geh nach Hause! Das war im Januar gewesen, das Wasser der Kanäle kalt wie die Betrachterseelen. In diesem Augenblick, als ich aus dem Bahnhof in meinen venezianischen Zeitraum trat, war keine Spur der Tragödie dort unter dem Himmel ohne Tauben zu entdecken, außer der Spur in meinem Kopf. – stop

8.15 UTC – In der vergan­genen Nacht habe ich geträumt, wunder­bare 5 Jahre lang geschlafen zu haben. Als ich erwachte fühlte ich mich wohl, dann bemerkte ich, dass ich im Wasser stand bis zum Bauch. Das Wasser war warm, es roch nach Tang und nach Salz und nach Öl in diesem Augen­blick des Erwa­chens. Ich hörte vor dem Fenster die Stimmen spie­lender Kinder. Ich sah mich um und dachte: Was für ein schöner Anblick, all diese Lichter, es muss Nacht sein, Schiffe fahren herum, die von Vögeln gezogen werden, als wären sie Pferde. Dann erwachte ich erneut. Es war früher Morgen, anstatt Kinder­stimmen, hörte ich die hell pfei­fenden Stimmen einiger Seemöwen. Ich trat an ein Fenster, sah auf den Hof. Da waren tatsächlich Möwen. Sie versuchten Müll­tüten zu öffnen. Manche der Müll­tüten lagen auf dem Boden, andere hingen in den Bäumen. Ich fand, die Möwen waren nicht sehr geschickt im Öffnen der Müll­tüten. Plötz­lich hüpften Kinder auf der Gasse herum. Sie trugen Schul­ranzen auf dem Rücken und Tele­fone mit Bild­schirmen in ihren Händen. Immer wieder blieben sie stehen und steckten die Köpfe zusammen und lachten. Ich bemerkte, dass der Oleander vor dem West­fenster im Hof zu blühen begann. Es waren rote Blüten. Gestern Abend habe ich Menschen beob­achtet, die auf dem Markus­platz um eine Öffnung im Boden standen, aus welcher Wasser sickerte. Sie foto­gra­fierten, aber das Wasser war sehr wenig, weswegen sie heran­zoomen mussten. Auch waren da Menschen, die Tango tanzten nach Melo­dien eines Kaffee­haus-Orches­ters. – stop

> particles

20. Februar 2019 21:25










Konstantin Ames

Bresemann (Sapperlotstadt)

Stand die Frage im Raum, was reimt sich auf Deutsch

Auf Deutschland, Tom, reimt sich Leutnant Scheutland … wetten … Gleich
neben Staatlich Fachingen liegt die Akademie zum Heilwasser · Daneben
liegt Syndikalistisch Langenscheid · Hinzugehöriger Reim zu drastisch

Wir sind nicht ganz berufsjugendstilbefreit · Graefe ruft Katzbach · Von Korf
bis Rühmkorf sagen sie Landschaft · Meinen Verzierungen für ihre Stiefelschrift
Sag mal Grastisch · Spitzen spürn nix · Was bringt Raffkes Feinschliff?

Gemeinschaftsleistungen wichtiger als Leistungslyrics? Würden sie doch wissen
müssen · Wie hältst denn du das mit der Kunstrelijon (an unserm Nixnutzeteich)
mit Abwehrzauber gegen Pestgedichtgestank von Lyriklokusfluppen?

Wer Blödigkeit angeschaut mit Augen, ist dem Rufmord schon anheimgegeben

ich Sarg sag nicht gar nüscht · Bloß nicht mehr als: Ey, Lyrikfokusgruppen-
member, keiner erwartet von dir noch Mumm · Sag dein Sprüchlein · Nimm dein
gelbes Geld · Geh heim auf deine Mogelweide zu den andern Enjambements

Wir sehen uns wieder in Wessobrunn oder Rott
bejubelnd die Rehlein, von Korf bis Rühmkorf, unterm Kapott.

12. Februar 2019 12:31










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