Mathias Jeschke
Ich bin der Wal deiner Träume. Ich verwirre
mich jedoch immer wieder im Geflecht
langsamer Gefühle, diesen Netzen, denen
wir beide nicht gewachsen sind, du liegst und
vielleicht schläfst du, ich aber sitze mich hier
zuschanden, das Wasserglas immer am Mann.
Nie hat mich keiner gefragt, wie wohl mir ist
am Abend. Ich schwimme hinaus, eigentlich
nur auf der Suche nach dem Punkt, der richtigen
Stelle, an der ich gut die Wasseroberfläche
durchbrechen kann, um zu springen. Wohin
denn sonst! Wenn ich zurück ins Wasser falle,
dringe ich ein in deinen Schlaf und du wirst
unruhig. Ich aber sinke hinab, weit unter deine
von den Rettungskreuzern bereits geortete
Position, in das gnädige Dunkel, das mich erinnert
an die Regionen jenseits der beleuchteten
Zentren auf den Bildern Rembrandts, die vom
Anglerfisch bewohnte Tiefsee, dieses Dunkel,
das nur mir gehört, solange ich weiter schweige.
8. Januar 2019 23:00
Hans Thill
, ein Wort, groß wie der Schatten von Hans Test. Ihr so: XX
reicht nicht. Ein Wald, durch den ein Zug fährt. Die Knöpfe
am Hemd eines Holzfällers. Vielleicht minus eins.
Ihr so: Viele nennen ihren Körper einfach Koffer.
Vielen schmeckt der Wind noch zu süß
Jürgen Theobaldy
19
Zwei Silben, licht wie die Schatten von Tesafilm
auf dem Blatt Papier, A4 oder XL, wenn das reicht.
Ein Hochgeschwindigkeitswald fährt durch einen Zug
mit einer dampfenden Lok: bestimmt Jahrzehnte nach
dem Sürrealismus. Holzfäller gibt es nicht. Oder
in Kanada. Knöpfe gibt es? Reissverschlüsse gibt es!
Hemden gibt es auch. Aber die Jungen lehnen sie ab.
Sondern Pullis. Ihre Pullis schweiseln. Sagt Oma zu recht.
Andrerseits Oma lebt schon lange nicht mehr.
Flugtaschen ersetzen Koffer, Flügel haften still
an Körpern. In der Höhe schmeckt die Luft nach kalt.
Es gibt andere. Andere denken, der Wind ist süß gezuckert.
Doch sind sie am Boden, tief unten, sie rufen bodenständig:
Sterne in Sicht! Ewigkeiten in Sicht! Sei dabei! Steig auf!
5. Januar 2019 16:31
Christian Lorenz Müller
Das Eichhörnchen blitzt
schwarz im Schnee. Dann der Donner
der Räumfahrzeuge.
4. Januar 2019 16:12
Christine Kappe
Als ich im strömenden Regen die Kinder abholen fuhr mit dem Bus
Und Renate bog ab zu ihrem Auto barfuß in Hausschuhen kreidebleich
Und übermüdet zitterig vor Nikotinmangel nach dieser langen sinnlosen Sitzung
Kann ich dich mitnehmen Richtung Vahrenwalder? – Nein ich muss Podbi
Oh nein das ist ja Stadt ich fahre RAUS zum Glück
Recht hat sie schön ist was anderes an der Bushaltestelle
Ist nicht viel los ein stinkender ketterauchender Mann und ein Alki der
Den Mülleimer durchsucht wir fahren an trostlosen grauen Hochhäusern
Vorbei zur Podbi wo Wilkos Freund nahebei in einer „Bontzenvilla“ anderes
Extrem aber wahrlich auch kein Luftkurort inzwischen fühle ich mich richtig
Krank von diesen ganzen Umweltgiften und einzig dass ich mir einbilde ich bin
Eine Heldin hält mich aufrecht zugegebenermaßen ein ganz schön dummes Denken
4. Januar 2019 00:32