Florian Knöppler

Almkuh

Hier oben im Gebirge
sollen andere bestimmen.
Ich bin zu klein, zu jung,
um zu verstehen, laufe
zwischen hohen Felsen,
von denen Wasser rinnt
und Steinchen rieseln,
fallen, fielen, fallen werden,
wenn von mir schon lang
kein Mensch mehr weiß.

Warum werd ich nicht verschluckt,
erschlagen, von diesen Bergen,
in Geröll und Schlamm
begraben? Ich bin geduldet,
ein paar Stunden hat man
mir zugestanden, wohl wissend,
ich werde wieder
schnell verschwinden.
Oder ich bin dem, der hier
das Sagen hat, zu winzig,
um sich mit mir abzugeben.

Später hör ich Glocken,
Kühe kauen Gräser,
Flockenblumen,
Margeriten, Enzian.
Eine schaut mich an,
kommt mir entgegen,
lässt sich kraulen, schubbern,
zeigt mir, wo sie’s am liebsten hat.
Über ihrem Rücken ragen
Berge bis ins Blau.

Hier auf der Wiese sind
Geröll und Schlamm
vergessen, die Felsentürme
freundliche Gesellen.
Die Kuh und ich, wir sterben
im Handumdrehen,
aber heute könnte es nicht schöner sein.
Sie wird gekrault, ich darf ihr Gutes tun,
zwischen zarten Blumen, um die sie
im Lauf des Sommers ihre Zunge legt.

18. August 2026 17:52