Konstantin Ames

B-Seite

papieren nötig tauschig
knotig bibelgolden blond
gescheitelte Landschatten
wo immer sich s rheint
kommt aus Lyrikkehlen
zum noise faulend
Südobsts Rufen üb
er Organen vollends
b-rekt ins Parlamental

14. Januar 2022 15:53










Christian Lorenz Müller

ZÜNDELT IM PULVER (Winter in Haiku)

Kalt schmirgelt der Schnee.
Die glatten, warmen Wangen
nach dem Spaziergang.

Wechten: Hohlformen
für den Wind. Ein Wintertag
wie aus einem Guss.

Kaum kommt die Sonne
durch, zündelt sie im Pulver.
Das Licht explodiert.

11. Januar 2022 09:38










Björn Kiehne

Winterweizen

Die Hügel tragen schwer am
Schneehimmel, grüne Fäden
liegen auf den Äckern;
wenig führt so aus der Zeit,
wie der Weg nach Haus.

Das Dorf im Schiefermantel zieht
seine Schultern höher, lässt
die Linden, in die der Wind
so viele Versprechungen flüstert,
die Höfe allein bewachen.

Und morgens in der dämmrigen Küche
muss der Kaffee stark sein, um die
Gespenster zu vertreiben, die nachts
hinter den Bildern hervorkriechen
und an den Fäden der Geschichten ziehen,
die wir uns über uns selbst erzählen.

Nachmittags, spazieren in der Feldmark,
die Wolkendecke reißt auf,
Lichtfinger streichen entlang der
Reihen Winterweizen,
wie an Leitfäden aus der Geschichte
in eine Freiheit ohne Raum und Zeit.

9. Januar 2022 00:26










Hans Thill

ZZZ VVD TTT TTT

Zwanzig Zweiundzwanzig

Zwo Zwo Pihis (Apoll.) einflüglige
Eisvögel Zwiehnachten mit Alkyone
zwischen Hund und Hemd
Fuchs und Pfote und zwo oh
ein Jahr rund wie Rom
meint Wittgensteins Witwe
Genesis oder Genesis
alle mal herhörn

Vingt Vingt deux

Deux Deux Pihis (de Chine) qui volent
par couples martin-pêcheurs
noël avec Alcyone entre chien et
chemise entre renard et patte
deux loups font un an rond
comme Rome c´est la
veuve de Vallotton qui l´exclame
Genesis ou Genesis
tout le monde écoute

Twenty Twenty two

Two Too Pihis (Apoll) flying
together z-mas with Alcyone
between dog and two-shirt
fox and forest and oh
the year round as Rome
as Whitman´s widow tells us
Genesis or Genesis
everyone listen up

Twintig twintig twee

Twee twee pihi’s (Apoll.) eenvleugelig
IJsvogelig kerstig met Alcyone
Tussen hond en hemd
Vos en voet en twee oh
Een jaar rond als Rome
Vindt Wittgensteins weduwe
Genesis of Genesis
Even allemaal luisteren

(Niederländische Version von Ton Naaijkens)

5. Januar 2022 16:05










Andreas H. Drescher

Auszug aus Gerhard Neumanns „Unter Ziegelbränden“

Das 20. Todesjahr des Dichters Gerhard Neumann bricht gerade an, der einmal als eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Lyrik galt. Seine Bücher gibt es glücklicherweise noch. Auszug aus "Unter Ziegelbränden" von Gerhard Neumann (Rimbaud Verlag).

4. Januar 2022 11:18










Konstantin Ames

Halsfasten

lausige Spezies beinah
alles beieinander lassend
Brokat, Kolbenfresser
Gürkchen, Krokant

waren s Schnörkel genug

Herzchenbildung in den Feindschaften
hainerschütternder PRM-Ruf vom
ICE aus bretternd in die Feinschatten
dieses Längsgedichtstests: verf. negativ

war s leise genug gelesen

27. Dezember 2021 12:18










Mirko Bonné

Leere

Die Leere in den Bibliotheken, in den Gärten, in Schulen: die Leere
   an der See, im silbernen Licht, die leeren Straßen, Märkte. Die Leere
in den Gesichtern, in den Sätzen, den Bergen, die Leere der Sainte-
   Victoire in den Zügen, im Schnee. Die Leere in den Träumen: Leere.
In den Liebesbekundungen, in den Klubs, Mails, Wolken, Stadien: die
    Leere. Am Himmel die Leere, auf den Wegen, in den Innenstädten,
den Schwimmbädern: Leere, wo ich stehe, wohin ich gehe, woher
    du kommst. Aus deiner Leere in meine. Die leeren Versprechungen,
Erinnerungen, die Leere im Wind, in den kahlen Bäumen, Lokalen,
    Perspektiven, Phrasen, Grünflächen: die Leere der hohlen Gesten.
Die Leere des Blicks da im Spiegel, in den Spielen der Kids und in
       den Kirchen, im Bus: die Leere, die leer ist, nichts weiter, nur leer.

*

22. Dezember 2021 21:01










Christian Lorenz Müller

GENAUSO WIE ZUVOR

Ich lasse mir das nicht länger gefallen,
sie stellen ständig neue Fallen auf, das ist bewiesen,
weissagen nicht die Sterne große Veränderungen,
warum ändern sie schon wieder die Bestimmungen,
Stimmungen werden zu Unrecht als irrational abgetan,
lasst uns was tun, malen wir ein Transparent,
Intransparenz bestimmt die Politik, ich habe es immer geahnt,
unsere Ahnen hatten ein widerstandsfähigeres Immunsystem,
Widerstand ist das wichtigste Gebot der Stunde,
stundenlang sind wir vor dem Parlament gestanden,
Parlamentarismus, ein Hohn bei diesem Abstimmungsverhalten,
Weihnachtsstimmung will da nicht aufkommen,
kommt alle zu den Demos, die sie uns verboten haben,
seht ihr nicht die Vorboten schlimmer Ereignisse,
was für ein ereignisloser Advent, wo es keinen Glühwein gibt,
gebt uns unsere Freiheit zurück, macht die Fesseln los,
macht, dass alles wieder so wird wie vorher,
vorher war ein gutes Leben, ich will doch nur
genauso leben wie zuvor.

22. Dezember 2021 12:22










Konstantin Ames

Bemäße sich an Freizeit Reichtum

reitet den Wald unter Wasser
pflanzt das Pferd im See
diesem Malus und neun andern
voll Trash entgegensehen

spricht Hochdeutsch mittags
nachts auf der Teufelsburg Platt
jagt aufm Drescherhai Niedfraß
sagt dir vor Istland sacht: matt

Für Andreas H. Drescher

22. Dezember 2021 10:01










Andreas H. Drescher

Fronleichnam (Kapitel aus dem Roman „Schaumschwimmerin“)

17. Dezember 2021 09:26










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