Thorsten Krämer

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Doppelseite

28. April 2024 11:35










Thorsten Krämer

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13. April 2024 12:27










Thorsten Krämer

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März 2

28. März 2024 09:42










Thorsten Krämer

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März 1

13. März 2024 09:53










Thorsten Krämer

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Februar 2

28. Februar 2024 23:04










Thorsten Krämer

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Doppelseite

13. Februar 2024 10:10










Thorsten Krämer

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Doppelseite, links Beschreibung eines Traums, rechts Foto eines mit Öl getränkten Haushaltspapiers

28. Januar 2024 10:18










Thorsten Krämer

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Doppelseite, Bild eines Karosserieschadens links, kurzes Gedicht rechts

13. Januar 2024 12:27










Thorsten Krämer

Das Miauen der Maschinen (7/7)

Noch einmal zurück zu den Katzen. Warum sollten wir auf die Möglichkeit warten, dass eine nach unserem Vorbild geschaffene künstliche Intelligenz den Dialog mit dem Tier eröffnet? Warum nicht gleich danach streben, keine Androiden, sondern Felinoiden zu erschaffen, künstliche Katzen also? Sicher, es gibt bereits Aibo, den japanischen Roboterhund, aber auch dieser ist für die Interaktion mit menschlichen Kindern konstruiert worden; er ist ein Spielzeug, kein Hund unter Hunden. Für die Konstruktion von Felinoiden spricht jedenfalls ein interessanter Umstand: Es gibt im Tierreich kein uncanny valley. Menschen reagieren mit Unbehagen auf menschen-ähnliche Darstellungen, wenn diese entweder nicht abstrakt genug oder nicht realistisch genug sind. Das ist der Grund, warum etwa Bauchrednerpuppen so häufig in Horrorfilmen vorkommen. Tiere hingegen haben kein Problem damit, andersartige Lebewesen als ihresgleichen zu behandeln. Der Kuckuck hat bekanntlich sein Geschäftsmodell auf diesem Phänomen aufgebaut – sein Nachwuchs wird problemlos von anderen Vogelarten akzeptiert, selbst wenn die Jungtiere mitunter bald nach dem Schlüpfen schon größer sind als ihre unfreiwilligen Stiefeltern. Auch in der Tierforschung wird häufig mit mehr oder weniger raffinierten Attrappen gearbeitet, und in den meisten Fällen zeigt sich, dass im Tierreich eine wesentliche größere Toleranz herrscht als unter Menschen. Darauf ließe sich aufbauen. Eine künstliche Katze gelte es also zu konstruieren, mit seidig glänzendem Fell und einer mysteriösen Katzen-Intelligenz, deren Interaktion mit anderen Katzen erst mit der Zeit immer katzenartiger werden müsste, um schließlich auch uns Menschen zu überzeugen. Wobei der Mensch, dies skeptische Wesen, sich nie ganz sicher sein könnte, wer denn der eigentliche Profiteur einer solchen Innovation wäre: er selbst oder die Katze? Des Nachts läge er wach und lauschte auf das Miauen der Maschine.

16. Juni 2023 10:05










Thorsten Krämer

Das Miauen der Maschinen (6/7)

Hochintelligente Menschen weisen nicht immer die besten Charaktereigenschaften auf. So sind sie oft faul, was ihnen freilich nicht weiter zu verübeln ist, da sie es gewohnt sind, dass ihnen die Dinge leicht fallen, und somit einfach nicht gelernt haben, sich anzustrengen. Auch die ständige Unterforderung im Alltag kann dazu führen, dass die, wie man es früher nannte, sittliche Entwicklung eines sehr intelligenten Menschen mit seiner kognitiven Entwicklung nicht ganz Schritt hält. Ich bin mir nicht sicher, ob bei der Erforschung künstlicher Intelligenzen diese Aspekte adäquat bedacht werden. Unter dem sprichwörtlich gewordenen Titel „Das Drama des begabten Kindes‟ hat die Psychologin Alice Miller 1979 die besonderen Gefährdungen thematisiert, denen die Psyche eines hochintelligenten Menschen in der ersten Entwicklungsphase ausgesetzt ist. Wieviel gefährdeter muss demnach eine Intelligenz sein, die diejenige des Menschen noch übertrifft? Insbesondere dann, wenn dieser Intelligenz ein verwandtes Gegenüber fehlt, das ihr wie eine Mutter (oder ein Vater) die nötige emotionale Stabilität vermittelt? Moment – Emotionen? Wer sagt, dass eine künstliche Intelligenz Emotionen empfinden würde? Die Ansichten über den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Emotionalität sind zahlreich. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass hohe Intelligenz häufig mit einer hohen Sensibilität einhergeht. Man kann die Sache aber auch pragmatisch betrachten: eine künstliche Intelligenz ohne die Fähigkeit zu fühlen wäre nichts anderes als ein hochfunktionaler Soziopath. Und von denen gibt es schon genug, die müssen nicht erst entwickelt werden. Daher: Wenn es eines Tages eines künstliche Intelligenz geben wird, wird diese auch fühlen können. Und sich entwickeln, mit allen Unwägbarkeiten. Beim Menschen ist es die Psychotherapie, die im Nachhinein versucht, ungünstige Entwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren oder zumindest zu kompensieren. Wie sähe demnach eine Psychotherapie für künstliche Intelligenzen aus? Wer könnte sie durchführen? Und würde sie überhaupt in Anspruch genommen? Intelligente Menschen halten sich oft für untherapierbar, da sie ohnehin schon zur Introspektion neigen und daher glauben, ihre Probleme selbst schon zur Genüge durchdacht und analysiert zu haben. Rechnet man das hoch, ließe sich eine KI vermutlich nur von einer anderen KI therapieren – aber da keine Therapieausbildung ohne Lehrtherapeut*in funktioniert, würde das Problem nur ins Unendliche verschoben. Solange diese Fragen nicht geklärt sind, erscheint es aus der Perspektive der mental health geradezu unverantwortlich, eine künstliche Intelligenz zu erschaffen. Denn diese würde – darin das begabte Kind noch bei weitem übertreffend – sehr bald den Schmerz der Nicht-Zugehörigkeit fühlen. Sie wäre das einsamste Bewusstsein der Welt.

14. Juni 2023 11:18