Tobias Schoofs

KLINGT WIE…

im dunkeln wusst ich immer
ist es weniger gefährlich denn
in dem was ich am besten
kann bin ich um ehrlich zu

sein miserabel aber nachdem
wir einmal da sind unterhaltet
uns doch das hilft weg über
verlegenheit mein gott warum

hast du mir das alles hier bloß
mitgegeben dieses körperzeug
etc. es stört doch nur ich

wollte nie was anderes sein
als eine verweigerung warum
missgönnt ihr mir das alle

22. September 2016 21:09










Hendrik Rost

„Gorillas in unserer Mitte“

Die Elbe schaukelt langsam den Tag
in den Schlaf oder sie wägt eine Idee
ab, die ihr eben auf der Welle lag
und in den Sand fiel: endlos viele
Universen aus Körnern, ein Gries
aus Plastik, allmählich zerschliffen.
Im Abenddämmern der Containerriese,
sprengt die Vorstellung von Schiffen;
wie ein Opernhaus an der Skelettküste.
Noch nicht im Bild sind tanzende Affen,
als erwarteten die Sinne einen Test:
Aufmerksamkeit ist nach oben offen.
Da, Klaus’ Kopf, maskiert als Kiesel.
Einst wogten hier Seegraswiesen.

21. September 2016 13:34










Christian Lorenz Müller

HASSAN AL-ALMANI PREDIGT

Dies Tuch, O Schwestern,
wimpelt schön im Wind:
Signal für eure Zucht.
Wer Schwarzes, wer Brünettes flaggt
reizt mit seinem Stolz.
Holt eure roten, eure blonden
Fahnen ein, versteht:
Blicke sind wie Wind,
sie rupfen, zerren, reißen,
sind unbezähmbar wild.

Nur am Wimpel
ist ein zahmes Zupfen,
der Wimpel ist es
der die Richtung zeigt.

21. September 2016 10:57










Christine Kappe

Bei den Enten ists so

Bei den Enten ists so:
Sie muss getarnt sein
Im “Unterdrückungskleid”
soll sie in Ruhe die Kinder aufziehen

(Die Männer haben nicht die Strapazen mit den Kindern
und pflegen ihre Schönheit!)

Gut oder schlecht?:
Durch Verstädterung und Wohlstand
überlebt die Ente
ihr gebärfähiges Alter
und wird “hahnenfiedrig”

Nun ist sie kaum vom Männchen
zu unterscheiden
Nur an der Farbe des Schnabels

19. September 2016 05:19










Markus Stegmann

Frau Atnan sagt

Frau Atnan sagt
sie habe genug gesagt
habe endlich genug gesagt
sagt
es sei alles gesagt
was hätte gesagt werden sollen
hätte gesagt werden müssen
nur eines noch
sagt sie
glücklich
sagt Frau Atnan
sie sei
glücklich
nach allem
was war
was habe schmerzlich
durchlitten
bis zum äussersten habe
durchgestanden
werden müssen
doch nun
seien wir beide
heimgekehrt
heimgekehrt
nach allen Wirrungen
Irrungen
heimgekehrt zueinander
wer wisse
wie viel
Lebenszeit
noch bliebe

18. September 2016 20:39










Christian Lorenz Müller

BURKA

Dieses komplett verhüllte Gedicht
gestattet allein einen Blick auf die Form,
auf das Alliterationsgitter
vor seinem Antlitz. Ob die Sprache
grob oder fein gewebt ist,
lässt sich auf diese Entfernung
nicht wirklich erkennen.

Dieses Gedicht huscht nur kurz vorbei,
es lässt sich bloß vermuten
ob es drunter enge Hotpants
oder romantische Spitze trägt,
und vielleicht ist es ja auch keine Frau,
vielleicht gehört es ja verboten
weil es möglicherweise sehr bald schon
eine Bombe hochgehen lässt,
die den ganzen Betrieb erschüttert.

15. September 2016 09:23










Andreas H. Drescher

Der Altruismus auf Tuch
Fühlung mit dem Schützen

Ein See verschwunden
Ein See aus Federn in

Die niemand mehr bläst
Die niemand mehr braucht

Verdunstet in der Nacht des
Schützen auch die Taschen

LAMPE

(Antwort 4 auf Mathias
Jeschkes “Luftstudien”)

15. September 2016 08:58










Mirko Bonné

Bojendorf

Das Dreieck Garten,
Bug im knisternden Laub,
ein Erlenschoner vorm Wind.
Halt Kurs, auf die Inselränder!
Dein Schiff, die alte Trübsal,
hat fünfzig Birnenkanonen,
Mauersegler folgen ihr,
Seemöwen melden: Herz!
Land! Schwalben schießen
durch die Scheune aus Bläue,
in der nachts die Fehmarner
die Sonne wegsperren.

Ein blasser Klüver
wächst aus dem Rasen:
die Stockrose. Wer meutert?
Lass die Korsarenerinnerungen.
Wieso will keiner tanzen?
Es gibt Wogen, die
sind tiefer und wilder
als alles zu Beweinende.
Vorm Gartenbug eine Stoppeldünung,
Füchse und einundfünfzig Sommer. Schau,
die Pracht, das Silber, das Schäumen
auf dem himmelgrünen Gras.

Für Hendrik Rost

*

14. September 2016 12:04










Andreas H. Drescher

In winzigen in immer winzigeren Näpfen geht es berg
an In Näpfen voll von Wladimirs zerstampftem Fahrrad
helm Im Anflug eines Sonnenbrandes über die über die
Grenze soll das Was Nur noch die schwarzbraunen Auf
drucke fehlen Die Aufdrucke sind doch das Wichtigste

Dein Helm aber ist auch nicht anderes als einer dieser

NÄPFE

(Antwort 3 auf Mathias
Jeschkes “Luftstudien”)

10. September 2016 09:11










Hendrik Rost

Mandelstam

Ich wende den Stamm des Baums, der letztes
Jahr im Garten stürzte. Unten fällt eine Schicht
Asseln von dem Holz, das sich schon zersetzt.
Alles Winzige flieht schnell aus dem Licht,
langsame Würmer, flinkere Tausendfüßler
und Sammetmilben, die wie eine Markierung
durch das Gemenge sputen. Der Künstler
wollte Älteres anders äußern. Verwandlung
beginnt mit dem Fallen und das Entstehen
neuer schwarzer Erde ist Spuk von Fressen
und Ausscheiden und wieder Verzehren …
Und dazwischen wie von der Leine gelassen
die roten Milben. Der Baum ist für die Viecher.
Sturz wird zu Boden, Blätter werden Bücher.

Für Mirko

9. September 2016 12:53










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