Andreas Louis Seyerlein

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0.02 – Wie würde Hannah Arendt über das Wagnis der Öffentlichkeit formulieren in unserer Zeit, in einer Zeit, da Menschen ohne jede Scheu und in gut begründeter Voraussicht, zutiefst verletzt zu werden, mit Worten, Bildern, Filmen öffentlich in intimste Winkel ihrer Seelen leuchten? Einmal, als Computer noch mittels Transistorröhren rechneten, bemerkt sie mit ihrer tiefen, rauen Stimme, das Wagnis der Öffentlichkeit sei für eine Person nur möglich im Vertrauen auf die Menschlichkeit der Menschen selbst. /

montauk

> particles

18. Juli 2009 20:58










Hartmut Abendschein

Martin Walser im Bodensee (Untersee)

(Jugendbild, Scan)

16. Juli 2009 22:45










Hans Thill

Kulinarisches Aquarium gesehen mit den Augen von Marion Poschmann
und mit der Hand von Anja Stehling

und mit der Hand von Anja Stehling

16. Juli 2009 11:30










Carsten Zimmermann

kopfloses selbstporträt mit wasserglas

ksmw

15. Juli 2009 17:12










Andreas Louis Seyerlein

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0.02 – Kurz nach Mitternacht, das Ende eines federleichten Tages, an dem ich, gegen den Morgen zu, eine feine Geschichte erlebte. Das war nämlich so gewesen, dass meine Hand, meine rechte Hand, während ich schlief, das Bett verlassen hatte. Sie schwebte, indem ich träumte, von einem Gewitter angerufen worden zu sein, fast bewegungslos über dem Boden und wurde in dieser Haltung nach einer Erinnerung zärtlich fotografiert, weil ich vor einigen Monaten notiert hatte, dass ich, wenn ich sage: meine schlafenden Hände, von Händen spreche, die ich nie gesehen habe. Dieser Satz ist nun natürlich nicht ganz unwahr geworden, weil ich immerhin noch keine Ahnung habe, wie meine linke Hand aussehen könnte, während sie schläft. Außerdem habe ich meine schlummernde Hand nicht selbst gesehen, mit eigenen Augen, wahrhaftig, in echter Zeit, sondern zeitverzögert und durch das Auge einer Kamera gebändigt. – Stunden voll Freude vor mich hin gestaunt.
schlafhand

> particles

15. Juli 2009 16:21










Mirko Bonné

Auskünfte einer Echse

Im New Yorker Metropolitan Museum

Was bist du für ein merkwürdiges Ding,
dort auf dem Fuß dieser Marmorfigur?
Sie hat keinen Kopf und keine Arme,
aber Brüste, eine Scham, und steinern
schimmert alles durch Gaze aus Stein.
Würdest du mich ansehen statt nur sie,
du wüßtest, was ich bin.
Du scheinst mir
eine Eidechse zu sein, aber eine blaue?
Ich bin ein Gecko. Richtig, ein Gecko,
allerdings aus Plastik. Was tust du da,
auf dem Fuß von – wer ist sie? Aphrodite.
Ganz Kluge nennen sie Venus Genetrix.
Was soll ich schon tun? Ich liege, warte,
und ich bin nicht aus Plastik.
Sondern?
Aus Gummi. Darf man dich anfassen?
Mich ja, sie nicht, sonst kommen Wärter.
Ist sie sehr alt? 1900 Jahre, fast. Und du?
Fabrikware, Shanghai. Da ist nichts alt.
Wer hat … sie geschaffen, meinst du?
Lies, was da steht.
In Bronze goss sie
Kallimachos etwa 500 v. Chr., in Stein
kopierte sie ein Römer, wer, unbekannt.
Sie wurde oft kopiert, jedoch nicht so oft
wie ich. Mich gibt es acht Millionen Mal,
ungefähr.
Wer hat, wollte ich wissen, dich
hier liegen lassen? Ein kleines Mädchen.
Bestimmt weint es jetzt. Mandy Polasky?
Nein. Es war ihre Entscheidung. Aphrodite
sollte nicht einsam sein, und in dem Kiosk
im Bronx Zoo kauft mich ihre Mutter neu,
keine Sorge.
In der Bronx? Für drei Dollar
gibt es mich in jedem Zooladen zu kaufen.

