Andreas H. Drescher

Strickleitern in die Löschung hin
auf oft und oft west Bio
grafie aus ihrer Orientierung aus
dem Kissen im Wäsche
korb ein Kratzgarn darüber aus
gedröselt durch die K
noten nicht Schrift sind und nichts
mehr als Schrift alle Amp
utierten stecken auf dem Flaschen
trockner netzen das ge
wisse Horn hinauf als hauseigene

THANATOLOGIE

(Antwort 2 auf Mathias
Jeschkes „Luftstudien“)

1. September 2016 09:07










Tobias Schoofs

BURKINI

dies gedicht ist keine muslima
es hat überhaupt kein bekenntnis
es hat auch kein geschlecht es ist

stets verhüllt und meistens nackt
es geht nicht zum abendmahl es
ist nicht getauft und nur wenig

beschnitten es verwandelt sich
laufend so ist das gedicht anders
ist es nur in der vorstellung und

in gewissen anderen texten davon
sind einige allerdings gesetz

2. September 2016 20:08










Karin Fellner

Das Paar durchfährt Rot, eine Rot-

Verschiebung durchfährt sie*ihn*es.

//

Jetzt steigen Knoten auf, Schnittpunkte ihrer Bahn

mit der Bezugsebene, die Ebene flattert und singt:

Guckt euch nicht um und und und

mittenlufts steht ihr –

//

Eins nimmt die Zunge ab und zündet sie an.

Eins legt das Lid auf und sinkt.

//

Da und weg, heißt es jetzt. Was seid ihr, wart, werdet euch?

Andere Grundformen finden, allesamt finden sie statt.

In Turbokolor er*sie*es: mehrzellig aufgegangen.

//

Ja, die Knochensägen. Die gibt es. Jetzt wird das Paar

bewegt in elliptischen Kurven, mit einem zusätzlichen

Punkt im Unendlichen und

das ist nur eine eine

mögliche Übertragung

5. September 2016 14:55










Hendrik Rost

Realismus und Herbst

Sprache fällt immer weiter aufs Land.
Fällt wie Eichkatzen aus den Bäumen.
Im Geäst leuchten alternde Pflaumen,
abends ruht alles, auch der Verstand.

Die Kinder waren Phrasen erlegen
in der Stadt beim Museum der Ideologien.
Müde Rückkehr, gesammelte Kastanien.
Fast hätte ich mich Fakten ergeben.

6. September 2016 14:18










Thorsten Krämer

Sobald dieses Gedicht zu husten anfängt, fliegen
vor meinem Fenster die Tauben auf. Sie fliegen
mit einer nüchternen Eleganz, die den Hustenreiz

des Gedichtes noch verstärkt. Sein trockener Hals
erodiert zu einer Wüste, in der Krankheitskeime
die einzigen Überlebenden sind. Ein bisschen wehleidig

ist es schon, dieses Gedicht, was den Tauben so was
von egal ist.

7. September 2016 07:48










Christian Lorenz Müller

DAS GELÄUT DER VERZINKTEN EIMER

In der Nähe von Abakan in Südsibirien leben viertausend Menschen mitten in der Taiga.
Als Anhänger eines ehemaligen Ikonenmalers, der sich als Reinkarnation Jesu Christi sieht, sind sie dazu angehalten, ein möglichst autarkes Gemeinschaftsleben zu führen.

I

Das Haus: Vier zum Rechteck gefügte Flöße.
Durch die Fenster wogt der Wald herein
wie durch Lecks.
Winters gischtet der Schnee durch den Garten,
der Rauch aus dem Schornstein
lotet den Himmel aus.

Und immer inselt der Glaube.

II

Täglich hinunter zum Fluss,
das Geläut der verzinkten Eimer
in den Fäusten, und jetzt, im Sommer
die Sonne als Klöppel.
Die Eimer glucksen, ihr Schwanken
an den ausgestreckten Armen
als es das steile Ufer hinaufgeht:
Der Mensch als ein Turm
an dem die Glocken hängen
die ihn zu sich rufen
oder auch nur zu dem Vordach
unter dem der Waschzuber steht.

