Konstantin Ames

Date mit dem datierten silentstyle in der rille

lernte ich täglich von kleingeschriebenen händen in lobbies

lernte ich nicht von Lessing («Ich») und andern verslaufsformen um/gang
führen wir doch den adel (z.b. in den haifisch) wieder ein, die preise sind nahezu alle am boden «Ich» gratuliert den meinungen zu ihrer befreiung ung ung usw oder willkommen im streit, wer da nicht rosten will [Ich nehm jetzt ne Aspirin, und dann gehts mir schon wieder gut.] als lustiges rotgardistenblut

24. Juni 2017 19:04










Christian Lorenz Müller

27. REGENTONNENVARIATION

Schäumender Bierkrug
nach dem Regen. Ein Prosit
auf den Preisträger.

23. Juni 2017 16:41










Hendrik Rost

Alles, manches, das meiste,

was von Schwärmern und Spöttern über Büchner gesagt wird, ist falsch oder abgestanden. Jetzt ist
aber eine wunderbare Gelegenheit, Jan Wagner zu gratulieren: Alles, alles Gute
und viel Inspiration weiterhin!

Ich las so vor mich hin und fand schnell zwei sehr schöne “Versuche”.

Einmal über Mücken:

als hätten sich alle buchstaben
auf einmal aus der zeitung gelöst
und stünden als schwarm in der luft

bringen von all den schlechten nachrichten
keine, dürftige musen, dürre …

Ein anderes Mal über Seife:

wurde weniger wie fast alles

und alle sitzen am tisch:
mondloser abend, duftende hände.

23. Juni 2017 15:55










Christian Lorenz Müller

BECKEN

Die Verklärung der Glieder
in der tiefen Gumpe,
Allgegenwart Gottes
als aufgeschreckte Forelle:
So taufst du dich mit Kälte,
nach dreimaligem Tauchen
hastest du hinauf auf die Felsen
wo die Sonne wärmt,
wo du dich zitternd
neu geboren weißt.

22. Juni 2017 11:08










Konstantin Ames

Mit der Zeit wird alles feil. Nur


Jan Wagner hat sein Teil.

20. Juni 2017 16:07










Karin Fellner

Woman, caught in a fever

you climb up to the nest and grow
out of your dark plumage.

This is your muff amidst
Nordic cuisine. Your

t(ang)le and your ang(st)el
live here in your handpalm.

See how all the windows warp
when you crack your knuckles.

The mustardy light still carries
things like lace:
a confused honey bee—
Confucian clouds—
then your mother with
arms rowing in a
dusky pink sari—then
a BMW 1500
with a rusty underbody.

You are a dust mouse lying
in an empty tub. Mummy-dry. So:
go out like a little candle. A spontaneous
dust formation in an operetta.
A wave pattern would be left behind.
Something broken, thin as a fuse.
A God particle or supper for
a silverfish—

(Poem translated by Zane Johnson, USA, 2017,
who is finishing his Bachelor’s at the University of Colorado Denver and plans on studying in Germany in the coming year through a Fulbright.)

——–

Frau, ins Fieber verstrickt
steigst du ins Nest und wächst
dich aus zum dunklen Gefieder.

Dies ist dein Muff inmitten
nordischer Kost. Hier wohnen
dein Angerl und dein Engstel
in der Handpalme. Schau,
wenn du knöchelknackst,
dehnen sich alle Fenster.

Schon trägt das Senflicht Dinge
wie an Schnüren vorüber:
eine konfuse Hummel –
konfuzianische Wolken –
dann deine Mutter mit
rudernden Armen im
altrosa Sari – dann
ein BMW 1500
mit rostigem Unterboden.

Ein Zusel bist du, zu legen
in eine leere Wanne. Mumientrocken. So
ausgehn wiara Keazal. In einer Operetka
spontaner Staubwerdung.
Ein Wedeln bliebe zurück.
Ein Dreck, so dünn wie Zündschnur.
Ein Higgsteil oder Fresschen für
einen Zuckergast –

(Karin Fellner, 2015)

19. Juni 2017 08:52










Mirko Bonné

Nachha

Nach der Lesung grenzenloser Jubel

Nach der Lesung
grenzenloser Jubel.
Bamberg. Juni 2017.

*

15. Juni 2017 10:24










Julia Trompeter

häl

längs hat der tag am horizont sich hingeblättert
& langsam dichtgemacht & in der weite fern gesehen
wie der wald. der mond. mal wieder nichts ergattert. nie.
bloß. langgezogen zogen drohnt die stimme noch.
seit ewig zeiten nichts gehört dabei. gar schon verlassen
lassen drohnt. son echo echo alter nächte an mein ohr.
in mir denkt etwas nach & etwas will hinaus. jedoch
schwebt schlau ein schatten schatten. kriegerisch davor.

