Mirko Bonné
Peinlich Gierig Dummdreist Adolf
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
PEGIDA NACH ALEPPO!
Zeit war es, dass es Zeit war?
Nie war’s Zeit gewesen, nie
würde es Zeit werden. Es war
die Zeit der Spinne, der Schlange.
Sie waren Mauereidechsensekunden,
diese Minuten des Hundertfüßlers, und
wurden endlich zur Heuschreckenstunde,
zu den Zikadentagen. Im Jahr der Agave
lehnten wir schlafend in der Macchia
an einem entzweigegangenen Boot.
*
6. Oktober 2015 15:01Schiffe vor Anker auf der Seine
bei Rouen. Und im Gras am Flussufer
Monet, der die Frachtsegler malt,
dazu drei weitere Bilder,
links Flieder im Sonnenlicht, rechts
Flieder bei trübem Wetter, und wendet er sich
nur zwei Schritte in Richtung Giverny,
dann warten da auf der Böschung
vielleicht zwei Sommer lang
in hellstem Gegenlicht
seine Frau, Camille,
Camille mit grünem Schirm,
ja, und der Junge, Jean, das Gesicht,
den Kopf inmitten vorbeiflutender Wolken.
*
13. August 2015 11:50Der Busch, voll schwarzer Blüten,
mitten im Mohn, als du morgens
vors Haus gehst, in die Grasdünen,
der sonderbar schwarze Strauch
sprüht davon, steigt auf, der Rest
der Nacht rauscht ab in die Bläue,
den vorüberfliegenden neuen Tag.
*
29. Juli 2015 20:47Im Juni nur Regen,
ein Regen, der Regen,
wie Regen, wieder Regen.
Aber dazwischen du, du,
du und du, und du, du,
du und noch mal du,
mit deiner durchsichtigen,
duldsamen, mitunter dunklen,
durch und durch weichen,
warmen und blassen
nassen Haut.
*
4. Juli 2015 14:48Wenn du mit deinem Duft so
zu mir kommst, seh ich deine
jungen Augen, sehe die Zeit
und sehe darin ganz dich.
Wenn du mit deinem Duft
dich zu mir legst, atme ich ihn,
ich atme dich ein, ein Atemglück.
Dann atme ich mich mit dir zurück.
Es wird eine Zeit ohne dich geben,
eine Luftleere und Zeit ohne Atem.
Und eine Zeit wird es geben ohne
mich für dich. Jetzt sind wir hier.
Jetzt aber bin ich hier bei dir.
*
14. Mai 2015 11:22Immer unverblümter, diese wilde Lust,
alt zu sein! Vorauseilender Gehorsam
eines dreibeinigen Terriers im Nebel.
Man hamstert die Weisheit mit jedem
an den Gaumen gepressten Schluck.
In Köln hörte ich einen Straßenkehrer,
der Tauben fütterte, alles Gift der Welt
auf die Brut Luftratten herabwünschen.
In Abwehrhaltung, die Fäuste erhoben,
fragte ich ihn nach dem Weg zum Hotel
und stand dann im Flandrischen Viertel
im selben Zimmer wie vor zehn Jahren.
Glück oder Zufall, überlebt zu haben?
Gleichmütig flogen im leeren Innenhof
Tauben um funkelnd an einer Platane
lehnende Schlafzimmerschranktüren,
eh sie in den Spiegeln verschwanden.
Für Julia Trompeter
*
15. April 2015 11:24Durch den Abend getrabt
als mein eigenes Pferd.
Lief am Fluss entlang,
ging auf die Suche
nach dir und fand dich
nirgends als in Gedanken.
Und zwischen Bäumen, da
standen überall Kinder,
die riefen: Pferd!
Pferd! Wir sind
die Schatten
der Wildgänse.
*
9. März 2015 22:12Überall der Müll des Sommers,
auf jeder Böschung eine Plastikpracht.
Weggeschmissen, plattgetreten, liegen-
gelassen und vergessen die Verpackungen
von mal Dagewesenem, nur nie Zurück-
gekehrtem, Flaschen in allen Farben,
rostzerfressene Dosen, verwaschen eine
Tasche oder zerrissen ein Koffer. Seit Jahren
am Straßenrand abgestellte Autos, Wracks, halb
ausgeschlachtet, halb verfallen, eingekackt, verölt,
beschmiert. Du gehst in die Hocke, als dir auf dem
Asphalt etwas Helles ins Auge fällt, und blickst ein
Götterpüppchen an, das nur einen halben Kopf und
keinen Körper mehr hat, dafür aber auf den Lippen
Aphrodites Lächeln. Im vertrockneten Gras liegen
in Schichten übereinander die Überreste dessen,
was nicht hineinzustopfen war in die Felsspalten
und Nischen der Mauern und der Wände aus
wieder und wieder, wieder und wieder
verbauten Brocken. In Bäumen
gekappte Leitungen, Kabelgezweig.
Am Strand eine Zahnbürstenflut, Schaum
aus Verschlüssen und Deckeln, Kappen
und Stiften, Senkeln, Knöpfen
und verblassten, blinden
Stofftieraugen.
Auf dem griechischen Eiland Symi
nur ein paar Seemeilen vor der türkischen
Küste steht in der Oberstadt des Fischerhafens
ein Haus, dessen Dach, Zimmerwände und Fußböden
wurden von einem das aufgegebene Gemäuer
nach und nach einnehmenden Baum gesprengt.
Die schöne, tief dunkelgrüne Feige wächst wild auf
Unrat und Müll, der zu den Fensterlöchern hinein-
geworfen wird – wie in einen Schacht, in dem
Verfallenmüssen und Leere zusammenfinden
und Zeit und Tod vergehen vor lauter Leben.
*
15. Februar 2015 23:33Ja, in schwarzer Nacht
hat es endlos geschneit!
Und am Morgen da kam
schön wie du ein Licht.
Ja, golden leuchteten
als Sterne alle nackten
Wipfel drüben zwischen
Flussufer und Fenster!
Ja, der Schnee überall!
Ist aus dem Himmel, ist
eine Zusammenzeit, ja
ist das weiße Wunder.
*
2. Februar 2015 22:55