Konstantin Ames

Finale

schrieb wer über Punk

er sei zurück (Das Loch)
aber das wüsste ich doch
sagt mir der unverbitterliche Postpunk
TU DAS LIEBER NICHT
Klopstock geht ja praktisch immer
Töpfelchen fönden söch dönn schön
NEIN TU DAS NICHT
vor der Fi’ale der Postbank

23. September 2020 10:22










Andreas H. Drescher

JAMAIKA ÜBERLANDBUS 3

Jamaica Jamaica Discover Jamaica
Shell und dieser rote Ansturm auf
gescheuchter Falter Weiß auf Blau
Mitte Shell Das hohe Schilf Die
Palmen Grün wieder die Grotte

Kühle hier lebendiger Stalaktit

Die Zeiten unterm Meer Von Erd
beben heraufgedrückt Die Kante
des Kalks Der Gang von 1558 Der
Spanier noch immer Gouverneur Die
Grotte wo sein Boot in See stach

Um das alte neue Kuba zu erreichen

Grünes Wasser Hier ist es süß Hier wie
der salzig Zwei Sorten Fische darin
Beide erblindet Grünes Leuchten
Das zieht Fledermäuse an Dieser Stein
ist eine Limbotrommel Wirklich ein Ton

Noch ein letzter Drink in Ocho Rios

Der neue Fluss im Schlaf von 1655
Landung der Engländer Landung
der Spanier Landung der Franzosen
Legenden Gouverneure Arabesken
Fischerdörfer Die Spanier am Strand

Berge aus Köpfen Sonnenuntergang

Golden Ian Flemings Drehort Der
Hurrikan am 12. September Die
Länge der Insel vor 12 Augen
Noch mindestens 3 Wochen Stürme
Alles Namen sind das alles Namen

23. September 2020 10:01










Mirko Bonné

Eine Amsel

Da ist was im Gesang einer Amsel
es ist Frühling, du wirst wach

du liegst nachts da und denkst nach
das Fenster steht offen – da ist was

wovon der Vogel singt
und du denkst daran was du aufgeben musst

da ist was in dir, das ist leer und in das strömt
das Singen dieser Amsel

Rutger Kopland

(Aus dem Niederländischen von Christiane Burckhardt und Mirko Bonné)

*

20. September 2020 00:46










Mirko Bonné

Een merel

Er is iets in de zang van een merel
het is voorjaar, je wordt wakker

je ligt te denken in de nacht
het raam staat open – er is iets

waarvan die vogel zingt
en je denkt aan wat je moet opgeven

er is iets in je dat leeg is en het stroomt vol
met het zingen van die merel

Rutger Kopland

20. September 2020 00:39










Hans Thill

Wordsworth Colportage

William Wordsworth

The world is too much with us; late and soon,
Getting and spending, we lay waste our powers;—
Little we see in Nature that is ours;
We have given our hearts away, a sordid boon!
This Sea that bares her bosom to the moon;
The winds that will be howling at all hours,
And are up-gathered now like sleeping flowers;
For this, for everything, we are out of tune;
It moves us not. Great God! I’d rather be
A Pagan suckled in a creed outworn;
So might I, standing on this pleasant lea,
Have glimpses that would make me less forlorn;
Have sight of Proteus rising from the sea;
Or hear old Triton blow his wreathèd horn.

(…)

18. September 2020 09:23










Andreas H. Drescher

JAMAIKA ÜBERLANDBUS 2

 

Mathildas Ampeln in der Apotheke

Esso Kings-House We deliver free

Der Stuhl der Königin wird auf

bewahrt in Bäumen mit weißen Gama

schen am Commonwealth vorbei

 

Das Devon-House mit 1883 Sklaven

 

Georgs Stiefel Georg Stiewel der

Vater des ersten Farbigen dem

hier ein Haus gehörte Die Haut

der Zimmer Das baut nun schon

seit hundert Jahren ein Museum

 

Venezuela von hier nicht zu sehen

 

An der Kreuzung Kinder-Fenster

putzer Im Bankenviertel Tourism

is our business Let´s protect it

Das Kleine Theater das mit Ab

stand beliebteste von Kingston

 

Ein Gefängnis nur für Schmuggler

 