Vielleicht verklingt die Klarheit
schon beim Gebrauch der Kernseife,
verklingt, wenn der Rücken schmerzt
und die Hände brennen.

III

Jeden Morgen, wenn du anspannst:
Dieses Zaumzeug der Autarkie,
diese Fahrt in die Freiheit
auf einem Wagen
der durch Schlaglöcher bockt.

Deine Lichtung in der dunklen Taiga,
das Heu, das so duftig-leicht auf der Wiese liegt,
das so drückend schwer wird
wenn es sich auf deiner Gabel bauscht.

Abends kein Trab mehr, Schritt
und unter dem Hintern
federt das Heu eine Müdigkeit herbei
die dich einnicken lässt.

Du weißt, wovon du träumst.

IV

Sonntags blendet das heiße Wasser
der Banja deine Haut.
Eine halbe Stunde lang
bist du blind für das Gemüse, das geerntet,
den Schuppen, der gebaut werden muss.
Die Seife erhellt deine Glieder
und dunkel verrinnt mit dem Schweiß, dem Staub
auch die Angst zwischen den Dielen.

Dein Erlöser ist aus rostigem Blech,
er verlangt nur ein paar Scheiter,
und du sagst, dass du danach
immer hinunter zum Fluss gehst, auch winters,
wenn dich der Dampf gen Himmel entrückt
und dein Haar zu Reif wird.
Du sagst, dass du trotzdem niemals zögerst
wenn du am Ufer stehst,
dass du es fast schon genießt
wenn die Kälte dich umkrampft.

7. September 2016 10:27










Martin Zingg

Gelbe Nachmittage

Seine Zeit ist knapp, sie ist es immer, aber unterwegs nach Hause oder zurück
Zur Arbeit bei Hartford Accident and Indemnity Co. fällt ihm doch einiges ein,
Le monde de mon oncle, es reicht eine gestohlene Minute,
Oder nach dem Abendessen, wenn er die Zeitung liest, the never-resting mind.

Sentimentalität, notiert er, ist ein Versagen des Gefühls. Ist er in Dreizehn Arten
eine Amsel zu betrachten
nicht sehr genau? Und sehr witzig?
Man möchte ihm alles glauben, was er noch sagen wird,
Ohne den Rest zu kennen, a child asleep in ist own life.

Gelbe Nachmittage besingt er, besingt würde er streichen, im Rücken
Die Akten eines Falles, der noch immer ein Fall ist,
Er wird heute länger im Büro bleiben,
Und weiss von keinem Wort so recht, wie es in seine Verse kommt
then there is nothing to think of. It comes of itself

7. September 2016 17:31










Hendrik Rost

Mandelstam

Ich wende den Stamm des Baums, der letztes
Jahr im Garten stürzte. Unten fällt eine Schicht
Asseln von dem Holz, das sich schon zersetzt.
Alles Winzige flieht schnell aus dem Licht,
langsame Würmer, flinkere Tausendfüßler
und Sammetmilben, die wie eine Markierung
durch das Gemenge sputen. Der Künstler
wollte Älteres anders äußern. Verwandlung
beginnt mit dem Fallen und das Entstehen
neuer schwarzer Erde ist Spuk von Fressen
und Ausscheiden und wieder Verzehren …
Und dazwischen wie von der Leine gelassen
die roten Milben. Der Baum ist für die Viecher.
Sturz wird zu Boden, Blätter werden Bücher.

Für Mirko

9. September 2016 12:53










Andreas H. Drescher

In winzigen in immer winzigeren Näpfen geht es berg
an In Näpfen voll von Wladimirs zerstampftem Fahrrad
helm Im Anflug eines Sonnenbrandes über die über die
Grenze soll das Was Nur noch die schwarzbraunen Auf
drucke fehlen Die Aufdrucke sind doch das Wichtigste

Dein Helm aber ist auch nicht anderes als einer dieser

NÄPFE

(Antwort 3 auf Mathias
Jeschkes „Luftstudien“)

10. September 2016 09:11










Mirko Bonné

Bojendorf

Das Dreieck Garten,
Bug im knisternden Laub,
ein Erlenschoner vorm Wind.
Halt Kurs, auf die Inselränder!
Dein Schiff, die alte Trübsal,
hat fünfzig Birnenkanonen,
Mauersegler folgen ihr,
Seemöwen melden: Herz!
Land! Schwalben schießen
durch die Scheune aus Bläue,
in der nachts die Fehmarner
die Sonne wegsperren.

