Andreas H. Drescher
Im Garten
Der Kohlweißling über der Garage jetzt
in der ersten Bö des Herbstwinds Sein
Taumeln also nicht mehr nur von innen her
Der Kohlweißling über der Garage jetzt
in der ersten Bö des Herbstwinds Sein
Taumeln also nicht mehr nur von innen her
Im namenlosen Garten schweben unterirdisch zwischen Fältelungen vieler Zeiten
vierdimensionale Spinnennetzkugeln, bewacht von einem namenlosen Mönch, der
die Gespinste bändigt. Das erste Seufzen nach dem Schweigen wird, sie wissen es,
ins Webwerk fahren wie ein Sturm, wird es zerreißen, wie sie wissen. Die Kugeln
könnten, wenn
sie wollten, sich
verständigen
auf einen Pakt:
des stummen Scheidens auf dass sich ihnen Gewebe erhielte
und es unbeschadet tragen ließe ins Dadraußen
wo die Spinnen weben als Wächter der Flächen
sind es siebzehn Stunden bis die dritte Dimension verschwindet
und zusammen
mit der vierten
verkürzt wird
auf die zweite
selbst wenn man vom rand,
von den feldern her kommt,
ist dies eine fortsetzung.
weite versiegelte flächen,
von breiten bürgersteigen
der blick in die tiefe hinein.
wenige passanten befinden
sich hier in der gegend
nächst einem gläsernen dreieck,
das steil aufragend ein hochhaus
durchschneidet, 100 meter, es soll
wohl rapide gewinne beschwören.
kein toter pharao ruht hier, den
göttern gleich, nur der kapitalismus,
die comer group international,
die in immobilien macht. wegen
beachtlichen leerstands ist zusätzlich
ein kulturzentrum untergebracht.
was tun vor so einem monstrum,
als fußgänger, wehrlos und still,
als sehen, wie alles dies scheitert
vor einem zeitlosen himmel
wenn fern in heißer Nacht die Hengste schrein.
wir gingen also stundenlang unterm Mond
und hätten besser beieinander gelegen? Der Weg,
die heiße Naht, die Bäume hinter Stacheldraht,
geknüpft aus Wespen. Tannenhonig gegen
Zucker. In Baden-Baden landete Massu. Der
Adenauer war im Rhein ertrunken
À frémir à l’appel lointain des étalons.
10. September 2012 11:41
2011/12/30 19:14:06-19:14:35 Im namenlosen Garten
… und der Übermut ihn in seiner Übung überrollte und verführte, Visitenkarten auszutauschen! Unbesonnenes Zukunftszüngeln! Voreiliger Gegenwartsbeschluss! Wohin verrannte sich der Kippelnde in sturztrunkenem Vorgriff!
Fort, fort, schnell hinaus in den namenlosen Garten, hingelegt und hochgeschaut in die Lichtreflexe verglühter Vorvergangenheiten und Visiten abgestattet einer Zeit, die keiner Lebenden gewärtig war und meditierte in sich selbst … !
9. September 2012 11:23Über Nacht, so scheint es, über Nacht
sind alle Blüten gekommen. Die Bienen
schwärmen aus, sie fliegen, beschwingt
vom ersten dünnen Aprillicht über den
silbernen Rollbahnen. Wissen Bienen,
dass die schöne Saumseligkeit eine
vorgetäuschte ist?
mmmmm mmmmmFlughafenbienen!
Erhöhte Schadstoffbelastung der Luft
lässt sie in ihren Kästen bleiben, Licht,
Duft weitgereister Flugbegleiterinnen,
den Margeriten in Kübeln zum Trotz.
Fliegen die Bienen, fliegen Maschinen.
Über Nacht, so scheint es, über Nacht.
und manchmal kann ich mich beim Zittern fassen,
und mach mal die Wiese zu einem Zopf
für jedes Wetter. Wer mich zitiert, nimmt sich
gleich den Mund voll Erde. Das Gras wächst überall,
blond, ein Flachs, das Laub kaufst du bei
Lidl, um es im Herbst zu streuen
Et parfois je me prends, dans la nuit chaude et sombre,
7. September 2012 10:38
Seid froh, dass es Gott gibt,
sagt die Vierjährige,
weil der auf die verlorenen
Kinder aufpasst.
Im Frühjahr sehen wir einen Buchfink,
aus dem Nest gefallen.
Kindlicher Rebell, zerzaust,
mit Glubschaugen, die um Hilfe betteln.
Was wird daraus?, fragt die Kleine.
Wir gehen weiter.
Nach ein paar Schritten zupft sie an meiner Hand.
Ich weiß, sagt sie. Das wird ein großer Vogel.
Jetzt ist es so weit. Jetzt ist es dahingekommen, dass der Teilnehmer des Sesshin in dummem Jubelschweigen dankbar ergeben die Bereitschaft des namenlosen Mönchs zur Entgegennahme eines Geschenkes empfängt und sich überschwemmt in Freude. Freude über den positiven Bescheid seines Antrags, dem seitens des namenlosen Mönchs die Ankündigung eines beim Teilnehmer bald eintreffenden, wiewohl etwas verspäteten Neujahrsgrußes vorausging. Und nicht nur die Einwilligung ist es, die im Lauffeuer
nun durch die Blutbahnen zischelt, sondern eher noch der so günstig ergriffene Moment der Antragstellung, gleichsam ersprossen aus der Rede des namenlosen Mönchs – und der Teilnehmer mag sich daran künftig lediglich in An- und Abführungszeichen erinnern: „Man muss, auch wenn man
im Konzentrationslager ist, die Schönheit des Sonnenstrahls auf dem Gewehrlauf genießen.„ Äußerst zweifelhaft, prekär und heikel klang das nun schon wiederholt bemühte Wort des Konzentrationslagers in den Ohren des Teilnehmers. Gern hätte er darauf hingewiesen, es hätte
einer Überspitzung des Beispiels nicht bedurft, und auch das Wort vom Blatt auf dem Boden, das mit jedem Luftzug sich verändere und dem Staunen des Betrachters neue Rätsel aufgebe, hätte ihm vollauf genügt. Doch klüglich – und im Inneren bestrebt, das intensive Üben am Mitgefühl nicht zu vernachlässigen, verstummte sein Bedarf an Debatte, und er freute sich so sehr an der Schönheit des Sonnenstrahls auf der Nase des namenlosen Mönchs, dass er ihm ein Geschenk anzutragen sich spontan entschloss.
4. September 2012 01:44