Tobias Schoofs
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4. Januar 2017 22:11
Christine Kappe
Hell wird es plötzlich – das ist kein allmählicher Vorgang, wie man denkt, wenn man die Naturgesetze kennt. Vielmehr ist es ein kurzer Moment, in dem man plötzlich alles erkennt, und dann ist es hell.
Vorher ist es noch blau, nur blau, tiefblau, blau ist das Ende der Dunkelheit. Die Müdigkeit endet anderswo. Leider ist sie nicht an die Nacht gekoppelt. Sie ist eine Pflanze mit starken Wurzeln. Eine schmale Straße, an derem Ende ich dich weiß.
Eine weiße Straße. Ich sehe mich über ein Gitter aus weißen Straßen stolpern. Weil alle dein Alter haben, bist du mir nah. Ich selbst bin durchsichtig, mit ein paar Flecken, meine Haut reflektiert das Licht nicht. Reste von Eitelkeit und Person. Raketen.
4. Januar 2017 13:44
Gerald Koll
3. Januar 2016, ein Sonntag
Es ist binnen weniger Tage ruckartig kälter geworden. Der Wagen röchelt, die Fensterscheiben sind vereist.
Neujahrstag mit Frau S.: Truffauts Geraubte Küsse, Ovids Metamorphosen, Diskussionen, bei denen Frau S. ihre borstige Seite zeigt, gerade, wenn es um Gender-Fragen geht, was mich eher anödet, sie eher befeuert.
Gestern flog Frau S. in aller Frühe Richtung Stuttgart ab, um Theater zu spielen. Freies Training mit I.: diese Einheiten mit Dehnung und Massage sind – speziell mit I. – ein denkbar erotisches Aikido.
Heute, beim Sonntagstraining, erwiderte L., deren technische Fehler immer wieder erschauern lassen, meine vorsichtige Korrektur mit harschem „Pscht!“ Blasiertes Rebhuhn.
3. Januar 2017 10:37
Hendrik Rost
Die toteste Zeit im Kalender,
wir hängen Meisenknödel
in den Schmetterlingsflieder.
Ein heller Stern steht anonym
südlich überm Garten.
Im Hochnebel hollern Gänse.
Pica pica schwadroniert
durch den Jahreswechsel –
ihr Schwarz weiß es schon.
Der Garten rotiert um den Knödel.
Ich halte mich am Kraut
der Goldrute fest; Sentimentalität,
Fett und Getreide vermengt.
Der Abend wetzt seine dunkle
Klinge am nicht zu leugnenden Jahr.
Es riecht nach Wolken.
Wir fliegen auf, auf zu den Meisen.
1. Januar 2017 19:07
Thorsten Krämer
Der Moment am Morgen nach der Feier, wenn du als erster
wieder wach bist und im Wohnzimmer stehst, auf dem Tisch
die ungespülten Gläser, Reste Alkohol, die Aschenbecher
mit den achtlos aufgehäuften Kippenpyramiden, und du
findest immer, was du suchst: die halb geleerte Schale
mit den Chips, die eine Nacht lang das Aroma dieses
Zimmers eingesogen haben: klamm wie Pappe, ein
Geschmack von Asche und Erwachsensein.
1. Januar 2017 12:06
Gerald Koll
1. Januar 2016, ein Freitag
Unter Vermeidung jeder Geselligkeit verbrachten Frau S. und ich Abend und Nacht in meiner Wohnung. Fröhlich ins neue Jahr gevögelt. Dann vom Bett aus durch das Fenster über den Balkon ins Feuerwerk geschaut und sanft geschlummert bis 2 Uhr. Dann in der Küche gegessen.
Tags um den Weissensee spaziert und zwei Origami-Kraniche ausgesetzt, beschrieben mit folgenden drei Wünschen: (…).
1. Januar 2017 10:24
Christian Lorenz Müller
Nur für Minuten
Lichtreif im Himmel bevor
Dunkelheit ihn taut.
1. Januar 2017 00:51