Ein blasser Klüver
wächst aus dem Rasen:
die Stockrose. Wer meutert?
Lass die Korsarenerinnerungen.
Wieso will keiner tanzen?
Es gibt Wogen, die
sind tiefer und wilder
als alles zu Beweinende.
Vorm Gartenbug eine Stoppeldünung,
Füchse und einundfünfzig Sommer. Schau,
die Pracht, das Silber, das Schäumen
auf dem himmelgrünen Gras.

Für Hendrik Rost

*

14. September 2016 12:04










Andreas H. Drescher

Der Altruismus auf Tuch
Fühlung mit dem Schützen

Ein See verschwunden
Ein See aus Federn in

Die niemand mehr bläst
Die niemand mehr braucht

Verdunstet in der Nacht des
Schützen auch die Taschen

LAMPE

(Antwort 4 auf Mathias
Jeschkes „Luftstudien“)

15. September 2016 08:58










Christian Lorenz Müller

BURKA

Dieses komplett verhüllte Gedicht
gestattet allein einen Blick auf die Form,
auf das Alliterationsgitter
vor seinem Antlitz. Ob die Sprache
grob oder fein gewebt ist,
lässt sich auf diese Entfernung
nicht wirklich erkennen.

Dieses Gedicht huscht nur kurz vorbei,
es lässt sich bloß vermuten
ob es drunter enge Hotpants
oder romantische Spitze trägt,
und vielleicht ist es ja auch keine Frau,
vielleicht gehört es ja verboten
weil es möglicherweise sehr bald schon
eine Bombe hochgehen lässt,
die den ganzen Betrieb erschüttert.

15. September 2016 09:23










Markus Stegmann

Frau Atnan sagt

Frau Atnan sagt
sie habe genug gesagt
habe endlich genug gesagt
sagt
es sei alles gesagt
was hätte gesagt werden sollen
hätte gesagt werden müssen
nur eines noch
sagt sie
glücklich
sagt Frau Atnan
sie sei
glücklich
nach allem
was war
was habe schmerzlich
durchlitten
bis zum äussersten habe
durchgestanden
werden müssen
doch nun
seien wir beide
heimgekehrt
heimgekehrt
nach allen Wirrungen
Irrungen
heimgekehrt zueinander
wer wisse
wie viel
Lebenszeit
noch bliebe

18. September 2016 20:39










Christine Kappe

Bei den Enten ists so

Bei den Enten ists so:
Sie muss getarnt sein
Im „Unterdrückungskleid“
soll sie in Ruhe die Kinder aufziehen

(Die Männer haben nicht die Strapazen mit den Kindern
und pflegen ihre Schönheit!)

Gut oder schlecht?:
Durch Verstädterung und Wohlstand
überlebt die Ente
ihr gebärfähiges Alter
und wird „hahnenfiedrig“

Nun ist sie kaum vom Männchen
zu unterscheiden
Nur an der Farbe des Schnabels

19. September 2016 05:19










Christian Lorenz Müller

HASSAN AL-ALMANI PREDIGT

Dies Tuch, O Schwestern,
wimpelt schön im Wind:
Signal für eure Zucht.
Wer Schwarzes, wer Brünettes flaggt
reizt mit seinem Stolz.
Holt eure roten, eure blonden
Fahnen ein, versteht:
Blicke sind wie Wind,
sie rupfen, zerren, reißen,
sind unbezähmbar wild.

Nur am Wimpel
ist ein zahmes Zupfen,
der Wimpel ist es
der die Richtung zeigt.

