Andreas H. Drescher

JESUS AVATARUS, BUDDHAN HINGEKLATSCHT

I.
Ich wollte wirklich, ich wäre gründlicher gestorben. Nicht so gemischt, nicht kerzengrade wie ein Embryo, gemütvoller vor allem, seliger beschaffen. Hinterdrein sogar noch hätte sich das ausgewirkt. Richtig fortgegangen, würden mir die Dämonen hierzuoberst nicht mehr so papieren rascheln und mir Angst einflößen, wie es sich gehört. Doch wer stirbt schon beim Auspacken des Butterbrots! Kein Stockwerk, keine Treppe, nicht mal ein wenig Bohnerwachs: einfach nach vorn gekippt auf die dick bestrichne Seite und dann ausvorbei und Amen.

II.
Wieder versammeln sich meine papierenen Dämonen. Unbestimmt und leise grinsend wie mein mobbigster Kollege, der sich sicher war, ich schlafe einfach ein über dem Butterbrot und murmle: „Seht euch nur an, wie er den Heringskopf auf seine Stulle buttert!“ So kollegial sind jetzt meine alpinsten Alpe. Nicht einmal zu Beelzebub habe ich´s gebracht. Bescheiden, dieser Tod, wirklich! Sehr bescheiden! Keine Klasse, ohne Wissen… Dem Allerhaarigsten nicht mal in vitro widersprochen. Bloß beleidigt, aber nicht mal fachgemäß gequält.

III.
Blamabel ist das, derart schmählich unpurgiert, dass kaum mein kleiner Finger davon weiß. Knister, knister! Ohne jedes Aufsehn weggestorben. In diesen ewig blauen Montag hinein. Ich weiß noch immer nicht, wie´s dazu kommen konnte. Das insultierende Papier um mich herum nennt mich inzwischen einen „Simulanten“ dieses Wochentags. Als könne ich etwas dafür, dass ich nicht an einem Freitag gestorben sei, am besten nach der Feierabendglocke oder in der Straßenbahn. Dabei dachte ich schon, ich hätte mit der Mittagspause mein Bestes getan.

IV.
Einmal wirklich geplagt sein und nicht bloß belästigt! Einmal die Ruten, Spieße und das Eis des neunten Kreises nicht bloß aus Papier! Immer wieder versuche ich es. Aber sie sind allzu druckfrisch, diese Kraftakte. Keine Stricke, bloß Marienfäden: Spinnweb. Ungewisse Schmerzen. Das will sagen: gar keine. Himmel, was für eine lahme Unterwelt! Zu sauber, viel zu sauber, wie eine frische Wegwerfwindel. Nein! Derart halbe Sachen sind meine Sache nicht. Immer bloß diese flachen Nervenspiele. Das Inferno beschränkt sich auf die Werkskantine.

V.
Wie also? Sind mein Dämonisches und ich am Ende Freunde? Oder wo rascheln sie so ungeduldig hin? Ein Schein, ein Mein, ein Dein am Bein. Das lacht nicht mal mehr über mich, bei aller Ungeduld. Da sind die Buchstaben – und mehr als vier – die sie mir alle machen. Selbst sie wollen es besser, wollen die ganze Pein statt bloß der Peinlichkeit. Ergo sehe ich mich nach einem Windmacher im Eis mit vier Gesichtern um. Nur er würde mir helfen, vor lauter Schreck den Tod im Tod zu sterben. Aber da ist nur dieser Knick in meinem Butterbrotpapier.

(Für Thorsten)

13. September 2018 09:53










Andreas H. Drescher

TAXI

(Das erste Kapitel meines ersten Romans “Kohlenhund”, das auf www.edition-abel.de auch nachzuhören ist.)

Der Eindruck, als habe sich alle Schwüle dieses Tages in den Innenraum des Taxis zurückgezogen, in das ich mich gleiten lasse wie in eine Flüssigkeit. Eine Flüssigkeit, von der auch das Denken eingeschlossen ist. Einen Augenblick lang die Befürchtung, der Fahrer könne mich in ein Gespräch ziehen wollen. Doch der bärtige Mann scheint ebenfalls in eine große Abwesenheit geraten, in der nichts mehr Geltung hat als ein unsinniges Warten auf Kühle. Nur schwach dringt das Bild seiner Massigkeit zu mir durch.

Mein tiefes Aufatmen bei dem Windhauch, der mit dem Anfahren hereindringt. Durchzug. Er streicht mir um Gesicht und Nacken, findet zwischen den Knöpfen des Hemdes hindurch. So nehme ich für mich selbst wieder Kontur an. Es ist, als hätte ich in der gestauten Luft hier einen Abdruck hinterlassen, der nun von mir abrücke und aus dem Fenster steige.

`Hauchseelen!´, denke ich. Ohne Zusammenhang. Nur das Wort. Erinnere mich dann erst an die Geschichte, in der den Sterbenden mit dem letzten Atemzug zugleich die Seele entfährt, um in die Wolken aufzusteigen.

