Florian Knöppler

Füchse

Füchse schleichen durch meine Träume,
reiben sich an Bäumen. Hier ist unser Revier.
Warum knurren ihre Mägen?
Es ist noch Herbst.
Da sind Mäuse am Boden,
Beeren in den Sträuchern.
Genug für sie alle.
Halten sie mich für tot?

Sie lassen die Beeren hängen,
springen nicht nach Mäusen im Laub.
Langsam umkreisen sie
meinen duftenden Körper,
heben misstrauisch die Nasen,
Ein erster berührt feucht
meine eisigen Finger.

Ich bin wie festgefroren,
erwarte den ersten Biss.
Aber sie rollen sich ein,
neben meinen Beinen.
Körper und Herzschläge
auch an der Brust
und am Ohr. Wie warm,
denk ich, so kann ich schlafen.

22. Mai 2026 15:48










Florian Knöppler

Reiher im Winter

Als ich ein kleiner Junge war,
nahm dir ein Reiher fast das Auge,
aber du bliebst ganz gelassen.
Ein kurzer Schreck, dann nur dein Lächeln.
„Er ist aufgetaut, so viel ist sicher.“

Halbtot war er, als ihr ins Warme kamt,
die Muskeln starr, beinahe schon gefroren.
Deine Fingerspitzen an den Flügeln, Beinen,
dann der Ruck, der lange Hals wie eine Schlange,
die Schnabelspitze scharf am Ziel vorbei.

Wenig später nahm dir irgendwer das Leben.
Zufall oder Schicksal oder Gott?
Vom Vater im Himmel keine Antwort,
aber eines weiß ich sicher: Könnte ich ihn hören,
er hätte deine Stimme.

14. April 2026 08:05










Florian Knöppler

Tochter

Träum von mir, wenn es schneit.
Such nach mir, ich werde da sein,
werde deine Schritte hören,
dein Lachen und dein Weinen.
Du wirst, wenn die Flocken fallen,
deine Hände unter Mähnen wärmen,
in dunkle Pferdeaugen schauen,
traurig in der Schule sitzen,
tanzen gehen, ganze Nächte lang.

Was soll ich tun, wenn der Abend kommt,
sich der Morphiumnebel lichtet?
Wo bist du in diesen Stunden,
wenn ich nicht anders kann,
als nur von dir und mir zu träumen?
Nein, such nicht nach mir.
Ich werde dich nicht hören,
wenn du rufst und lachst und weinst.
Ich werde tot sein, verschwunden,
als hätte es mich nie gegeben.

 

16. März 2026 19:31