21. September 2016 10:57










Hendrik Rost

„Gorillas in unserer Mitte“

Die Elbe schaukelt langsam den Tag
in den Schlaf oder sie wägt eine Idee
ab, die ihr eben auf der Welle lag
und in den Sand fiel: endlos viele
Universen aus Körnern, ein Gries
aus Plastik, allmählich zerschliffen.
Im Abenddämmern der Containerriese,
sprengt die Vorstellung von Schiffen;
wie ein Opernhaus an der Skelettküste.
Noch nicht im Bild sind tanzende Affen,
als erwarteten die Sinne einen Test:
Aufmerksamkeit ist nach oben offen.
Da, Klaus’ Kopf, maskiert als Kiesel.
Einst wogten hier Seegraswiesen.

21. September 2016 13:34










Tobias Schoofs

KLINGT WIE…

im dunkeln wusst ich immer
ist es weniger gefährlich denn
in dem was ich am besten
kann bin ich um ehrlich zu

sein miserabel aber nachdem
wir einmal da sind unterhaltet
uns doch das hilft weg über
verlegenheit mein gott warum

hast du mir das alles hier bloß
mitgegeben dieses körperzeug
etc. es stört doch nur ich

wollte nie was anderes sein
als eine verweigerung warum
missgönnt ihr mir das alle

22. September 2016 21:09










Gerald Koll

Das fünfzigste Jahr (59/60/61)

23. August 2015, ein Sonntag

Lehrgang vorüber, fünf Jahre Training, seit gestern shodan. Heute in die Alpen, noch ganz gerührt von Ukes und ukemi. Auch gerührt von Frau S., gegen die ich mich sträube, aber nicht so sehr, als dass ich nicht nachts mit ihr äußerst eingehend die Sterne studierte, als gäbe es dort Künftiges zu erspähen, obwohl das Gegenteil der Fall ist, denn jeder Blick in die Sterne greift tief ins Urvergangene. Ich bin da widersprüchlich. Aber bitte nicht Frau S. kompromittieren! So denke ich in Siebratsgfäll.

24. August, ein Montag

Allgäu. Auf den ersten Höhen „Klemens!!!“ ins Tal gebrüllt. Schnell hinauf in almiges Kuhglöckeln. Kommt man auf den Kamm, wogt das Kuhkonzert heran. Beschirmt der Kamm, bricht es abrupt ab.

Die Landschaft sieht nach Märklin aus. Tagsüber gleiten Gondeln, allseits wellt sich Weiches, Grünes. Nachmittags Tiefgrauwolkenu, um 19 Uhr ist alles zugezogen, den Zaun umzäunt der Nebel. Lese „Also sprach Zarathustra“, diese kalte Ode gegen alles Laue, Liebe, Dünkelnde, Übliche – eine letztlich doch peinliche Selbst-Inthronisierung. Schrei-Gesang.

25. August, ein Dienstag

Die ganze Nacht Regen. Ich bleibe auf der Hütte, ich tappe nicht durch Schlick und Suppe. Außerdem: der Kalkstein wird schmierig. Langeweile des Hüttenausharrens. An den Tisch gesellt sich ein Alemanne. Er erzählt von einem Freund, ein Hobbyfotograf, der im Eiffeler Moor auf Motivsuche ging. Nach Tag 4 fand man ihn, stakend bis zur Brust aufrecht. Seither, sagt der Alemanne, wisse er, was zu tun sei, wenn man feststeckt: nicht strampeln, nein, sich sanft nach vorn fallen lassen.

28. September 2016 23:06










Gerald Koll

Das fünfzigste Jahr (62/63/64)

26. August 2015, ein Mittwoch

Über die Nagelflughkette vom Staufner-Haus nach Gunzesried. Das klänge im Norden nicht so malerisch. Obwohl … in den Hüttener Bergen von Harzhof über Hohenlieth, Hohenholm und Harfe nach Holtsee – das ginge auch. Dort gibt’s auch viel Käse, aber weniger Silberdisteln. Auch Kühe, aber weniger Glocken. Was für einen Krach die machen! Als Kuh würde ich wahnsinnig: Kaum senkt man das Maul zur Erde, wirft sich der Glöckner in die Seile.

