Thorsten Krämer
am ende
am ende wird es ein erdenaufenthalt gewesen sein, der
kaum zu ordnen war, für mich, der ich
immer ordentlich bin.
Rolf Persch, 1949 – 2015
6. März 2015 18:06
am ende wird es ein erdenaufenthalt gewesen sein, der
kaum zu ordnen war, für mich, der ich
immer ordentlich bin.
Rolf Persch, 1949 – 2015
6. März 2015 18:06Wir müssen lernen, die Blumen
mit anderen Augen zu sehen, sagtest du und
hattest die Augen woanders; in der Enge dieses
Zimmers war selbst der Ausblick verhangen.
Beim Fokussieren der Iris lag eine Ferne
über allem, das waren gescheiterte Fluchten in eine
Leere, die es nicht gab. Ein aufblitzendes Schweigen
in Vertretung einer Begegnung. Die Vasenhaftigkeit
of it all.
24. Januar 2015 21:00Ein Totenbild. Sie sind nicht da, nur
Referenz, ein Nebel, der sich um deine
Schultern legt.
Verdünnisierte Entitäten
ohne Halt sind sie, die Toten. Ihr Atem
stirbt als letztes, er transportiert Bedeutung
bis tief in deine Lungen.
Wir nannten uns Seepferdchen, zimmerten uns
die Welt zurecht. Ein Poster war die Zukunft, wie
zerknittert sie auch sein mochte. Holz und Ziegel
unser Rohstoff, ein altes Fahrrad das geteilte Glück.
Minimierter Schatten, beste Lage
in Kürbisnähe: ein Alterssitz auf empfänglichem
Boden.
In Laubbegleitung
verbrachte Tage, dösende
Verwesung. Memento mori, Puppe: die finale Anmache.
Im vergangenen Jahrtausend bin ich Tobias Schoofs zum ersten Mal begegnet, wir gingen beide in die Kölner Autorenwerkstatt der frühen 90er Jahre. In seinen Texten und seinem Sprechen über Literatur sah ich eine ähnliche Überzeugung wie bei mir am Werk: dass es nicht ausreicht, einfach nur „schön“ zu schreiben. Wir verloren uns dann aus den Augen; erst 20 Jahre später, social media sei Dank, liefen wir uns wieder über den Weg. Ein gemeinsamer Nachmittag in Lissabon, unterwegs durch die Stadt und dabei naturgemäß unablässig redend, hat mich sehr neugierig gemacht auf neue Texte von ihm, und so freue ich mich auf seine Beiträge an diesem Ort hier.
Herzlich willkommen im Goldenen Fisch, Tobias!
Ein Verhörer über der Stadt, erstarrte
Deixis zur besseren Orientierung.
(In Zeiten der Homophonie darf man das sagen.)
Ein Zirkeln um parallele Historien, auch
hier versagen die Bilder, wenn es um Dichtung geht.
(Wer der Spiegelschrift folgt, findet den Weg.)
Palimpseste – Maleste – Oeste
(Odysseus kam nie bis an den Niederrhein.)
Die Welt ist alles, was falsch verstanden werden kann.
(für Tobias Schoofs)
4. August 2014 12:41Nach dem Regen: auf Augenhöhe
mit den Hunden, durchnässte Witterung. Der Blick
entgleitet ins Off, wo immer schon das Interesse liegt.
Du bist nicht hier, du täuschst dich, das sind
auch keine echten Hunde. Der Cargo-Kult
der Sinne, und auch in dir kursieren Nachrichten
von gerade eben.
Das war es dann also. Der letzte Salzstreuer ist geleert, der letzte Wettschein zerrissen. Von jetzt an nur noch Schwitzen. Ein Unhold, wer sich etwas Böses dabei denkt. In einem Wort: der Süden als Sieger. Keine belagerte Landschaft mehr, kein Drehen am Rad. Von jetzt an ein Durst für die Ewigkeit, Stillstand & Gewissheit im g l e i ß e n d e n L i c h t
d e r S o
Mit dem Wettschein in der Hand bereiste er die ganze Gegend. In seinem Herz war ein großer Klumpen. In der Nacht kamen Diebe, doch er spürte nichts als seine kalten Füße. Er legte sie in Salz ein und konnte förmlich dabei zusehen, wie seine Schuld von ihm abfiel. Sie rieselte langsam salzwärts; auf der Höhe seiner Zehen verweilte sie noch kurz, ehe sie für immer in der feuchten Erde verschwand. Für immer? Das ist die Frage, die er sich jetzt stellt und die auch wir ihm nicht beantworten können. Wir wissen überhaupt viel zu wenig über ihn.
16. Juni 2014 08:51