Simone Unger

Wandelnde Blätter

Wir gingen nebeneinander her, der Morgen war hell und der Bürgersteig sehr schmal, gelbe Müllsäcke hingen an den Zäunen und an den Häusern die Briefkästen. Ich konzentrierte mich auf meine Schritte; ich will jetzt keinen Unfall bauen, ich muss an meine Zukunft denken. Erst kam der Tunnel, auf der anderen Seite dann der Park. Du bist immer so transitiv, alles durchgehst du nur. Er nickte: Nur schwache Verben können Objekte binden, sieh mal: flehen – floh – geflohen. Ich schaute auf den Boden zu ein paar Zweigen und Kieseln und dachte an Stammformen.
Am Bahnhof erklärte er mir ein letztes Mal die Strategie im öffentlichen Fernverkehr. Leistung erschlich er sich durch Transparenz, im Zug wurde er übersehen und zu Hause nicht gefragt.

Gegen seine Starre war Lakonie nur eine Milchglasscheibe, sie stellte Verborgenheit noch aus. Er aber war so unauffällig, dass man ihn erst zu erkennen glaubte, wenn er nicht mehr zu sehen war.

Abschiede waren leicht, denn zu ihnen konnte man sich hinbewegen, wie zu einem Punkt. Und überhaupt sollte die Welt nur noch aus Stellen bestehen, an die man sich fristgemäß und sicher abzuliefern wusste.

2. Februar 2009 10:29










Oliver Platz

NACH MEXIKO

Die Flügel im Regen,
und Stewardessen,
mit dottergelben Händen
markieren sie Plätze,
den Ungeduldigen
zum Trotz.
Fahrbare Treppen
zeigen ins Nichts,
in der Ferne Kiefern,
Verzweiflung.
Wohin willst du?

Nach Eich

1. Februar 2009 21:32










ping

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Texte des Goldenen Fisches
Januar 2004 – Januar 2009 :
Archivierung durch das
Deutsche Literaturarchiv Marbach.
Diese archivierte Textspur wird, sobald
möglich, bereitgestellt.

1. Februar 2009 09:08










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