Ein Filzhutträger mit wüllenem Backenbart wickelt einen Stacheldrahtzaun auf. „Das ist ja eine kratzige Sache“, sage ich. Darauf er: „Da hilft nur einsch: nit verkrampfe!“ Anheimelndes Allgäu. Oben am Gipfel, im Hochgenuss des Rundumblicks, erwischt mich ein anonymer Telefonanruf, der Vorstand der Genossenschaft: eine 65qm-Wohnung zur Umsetzung sei schwierig, aber es gäbe eine 40qm-Wohnung, das würde gehen.

27. August, ein Donnerstag

Dauerndes Verlaufen. Hänge hinauf und Hänge hernieder, Querfeldeinschlurfen über triefende Wiesen und unter siebenden Tannen. Dann hurtig nach Oberstdorf, von dort noch hurtiger fort. Gäbe es nicht den Edeka-Supermarkt, gäbe es für Oberstdorf keinerlei Rechtfertigung. Außer jenen Butter-/Milch-/Buttermilch-Verkäufer, der bestens Kühe kennt und daher weiß (und mir nachweist), wie glücklich sie mit ihren Glocken sind. Übernachtung „Beim Beck“, wo ich auf der Terrasse mit Fridolin Beck plaudere. Im Januar 1939 hat er zwei Skisprung-Meisterschaften gewonnen. Er ist 96.

Dann endlich hinauf in die Alpen und oben unter die Dusche. Davon hat die Kemptener Hütte 2. Für 300 stinkschweißige Wanderer. Befindlichkeit zwischen Sonnenstich und Ekel. Schlafen im sogenannten Lager, also eingezwängt zwischen lauter Männern mit Duschproblem: links der weißbärtige 60er schnarcht natürlich und verpustet würzigen Altmänner-Atem, der Typ auf der rechten Seite furzt. Toiletten befinden sich zwei Treppen abwärts.

28. August, ein Freitag

Am Leiterjöchl rasten Vater und Sohn. Sie schwärmen von Steinböcken, Gemsen, Murmeltieren – nichts davon habe ich gesehen. Einkehr im Württemberger Haus. Ein Paradies abseits der Haupt-Route, umgeben von Wasserfall, Naturdusche, Sonnenterrasse. Nuss-Schnaps bestellt, allein für mich. Nun also fängt das Alter an.

29. September 2016 08:48










Andreas H. Drescher

FACHSPRACHE GENEALOGIE

Aus Posen also und dem großen
Deutsch ist also dieser erste Ur
hier damals also zweigewandert

Ohne so und Sohn und alles dies
er Sohn ritt sich im Terracotta s
einen Hirschen vor den Nierenstein

Bis diesem nicht mehr Groß und
nicht mehr Ur nur Granulat blieb
positivistisches Dental-Granulat

Und statt des Hirschen dieser im
ponierportierte Jaguar samt s
einem Gefäßverschluss in Basel

Die Kraft der Lenden patri
linear verschwendet an dies
großegroße MOI im Souterrain

(Für Ulf Stolterfoht )

30. September 2016 07:48










Gerald Koll

Das fünfzigste Jahr (65)

29. August 2015, ein Sonnabend

Wandrers Nachtbrut. Sieden auf Rache an Allen, die da Übel mitspielen noch und noch. Und wer da baut auf Vergebung in seinen letzten brechenden Augenblicken, dem bescheide trocken dein „Nein!“ und presse ihm die Daumen auf die Lider, auf dass er einen Vorgeschmack bekomme auf seine Höllenfahrt.

Wandrers Taglied. Latschen durch Kiefern. Ach, ein Eichhörnchen! Nach drei Stunden in Zams. Dort auf die Vernetbahn verzichtet und zu Fuß den Hang hinauf, also statt zehn Minuten Gondelei nun vier Stunden lustloses Ansteigen. Ein Schindertag mit 1.800 m Auf- und 2.200 m Abstieg.

Abends Einkehr auf der Galflunalm. Dort residiert ein Lama. Es weidet würdig und mit Diskretionsabstand zum sonstigen Almgeviech. Außer mir: drei Herren aus der Eiffel, drei Damen aus Krefeld. Lauschige Terrassennacht. Über uns der Mond. Seiner angesichtig stimmen die Herren fein leise ein Lied an, während die Damen zu Bette giggeln.

30. September 2016 16:01