Einen Augenblick lang sehe ich den schweren Mann jetzt sehr deutlich neben mir sitzen. Selbst er hat Kontur gewonnen im hereinströmenden Wind. Nur sein Bart vom Licht des Seitenfensters durchstochen. Ich bin ihm dankbar, dass er mich nicht anspricht. Ein entgegenkommender Bus. Lichtblitze von dessen Fenstern. Ich schließe die Augen. Rotgelbe Fraktale. Das Flattern der eingerissenen Sonnenblende. Deren Rhythmus löscht Fahrer, Fahrt und Fahrigkeit, lässt meinen Kopf gegen die Nackenlehne sinken.

27. Juni 2018 08:47










Andreas H. Drescher

FRAU BLAU

Sie bleibt stehen unter den Gespaltenen
Sie schwankt nicht fasst nicht fällt nicht
Bleibt
Blau
Kommen Ihre Füße im Gras an können das Gras
Mit nackten Zehen bis zum hin Fluss entleeren
Zum Knie
Zum Kinn
Ohne zu wachsen bist du ihre Leere
Nach innen hin ihr banalitäres Rinnen

8. Juni 2018 11:57










Andreas H. Drescher

ZOCKERPARADIES

Ausgespielt im obskuren Rinnen
gleißender Profilierung Abhandliches Lehnen
geteilter Buntsandstein Was alles es hütet und
aufbraucht flüssigen Theodolits Der wahren Vertikale
aller Atem aufgebraucht vom Steigen der Extrapolation

Gereinigt wettet es auf sich selbst wo immer es kann

Medikamentierte Züge in den Tag ranziger Kriege
Rhetorisch geläpperte Zungen Ein und Aus
richterische Konditionen in den Herzog
meinendeinen Herzog nichtgemachter Detoxine
Maelstromplappern ausgereicht und dann kassiert

Rektal das Ergo suppenkaspert im Discounter

30. Mai 2018 20:55










Andreas H. Drescher

ÖZILS KAMPFHUNDE VERTAGT

Die angreifbare Waldwand
Erst hinter dem Saum der Windeinfall
Dreißigvierzig Schritte erst
Dort rückt die Blechlichkeit sich ein
Als beknopfte Maschine als
Knirschendes hackendes Harken derer
die das für dich weiterdenken

14. Mai 2018 20:55










Andreas H. Drescher

TEILTROMPETER

Giftige Katzen trompetet der Teiltrompeter
Absurdität um Absurdität
Bitter-Texturen mit aufgestelltem Fell
das Vernünfte ins Hecheln
massiert wo seine Rheuma-Räume warten
Wird man doch wohl noch
schweigen dürfen Hall-Schweigen erster Art
Phonetische Manöver von
Katzenzungen über Haut überhaupt Poren alle
in Ohren umgearbeitet loslos
So kommt es dass selbst wer weghört hinhört

8. Mai 2018 07:59










Andreas H. Drescher

HIRSEDIEB

Das Glück der Vogelscheuche wo
sie Bussarde trägt ein Staunen Bern
hards vor den Fransen der Roggen
muhme hat er Dorrendes gesehen
durchs UV von Mäusepinkelspuren

Freunde sind sie vor dem einen
Bein das Holz ist und das Kralle
ist wo es so fruchtgelb ragt das
Tropfen das die Krempe fiedert
im Scharren der Ähren-Daunen

21. April 2018 00:33










Andreas H. Drescher

SPIEGELSCHRANK I

All dein Unglück passt
in den Toupierkamm mit
dem du dich unter der
Frisur kratzt die vor wie
nach hoch ist so hoch
dass sie an der Wolken
bildung mitwirkt bildung
von heute an mit einem
ganz kleinen b wie poren

16. April 2018 23:18










Andreas H. Drescher

BAUMRECHEN

Das recht und rechnet Stunden aus in Schüssen
Apfelkarussell vor jeder Forke das Geostere gejagt
vor kleinem Himmel Bettlerbilder Flüchtling sagt
er als Sumpfdeckelschnecke Entropien dunkel
gebändert grünbraun am Apfelbaum polarisiert
Groll-Gestöber güllen eingesteift Mitteleuropa
verkniffenes Äquinoktium der Hakenharken

Am Limit wo die Familie Kasernen ausstreift
konsekentern flatternden Verfalls Schuhwerk
als Uhrwerk licht End des Gefratze schon seit
Pfingsten züngelt das das Sattelchen vor dem
Genick genug wissbare Wiesen mähend über
zwei Staaten hin daher der Bibelwald Geruch
der Frömmellieder heimgefedertes Straucheln

13. April 2018 08:04










Andreas H. Drescher

DAS MOOSGEBET

Das Moos als Fest der Selbtbehauptung
Die Gerecktheit früher Zigaretten also
Die Lasso die ich Papa stolpere
Das schmeckt nach Malzbier Freunde
Die Rotkehlchentöne im Chitin
Der selbstgegossenen Soldaten
Das Moosgebet dreht sie mir in den Wind

6. April 2018 06:59










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