Sylvia Geist

Bevor der Rabe es stahl, gab es Licht nur
in einer Hütte aus Gestrüpp und für die beiden
Menschen, die darin lebten. Es schien durch
die Zweige, die vor nichts beschützten, selbst
aus dem Staub schien es, bevor der Rabe Staub
Gestalt annahm, um es zu stehlen und hinaus
in den Wald zu tragen, der damals rabenschwarz
und voll von lichtlosen, schlafenden Tieren war.
So erzählen es die alten Leute, die die Geschichte
geerbt haben und weitervererben, und ich weiß nicht,
wofür der Rabe steht, ob für Gutes oder Natur.
Aber ich höre seinen Morgen in die Straße strömen,
die hungrige Stimme seiner Kinder in jedem Eisen
schreien, und denke, es muss der Staub sein, der fast
ganz aus uns bestand, aus Haut und Berührung,
und auch sein Licht hat einmal uns gehört wie unsere
eigene Geschichte und nistete im Schattengestrüpp
an den Wänden dieses Zimmers helle, so helle
Nachmittage lang, wenn wir aßen oder lagen und
sprachen oder nichts taten als zuhause zu sein.

19. März 2026 01:37