Hergestellt wirst du für 10 Cent, mehr nicht,
schätz ich. 13 Cent. Die Verschiffung treibt
den Preis in die Höhe.
Geckos fliegen nicht?
In Schiffscontainer passe ich eine Million Mal.
Warum sieht dein Schwanz wie ein Blatt aus?
Weil ich ein Blattschwanzgecko bin. Nie gehört?
Nein. Uroplatus. Irgendwie kann ich die Augen
nicht von ihrem Umhang lassen. Ganz als wäre
die Luft ein Windhauch aus Stein. Ist ihr Chiton,
das Unterkleid. Früher, als sie noch Hände hatte,
hob sie den Zipfel ihres Umhangs, den Himation,
mit der Rechten an.
Und ihre Linke? Die hielt –
was wohl?
Einen blauen Gecko. Einen Apfel.
Ob sie wohl je so was wie dich gesehen hat?
Blattschwanzgeckos leben auf Madagaskar.
Du hast Schlitzpupillen. Um die Zeit die Welt
zerteilen zu sehen.
Und kugelförmige Zehen!
Sind Haftzehen. Würde ich leben, ich könnte
am Fenster Gottes kleben und schlafen, blau,
wie ich bin.
Ja, warum bist du eigentlich blau.
Blick durch die Urwaldwipfel auf Madagaskar,
und, was meinst du, sieht man am Horizont?

Noch mehr Wald? Afrika! Den blauen Ozean.
Komm, ich nehm dich mit, ich bin aus Europa,
von Hamburg ist es nicht weit bis nach Athen.
Lass mich liegen, ich warte lieber. Auf wen?
Etwa Mandy Polasky? Worauf auch immer.

*

13. Juli 2009 11:58










Björn Kiehne

Meerblau

Ich will das Meer,
den Wellenschlag in
deinen Augen.
Ich will ganz
Ozeanien auf meinen Schultern,
salzige Flügel, ein Leben in Meerblau.
Ich will, wenn der Wind sich dreht,
am rechten Ufer warten,
warten auf deine Möwenarme,
die den Walschrei tragen,
in einer Silberschale
aus Gischt.

12. Juli 2009 12:39










Gerald Koll

Vier Minuten

gearld1

> ALL TOGETHER NOW

11. Juli 2009 19:39










Thorsten Krämer

Interiors

Nennen wir es eine fraktale Ästhetik, dieser bis ins Kleinste verfolgte Wille zum Design, die immer neuen Oberflächen. Die Kippschalter aus Bakelit, die Tischlampe im 70er-Jahre-Orange, der Plattenspieler, dessen Optik noch aus einer Zeit stimmt, als Scratching gerade erst erfunden wurde. Auf dem niedrigen Regal ein großformatiges gerahmtes Plakat, das den Elvis-Kult ins Pixel-Zeitalter überführt: verschiedene Plattencover, aufgelöst in Farben und Bildpunkte, übertragen auf neue Produkte wie Schachteln und T-Shirts, irgendwie cool und irgendwie clever. Dahinter der Sichtbeton, davor das Fahrrad als Kunstgegenstand, mit abgeschraubtem Sattel und Schottenmuster-Hülle für die Mittelstange. Durch die Speichen hindurch sind die Bücher im Regal sichtbar: Bildbände über Design und moderne Architektur, die passenden Zeitschriften ordentlich gesammelt in neutralen Pappschubern. In einer der nächsten wird auch dieser Raum enthalten sein.

11. Juli 2009 12:49










Kerstin Preiwuß

Den Vögeln ergeht es wie den Menschen: sie fangen an zu pendeln. Der Habicht brütet mittlerweile in der Stadt. Weil dort nicht genügend Platz für alle ist, wandern in der Stadt aufgezogene Junghabichte aufs Land aus, um dort ein Jagdrevier zu erobern. Manche Habichte allerdings entscheiden sich für beide Lebensräume. Sie pendeln zwischen Stadt und Land. Ein Habichtmännchen aus einem Hamburger Park sieht man regelmäßig bei Jagdausflügen in Wald und Feld der Umgebung.

8. Juli 2009 15:55










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