Björn Kiehne
In den Morgenstunden, als ich
dein Kind war, hielt ich das Ohr
dicht an die Erde,
hörte ein Rauschen.
Musste lernen, allein zu sein,
um ihnen zu lauschen,
an ihren Ufern zu gehen,
die niemand sah außer mir.
Die Gedanken gingen mit,
dass aus mir nichts wird,
ich niemandem genüge, stecken-
bleibe in meinen Möglichkeiten.
Aber auch die Ahnung,
dass die Welt einen Riss
hat, durch den ein
Versprechen flüstert:
Da sind Flüsse,
die auf dich warten
und ein Meer.
Da sind Flüsse,
die auf dich warten
und ein Meer.
Da sind Flüsse,
die auf dich warten
und ein Meer.
8. April 2024 07:50
Mirko Bonné
À une raison
Un coup de ton doigt sur le tambour décharge tous les sons et commence la nouvelle harmonie.
Un pas de toi, c’est la levée des nouveaux hommes et leur en-marche.
Ta tête se détourne : le nouvel amour ! Ta tête se retourne, — le nouvel amour !
« Change nos lots, crible les fléaux, à commencer par le temps », te chantent ces enfants. « Élève n’importe où la substance de nos fortunes et de nos vœux » on t’en prie.
Arrivée de toujours, qui t’en iras partout.
An eine Vernunft
Ein Schlag deines Fingers auf die Trommel entlädt alle Töne und beginnt die neue Harmonie.
Ein Schritt von dir ist das Erwachen neuer Menschen und ihres Aufbruchs.
Dein Kopf wendet sich ab: die neue Liebe! Dein Kopf wendet sich zu – die neue Liebe!
„Wandle unsere Lose, sieb aus die Geißeln, angefangen mit der Zeit“, singen diese Kinder dich an. „Hebe, gleich wo, den Gehalt unserer Geschicke und Wünsche“, darum bitten wir dich.
Gekommen von je, die du wirst sein überall.
*
13. März 2024 21:04
Karin Fellner
Dann sagte jemand: Feld von der Liebe bestellt.
Hat Liebe das Feld geordert? Gerodet? Angeordnet?
Welche Feldlinien zeigt Ihre Hand, werte Liebe,
wonach sind sie ausgerichtet, wohin krümmen sie sich?
Als Kind wurdest du durch Kummer und Trutz gezogen
und nu trete ich hinzu mit meinen armen Armen
und will daraus Flügel ableiten.
Wieso heißt das: Himmels-„Zelt“?
Sphären steigen durch Sphären, biegen ab, verschwinden.
Wir betrachten ihre nicht nachvollziehbaren
Manöver auf dem Radar.
Die sprunghaften Felder des Staubs, Staub auf dem
Spielplatz, Staub auf den Mohnkapseln, Staub in unsren
Gehirnen, dazwischen leere Schaukeln.
Werte Liebe, wir sehen Ihr Labrum, Ihr Labium zittern,
die blauen und grünen Flecke,
wir tragen sie.
Liebe, Libelle, wir legen uns so und so aneinander,
wenn die Dichte sich ändert, Halme, auch diese Felder,
sagt jemand, gehen in großer
Entfernung gegen Null.
(aus dem frisch erschienenen Gedichtband „Polle und Fu“, parasitenpresse 2024)
24. Februar 2024 14:11
Tihomir Popovic
sein graben zugeschüttet
hinter dem ofenhäuschen
die kleine pforte
zahnlos
und vergesslich
wir lassen eine flasche
karlowitzer weißen
vor der tür
schreiben eine nachricht
auf rosenblätter
fast fuhr der wagen
ohne uns weiter
in memoriam Djordje Popovic
17. Februar 2024 12:43