Zwangsarbeit vorm Cricket-Stadion

der Bank-of-Jamaica Portraits von

Cricket-Größen eingezahlt einen Hafen

und zwei Industriegebiete Der Junge

unter Sonnenschirmen alter Frauen

 

Heute mit Saatgut gegen Slums

 

Eins Bulldozer zwei Steinhäuser

drei fortmontierte Klos fortmon

tierte Fenster fortmontierte Wasch

becken Marleys Broadway-Stadion

Sümpfe angelegt vor Port of Spain

 

Zuckerrohr für Appleton noch immer

 

Das Abbrennen der scharfen Blätter

Rum Blut im Ungeziefer trotz der dicken

Schuhe 8 Tote drehen den Hurrican Die

Plünderung der Supermärkte plötz

liche Fernseher plötzlich der Osten

 

Die schlechteste Straße seit Coward

 

Der Blick Die Kirche Der Verkauf Die

Kokosstadt Bananenstadt Orangenland

Darüber Kolibris und Doktor-Vögel

120 Alligatoren schnappen ihnen

den letzten Mungo fort Das heißt

 

Mehr Schnecken als Schlangen

 

Fisch blauer Fisch der Merlin schwer

noch schwerer zu fangen Die

halben Lehnungen ins Ruckeln des

Vulkangesteins doch was heißt schon

Aktivität Licht aus jetzt Der Mann

 

17. August 2020 23:20










Nikolai Vogel

Große ungeordnete Aufzählung (Detail)

an ein Ufer schlagendes Wasser, Treppenstufen, Schrift, Flügelinsekt, Halbschatten, Sonnenflecken, die Haut,

abgestreifte Schuhe,

 

willkommen, Augusta

17. August 2020 11:25










Augusta Laar

VERLIEBTE AUTOS IM WALD

wie sie quietschen
wie sie gurren wie sie mit ihren
scheinwerfern blinzeln

wie sie aufeinanderprallen
wie sie mit ihren plastiksitzen schwänzeln
mit ihren plastikantennen tänzeln
wie sie seufzen wie sie stoßen
wie sie ineinanderfallen sich überallhin folgen

wie sie pirouetten drehen wie sie
girlanden aus ihren rücksitzen stülpen
wie sie herzen aus ihren auspuffen blasen

wie sie kichern
wie sie stäuben schweifen pfeifen
wie sie zwitschern

wie sie die hasen die rehe und tafelaufsätze
die ketten aus rehen die goldhirsche

wie sie staksen heulen jaulen juchzen
stöhnen blitzen fauchen feuern

wie sie die pilze das moos
wie sie das gras die kröten das wasser
wie sie das wasser

13. August 2020 22:10










Karin Fellner

Willkommen, Augusta!

In Augusta Laars poetischer Welt rast es, blitzt, springt, schnappt und kickt es, ein Beat durchzieht ihre Verse –„hey hey my my“ – , in denen sich David Bowie und Faye Dunaway auf ein Augenzwinkern treffen, ein spaciger Mix aus Dunklem und Wildem, aus Ironie und Punk: „von oben oh jesuspilz von unten / oh fischpudding“!

Hiermit begrüße ich Dich, liebe Augusta – geschätzte Poetin und Poesieveranstalterin – freudig und herzlich bei den Fischen!

13. August 2020 13:36










Christian Lorenz Müller

Es gibt keine Leitungen, es gibt nur diese Kratzer über
der Kreuzung. Wer an der Haltestelle steht und kurz
hinauf in den Himmel schaut, sieht ein wirr zerschrammtes
Blau. Allein wer die Stromabnehmer der zufahrenden
Busse im Blick hat, kann die parallel verlaufenden Ritzen
und Riefen erkennen, die Scharten und Schrunden. Wenn
der Abend kommt, wird vieles deutlicher. Blenden die
Autos ihre Scheinwerfer auf, schimmern die Kratzer
plötzlich blank in der Dämmerung. Dann wird eine Ordnung
erkennbar, dann wird es leichter, den Schrammen
zu folgen, weg vom betriebsamen Platz, hinein in die
Nacht.

Beginn des Romans „Unerhörte Nachrichten“

10. August 2020 17:13










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