Markus Stegmann

Ich lag im Gras bei Essertfallon

Ich lag im Gras bei Essertfallon
endlose Butterblumen als Butterblumen
in unseren Himmel sickerten ins Blut
durchs Tal und versteck dich
wo bist du warum
verrinnen wir in der Wiese
fotografierter buchstabierter Morgen
nochmal Morgen
schwimmst du raus in den See
ins klare Wasser
schreibst du
und heut ist weisst du wie das ging
alles verhing weiss nicht
warum nur legte ich meinen Arm
nicht beim abendlichen Licht
der Alpen
ans Ende der Welt

Ich lag im Gras bei Essertfallon und
dachte an dich
Ich lag im Gras bei Essertfallon und
du lagst neben mir

Um wenigstens
auf der Festplatte
der blauen Rettung
deine Worte
zu löschen

15. Mai 2015 21:01










Markus Stegmann

Medusa

Marmor verflogner Staub
im Kopf versteinertes Bild
zwischen Alraunen heller
als weiss atme ich schwach im
Verfliessen transitorischer
Trochäen auf Tromsö oder
war es Troja reiben wir uns
wund weder im Süden noch
im Hinterzimmer deines Films
bei verbotenen Spielen der Nacht
über Basel verflog dein Mund
versank ein Mond verschwand
im Nachtmeer der Stadt
frier ich mit deinen
porösen Bildern meines
Lebens die filigranen Falter
deines Films wickeln
das schwindende Paradies
in ein stummes Tuch

25. März 2015 23:23










Markus Stegmann

Makulatur

Palastwind Passat ganz fadengrad
geleerte Reste Andromeda dein
Anfang steht auf Belgien sagst du?
falscher Fisch oder wie verfing
im Rückgrat sich meine Galeere
passt halbleere Schwere Partitur
praktiziertes Benzin Vitamin
im Lidschatten deiner Meere
verformte sich oder zerteilst
du dich Holofernes‘ blinde
Passagiere ging wohl
fehl versehentlicher Gast
dragging the bone
blast Warlop Partitur
Palimpsest piano
Makulatur

17. März 2015 23:40










Markus Stegmann

Patagonien

Am Rachen
Riff vor Patagonien
laue See
schwankt Infarkt implodierte Idylle
drei Tage
tragen wir Tote
aber
der Schimmer deiner
Haut
am gestauten Riff
wo wir
versehentlich
die Lippen
der Sonne berührten
sag mir
warum
ist dein Arm
an
meinem

14. März 2015 21:29










Markus Stegmann

Was war

Während wir die Bomben der Nacht aus
unseren Haaren waschen wächst leeseitig
neues Tageslicht das deiner Haut gleicht
glimmt in den Augen unserer Sprache
Sprachlosigkeit über allem was war

13. März 2015 22:40










Markus Stegmann

zuletzt

Am Trümmergestell unserer Stirnhöhlen
ziehn wir über Holland der Havel längs
geländegängige Granaten als
Selbstbeschuss sinkt unser Meer
mir ins Innenherz weisst du
weisst du nicht inneres Wohnlicht
verfärbt die Mandeln meine Lunge
ins Lippendickicht möcht ich mit
mit sags nicht fliehn voraus Verdacht
auf Treideln vielleicht Senkblei
Barkasse im Blicklicht naht
wer will das wärmen
wer denkt
oder wandert
wessen Augen
sahn wir
zuletzt?

Für R.F.

6. März 2015 21:17










Markus Stegmann

Amsterdam

Auf Zeitzonenentzug durchkämme ich die
Vulkane Amsterdams zwischen Bettgestell und
Barkassen fand ich deine projizierten Zeilen als
Nachhall am Nachthimmel über Hoek van Holland
hab sie als Sprengstoff für Tag und Nacht bei mir

Für R.F.

25. Februar 2015 22:51










Markus Stegmann

Neufundland

Während der Verneinungen Neufundlands spucke
ich meine Zähne zu unseren Zungen die perforierten
Ränder der Angst vorm Verspielen der Sehnsucht
kleben am Morgen sobald raumlos der Regen erwacht
wohin reden wir uns wenn die Zeit schmilzt?

19. Februar 2015 22:56










Markus Stegmann

5

fünf fürs verirren
fünf fürs verblühen
fünf fürs verlieren
fünf fürs verwehen
fünf fürs vergessen

fünf für rebecca

4. Februar 2015 23:10










Markus Stegmann

Fata Morgana

Anabolika Bakelit konjugiert die amputierte Donau flieht
ins glühende Licht deiner überquellenden Locken was Fotografie
was Fata Morgana sei reissen alle Stricke Monologe Morgenmonde
in Stücke kämpfen wir uns durch Zitronen Zitadellen bis
schliesslich schwaches Flüstern in Nacht und Nässe sickert

12. Januar 2015 23:46