Mirko Bonné

Unmöglich in Orplid

Wie kommt es, dass du an Tagen,
wenn Zeit wäre, weiterzuschreiben
an dem Roman um ein im Schnee
versinkendes Schiff voller Leuten,
Auswanderern, stattdessen lange
gedankenversunken hinausblickst
in den Hof, ewiges Geniesel, das
Grau, und dich dann unvermittelt
an den Tisch rettest, loszulegen,
halsbrecherisch, mit Gedichten
wie diesem? Wovor flieht Einer
wie du? Was gäbst du hin, noch
immer den Uhrzeigersinn für die
Stunde wirklicher Ergriffenheit?
Ich weiß wohl, ich lebe ja nicht
in Orplid, nur … unter Schloten,
in den Einkaufsmalls der Schrott-
vororte, bei den Glücksvisagen da
der Behämmerten, im ganzen Ruin
leb ich genauso wenig, deswegen
entschiede ich mich, stünd es mir
zur Wahl, für gar Sonderbares, für
Beschwören, Märchen und Magie.
Ich sprenge es, jag es in die Luft,
alles Mögliche. Vergesse Athen,
Rom, Beijing und New York, bin
Unmöglicher, zu Haus in Orplid.

Für Volker Sielaff

*

28. Dezember 2022 13:16