Hans Thill
wenn fern in heißer Nacht die Hengste schrein.
wir gingen also stundenlang unterm Mond
und hätten besser beieinander gelegen? Der Weg,
die heiße Naht, die Bäume hinter Stacheldraht,
geknüpft aus Wespen. Tannenhonig gegen
Zucker. In Baden-Baden landete Massu. Der
Adenauer war im Rhein ertrunken
À frémir à l’appel lointain des étalons.
10. September 2012 11:41
Hans Thill
und manchmal kann ich mich beim Zittern fassen,
und mach mal die Wiese zu einem Zopf
für jedes Wetter. Wer mich zitiert, nimmt sich
gleich den Mund voll Erde. Das Gras wächst überall,
blond, ein Flachs, das Laub kaufst du bei
Lidl, um es im Herbst zu streuen
Et parfois je me prends, dans la nuit chaude et sombre,
7. September 2012 10:38
Hans Thill
Die Höhle liegt verwuchert und verlassen,
einen Wolf zum Engel nieder. Das Höhlenmaß,
zehntausend Zeiten (übern Daumen), die
Wildfrauen nicht mitgerechnet.
Sie tragen ihren Zollstock im Täschchen,
bleiben zurück bei ihrem irdenen
Geschirr
Seules. L’antre est désert que la broussaille encombre ;
29. August 2012 09:35
Hans Thill
Die Wiese blüht umsonst. Wir sind allein.
Das Gesetz der Wiese: sei Partisan, gehorche
nicht, stelle Gleichheit her. Die Weisheit der
Wiese heisst morgens blühen, abends einsam sein
(wenn die Tiere satt sind). Meine Arbeit war
der Schlaf. Ich kämpfte mit dem linken Finger
L’été fleurit en vain l’herbe. Nous la foulons
26. August 2012 17:37
Hans Thill
zu unserm blonden kam ihr schwarzes Haar.
Mehl der Blondinen. Mischt man sich Haare
in die Mähne und bleibt der Teig zum Schluß nicht
in den Zähnen hängen?
Ils mêlaient leurs crins noirs parmi nos cheveux blonds.
23. August 2012 22:30
Hans Thill
auf ihren Flanken spielten Licht und Schatten,
das Kino hieß Roxy oder Eden.
Ich kletterte und kroch die Wand, das rauhe
Fleisch, entlang, ich erbte
Arbeit, Heredia
Sur leurs flancs le soleil se jouait avec l’ombre ;
21. August 2012 13:37
Hans Thill
durch Bach und Wälder, über Fels und Schatten;
als es kaum Schatten gab, es sei
denn wir schliefen schräg in den Tag hinein, den
stolzen Wald. Mit Wanderstiefeln
traten wir den Bach, die Steine, wenn
die Bäume, bärtige Frauen, auf
uns niederschauten
Errait le fier troupeau des Centaures sans nombre ;
17. August 2012 16:04
Hans Thill
Einst schweifte zahllos die Kentaurenschar
die Truppe wird geschoren oben im Parnass,
säuft zuvor die Gärten leer, die wir
für den Regen offen lassen. Wir
horchen an der Matratze unterm Dach,
den Schweif zu sehen, haben wir uns
die Ackererde über beide Ohren gezogen,
einst
Jadis, à travers bois, rocs, torrents et vallons
15. August 2012 07:06
Hans Thill
Hanns Grössel/José Maria de Heredia
Die Kentaurin
Dann kennt man das
und fragt: könnten wirs
gewesen sein? Froh wie Grössel,
größer als eine Hundertschaft, anfangs
Frösche in einem Teich, später viele
Pferde auf dem Plateau, Frauenköpfe
Caresse
La Centauresse
13. August 2012 23:35
Hans Thill
Wozu ist die Straße da, wenn das Wasser
doch in den See läuft? Und wozu gibt es das
Weiche g, den Tigergeruch in den Wäldern und das
Handwerk der Engel, da sie in der Kajüte über den Tannen
Orangen schälen? Die braunen Mädchen daselbst
(auf seidnem Boden) mit ihren großen Mündern tragen
Sie was vom Wasser blieb (die Poren des Wassers) in
die saure Zeit. Mad Mario Balotelli ist ein Fußballer.
Hem zenciyim hem albino. Er hat eine Frisur wie eine
Zahnbürste, die den Himmel teilt in Blau und Blau.
Die Steine nennen mich den Einheitisten, sie sagen zu
Mir: Quecksilber, Bavul deines Körpers und Yilan
Deines Körpers. Darüber lachen die Wälder, die Elster,
darüber lacht auch Günsür (der überall mit dabei ist).
Die Damen sind überall hübscher als nötig,
während eine Landkarte nur wenige schöne Stellen hat:
Den ruhigen See, tief wie eine Seele aus Tannen mit
Salznonnen drin und Meermädchen schwarz wie Feronia,
Kara Orman. Während mir der Fisch eine Gräte in den
Hals steckt, heisst das Pferd At und springt vielleicht
Über den weiblichen Wasserfall. Ich nehme mein Gesicht,
Gehe hinaus, ich habe einen Garten gefunden, mit
Händen an den Bäumen, darunter Kinder, die Erde essen.
Wir brauchen die Erde, wir brauchen die Straßen, weil
Rechts und links Wein wächst.
Begrüssungsgedicht für
Nevzat Çelik, Azad Ziya Eren, Gonca Özmen, Elif Sofya, Izzet Yasar, Sabine Küchler, Klaus Reichert, Joachim Sartorius, Silke Scheuermann, Henning Ziebritzki, Dilek Dizdar, Sebnem Bahadir.
Edenkoben 26.06.2012
28. Juni 2012 13:20