Christian Lorenz Müller

KABBELIG ERSTARRTES

Wieder Regen. Salmans Schuhe
schmatzen durch den Schlamm,
er patscht durch Pfützen zu dem Stand
an dem es Obst und Käse gibt.

Seit gestern liegt Aisha,
sie isst nicht, trinkt nicht,
starrt auf jenen Strand
auf den der Schlauchboot-Wal sich warf.
Die Leute, die ins Wasser stürzten
schlugen um sich, Flossen,
als die Brandung sie zurück
ins Tiefe zog.

Und nun die Zelte:
Ein unabsehbar weites,
kabbelig erstarrtes Meer,
und drüben, an der Grenze,
zu Stacheldraht versteifter Gischt.

18. März 2016 09:56










Christine Kappe

die Nähe nicht ertragen
mich völlig
die Zeit nicht mehr wissen
haben halten?
im schwindenden Licht Türklinken und Pflaumen kaufen
extra für 2 Pflaumen
in so einen großen Supermarkt
das rächt sich nochmal

15. März 2016 07:00










Hans Thill

stark in Tel Aviv

14. März 2016 16:10










Christian Lorenz Müller

EIN GÜRTEL LUFT

Der Generator knattert Kopfweh,
Dieselnebel drückt auf Salmans Brust.
Die frische Luft verschwindet
in dem Wal, der dort am Strand
größer, immer größer wird.

Aisha hustet, hat ihr Kopftuch
vors Gesicht gezogen.
Sie will das Meer nicht sehen,
hat schon vorm flachen Tigriswasser
immer Angst gehabt.

Schwarz wühlen sich die Wellen
auf den Strand. „Die Westen“,
hat der Cousin geschrieben,
„Prüf die Qualität der Westen.“
Salman tut es, bohrt den Finger
in das Styropor: Bröselig, nicht fest.

Schnell springt er auf, sucht im Gebüsch
nach Plastikflaschen mit Verschluss.
Am Tigris banden sie als Kinder
ein knisternd-blaues Floß
und fuhren bis nach Mossul, Bagdad,
fuhren in den Ozean.
Nun spleißt er rasch ein altes Tau,
schnürt Coca-Cola, Efes, Sprite.

Dann schwankt Aisha auf den Strand,
die bojenrote Weste
um die Brust, den Gürtel Luft
schon um den Bauch.

9. März 2016 09:06










Hans Thill

lustig in Jerusalem

8. März 2016 22:20










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