Konstantin Ames
geht so
die pute fragte
ob man nach fukushima
noch gedichte schreiben könne
lebt noch
die fische vor fukushima
die pute fragte
ob man nach fukushima
noch gedichte schreiben könne
lebt noch
die fische vor fukushima
Umzug, Umzug, Karneval im leeren Regal.
Diebisch lachen die Freunde diese Nacht,
komische Vögel. Ich trage das Faxgerät,
Geschenk einer Giraffe von Galeristin,
bei der ich zwischen lauter Kartons las,
für die Trödeljäger auf die Straße. Zack,
und weg. Im neuen Garten der Goldregen,
soll giftig sein. Werde ich, irgendwie, testen.
Keine Schonung, ein verwildertes Wäldchen
liegt hinterm Haus für die Zeit unter Kindern.
*
12. April 2021 14:24Unser Zimmer ist leer
Ausgehöhlt von einem Tag ohne Heizung
Es kann nicht genug Stille um uns herum sein
Ferne Klaviere bestätigen das
Der plötzliche Glockenschlag
Wie ungeheuer schwer ist diese Glocke
Und wir –
Messen dem Zeitvergehen eine Leichtigkeit zu, die es nie besessen hat
(Es sind übrigens immer die nahen Glocken, die zuerst aufhören zu läuten
In der Ferne schlagen sie länger)
Heidemarie* auf der Straße getroffen
Ich sah schlimm aus: wollte mir gerade ein Bier vom Kiosk holen
Ungekämmt, schlunzige Klamotten mit Müllresten
(Der Beutel war mir gerissen)
„Wohin gehst du?“
Zart nimmt sie mein Gesicht zwischen ihre Hände
„Zu Männern von Frauen
Die mir zeigen wollen, was sie geschrieben haben“
Momente, in denen das Leben anhält
Und einem eigentlich klar werden müsste
Wie richtig alles war
________________________
* Gibt es Dich noch?
11. April 2021 23:36Süß duftendes Schnee-
gestöber, blüht die Schlehe
am Sonntag im Park.
Die Schlehenblüte
des frisch gefallenen Schnees
am Morgen danach.
we should mesh them together
(Kim Deal)
tief im meer lebte ein kraken
er wude vertrieben aus seinem
garten vom klärschlamm den
london hamburg und andere
unter sich ließen ein walross
als es sah was vor sich ging:
was ist das für ein eiertanz!
um die neunte stunde schrie
der kraken und verschied
ein mann nahm den leib und
wickelte ihn in ein laken
2.28 UTC – Ich lese in Dorothy Bakers Roman Young Man With A Horn. Plötzlich denke ich an Giuseppi Logan ( Hört ihm zu! ) dem ich im Jahr 2010 im Thompkins Square Park persönlich begegnet sein könnte. Viele Tage sind vergangen, seit ich eine Geschichte gelesen habe, von der ich mich sagen hörte, sie sei eine Geschichte, die ich nie wieder vergessen werde, die Geschichte selbst und auch nicht, dass sie existiert, dass sie sich tatsächlich ereignete, eine Geschichte, an die ich mich erinnern sollte selbst dann noch, wenn ich meinen Computer und seine Dateien, meine Notizbücher, meine Wohnung, meine Karteikarten während eines Erdbebens verlieren würde, alle Verzeichnisse, die ich studieren könnte, um auf jene Geschichte zu stoßen, wenn sie einmal nicht gegenwärtig sein würde. Diese Geschichte, ich erzähle eine kurze Fassung, handelt von Giuseppi Logan, der in New York lebt. Er ist Jazzmusiker, ein Mann von dunkler Haut. Logan, so wird berichtet, atme Musik mit jeder Zelle seines Körpers in jeder Sekunde seines Lebens. In den 60er Jahren spielte er mit legendären Künstlern, nahm einige bedeutende Freejazzplatten auf, aber dann war die Stadt New York zu viel für ihn. Er nahm Drogen und war plötzlich verschwunden, manche seiner Freunde vermuteten, er sei gestorben, andere spekulierten, er könnte in einer psychiatrischen Anstalt vergessen worden sein. Ein Mann wie ein Blackout. Über 30 Jahre war Giuseppi Logan verschollen gewesen, bis man ihn in einem New