Markus Stegmann

Bin ich Frau Atnan, aber warum?

Frau Atnan sagt, der Krieg sei das einzige, das sie jetzt noch reize. Das dürfe sie aber nicht sagen, das sei Kriegsverherrlichung, da drohe Strafe, meine ich, aber Frau Atnan ist schon fort. Und die Frau Glas, die solle bitte folgen, und ich, ja ich würd mich sowieso nicht trauen. Frau Glas, warum Frau Glas, das war doch Hugo Ball? Vielleicht befinde ich mich im Krieg und nicht Frau Atnan. Wir verwechseln uns, aber warum?

7. Januar 2016 23:10










Thorsten Krämer

Dans la rue de l’iPhone 6

Zwischen Stoff und Stoffen reihen sich
die bühnenreifen Freundlichkeiten: ein Spalier
von Schnäppchen, versierte Angebote
in der Lingua franca. In gerader

Linie reicht die Tradition zurück und
in die Zukunft: Kann keine Ausgangssperre
sein, die unterbräche diese Handelskette
aus dem Handgelenk. Die Grenzenlosigkeit

des Trottoirs, der Größenwahn der Achsen:
ein Seitenblick; ein Lächeln, das vorüberzieht.

5. Januar 2016 20:58










Hans Thill

setze – dieciséis

Àxel Sanjosé

Setze

Ets cec i a Sitges,
i sents com s’atansen les cendres,
potser l’estiu, potser l’hivern,
amb els colzes apartaries la gent
si n’hi hagués, au, crida el metge.
Les alzines s’han encès
els estels mostren llur sexe.
„Quiets!“ els dius, i es queden quiets
com dient: „I tu, qui ets?“

Dieciséis

¿Qué diosecitos habrán cedido
a tu incesante afán de ser
sin que se deshicieran los cielos,
esas dehesas con cirios
que siguen ahí, yermas y abiertas,
para que se citen los ascetas? Y ¡zas!
llegas tú y te desconviertes
en días inciertos, en bises:
¿Quiénes sois y qué decís?

5. Januar 2016 11:03










Hans Thill

sechzehn – seize – sixteen – sedici

Sechzehn

Die erste Zeche, als die Kohle noch eng
wie Sestinen unter unseren Hütten lag.
Sachlichkeit. Fossile Zähne, ein Lächeln
verteidigt die Freiheit im Unterholz
mit einer Sichel! Tigerzahnsäbel.
Soviele Knöpfe an einem Hemd.
Soviele Zäune in Sachsen, genug
um ein Sixpack aus Säcken zu füttern,
zu kühlen mit einem Bauch.

Seize

quelqu´un qui serre vraiment une seiche,
poisson de charbon. Coiffure de la
mer, les Antilles ont faim. L´anti-diamant,
mou, une soupe. Mangez, Sire,
une sucette de sirop dentifrice. Saint
et soufi, tousser comme une sale
haine, c´est la fin de la succulence
tout court.

Sixteen

you´re thin as a six made of bread and
Cobain everywhere. Hairy guitars,
coalminers drink too much dust but
they eat diamonds. Your password is
the neckverse. Show your jewels,
smile to the curly fly, she is waiting
till ten. Her name is Suzy and she will
be your sister for a season.

Antonio Rossi
Sedici

La prima miniera, quando ancora compatto
il carbone come sestine sotto i nostri capanni
giaceva. Oggettività. Denti fossili: un sorriso
nel sottobosco difende la libertà
con una falce! Sciabola di dente di tigre.
Tanti bottoni su una camicia.
Tanti steccati in Sassonia, bastanti
per rivestire un addominale a sei sacche
e con una pancia rinfrescarlo.

4. Januar 2016 19:18










Mirko Bonné

Venceremos

Auf dem Parkplatz drüben, der Mitte
des grauen Morgens, lehnt eine Frau
mit Wintersonnenbrille an ihrem Auto.
Sie raucht hastig. Sie scheint zu warten.

Nur kommt keiner. Und es wird nicht hell.
Leichter Sprühregen, in dem sie ausharrt,
in die kahlen Wipfel zu den Krähen blickt,
auf ihre Uhr aus Gekrächz und Gekrächz.

Der Augenblick, vorbei. Der Paketdienst
liefert Pakete. Aus einem roten Reisebus
mit spanischem Schlachtruf an der Flanke
steigt ein Blasorchester. Worauf warten?

Such keinen Ausgang, such den Eingang.
Jeden erwartet viel Besseres als Träume!

*

4. Januar 2016 13:09










Tobias Schoofs

ROSE

hier ist die rose die erste
einer reihe und die rose

heißt rose und ist keine
rose sie ist eine kneipe
die erste einer reihe und

sie heißt rose und sie ist
keine kneipe sie ist ein
leerstehendes ladenlokal

das erste einer reihe und
es heißt rose und es ist
kein ladenlokal es ist eine

baulücke die erste einer
reihe und sie heißt rose

3. Januar 2016 19:43










Christian Lorenz Müller

16

Morgens das Fenster öffnen umblättern,
bereit zum Weiterleben -lesen
und dann das Erstaunen
über den weiß gewordenen Acker
über das Blatt ohne Druckerschwärze,
bestellbar beschreibbar
auch im neuen Jahr.

2. Januar 2016 17:09










Christian Lorenz Müller

*

Springbrunnen aus Licht.
Der brennende Frost lässt sie
schnell trockenfallen.

2. Januar 2016 17:07










Nikolai Vogel

01.01.2016

Schon wieder ein Jahr,
und 2015
vergangen, verrauscht,
und 2016
schon nicht mehr ganz.

1. Januar 2016 05:51










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