12. Juni 2017 22:04










Andreas Louis Seyerlein

~

15.06 UTC – Über einen langen Flur eines Schiffes wandernd begegneten mir zwei Männer, ein junger und ein etwas älterer Mann. Wie sie näher kamen und ihre Stimmen in meinen Ohren deshalb lauter wurden, hörte ich, dass sie sich über ein Büro unterhielten, in welches einer der beiden Männer vor wenigen Tagen erst eingezogen war. Es ging in dem Gespräch außerdem um Möbel. Die Männer waren sich, so mein Eindruck, nicht ganz einig gewesen. Sie diskutierten, ein lautes, lachendes, ein lebendiges Gespräch, weshalb ich umdrehte und den Männern in dezentem Abstand folgte, ich wollte Ihnen heimlich zuhören, was vermutlich nicht ganz höflich gewesen war. Ich glaube, die zwei Männer bemerkten mich glücklicherweise nicht. Warum ist dein neues Büro so leer? wollte der eine Mann, er war wirklich noch sehr jung gewesen, von dem anderen, dem älteren Mann wissen. Das ist so, antwortete der alte Mann dem jungen Mann, hör zu, ich will unabhängig leben von meinem Büro, ich will nicht mit ihm verwachsen sein. Wenn ich von meinem Büro einmal getrennt werden sollte, ist der Schmerz dann nicht so groß, wenn ich aber mit meinem Büro verwachsen sein würde, könnte man mir Schmerzen zufügen, man könnte sagen, Sie dürfen bleiben, wenn sie folgsam sind, man könnte mich erpressen, verstehst Du, man könnte mich mit leichter Hand fertigmachen. Deshalb sind in meinem Büro nur ein Stuhl und ein Tisch und Papiere, ein Obstkorb, eine besondere Tafel, die beschriftet werden kann und wieder gereinigt von Farbe, eine Zeichnung weiterhin, die einen Mann zeigt, der sein Fahrrad zerlegte, außerdem sind da noch, eine Kaffeetasse, drei Stühle für Gäste, ein kleiner Kühlschrank, ein Regal mit 176 Büchern, ein Teppich, welchen ich auf einer Reise nach Marokko entdeckte, eine Stehlampe, die sich gleich hinter meinem Schreibtisch befindet, ein wunderbar warmes Licht strömt von dort, eine zweite Lampe auf dem Schreibtisch, die im Winter zusätzlich Licht spenden wird, ein kleines Sofa, Bleistifte in einem Bleistiftgefäß, ein Telefon, zwei Kakteen, fünf Orchideen auf der Fensterbank, ein Käfig mit einem Zeisigpärchen, drei Schreibmaschinen, eine Fotografie, die meine Geliebte zeigt wie sie lächelt, ist das nicht wunderbar. – stop

15.38 UTC – Seit einigen Wochen verfüge ich über eine weitere Schreibmaschine. Das ist so, weil ich sie mir gekauft habe. Leicht ist sie und flach. Wenn meine neue Schreibmaschine in der Hitze der Tag- oder Abendluft atmet, um sich zu kühlen, ist von ihrem Atem nichts zu hören. Selbst dann, wenn ich ein Ohr an ihr Gehäuse lege: Stille. Ich könnte sie unter meinem Hemd verbergen, weil sie so flach ist, niemand würde sie bemerken. Einmal notierte ich: Wenn das so weiter geht mit dem Leichterwerden der Schreibmaschinen, werde ich bald Schreibwerke zur Verfügung haben, die von geringerer Schwere sind als die Papiere, die ich mit ihren Zeichen fülle. – Wie viel genau wiegt eigentlich dieses elektrische Wort, das gerade vor mir auf dem Bildschirm erscheint? S i e r r a. Wie viele Male wird das Wort S i e r r a heute oder morgen auf weiteren Bildschirmen aufgerufen, wie lange Zeit jeweils sichtbar sein? Es ist denkbar, dass das Wort S i e r r a , das in Europa vor wenigen Minuten verzeichnet wurde, schwerer wiegt, sobald es in Australien auf einem Bildschirm erscheint, als das selbe Wort, wenn wir es in Europa lesen, 1 Millionstel Gramm schwerer, sagen wir, um 1 Millionstel Gramm Kohle schwerer und um den Bruchteil einer Sekunde. – stop

> particles

12. Juni 2017 16:43










Karin Fellner

Protuberanzen

/

mit offenen Pulsen gehst: Girlande aus Lichtschädeln,

an Zerspelltem vorbei, schwingende Kinder und Beutel,

durch das Klingeln gehst, verschlissen, nicht

abschließbar

/

auf Fluchtwegen kommst du vor, unter anderen,

sehenden Auges die glanzvollen Blutungen,

jüngst, heißt es, hat oder wird

man Dokumente beenden

/

durch die Strahlung, das ist: ins Verflochtene

gehst, durch knackende Hundezähne,

sagst, im Wissen der Löschung:

alle Wesen sind schön

/

jetzt steht die Ameise auf,

entflammt diese Spezies

10. Juni 2017 13:17










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