Christine Kappe
Hoffnung
Die einzige Hoffnung heut:
Meine Schwimmtechnik
Ich habe gelernt, zu schwimmen und zu atmen gleichzeitig
Nicht etwa durch Denken oder Anstrengen
Sondern durch Verzweifeln und Immer-wieder-dasselbe-tun
Die einzige Hoffnung heut:
Meine Schwimmtechnik
Ich habe gelernt, zu schwimmen und zu atmen gleichzeitig
Nicht etwa durch Denken oder Anstrengen
Sondern durch Verzweifeln und Immer-wieder-dasselbe-tun
vielleicht schreit immer nur der, der sagt, was die anderen nicht hören wollen vielleicht sind alle verrückt & nur wenige geben es zu. vielleicht missverstehen sie rechts und links und oben und unten und vorn und hinten
vielleicht schläft der eine viel & plant nicht, wird der andere krank und meints nur gut
aber das hilft nichts, und tot
gildet nicht, wo
soll ich hin
es gibt inzwischen nichts mehr
nichtsmehr
Los
klaut doch
flüstere ich den Leuten am Bildschirm zu
für mich zählt jeder Dieb
Bach würde zu ihr passen
auch wenn sie ihn nicht hört
auch wenn sie am Ende mich anguckt
als sei ich wahnsinnig
jetzt noch eine Frage zu stellen
sie hat mehrfach bewiesen
dass das alles geht
mit der Menschlichkeit
als Göttin
Im Unterbewusstsein werden wir um 1 verschoben. Wir geben uns nicht genug Liebe / mit. Wir reißen uns morgens aus dem Bett und müssen los, bevor wir wachgeworden
sind. Wir fahren im Dunkeln irgendwohinwo wir gar nicht hinwollen wo
stimmen inneres und äußeres Bild überein – so gibt es ein inneres und ein äußeres Bild,
Tage, die immer wieder um sich selbst kreisen und dadurch kein Ende nehmen und schließlich ein einziges Knäuel bilden vom Wind vertrieben werden in die Nacht getrieben
werden, dieser Wind. Dieser Abendwind.
Fische.
(Antwort auf: Andreas Louis‘ russischen Gedankengang)
18. Oktober 2017 18:23für Sylvia Geist zum Geburtstag
die Geräusche, die in der Toreinfahrt hängenbleiben
Kindergeplapper
die Lieblingswörter der Jugendlichen
die immer 9 oder 10 mal gesagt werden müssen
und dann ist man bereits am Ende der Straße
oder schon eingestiegen
Ob der Regen wirklich so gefährlich ist, wie der italienische Autofahrer behauptet?
Versuche, aus der Stadt rauszukommen, bevor es dunkel wird
Irgendwas im Nacken, was wehtut
Ich wollte mir neue schwarze Schuhe an einem Kiosk kaufen – aber sie hatten nur weiße. Der Verkäufer war besoffen und kam gar nicht erst bis zum Tresen. Der Kiosk befand sich wie die ganze Stadt auf einem Baugerüst. In den Straßen floss Wasser. Der Kiosk war nur Fassade – durch das Verkaufsfenster sah ich ins Meer.
Ich hatte irgendeinen Auftrag zu erfüllen.
Schauspieler rutschen auf dem Rücken
durch einen Kreis von Häusern und blasen
Papierkügelchen durch die Schornsteine,
die sich auf dem Dach zu
Blumen entfalten („Breitet sich das Papier
denn schnell genug aus?“, fragt eine junge Frau)
irgendwo in der Pampas, wo riesige Türme stehen
Mühlen mit abgebrochenen Flügeln,
wo Frauen mit Gasflammenkronen regieren
und eine aus lauter Dreiecken gestaltete
Verkehrsinsel
auf der viele jener gelben leichtzerstörbaren Blumen wachsen,
deren Namen ich immer wieder vergesse.
Wenn meine Vermutung stimmt,
haben sie diese Krankheit mit den fehlenden Spiegelzellen,
wollen zieren statt zehren, lieben statt leben
und dass ihnen jemand den Kopf spaltet
jemand ohne Kopf, ein Engel oder eine Muse
oder ein Kuss
(Antwort auf „Rasenschimmer weist ihr den Weg“ von Christian Lorenz Müller)
10. Juni 2017 09:55kein fenster, ein bild
ein buntes kleid
keine geliebte
eine vase, eine muse
ich stolpere über kabeltrommeln
im garten winken deine töchter
treffen entscheidungen statt männer
verkaufen gras
echtes grünes wo gibt es das noch
wo kinder bücher zerfleddern
auf der suche nach ihrer geschichte
bleibt die frage nach dem politischen standort des frühlings
kein scheinwerfer
die märzsonne von
schrägvorn
(Antwort auf Christian Lorenz Müllers BITTE BEACHTEN SIE)
8. Mai 2017 20:50heute Nacht hast du wieder geschrien fast 3 Stunden das macht mich leer genauso wie
dieses sinnlose Geballer da draußen Wir wollten fliehen aber der Wald war voller Leute
oder die Bäume derart dünn dass es nur so aussah
16. April 2017 20:18Hell wird es plötzlich – das ist kein allmählicher Vorgang, wie man denkt, wenn man die Naturgesetze kennt. Vielmehr ist es ein kurzer Moment, in dem man plötzlich alles erkennt, und dann ist es hell.
Vorher ist es noch blau, nur blau, tiefblau, blau ist das Ende der Dunkelheit. Die Müdigkeit endet anderswo. Leider ist sie nicht an die Nacht gekoppelt. Sie ist eine Pflanze mit starken Wurzeln. Eine schmale Straße, an derem Ende ich dich weiß.
Eine weiße Straße. Ich sehe mich über ein Gitter aus weißen Straßen stolpern. Weil alle dein Alter haben, bist du mir nah. Ich selbst bin durchsichtig, mit ein paar Flecken, meine Haut reflektiert das Licht nicht. Reste von Eitelkeit und Person. Raketen.
4. Januar 2017 13:44