Christian Lorenz Müller

SELBSTBILDNIS ALS WINDGOTT

Gelb gischtet das Laub
durch den Garten.
Der Windgott wirft
die Ahornsamen, Sturmsegler,
gen Westen, Brandung röhrt
zwischen unsere Beine,
wir waten tief im Lärm,
retten uns landeinwärts,
wo kein Lüftchen sich regt,
wo der Windgott
in Arbeitshosen, Gummistiefeln
noch nicht wütet.

Für Joe Amersdorfer

6. November 2020 09:54










Konstantin Ames

Neintuende Kaneinchen

Wenn die Blätter Gesicht zeigen

klaffende Gesichte wie Kläffer

darf ich das dann als Zenmoment

begreifen wie ein lange Weiliger den Schleifstein?

Nö.

Wir müssen her hinterm schwatzroten Kaneinchen?

Aio.

Gehörte dir je irgendwas anderes als

diese Kladde mit Berichten

kritzelnder Hälse, übereinstimmend

nur darin: eben nicht zu sein dein Hals?

Näh.

Willst du halbtot gestochener Token vom Ragout kosten?

(Kaneinchen nach altem Ockhamʼschen Rezept)

What a thrill

…

5. November 2020 11:58










Julia Trompeter

 

Vom Gebrauch eines Halms

 

Von langer Hand geplant der Mutter Erde dürr

seine Sprossen an der Wand zarte Fäden

duldsam ist kein gutes Wort hier nein

vor das Gesicht zu ziehen von Menschen

eine Krücke den ganz kleinen Käfern

ein Wedel ein Staub ein Krumen

seine Fäden den Spinnen ein Mast

und Trost im Herbst früher Abend

gesponnenes Gold der Marie

ein Sporn im großen Getriebe

das kann und das will das muss nicht

das ist nur ein Wunder ein kleines Gut

2. November 2020 14:41










Björn Kiehne

Das einsame Meer

Als wir schliefen
schlugen Wellen
über unsere Laken,
breitete sich das Watt
weit um uns aus,
suchte Wasser Wege
durch den Sand, Queller
erkundete neues Land.

Als wir schliefen
zogen Wildgänse
mit wildem Schrei
nach Norden,
streiften wir träumend
über die Salzwiesen,
bauten uns dort ein
Haus aus Gischt.

Als wir schliefen
entfernten sich
die letzten Inseln,
schwieg der Wind,
malten wir uns an
den Perlmutthimmel –
flüchtige Wolkenbilder
über das einsame Meer.

1. November 2020 16:28










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