Julia Trompeter

GEZeiten

Ebbe Ebbe in der Kasse Kasse

Mutter, an der Tür ist ein Glatzenhummel.
Ein was?
Ein wer?
Ein Glatzenhummel. Räuberisch mit Degeto am Revers.

(~) Aber der Tatort. Aber der Fußball. (~)

Sag dem Hummel: Wir kaufen Nix.
Ist ihm recht. SAGT ER. Solang wir zahlen.

Noch mehr Ebbe Ebbe in der Kasse Kasse

13. Dezember 2018 08:36










Julia Trompeter

Luftmaschine

Trösten wir uns einfach mit dem nicht Geklappten
das sich, anders als der schnell verklappte Müll im Meer
in Luft vergessen hat auf unserer Reise

Stell dir ein reinweißes Segel vor
nen inselfreien Horizont
keine Fische, kein Plastik im Bauch
nur du und ich und die ZuKunft
Nicht mal der Himmel stört

Wenn ich hier am mosaikenen Kanal ganz steilrecht hocke
tröste ich mich so. Das kann ich dir natürlich nicht mehr sagen
Wie das eben so ist mit Dingen, die sich im Nichts auflösen

3. Mai 2018 09:02










Julia Trompeter

Vershaufen

Verlauf dich

Wo du stehst

…wo

stehst du?

Verbrennt

‘s Auge

T e r r a s s e n

F e l d e r

Aussicht herausgehen

Verkauf dich nicht

Verschnauf dich

6. April 2018 15:39










Julia Trompeter

Irgenddann

Der abgeschnittene Haselzweig
auf dem moosigen Plattenbeton;
im vierkantigen Hof scheint die
grünende Sonne erstmals in
diesem Jahr splitternackt, sie
wartet aufs Blühen – auch der
Frühling und das Teil, das einmal
seines war, der verödete Zweig.

Bin auch ich voll von Trieben,
sprieße auch ich fern vom Stamm,
habe auch ich keinen Zweck
als irgenddann Zierde zu sein?
Niemand sieht mich mehr an,
wenn ich ausgestopft hänge;
der verendete Teil eines Menschen
in einem Zimmer zur Osterzeit.

5. März 2018 17:58










Julia Trompeter

Hast du je auf dem Rücken gelegen
den Blick Richtung Decke
ihrem göttlichen Stuck
den Spinnweben, Spinnen vielleicht;
hast du je mein Gesicht gesehen
in den Pickeln des Raufaserhimmels
meine Stimme gehört durch das Zischen
des Wasserkochers -
wie ich im Kinderton nach dir rufe
aufgebahrt im Bett
suchend mit den Augen
nach einem festen Punkt irgendwo oben
wo sich die Wahrnehmung auflöst
in den Schleiern des Vergessenwerdens
ich frage das nicht aus Berechnung
noch Interesse, bloß aus dem Nichts.

17. Januar 2018 15:27










Julia Trompeter

Brahmselnatz

Ich bin verwirrt. Der Schnee von draußen wiegt.
Der Kirchturm schlägt sich Schneisen in die Luft
mit seinem schweren Ton von anno dazumal.
Die Mischungen der Töne in c-moll und der Gesänge
im Wohnraum zum dritten Advent: leise und laut.
Und immer wieder wird die Alltagssinfonie,
die sich in den Dezembermorgen schmiegt,
von einem frechen Hundetext durchjault.

17. Dezember 2017 11:08










Julia Trompeter

Dionysiou Areopagito

Unendlich lange, immerwährende Traurigkeit,
zwischen den Hügeln aufgespannte Leine,
die das Auge an einen Berghang kettet, der, oben abgeflacht,
die Akropolis streift und alles mit dem Schwarz der Pupille verbindet,
drüber und drunter nichts als blauer Himmel, und immer wieder
ein arges Würgen, Auswringen des Zwerchfells:
Not, Not, Not! Überall Krise, auch im eigenen Interesse
sollten Sie diesem Text etwas schenken,
Aufmerksamkeit zum Beispiel oder ein paar
mut- und muntermachende Tränen,
gibt es denn Freiwillige, die auf der Leine tanzen wollen,
oder was war das eben für ein zustimmendes Rauschen
in den Pinien, den Olivenbäumen, den Mandarinen,
oder war es das Klirren der Eiswürfel im Kaffee,
das plötzlich gefrorene Herz der Zikaden?

12. Dezember 2017 15:56










Julia Trompeter

liebe

muse, schöne weiche wilde
frau auf dem bett luken hintern
nichts als blaue stunde, lust
oder laune oder kaffee
muse, schöne sanfte hügelige
landschaft aus gischt oder doch nur
lose verliebt oder doch nur

schöne wilde weiche muse
hintern bett luken frau auf dem
nichts als blaue lust, stunde
oder kaffee laune oder
muse, schöne sanfte hügelige
gischt oder doch nur aus landschaft
nur lose verliebt oder doch

14. November 2017 17:14










Julia Trompeter

Berlin am Meer

Wo kommen all die Hausboote her?
Vollgestopft mit Heimatlosen
schieben sich die Karawanen
blago bung
blago bung
an unserm untern Augrand vorbei

Is ja nicht das Mittelmeer hier
bloß son Ausläufer der Havel
plattes, süßes Wasser drin
da hinten die Glienicker Brücke
vor ihr die fahrenden Häuser
hölzerne Unterbauten, rote Dächer

Flüchtende Touristen suchen Schutz
vorm Großstadtlärm oder Leben
und ich suche Schutz vor deinem Profil
deinem hingerissenen Blick
mit dem du die Farben
des Spätsommers fängst

5. Oktober 2017 09:16










Julia Trompeter

häl

längs hat der tag am horizont sich hingeblättert
& langsam dichtgemacht & in der weite fern gesehen
wie der wald. der mond. mal wieder nichts ergattert. nie.
bloß. langgezogen zogen drohnt die stimme noch.
seit ewig zeiten nichts gehört dabei. gar schon verlassen
lassen drohnt. son echo echo alter nächte an mein ohr.
in mir denkt etwas nach & etwas will hinaus. jedoch
schwebt schlau ein schatten schatten. kriegerisch davor.

12. Juni 2017 22:04










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