Yorker Park lebend entdeckte. Er existierte damals noch ohne Obdach, man erkannte ihn an seinem wilden Spiel auf einem zerbeulten Saxophon, einzigartige Geräusche. Freunde besorgten ihm eine Wohnung, eine Platte wurde aufgenommen, und so kann man ihn nun wieder spielen hören, live, weil man weiß, wo er sich befindet von Zeit zu Zeit, im Tompkins Square Park nämlich zu Manhattan. Es ist ein kleines Wunder, das mich sehr berührt. Ich will es unter der Wortboje Giuseppi Logan in ein Verzeichnis schreiben, das ich auswendig lernen werde, um alle die Geschichten wiederfinden zu können, die ich nicht vergessen will. – Heute las ich, dass der alte Mann im April 2020 im Lawrence Nursing Care Center in Far Rockaway, Queens während der COVID-19-Pandemie in New York City an den Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion gestorben ist. – stop
für Karin Fellner
Fotographie Jon Rawlinson
„Niemand klang in einem Ensemble so wie
Giuseppi [Logan]. Bei seinem Spiel hielt er seinen Kopf weit zurück;
dazu erklärte er: „Auf diese Art ist meine Kehle weit offen“,
so konnte er mehr Luft einziehen. Er spielte in einem
Umfang von vier Oktaven auf dem Altsaxophon. Was
ihn als Improvisator von anderen unterschied,
war die Art, wie er seine Noten platzierte
und damit einen bestimmten Klang schuf,
dem die anderen der Gruppe dann folgten.
Seine Stücke waren aus diesem Grund sehr
attraktiv; Giuseppi hatte seine ganz eigenen
Ansichten über Musik …“ – Bill Dixon
Es schneit, es schneit das Schwarz
der Straßen weiß, wächtige Welt,
in der kein Weg mehr ist,
niemand hinterlässt noch eine Spur.
Der Soleschweif eines Räumfahrzeugs
schlägt noch einmal hin und her,
dann steht er still, die Stunden
stapfen stadtwärts, sie kehren zurück
und setzen sich ans Fenster,
wo unablässig die Gardinen
zugezogen werden, alles verweißt, verflockt,
alle Geräusche liegen am Boden, bedeckt, begraben,
du hast einen halb aufgeschlagenen Band
mit Frühlingslyrik in der Hand,
Schneepflug, der im Wetterbericht
stecken bleibt, weiterhin Schnee,
er verflaumt, verpudert den Blick,
das Licht beginnt zu erblinden,
hell blinzelt die Nacht durch die Laternen,
wir schlafen und träumen uns weiß,
wir fallen und wirbeln, sind weich
und verweht, wir sind Schnee.
Wer schriftstellernden Zwitscherern folgt, könnte auch Werbebier trinken.
23. März 2021 13:56Sisisi, sagt die Meise, bejaht die Risiken,
die riesige tragikomische Aufführung mit dem Titel
„Immun-Bataillone der Erde“.
Das allgemeine Streben, Strecken humanoider
Hände nach höheren Decken, mit quirligen Instrumenten
werden Sequenzen aus reduplizierten Strängen
zu neuen Sequenzen gelegt.
Am Herd steht Madame und schaut dem Wasser beim Aufkochen zu.
Die ineinander verketteten Moleküle werden zu einem Gewühl.
Wie lang können sie einander festhalten, wann
gleiten wir über die rutschigen Ränder als
schwankende Gestalten, die „Unheil“ und „Heilung“ sagen
oder „die Kranken und Alten“?
Hier wächst ein Hollerzweigle,
hier sitzt die laute Meise
und singt ihr Sisisi.
22. März 2021 15:02
Schlaf Oliver
Der Jäger hat kein Gewehr
Das Reh bleibt heute leben
Sie braten heut nur Reben
Schlaf Oliver
Der Schneider hat kein Scher
Der Stoff bleibt heut am Ballen
Verzähler kehrn Alleen
Schlaf Oliver
Der Wiglaf piept nicht mehr
Sein Seel war einer Krähe
Schulungsraum in der Nähe
Schlaf Oliver
Der Aal hats heute schwer
Er schreibt im Brief: mon cher
Ich wird einfach nicht vert
Schlaf Oliver
∼
17. März 2021 17:27
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