Markus Stegmann
Ich lief in ein Land hinein, das kein
Land mehr war. Ich wanderte einer
Strasse entlang, die nicht mehr
bestand. Ich setzte mich an einen
Fluss, der kein Fluss mehr war,
sondern ein Meer. Ich trank vom Meer,
das kein Meer mehr war, sondern
ein Mond. Ich betrat den Mond, der
kein Mond mehr war, sondern ein
Krater. Ich lief in den Krater, der
kein Krater mehr war, sondern
ein Loch. Ich fiel in das Loch, das
kein Loch mehr war, sondern …
12. März 2022 16:26
Markus Stegmann
Von Säcken Zement Kartoffeln und Tabak
erzähle ich mir gerne von Lastwagen auch
mit zu viel Krieg beladene Aussicht
über Winterfelder Balkongeländer
müsste ich streichen vergessene
Plastikblumentröge traurige
Miniaturschiffe auf das Riff der
Vergangenheit gelaufen in Schlaufen
verlegen sich Wind und Wasser heute
vermengen sich mit meinen Fingern als
die Tage noch andere Tage waren
und meine Hände auch
Nur nützen die Schlaufen den Worten
wenig die ich über die Felder schwanken sah
die getrockneten erinnerten Gegenden
mit ihren Adlern und meinen Schmerzen
im Rücken fahre ich gerne fort mit Reben und
Brombeeren die ich auf kleine Leinwände patsche
dort wollen sie lieber unvollständig bleiben
und sollen es gerne sein
12. Februar 2022 11:24
Markus Stegmann
Im Rosengarten Gegenlicht
trommelt Wasser in den
Brunnen regnet über
blasse Blüten hinterleuchtete
Nachmittagssonne letztes
Rosagelb des Jahres
Es ist Ende November
kleiner Engel
deine schwarze Silhouette
steht stumm im Licht
hält unbewegt
im Rauschen inne
Auf der Höhe unserer Augen
zieht ein silbriger Strahl
am Himmel alle
Instrumente im Cockpit
auf Abzug gestellt
verschwinden hinter Rosenhecken
ins Licht kein Luftzug
um Lärchen Leuchttürme
Porzellan und Tauben
Hinterm Kristallpalast
plustern sich barocke Pokale
auf der Balustrade Streiflicht
schlägt glockenheller
Himmel wirbelt Jahreszeiten
schaut schon dünner
um Mund und Maisfeld
Bleib bei mir
rosarotes Welken
ich pflücke dich
oder lieber noch
hänge mich
einfach
neben dich
3. Dezember 2017 22:03
Markus Stegmann
Über meinen Träumen schwanken
Spielen Wolf und Winde
Wiegen sie am Abend milde
Irrlicht Schiff Gedanken
Als wärn wir ohne Schranken
Steht der Himmel offen
Und stiller wird mein Hoffen
Wald und Winde wanken
21. Mai 2017 23:13
Markus Stegmann
Adieu ihr Abendhallen
Du falsches Sprachrevier
Die falben Blätter fallen
Wir segeln fort von hier
Träum fort im stillen Grunde
Illusionen halten Wacht
Sterne drehn die Runde
Halten fest die Nacht
Und ob sie all verglommen
Die Thäler und die Höhn
Meer muss doch wiederkommen
Vögel auferstehn
21. Mai 2017 22:51
Markus Stegmann
Am schönen Wundertag
am Abhang aller Augen
leblose Nähe lag
weder Nächte taugen
Am schönen Tag der Fliegen
beim Landgang aller Meere
Sommerstimmen lügen
segeln sanft ins Leere
21. Mai 2017 22:26
Markus Stegmann
Du hast den Vogel mir gefangen
er war so leicht und war so frei
nun ist das Fliegen ihm vergangen
der Frühling kam und ging vorbei
Es liegen seine Federn hier
und nimmer können sie mich heben
aus der Lagune Meer Papier
die Nächte neue Vögel weben
Kaum dass wir beide uns besannen
da kreisen Vögel überall
wir gehen sprachlos schon von dannen
da überrollt uns Vogelhall
6. Mai 2017 22:33
Markus Stegmann
Wie es da ist
wie es etwas weiter ist
wie es auf den Felsen ist
auf den rauen Oberflächen
in leicht erhöhter Lage
wie es weiter draussen ist
wie
5. März 2017 21:34
Markus Stegmann
In der Menge
des Pigments verfangene
Hälfte des Gesichts
die andere verwischt
hebt und senkt sie sich
Dein Blick blieb
dennoch darin hängen
aus der Ferne
erdiger Fleck
an der Wand
Zu: Eugène Leroy, Autoportrait, recherche de volume, 1953
12. Februar 2017 23:13
Markus Stegmann
Schmaler Mund
aus leisen Linien
vor dem gasförmigen Kopf
steht eine Pupille
mittig davor
Blicklos blass
schaut sie mich an
aber sie sieht mich nicht
und ich erkenne
keine Person
Vor dem Körperkopf mit
schädelhaften Vertiefungen
schwebt einsam
die zentrale Pupille
als Zyklop
Zu: Francis Picabia, Untitled, 1946-47
6. Februar 2017 17:13