Mirko Bonné
Die Überschwemmung von Passau,
da sie unabwendbar ist, was bringt sie
auf dem Weltklimagipfel, was trägt
sie ein? Schneller als die Alpen-
gletscher schmelzen, werden Dürren
in Australien, kalifornische Buschbrände,
Bangladeshs Überflutungen und der Untergang
des Inselreiches Tuvalu verschachert
und zu Profitmasse. Klimawandel,
Klimahandel. Ein grüner Himmel
steht über Lima am Abschlusstag
der Konferenz, so leuchtet das Meer,
und Wolken aus Staren durchrauschen
den Hafen Ancon, bei deren Anblick einer
wie Auden dächte, ein jeder sollte gleichgültig
wen lieben, oder wir alle sterben, was allerdings
Auden etwas drastisch erschien, weshalb er schrieb:
Lieben müssen wir einander und dann sterben.
Für Uli Schreiber
*
15. Dezember 2014 12:04
Sylvia Geist
Oktober, wir lachten noch draußen
über die Fallen, die aus Komposita
jedes Kind basteln kann, als ihr
Zeppelin im Windlicht landete.
Die kenne ich, sagte ich, gestern
tauschte sie ihren Platz im Nest
gegen einen auf dem lauen Mond
über der Haustür, so vermisste sie
den Sommer, jetzt ist sie Urne
eines hochkalorischen Kicks
oder Wärmewabe, je nachdem,
was du vorziehst. Das Flämmchen
knisterte, roch nach Lagerfeuer,
wir sahen, etwas blieb liegen
von der Pilotin im Feuerlager,
das schien wie eine Laterne
aus unbeeindrucktem Papier,
und was am Ende zu stehen hatte,
die Hornisse, ging und ging lange
auf im Rauch des Flugapparats.
9. Dezember 2014 12:00
Tobias Schoofs
dies gedicht sei ein bild
wie ich die wohnung betrete
liegt eine leiche im keller
die buchstaben sind spinnen
sie fliegen im spätsommerlicht
und sie geben den satz ein:
der geifer des bösen ist überall
unfall an der kreuzung
auf die meine wohnung sieht
an der großen tafel gegenüber
wird die werbung gewechselt
dies gedicht sei magie
dies gedicht sei ein unfall
eine grausame kunst
8. Dezember 2014 22:59
Thorsten Krämer
Wir nannten uns Seepferdchen, zimmerten uns
die Welt zurecht. Ein Poster war die Zukunft, wie
zerknittert sie auch sein mochte. Holz und Ziegel
unser Rohstoff, ein altes Fahrrad das geteilte Glück.
2. Dezember 2014 18:14
Mathias Jeschke
Familie Fink
ist nicht stink-
reich, nein, nein,
ihr Beutel ist klein.
Zur Weihnacht –
wär doch gelacht! –
gibt‘s halt nur Suppe
für die ganze Truppe.
Sie laden groß ein
und machen sich fein.
Gewärmt ist der Raum,
beleuchtet der Baum.
Da kommen die Gäste
und bringen zum Feste
vom Vortag die Reste:
vom Guten das Beste.
Es kommen die Raupen,
sie bringen Graupen.
Drossels von drüben
mit gelben Rüben.
Schnecke und Schneck
kommen mit Speck.
Ein Rudel von Pudeln
bringt die Nudeln.
Vater Fink beheizt
den Ofen, geizt
nicht mit Gewürzen.
Um’s abzukürzen:
Unter den Festen
war’s eines der besten.
Die Freunde lachten
noch lang an Weihnachten.
1. Dezember 2014 21:35