Andreas H. Drescher

SARG IM WALD (Ein Kapitel aus dem Roman „Schaumschwimmerin“)

21. September 2021 08:26










Christian Lorenz Müller

SEEKAJAKS

Ins Wasser gestellte Sessel,
ein Blau, das alle Grübeleien
leuchtend unterspült.
Wogig wirft sich die Zeit
über die Spritzdecken, verrinnt
ohne dass wir kentern.

Das weiß verwildernde Salz
auf unserer Haut,
das innere Kabbeln
nach einer gewagten Überfahrt.

Luvseite des Lebens,
wenn sich abends
der Wind in der Zeltplane fängt.
Brandung schäumt bis in unsere Träume.

Für Gabriele Kriks

21. September 2021 08:23










Konstantin Ames

50 silben

can′t get no sleep / silberfisc
raben schreien smog / inmitten der gaukler
aufschlag / die rosigen wa
unge männer harrn der erfrischu
schokoladenstaub in der nase, nachts
sich sicher sein / porös

19. September 2021 11:04










Mirko Bonné

Skorpion

Er trägt auf dem Rücken als Zeichnung
  ein einzelnes, blinzelndes, bewimpertes
Auge. Was es eräugt, fliegende, fliehende
  Beute, frisst er nicht. Er kann warten,
    wie Hitze, Gott warten. Er lähmt, zerrt
  alles Wände hoch in Staubwinkel. Im Stillen,
für dich, in deiner Stachelsprache, nenn ihn
  Mensch. Nur sprich das Wort nicht aus.

Für Andreas Altmann

*

16. September 2021 12:10










Thorsten Krämer

Ich aß ein Mettbrötchen in Hamm

auf dem Weg zu mir. Das war der Tag, als die
Züge streikten. Ich aß es schüchtern, nahm es kaum
aus der Tüte heraus, die Maske unters Kinn geschoben.

Man wird das später alles nicht verstehen – Maske?
Mett?
Bald bin ich 50. Ich aß ein Mettbrötchen in Hamm
und es schmeckte mir.

2.9.2021

2. September 2021 17:53










Björn Kiehne

Schlachtensee

Noch vor dem Licht
erwachen die Vögel,
Amseln, Drosseln, ein Specht,
der dem Tag seinen Takt gibt.

Vom Bahnhof fließt die Wiese zum
Ufer hinunter, hält ihre Halme
in den See, den der Wald
hütet wie sein Geheimnis.

Ein Haubentaucher zieht
Linien ins Wasser, schreibt:
Wenn Du willst ist alles
Botschaft, wenn Du willst,

kannst du mit jedem Kleidungsstück,
das Du an den Holunder hängst, etwas
aufgeben, weglassen, aufhören
jemand zu sein – verletzlich,

nur die Haut zwischen Dir und
dem See, breitet der Vogel,
der Dein Geist ist, seine Flügel aus,
fliegt heran und findet ein Zuhaus.

Für Joseph

1. September 2021 15:03










Mirko Bonné

Haus für Ritsos

Den uralten Pfad hinauf. Nur Schotter.
Und entlang dann, dann hindurch unter
Strauchwerk, scharf, stachlig, immergrün.
Alles war bewaffnet, Jannis, wie wir da
kampflustig so zur Kapelle hinanstiegen.
Thymian, Lavendel. Salbei. Phönizischer
Wacholder im Sommerradau der Zikaden.
Unbeugsam der Widerstand, unerbittlich
wie die Sonne die Schattenbemühungen
verhärteter Früchte und was der Ilex lehrt,
wenn das Licht ihn malträtiert: Wahr werden
alle Färbungen von allem, das aufbegehrt
und dabei doch gerechtbleibt wie die Grille,
die Eule. „Nichts“, so du da oben, „ist härter.“

Weißt du noch? Drei Tage lang hatten wir
bei Dauerregen alles alte Holz vom Keller
ins Haus geschleppt, zerkloppt und im Kamin
verfeuert. Unser Qualm, Jannis, quoll fabelhaft
über das Dach. Wolken wurden das Laufgitter
meiner Liebsten, Stühle, Rahmen, ein Sessel
und die alte, halbe Gute Frau von Forcalquier.
Vorbei an der Kapelle, in deren glaslose Fenster
Kinder mit dem Mistral riefen – drei Gespenster –,
stiegen wir zum Schloss hinauf. Weißt du noch,
der Trümmergipfel seit fast tausend Jahren?
„Ich bin zu lang schon tot. Und Griechenland,
mein Hellas ist verbrannt“, so da oben du.
Das Laufgitter meiner Liebsten, Stühle, Rahmen …

alles sah ich unter Kiefern, wie neu, da oben stehen.

Es war dein Haus. Nur die Tür und alle Fenster fehlten.

*

26. August 2021 08:05










Andreas H. Drescher

Von Socken gesteinigt

Von Socken gesteinigt
in denen ihre guten Wünsche
nach Patent-Art eingeschlagen sind

Patente für Zikaden-Zehen

Im Pfützenspringen verhärtet
Dem schmalen Eisdank
ist nicht zu entkommen

Nicht der Astronautenmütze
Nicht der Karnevalsangina

Offen eingekreuzt die lange
lange Unterhose
Weiche Vögel auf dem Sofa

auf ihrem letzten Weg zum Wald

24. August 2021 22:41










Tobias Schoofs

HÖRKANAL

wir streifen im hörkanal zwischen
rauschender brandung und dem fast
artikulierten klappern der palmen

phonetik so saumselig wie muscheln
tang und kaum verstandene sprachen
das nicht weit vom stamm gefallene

wie obst in einem anderen herbst
du hebst es auf fügst es zusammen
zu sätzen zu wellen im hirn

23. August 2021 18:08










Konstantin Ames

Da benn 51 von zuse 22 antword wart

!!Dieses Gedicht kann in Sachsen Kopfverbrechen auslösen!!

Nicht jeder blick nah kein dorf spät
Ein schloss frei jeder bauer fern
Jeder fremde fern · ein tag spät
Jedes Haus dunkel · 1 auge tief
Nicht jedes schloss alt jeder tag alt

Aus „An des ereignisses vortagsnachmittag (verschönert)“

20. August 2021 12:59










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